Die Ausgangslage: Verharren im Ist-Zustand
Viele Menschen kennen Gedanken wie: „Wenn ich dieses und jenes hätte oder könnte, dann würde ich…“ Kennen Sie? Auch Sie haben – wie jeder Mensch – Ziele, Wünsche, Sehnsüchte. Trotzdem verharren viele nur in der Gegenwart, träumen und verändern dadurch nichts. Oft, weil sie überzeugt sind, dass ihnen noch etwas Entscheidendes fehlt, um ihr Ziel zu erreichen und in die Tat umzusetzen – z.B. Geld, Fähigkeiten, Beziehungen oder wichtige Voraussetzungen. Der psychologische Effekt hierbei ist jedoch eine klassische Selbstblockade: So kommen sie keinen Schritt weiter – weder im beruflichen noch im privaten Bereich. Genau diese Bremse kann die Als-ob-Technik lösen.
Wie funktioniert die Als-ob-Technik?
Bei der Als-ob-Technik tun Sie einfach so, als ob Sie schon wären, wer oder wie Sie sein möchten. Oder als ob Sie schon erreicht hätten, was Sie sich vorgenommen haben. Dazu nehmen Sie in erster Linie eine andere Perspektive ein (auch „Stellvertreterrahmen“ genannt) und stellen sich vor, wie eine Person handeln würde, die Sie als Vorbild betrachten (siehe: Raikov-Methode). Im Grunde besteht die Technik nur aus drei Schritten:
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Zielbild entwickeln
Überlegen Sie zuerst, welche Eigenschaft, Rolle oder Veränderung Sie erreichen möchten – z.B. gelassener reagieren, besser präsentieren oder Vorsätze umsetzen.
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Verhalten ableiten
Fragen Sie sich dann: Wie würde ich handeln, wenn ich dieses Ziel schon erreicht hätte? Daraus entstehen konkrete Verhaltensweisen, etwa erstmal tief durchatmen, aufrechter stehen und klarer sprechen oder Aufgaben sofort beginnen.
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Als ob handeln
Setzen Sie dieses Verhalten anschließend bewusst im Alltag um – so, als wären Sie bereits die Person, die Sie werden möchten. Mit der Zeit stärken Sie dadurch neue Gewohnheiten, Ihr Selbstbild und Ihr Auftreten.
Als-ob-Technik Beispiel
Nehmen wir zum Beispiel an, Sie hätten gerne mehr Selbstvertrauen. Dann überlegen Sie sich, worin sich dieses neue Selbstvertrauen im Alltag zeigen könnte. Stellen Sie sich vor, wie Sie genau solche Situationen meistern – also tun Sie so, als ob Sie bereits super selbstbewusst wären und sich entsprechend anders verhalten. Nun imitieren Sie exakt dieses Verhalten. Der Effekt ist jedoch, dass sich das sofort auf Ihre Umgebung auswirkt – und sich die Menschen Ihnen gegenüber ebenfalls anders verhalten: positiver, respektvoller. Es entsteht eine Aufwärtsspirale, bei der Sie tatsächlich immer selbstbewusster werden.
Ursprung und Prinzip hinter der Als-ob-Technik
Das Konzept der Als-ob-Technik geht auf den Philosophen Hans Vaihinger zurück und ist heute ein zentrales Werkzeug im Neuro-Linguistischen-Programmieren (NLP). Vaihinger interessierte seinerzeit, ob man durch falsche Annahmen zu richtigen Ergebnissen gelangen könne. Für ihn stand fest, dass solche Annahmen eine „nützliche Fiktion“ seien. Dem Kommunikationswissenschaftler und Psychotherapeuten Paul Watzlawick zufolge funktioniert die Als-ob-Technik nach dem Prinzip der selbsterfüllenden Prophezeiung. Deshalb wird sie bis heute gerne im Coaching sowie von Motivationstrainern angewendet. Im Englischen ist sie ebenso als „As if frame“ bekannt. Denselben Gedanken greift auch folgender Spruch auf: „Fake it till you make it“, also: „Mach es nach, bis du es wirklich bist.“
Leitfragen für die Als-ob-Methode
Die Als-ob-Technik können Sie ebenfalls zur Problemlösung einsetzen. Statt endlos zu grübeln, machen Sie den ersten Schnitt mit der Methode und setzen etwas in Gang. Wichtige Leitfragen für die Als-ob-Technik können etwa sein:
- Wer ist hierfür ein perfektes Vorbild?
- Wie würde diese Person an meiner Stelle handeln?
- Wie sähe die perfekte Lösung aus?
- Welche Teil-Fähigkeiten beherrsche ich bereits?
- Wie fühle ich mich im Erfolgsfall?
- Woran erkenne ich, dass das Ziel erreicht ist?
- Was wird dann anders sein?
- Wer sieht mein ideales Ich aus?
