Crowdworker: So viel verdienen sie wirklich

Crowdworker konkurrieren im Netz um Aufträge – manchmal um hochkomplexe Design- oder Programmiertätigkeiten, manchmal um simple Mikrojobs. Von Letzteren versprechen sich vor allem Geringverdiener, Azubis oder Studenten leicht verdiente Euro nebenher. Aber wie viel springt dabei wirklich heraus? Was verdienen Crowdworker? Eine Umfrage des ZEW liefert erste Hinweise …

Crowdworker: So viel verdienen sie wirklich

Crowdworker: Peanuts?

Aufgaben über das Internet an externe Arbeitskräfte vermitteln – das Phänomen Crowdworking ist auf dem Vormarsch. Vorreiter ist Amazons US-Plattform Mechanical Turk, in Deutschland sind Clickworker, Freelancer oder AppJobber drei Portale von vielen.

Bis 2014 wurde Crowdworking, so das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), lediglich von drei Prozent der Unternehmen in Deutschland genutzt. Tendenz aber: stark steigend. Angesprochen werden vor allem …

  • Designer
  • Kreative im Allgemeinen
  • Programmierer

Crowdworker So arbeiten sie

Aber auch für Mikrojobs, die im Prinzip jeder ausführen kann, gibt es einen Markt: Produktdaten erfassen und recherchieren, kurze Texte schreiben oder Preisschilder im Supermarkt prüfen.

Hier setzt der Forschungsbericht des ZEW an, der Motive, Hintergrund und Arbeitsbedingungen der Crowdworker untersucht hat. Zwischen Februar und März 2015 sammelte das ZEW insgesamt 408 ausgefüllte Fragebögen von Mikrojobbern. Dabei beschränkt sich die Analyse auf zwei Plattformen – eine für stationäres Crowdworking, eine für mobiles Crowdworking. Beim mobilen Crowdworking werden die Arbeitsaufträge über das Smartphone ausgeschrieben, die physische Mobilität der Jobber wird dabei vorausgesetzt.

Um welche beiden Plattformen es sich genau handelt, sagt das ZEW nicht. Nur so viel, dass andere Crowdworking-Plattformen sich an der Untersuchung nicht beteiligen wollten, die ganze Bandbreite an Portalen damit von der Studie nicht abgedeckt werden kann. Dennoch liefern die Zahlen für alle Interessierten brauchbare Anhaltspunkte …

Crowdworker in Deutschland: Das sind sie

  • Alter

    Der typische Crowdworker ist jung, das Durchschnittsalter der Befragten beträgt 29 Jahre. Die Hälfte ist zwischen 20 und 29 Jahre alt. Ältere sind deutlich unterrepräsentiert. So sind lediglich 0,3 Prozent der Crowdworker älter als 60, nur 2,8 Prozent befinden sich in der Altersgruppe der 50- bis 59-Jährigen.

  • Geschlecht

    Crowdworker sind überwiegend männlich. In der ZEW-Erhebung sind 65,3 Prozent der Mikroarbeiter Männer, 34,7 Prozent Frauen.

  • Familienstand

    Die meisten Crowdworker sind Singles. 75,7 Prozent der Befragten gaben als Familienstatus „ledig“ an, 21,4 Prozent sind verheiratet, 2,1 Prozent geschieden und 0,8 Prozent verwitwet. Und: 26,1 Prozent leben alleine.

  • Beschäftigung

    Wer Mikrojobs im Internet übernimmt, tut dies meist, um sich ein Zubrot zu verdienen. Rund 39 Prozent der Crowdworker gehen in erster Linie einer abhängigen Beschäftigung nach, ca. 31 Prozent befinden sich noch in der Ausbildung oder im Studium. Nur acht Prozent von ihnen sind selbstständig. Und lediglich sieben Prozent der Befragten gaben an, arbeitslos zu sein. Weitere zwei Prozent befinden sich in Elternzeit, Mutterschutz, Rente oder Vorruhestand.

  • Schulabschluss

    Der Bildungsgrad der Crowdworker ist vergleichsweise hoch. 41 Prozent der Befragten können sich mit einem Hochschulabschluss schmücken. Über Lehre oder Facharbeiterabschluss verfügen 28 Prozent. Fast 95 Prozent haben mindestens einen mittleren Bildungsabschluss in der Tasche, davon 30 Prozent die mittlere Reife, 65 Prozent sogar Abitur. Nur fünf Prozent weisen einen Hauptschulabschluss auf bzw. streben diesen erst noch an.

