Virtual Personal Branding: Karriere im virtuellen Team

Es ist ein Problem zunehmend globaler und virtueller Teams: Sie arbeiten mit wechselnder Zusammensetzung und gemeinsam an Projekten, ohne sich jedoch physisch je zu sehen oder zu treffen, geschweige denn mal einen Kaffee zusammen zu trinken. Diese Teams sind über die Welt verteilt und konspirieren allein per Chat-Modul, Videokonferenzen, E-Mails, Telefon. Es ist ein kollaboratives, aber überwiegend digitales Arbeiten. Schon heute existieren diese Teams in Banken und Konzernen – und stellen Chefs wie Mitarbeiter vor neue Herausforderungen: Wie positioniert man sich in solchen Teams? Welche Soft Skills sind entscheidend? Wie macht man dort Karriere?

Virtual Personal Branding: Karriere im virtuellen Team

Virtual Personal Branding

In den meisten Artikeln über virtuelle Teams geht es um die Arbeit selbst:

  • Welche technischen Tools eignen sich dafür?
  • Wie wird die Arbeit organisiert?
  • Wie stimmen sich alle ab und fügen die Teilschritte zusammen?

Es sind die Fragen danach, wie alle ihre Dinge geregelt kriegen. Doch kaum einer macht sich Gedanken darüber, wie sich die Mitarbeiter in diesen virtuellen Bürogemeinschaften selbst positionieren und weiterentwickeln, kurz: Karriere machen können.

Und wie kann der Chef dabei Leistungsträger identifizieren, die er nur aus Mails, Telefonaten oder Videomeetings kennt?

Sicher, hier und da mag es im Jahr mal ein Treffen geben. Aber gerade wenn sich diese Teams aus Kollegen aus verschiedenen Kontinenten zusammensetzen, wären die Reisekosten immens. Auch der Chef und Teamleiter könnte hier nicht ständig um die Welt jetten, um seine Mitarbeiter persönlich zu führen.

Doch wenn sich keiner persönlich kennt, außer eben von Chats oder Videokonferenzen, wenn keiner wirklich weiß, wie der andere arbeitet, was ihn antreibt, ist es nicht leicht zu erkennen, welcher Mitarbeiter welche Potenziale hat. Und vor allem für welche künftigen Aufgaben?

In solchen kollaborativen Teams gewinnen auf einmal andere Fähigkeiten und Soft Skills Bedeutung, um sich zu positionieren, die in klassischen Teams eher zweitrangig sind:

  • Wie kann der Kollege schreiben, E-Mails formulieren, die empathisch und motivierend sind?
  • Wie gibt sich der Mitarbeiter in den Videokonferenzen: Kann er moderieren? Überzeugen? Vermitteln?
  • Kann er gut chatten – also Wesentliches auf wenige Worte konzentrieren?
  • Und wird er dabei – auch über Kultur- und Sprachgrenzen hinweg – verstanden?

Natürlich spielen solche kommunikativen Fähigkeiten auch im klassischen Arbeitsalltag eine Rolle. Doch gerade beim kollaborativen Arbeiten bekommt die schriftliche Kommunikation und Ausdruckssicherheit ein viel größeres Gewicht. Zumal sich in Chats und E-Mails Konflikte viel leichter aufschaukeln und zum Auftakt einer digitalen Vendetta mutieren können.

Am Ende bleiben einem – neben den Arbeitsergebnissen selbst natürlich – nur diese Bühnen, um sich im Job und Unternehmen einen Namen zu machen und sich weiterzuempfehlen. Womöglich für einen eigenen Teamleiterposten.

Virtual Personal Branding: Mit E-loquenz überzeugen

Doch genau hierin liegt ein weiteres Dilemma, das dem Peter-Prinzip stark ähnelt:

Wer im virtuellen Team brilliert und mit E-loquenz überzeugt, mag vielleicht der nächste gute virtuelle Teamleiter sein. Aber wäre so jemand auch eine gute Führungskraft im realen Raum. Dort nämlich empfinden es Mitarbeiter meist gar nicht gut, wenn der Chef mit ihnen nur per Modul kommuniziert. Dort sind der persönliche Kontakt und offene Türen viel wichtiger – erst recht, wenn die Wege kurz sind.

Tatsächlich steht das Management hier nicht nur vor einem Wandel der Arbeitsweisen und -formen. Es steht genauso vor ganz neuen Herausforderungen der individuellen Führung und Talententwicklung. Und nicht zuletzt sind es auch die Arbeitnehmer selbst, die sich diesen Herausforderungen stellen müssen.

Die Gefahr ist, im virtuellen Raum nur noch (s)einen Job zu machen – gut zwar, vielleicht sogar exzellent, aber die persönliche Weiterentwicklung und Karriere bleiben dabei auf der Strecke.

Haben Sie damit schon Erfahrungen gemacht? Wie lauten Ihre Empfehlungen?

[Bildnachweis: Sentavio by Shutterstock.com]
11. Juni 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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