Wofür eignet sich die Als-Ob-Technik?
Die Als-ob-Technik eignet sich vor allem für Situationen, in denen Sie Ihr Denken, Auftreten oder Verhalten gezielt verändern möchten. Sie hilft dabei, mehr Selbstvertrauen aufzubauen, neue Gewohnheiten zu entwickeln und Ziele konsequenter zu verfolgen. Wer zum Beispiel selbstsicherer präsentieren, mutiger Entscheidungen treffen oder disziplinierter arbeiten will, handelt bewusst so, als ob diese Eigenschaft bereits vorhanden wäre. Dadurch entsteht ein positiver Trainingseffekt: Mit jedem entsprechenden Verhalten wächst die Wahrscheinlichkeit, dass Sie sich tatsächlich sicherer, mutiger oder motivierter fühlen.
Alltagstipps für den As-If-Frame
Um die Als-ob-Technik wirklich erfolgreich zu nutzen, müssen Sie jedoch früher oder später Ihre Komfortzone verlassen. Die bloße Vorstellung reicht nicht. Das wäre doch wieder nur Träumerei. Gleichzeitig geht es bei der simulierten Realität bzw. Fiktion nicht darum, zu lügen oder hochzustapeln. Vielmehr imaginieren Sie für sich bereits den Idealzustand – und bewegen sich so automatisch mutiger darauf zu –, so, als ob Sie nicht scheitern könnten. Aus der Psychologie haben wir noch einige praktische Tipps gesammelt, die Ihnen bei der Anwendung helfen:
1. Lächeln Sie mehr
Aus diversen Studien ist bekannt, dass über das Imitieren eigene Gefühle verändert werden können. Bestes Beispiel dafür ist das Lächeln. Warum wir lächeln oder lachen, interessiert unser Gehirn nicht. Dabei werden trotzdem jedes Mal Glückshormone ausgeschüttet, mit dem Effekt, dass wir glücklicher und motivierter werden (siehe auch: Facial-Feedback-Hypothese).
2. Richten Sie sich auf
Eine gerade Körperhaltung sendet nicht nur Signale an unser Gegenüber, sondern genauso an die eigene Psyche. Sie kennen das vielleicht aus unseren Tipps für das Vorstellungsgespräch oder von sogenannten „Power Posen“: Mit gerader Wirbelsäule, gehobenem Kopf und geöffneten Schultern wirken Sie sofort souveräner, präsenter und gewinnen selbst an Energie und Entschlossenheit.
3. Kleiden Sie sich passend
Kleider machen Leute – das ist nicht bloß ein Spruch! Es stimmt: Kleidung wirkt und prägt sowohl den ersten Eindruck als auch das eigene Auftreten. Die englische Redewendung „Dress for success“ drückt das perfekt aus: Kleiden Sie sich so, wie Sie sich einen Gewinner vorstellen – jemand, der schon geschafft hat, was Sie noch erreichen wollen.
4. Wechseln Sie Ihre Sprache
Katastrophensprecher sind auch Katastrophendenker. Worte machen etwas mit Ihnen und Ihren Gedanken. Wenn Sie z.B. immer nur negativ von sich denken, oder immerzu nur das Schlechte in Ihren Mitmenschen sehen, werden Sie irgendwann nur noch von Problemen und Feinden umgeben sein. Streichen Sie deshalb Wörter aus Ihrem Sprachschatz wie „vielleicht“, „eventuell“, „gegebenenfalls“, „möglicherweise“ oder „eigentlich“. Auch die Verwendung des Konjunktivs sollte sparsam erfolgen: „hätte“, „könnte“, „würde“ macht aus Ihrem bestimmten Ziel und Vorsatz nur noch eine vage Möglichkeit.
5. Handeln Sie als ob
Ohne Umsetzung kein Erfolg. An dieser Stelle müssen Sie endgültig raus aus der Komfortzone und einfach mal wagen, was Sie sich bislang vorgestellt oder manifestiert haben. Entscheidend ist am Ende immer die Umsetzung der Vorstellung in die Tat. Beispiel: Was gehört zum Geselligsein? Genau: andere Menschen zu treffen! Verabreden Sie sich also einfach mal spontan, stellen Sie sich bei Veranstaltungen zu anderen Leuten dazu – lächeln Sie. Je häufiger Sie dieses neue Verhalten an den Tag legen, desto selbstverständlicher wird es für Sie.
Bei aller Begeisterung: Die Als-ob-Technik bleibt natürlich ein Balanceakt zwischen Selbstüberschätzung und realistischen Optimismus. Es geht weniger darum, zu denken, dass Sie schon alles wissen oder können. Vielmehr geht es um die Tendenz und eine positive Einstellung zu sich selbst. Das hat übrigens eine ganz ähnliche Wirkung wie Placebos in der Medizin.
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