Crowdworker: So viel verdienen sie wirklich

Crowdworker konkurrieren im Netz um Aufträge – manchmal um hochkomplexe Design- oder Programmiertätigkeiten, manchmal um simple Mikrojobs. Von Letzteren versprechen sich vor allem Geringverdiener, Azubis oder Studenten leicht verdiente Euros nebenher. Aber lässt sich das große Geld machen? Was verdienen Crowdworker im Schnitt? Was sich hinter Crowdworking verbirgt, welche Vor- und Nachteile es hat…

Crowdworker: So viel verdienen sie wirklich

Was sind Crowdworker?

Crowdworker DefinitionCrowdworker arbeiten als Freelancer. Jeder hat mal von Seiten wie „Uber“ oder „Myhammer“ gehört, aber die wenigsten machen sich Gedanken darüber, was sich dahinter verbirgt.

Die Besonderheit der Crowdworker – ihre Tätigkeit wird Crowdworking genannt – liegt darin, dass sie Aufträge für die Masse annehmen. Daher leitet sich der Begriff Crowdworker auch ab: Englisch crowd bedeutet Masse, worker bedeutet Arbeiter.

Häufig arbeiten Crowdworker im Homeoffice, anhand der Beispiele Uber und Myhammer ist jedoch ersichtlich, dass das nicht zwingend der Fall ist.

Bis 2014 wurde Crowdworking, so das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), lediglich von drei Prozent der Unternehmen in Deutschland genutzt. Tendenz derzeit stark steigend. Angesprochen werden vor allem …

  • Designer
  • Programmierer
  • Kreative im Allgemeinen

Berufsbild Crowdworker: So arbeiten sie

Aufgaben über das Internet an externe Arbeitskräfte vermitteln – das Phänomen Crowdworking ist auf dem Vormarsch. Oft können die Arbeiten vom eigenen Laptop oder Smartphone aus erledigt werden. Vorreiter ist Amazons US-Plattform Mechanical Turk, in Deutschland sind es Portale wie…

  • Clickworker,
  • Test IO,
  • Streetspotr
  • CrowdGuru,
  • Freelancer oder AppJobber.

Bis zu 32 solcher Portale gibt es laut der Gewerkschaft IG Metall. Auftraggeber sind mitunter sehr namhafte Unternehmen wie Rewe, Telekom oder Honda. Nicht selten handelt es sich dabei um Mikrojobs, reine Fleißarbeiten, die im Prinzip jeder ausführen kann, zum Beispiel:

  • Produktdaten erfassen und recherchieren
  • Kurze Texte (Rezensionen, Bildbeschreibungen) schreiben
  • Preisschilder im Supermarkt prüfen
  • Onlinefragebögen ausfüllen
  • Adressen abtippen
  • Kleinere Videoaufnahmen anfertigen

Noch stellen sie eine kleine Minderheit der arbeitenden Bevölkerung dar: Gerade mal ein Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland sind laut Bundesarbeitsministerium als Crowdworker tätig.

Der durchschnittliche Crowdworker in Deutschland

Hier setzt der Forschungsbericht des ZEW an, der Motive, Hintergrund und Arbeitsbedingungen der Crowdworker untersucht hat. Zwischen Februar und März 2015 sammelte das ZEW insgesamt 408 ausgefüllte Fragebögen von Mikrojobbern.

Dabei beschränkt sich die Analyse auf zwei Plattformen – eine für stationäres Crowdworking, eine für mobiles Crowdworking. Beim mobilen Crowdworking werden die Arbeitsaufträge über das Smartphone ausgeschrieben, die physische Mobilität der Jobber wird dabei vorausgesetzt.

Um welche beiden Plattformen es sich genau handelt, sagt das ZEW nicht. Nur so viel, dass andere Crowdworking-Plattformen sich an der Untersuchung nicht beteiligen wollten, die ganze Bandbreite an Portalen damit von der Studie nicht abgedeckt werden kann.

Folgende Aussagen lassen sich über Crowdworker anhand der Studie treffen:

  • Alter

    Der typische Crowdworker ist jung, das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 29 Jahre. Die Hälfte ist zwischen 20 und 29 Jahre alt. Ältere sind deutlich unterrepräsentiert. So sind lediglich 0,3 Prozent der Crowdworker älter als 60, nur 2,8 Prozent befinden sich in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen.

  • Geschlecht

    Crowdworker sind überwiegend männlich. In der ZEW-Erhebung sind 65,3 Prozent der Mikroarbeiter Männer, 34,7 Prozent Frauen.

