Crowdworking: Mikrojobs im Netz

Bequem von zu Hause aus über das Internet Geld verdienen? Ist das seriös möglich? Ja – mit Crowdworking. Bei diesem Ansatz vergeben Unternehmen und Auftraggeber Arbeit über Online Portale und kaufen Leistungen günstig ein. Für Unternehmen und Dienstleister ein unkomplizierter und schneller Kommunikations- und Arbeitsweg. Bei den Aufträgen handelt es sich meist jedoch nur um kleine Aufgaben, so genannte Mikrojobs, die entsprechend gering honoriert werden. Kritiker bezeichnen Crowdworker daher auch als „Digitale Tagelöhner“. Wir zeigen, wann sich Crowdworking lohnt und was zu beachten gilt…

Crowdworking: Mikrojobs im Netz

Crowdworking: Eine Definition

Crowdworking ist – zumindest in Deutschland – verhältnismäßig neu. So allgegenwärtig das Internet ist, so schwer tut sich der eine oder andere damit, das Prinzip des Crowdworkings zu verstehen. Das Gabler Wirtschaftslexikon beschreibt das Wesen des Crowdworkings so:

Einzelne Aufgaben, die bisher intern bearbeitet wurden, werden an eine Vielzahl von Nutzern oder Interessenten ausgelagert und häufig in Form eines Wettbewerbes ausgeführt.

Aufgaben werden von Unternehmen – oder auch Einzelunternehmern – an Dienstleister über Online Portale vergeben. Auf diesen Portalen werden die Aufträge, mit mehr oder weniger detaillierten Beschreibungen, eingestellt und alle dort registrierten Crowdworker können sich darauf bewerben. Der Auftraggeber entscheidet schlussendlich, wer den Zuschlag erhält.

Auftrag und Dienstleister kommen als in einem auf Freiwilligkeit basierenden Prozess zusammen. Für Unternehmen sind die so eingekauften Dienstleistungen oft deutlich günstiger als klassische Dienstleister. Crowdworker schätzen an dieser Arbeitsform vor allem die Selbstbestimmung und Flexibilität.

Jeder entscheidet selbst, ob er oder sie sich auf einen Auftrag bewirbt und wie und wann die gewonnen Aufträge umgesetzt werden. Theoretisch können Crowdworker auch am karibischen Strand arbeiten. Der eine oder andere tut das, nach eigener Aussage, auch.

Naturgemäß bringt das flexible und ungewöhnliche Modell des Crowdworkings das deutsche Arbeitsrecht an sein Grenzen. Gewerkschaften wie die IG Metall beobachten das Phänomen kritisch, sehen jedoch auch positive Seiten.

Die Herausforderung aus Gewerkschaftssicht: Auf einem noch recht neuen Gebiet faire Spiel- und Arbeitsregeln für alle Beteiligten zu schaffen. Ein Thema, das auch für (angehende) Crowdworker relevant ist.

Crowdworking Plattformen: Tipps für die Auswahl

Wer sich für die Arbeit als Crowdworker interessiert wird schnell feststellen, dass es zahlreiche Crowdworkingplattformen gibt. Portale wie beispielsweise Clickworker sind recht breit aufgestellt und bieten Aufgaben in allen Bereichen. Andere Anbieter wie Textbroker oder Content.de konzentrieren sich ganz auf die Erstellung von Texten und Inhalten. Das von uns bereits getestete Portal 99designs verfolgt beispielsweise einen Designschwerpunkt.

Neben der thematischen Ausrichtung sollten angehende Crowdworker bei der Wahl der passenden Plattform noch weitere Aspekte beachten. Die wichtigsten Fragen lauten:

  • Passen Richtlinien und Vorgaben des Portals zu meinen Vorstellungen?
  • Gibt es zeitliche Vorgaben und Einschränkungen für Aufträge?
  • Welche Unternehmen suchen auf den Plattformen?
  • Erfülle ich alle Voraussetzungen des Portals?
  • Welche Rolle soll Crowdworking für mich und meine Arbeit spielen?
  • Bringe ich Fähigkeiten mit, die auf der Plattform gefragt sind?
  • Wie regelmäßig und häufig kommen neue Aufträge dazu?