Rechnet man sämtliche Tätigkeiten der Crowdworker zusammen, also Hauptbeschäftigung und Microtasks, dann arbeitetet rund die Hälfte von ihnen mindestens 40 Stunden pro Woche. Jeder Zehnte kommt sogar auf mehr als 50 Stunden. 18 Prozent arbeiten dagegen weniger als zehn Stunden in der Woche.

Die Zahl der Aufträge, die ein Crowdworker im Durchschnitt bearbeitet, ist dabei vergleichsweise gering. Im Median haben die Befragten in den letzten sechs Monaten 25 Aufträge abgearbeitet. Es gibt aber auch Intensivjobber. Fast fünf Prozent führten im vergangenen Halbjahr nach eigenen Angaben mehr als 250 Mikrojobs aus, rund vier Prozent sogar mehr als 500.

Crowdworker: Das verdienen sie

Jetzt die wesentliche Aussage: In ein üppiges Nebengehalt münden derlei Tätigkeiten nur in den seltensten Fällen. 65 Prozent der Crowdworker erhalten pro Auftrag ein durchschnittliches Nettoeinkommen von 1,99 Euro. 16 Prozent gaben an, pro Auftrag drei Euro oder mehr zu verdienen.

Zu bedenken dabei: Manche Aufträge dauern nicht länger als fünf Minuten, für andere benötigt man eine halbe Stunde oder sogar noch länger. Bei ungefähr der Hälfte aller Mikroaufträge gehen zwischen fünf und 15 Minuten von der Uhr. Legt man nun 1,99 Euro pro 15 Minuten zugrunde, ist der Stundenlohn zwar halbwegs auf Mindestlohnniveau – von einem lohnenswerten Nebenverdienst lässt sich aber nicht sprechen.

Pro Woche verdienen die meisten befragten Crowdworker maximal 4,99 Euro. Nur drei Prozent können sich über einen wöchentlichen Bonus von 20 Euro und mehr freuen. Auch für die Crowdworker, die auf mehreren Plattformen aktiv sind, lohnt sich die Tätigkeit kaum. 68 Prozent von ihnen generieren ein durchschnittliches wöchentliches Nettoeinkommen von maximal 19 Euro. Immerhin 14 Prozent geben ein wöchentliches Einkommen von 50 Euro und mehr an. Und ein verschwindend kleiner Teil von 0,8 Prozent der Befragten verbucht sogar einen Betrag von mehr als 500 Euro im Monat.

Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Auftrag

0 bis 0,99 Euro1 bis 1,99 Euro2 bis 2,99 Euro3 bis 4,99 Euroab 5 Euro
35,8 Prozent29,4 Prozent19,2 Prozent13,6 Prozent1,9 Prozent


Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Woche über die Plattform

Bis 0,50 Euro0,50 bis 0,99 Euro1 bis 1,99 Euro2 bis 4,99 Euro5 bis 9,99 Euro10 bis 19,99 EuroÜber 20 Euro
5,3 Prozent7,1 Prozent20,8 Prozent35,3 Prozent19,6 Prozent8,5 Prozent3,3 Prozent


Arbeit über mehrere Crowdworking-Plattformen: Durchschnittliches Nettoeinkommen pro Woche über alle Plattformen

0 bis 9 Euro10 bis 19 Euro20 bis 49 Euro50 bis 99 Euro100 bis 499 EuroÜber 500 Euro
44,0 Prozent24,0 Prozent17,6 Prozent8,0 Prozent5,6 Prozent0,8 Prozent
[Quelle: ZEW)]


Crowdworker: Teils Mikrohonorare

Zum Einen sind die Honorare für Mikrojobber teils mikroskopisch klein. Zum Anderen lassen sich die Aufträge sehr schlecht planen, auch das Einkommen pro Woche oder Monat ist de facto unkalkulierbar.

Aber es gibt auch Vorteile: Crowdworker können sich die Aufträge selbst aussuchen, flexibel arbeiten und als eine Art Hobby in den Alltag einbinden. Das gaben die meisten Befragten auch als größte Pluspunkte an.

Wer aber ein nennenswertes Nebeneinkommen erzielen will oder muss, für den sind Mikrojobs keine Lösung.

[Bildnachweise: Branislav Nenin by Shutterstock.com ]
8. August 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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