  • Familienstand

    Die meisten Crowdworker sind Singles. 75,7 Prozent der Befragten gaben als Familienstatus „ledig“ an. 21,4 Prozent sind verheiratet, 2,1 Prozent geschieden und 0,8 Prozent verwitwet. Und: 26,1 Prozent leben alleine.

  • Beschäftigung

    Wer Mikrojobs im Internet übernimmt, tut dies meist, um sich ein Zubrot zu verdienen. Rund 39 Prozent der Crowdworker gehen in erster Linie einer abhängigen Beschäftigung nach, circa 31 Prozent befinden sich noch in der Ausbildung oder im Studium. Nur acht Prozent von ihnen sind selbstständig. Und lediglich sieben Prozent der Befragten gaben an, arbeitslos zu sein. Weitere zwei Prozent befinden sich in Elternzeit, Mutterschutz, Rente oder Vorruhestand.

  • Schulabschluss

    Der Bildungsgrad der Crowdworker ist vergleichsweise hoch. 41 Prozent der Befragten können sich mit einem Hochschulabschluss schmücken. Über Lehre oder Facharbeiterabschluss verfügen 28 Prozent. Fast 95 Prozent haben mindestens einen mittleren Bildungsabschluss in der Tasche, davon 30 Prozent die mittlere Reife, 65 Prozent sogar Abitur. Nur fünf Prozent weisen einen Hauptschulabschluss auf beziehungsweise streben diesen erst noch an.

Rechnet man sämtliche Tätigkeiten der Crowdworker zusammen, also Hauptbeschäftigung und Microtasks, dann arbeitetet rund die Hälfte von ihnen mindestens 40 Stunden pro Woche. Jeder Zehnte kommt sogar auf mehr als 50 Stunden. 18 Prozent arbeiten dagegen weniger als zehn Stunden in der Woche.

Die Zahl der Aufträge, die ein Crowdworker im Durchschnitt bearbeitet, ist dabei vergleichsweise gering. Im Median haben die Befragten in den letzten sechs Monaten 25 Aufträge abgearbeitet. Es gibt aber auch Intensivjobber. Fast fünf Prozent führten im vergangenen Halbjahr nach eigenen Angaben mehr als 250 Mikrojobs aus, rund vier Prozent sogar mehr als 500.

Möglicher Verdienst durch Crowdworking

Jetzt die wesentliche Aussage: In ein üppiges Nebengehalt münden derlei Tätigkeiten nur in den seltensten Fällen. 65 Prozent der Crowdworker erhalten pro Auftrag ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1,99 Euro. 16 Prozent gaben an, pro Auftrag drei Euro oder mehr zu verdienen.

Zu bedenken dabei: Manche Aufträge dauern nicht länger als fünf Minuten, für andere benötigt man eine halbe Stunde oder sogar noch länger. Bei ungefähr der Hälfte aller Mikroaufträge gehen zwischen fünf und 15 Minuten von der Uhr. Legt man nun 1,99 Euro pro 15 Minuten zugrunde, ist der Stundenlohn zwar halbwegs auf Mindestlohnniveau – von einem lohnenswerten Nebenverdienst lässt sich aber nicht sprechen.

Pro Woche verdienen die meisten befragten Crowdworker maximal 4,99 Euro. Nur drei Prozent können sich über einen wöchentlichen Bonus von 20 Euro und mehr freuen. Auch für die Crowdworker, die auf mehreren Plattformen aktiv sind, lohnt sich die Tätigkeit kaum.

68 Prozent von ihnen generieren ein durchschnittliches wöchentliches Nettoeinkommen von maximal 19 Euro. Immerhin 14 Prozent geben ein wöchentliches Einkommen von 50 Euro und mehr an. Und ein verschwindend kleiner Teil von 0,8 Prozent der Befragten verbucht sogar einen Betrag von mehr als 500 Euro im Monat.

Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Auftrag

0 bis 0,99 Euro1 bis 1,99 Euro2 bis 2,99 Euro3 bis 4,99 Euroab 5 Euro
35,8 Prozent29,4 Prozent19,2 Prozent13,6 Prozent1,9 Prozent


Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Woche über die Plattform

Bis 0,50 Euro0,50 bis 0,99 Euro1 bis 1,99 Euro2 bis 4,99 Euro5 bis 9,99 Euro10 bis 19,99 EuroÜber 20 Euro
5,3 Prozent7,1 Prozent20,8 Prozent35,3 Prozent19,6 Prozent8,5 Prozent3,3 Prozent


Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Woche über mehrere Plattformen

0 bis 9 Euro10 bis 19 Euro20 bis 49 Euro50 bis 99 Euro100 bis 499 EuroÜber 500 Euro
44,0 Prozent24,0 Prozent17,6 Prozent8,0 Prozent5,6 Prozent0,8 Prozent
[Quelle: ZEW)]