Je nach individueller Situation können natürlich noch weitere Faktoren eine Rolle spielen. Es kann sinnvoll sein, ein Portal einige Zeit zu beobachten oder sich mit einem eigenen Account testweise auf verschiedenen Aufträge zu bewerben. So können Crowdworker ein Gefühle für die Plattform und die Auftraggeber entwickeln.

Crowdworking: Wann und für wen es sich lohnt

Auf Unternehmensseite ist die Lage recht einfach: Crowdworking bietet die Möglichkeit, einfache Aufgaben auszulagern und Dienstleistungen günstiger einzukaufen. Für (angehende) Crowdworker ist die Sache jedoch nicht ganz so klar.

Zwar handelt es sich meist nur um kleinere oder nicht allzu anspruchsvolle Aufgaben, doch diese nehmen dennoch Zeit in Anspruch, Dazu kommt, dass die Qualität der erbrachten Arbeit stimmen muss, wenn Crowdworker auf Folgeaufträge hoffen.

Für den Einstieg gilt: Bei einfachen Aufgaben lohnt sich Crowdworking nur mit genug Masse. Wer dutzende einfache Aufgaben pro Tag erledigen kann, kann sich damit angenehmes Zubrot verdienen.

Bei anspruchsvolleren Aufgaben – beispielsweise der Erstellung von Texten oder Grafiken – entscheiden Erfahrung, Qualität und (leider) auch der Preis.

Die Erfahrung zeigt, dass nur weniger Freiberufler rein von Crowdworking Aufträgen leben können. Crowdworking kann jedoch ein hervorragender Weg sein um das eigene Portfolio aufzubauen und sich, bei geringer Auftragslage, einige Euro dazu zu verdienen.

Für Arbeitnehmer können die Mikrojobs im Netz ein flexibles Nebeneinkommen sein, mit dem sich zusätzliche Anschaffung bezahlen oder finanzielle Spielräume schaffen lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig.

Bei all diesen Möglichkeiten sollten Crowdworker jedoch an einige Punkte denken:

  • Die Einnahmen aus Crowdworking sind steuerpflichtig und müssen angegeben werden.
  • Crowdworking ist frei- oder nebenberufliche Arbeit.
  • Der Arbeitgeber muss Crowdworking – wie jeder Nebentätigkeit – zustimmen.
  • Die Regeln der Portale sind bindend. Daher ist es sinnvoll, diese im Vorfeld genau zu studieren.
  • Auch wenn Crowdworking leicht verdientes Geld sein kann sollten Crowdworker eine Aufwand-Nutzen-Rechnung durchführen. Es kann durchaus sein, dass ein klassischer Nebenjob attraktiver ist.

Crowdworking besticht vor allem durch die flexible und selbstbestimmte Arbeitsweise. Wer sich in seinem Nebenjob nicht zeitlich binden oder als Freiberufler einige Euro Leerlaufzeit sinnvoll nutzen will, ist hier richtig. Primär von Crowdworking Aufträgen zu leben kann jedoch harte Arbeit sein.

Unterstützung für Crowdworker

Wer sich als Crowdworker betätigen will wird schnell feststellen, dass es aktuell nur wenige Regeln und kaum allgemein gültige Vorgaben gibt. Eine Anlaufstelle für (angehende) Crowdworker – sowohl im Blick auf Informationen als auch den Erfahrungsaustausch – bietet die Crowdcommunity.

Wer beim Crowdworking auf unfaire Arbeitsbedingungen oder Probleme trifft, kann sich auf dem Fair Crowdwork Portal der IG Metall nicht nur informieren sondern auch melden und Beratung in Anspruch nehmen.

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[Bildnachweis: Tahir3 by Shutterstock.com]
1. Dezember 2015 Autor: Christian Mueller

Christian Müller ist Coach und freier Autor. Bei der Karrierebibel schreibt er vor allem über Themen zu Social Media, Studium und Ausbildung.

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