Vor- und Nachteile als Crowdworker

Wer sich für eine Tätigkeit als Crowdworker interessiert, sollte zuvor die Vor- und Nachteile sorgfältig abwägen:

Vorteile

Vorteile Crowdworker

  • Vielfalt

    Ein entscheidender Vorteil als Crowdworker ist die Vielfalt der Jobs. Um nur ein paar Beispiele zu nennen: Neben Recherche können Programmieraufgaben, das Sammeln von Geodaten, Texte erstellen, Designaufgaben bis hin zu Nachhilfe oder buchhalterischen Tätigkeiten gefragt sein. Als Crowdworker können sich die Aufträge selbst aussuchen und als eine Art Hobby in den Alltag einbinden. Wer breit aufgestellt ist, hat eine Menge Abwechslung.

  • Flexibilität

    Nicht umsonst geht die Mehrzahl der Crowdworker einer Teilzeitarbeit nach – so lässt sich die restliche Zeit flexibel planen. Geeignet für Arbeitnehmer, die Angehörige pflegen oder Kinder versorgen müssen.

  • Praxis

    Für Studierende und Berufsanfänger kann die Arbeit als Crowdworker eine gute Gelegenheit sein, praktische Erfahrungen in dem Bereich zu sammeln, in dem sie später tätig werden wollen. Absolventen haben mitunter Schwierigkeiten, unmittelbar nach dem Studienabschluss eine Festanstellung ohne Berufserfahrung zu finden. Als Studierender lässt sich das meist kärgliche Bafög aufbessern.

Nachteile

Nachteile Crowdworker

  • Verdienst

    Zum einen sind die Honorare für Mikrojobber teils mikroskopisch klein. Zum anderen lassen sich die Aufträge sehr schlecht planen, auch das Einkommen pro Woche oder Monat ist de facto unkalkulierbar. Ausnahmen sind lediglich komplette Projekte, die allerdings seltener vorkommen.

  • Absicherung

    Die Mehrheit der Crowdworker scheint Umfragen zufolge die Unabhängigkeit sehr zu schätzen. Die Schattenseite: Wer als selbständig gilt, ist nicht wie bei einer Festanstellung automatisch über den Arbeitgeber versichert. Heißt…

  • Unbeständigkeit

    Die Kehrseite der Flexibilität ist eine gewisse Unbeständigkeit, die sich im Lebenslauf widerspiegelt – zumindest, wer hauptberuflich als Crowdworker arbeitet. In dem Fall könnte es abschreckend auf potenzielle Arbeitgeber wirken, sofern Sie irgendwann eine Vollzeitbeschäftigung in Festanstellung planen.

Kritik an der Erwerbsform

Für Firmen liegen die Vorteile dieser Beschäftigungsform ziemlich klar: Statt einen festangestellten Mitarbeiter beschäftigen zu müssen, können sie je nach Bedarf Aufträge ausschreiben. Statt regelmäßige Sozialversicherungsbeiträge zahlen zu müssen, wird diese Verantwortung komplett an den Crowdworker ausgelagert.

Und nicht nur das: Er ist ebenfalls für die notwendigen Rahmenbedingungen zuständig, heißt: Er muss die entsprechende Technik (Laptop oder Smartphone) nebst entsprechenden Programmen stellen, selbst dafür Sorge tragen, dass er versichert ist. Wer hauptberuflich noch woanders festangestellt ist, ist darüber versichert.

Andere sind über ihren Ehepartner oder als Student noch familienversichert. Solange Crowdworking ein netter Nebenverdienst ist, funktioniert das. Gewerkschaften und Arbeitsrechtler machen sich vor allem Sorge, dass mit dieser Form der Erwerbstätigkeit neue Tagelöhner geschaffen werden.

Für die Crowdworker selbst scheint überwiegend die Freiheit und Selbständigkeit im Vordergrund zu stehen. Mangelnde Qualifizierungsmöglichkeiten sind gemäß einer Studie (PDF) von der Hans-Böckler-Stiftung für einige ein Kritikpunkt.

Auch macht es einen Unterschied, was für Aufträge ein Crowdworker an Land zieht beziehungsweise in welcher Branche er seine Dienste anbietet: Demnach hatten Designer die geringste Arbeitszufriedenheit laut der Studie.

Kein Wunder: Sie treten mit oftmals halbfertigen Entwürfen in den Wettbewerb mit anderen Crowdworkern – derjenige, der den Zuschlag bekommt, sahnt ab – Arbeit hatten die anderen zuvor dennoch.

[Bildnachweise: Branislav Nenin by Shutterstock.com ]
23. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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