Virtual Personal Branding: Karriere im virtuellen Team

In immer mehr Unternehmen werden die Möglichkeiten und Vorzüge moderner Arbeitsweisen genutzt. Virtuelle Teams spielen dabei eine immer größere Rolle. Teilweise arbeiten Kollegen in wechselnder Zusammensetzung gemeinsam an Projekten, ohne sich physisch zu treffen oder in einem gemeinsamen Büro zu arbeiten. Dadurch wird Virtual Personal Branding besonders wichtig. Denn Mitarbeiter müssen sich eine wichtige Frage stellen: Wie positioniere ich mich in Teams und im Unternehmen, wenn der Kontakt ausschließlich digital über Mails, Telefon oder Videokonferenzen funktioniert? Ohne Virtual Personal Branding leidet möglicherweise der langfristige Erfolg und die Karriere kommt zum Stillstand. Was Virtual Personal Branding bedeutet, warum es im modernen Arbeitsumfeld so große Bedeutung hat und wie es Ihnen gelingt, Ihre virtuelle Eigenmarke zu gestalten…

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Virtual Personal Branding: Karriere im virtuellen Team

Definition: Was ist Virtual Personal Branding?

Beim klassischen Personal Branding geht es darum, sich einen bestimmten Ruf im Unternehmen zu erarbeiten, ein Image beim Arbeitgeber aufzubauen und so zur Eigenmarke zu werden – Ihr Chef soll Ihnen klare Attribute zuschreiben, um Ihr Know How wissen und Sie als wertvollen, verantwortungsbewussten und engagierten Mitarbeiter wahrnehmen, der zu den Experten auf seinem Gebiet zählt.

Diese Wahrnehmung können Sie am Arbeitsplatz gezielt beeinflussen. Indem Sie morgens als erster kommen und abends nach allen anderen gehen, prägen Sie beispielsweise den Eindruck eines besonders fleißigen Mitarbeiters. Viele dieser Möglichkeiten fallen in modernen Arbeitsformen jedoch weg – und genau hier kommt das Virtual Personal Branding ins Spiel.

Es beschreibt das Image, das Sie auf virtuellem Weg aufbauen – über Telefonate, Videokonferenzen oder andere digitale Kooperationsformen. In vielen Branchen, Berufen und Teams ist es längst Alltag, dass Kollegen im Homeoffice arbeiten oder quer über den gesamten Globus verteilt sind. Wer sich positionieren und beim Chef ein gutes Image aufbauen will, kann dies nur über Virtual Personal Branding tun.

Virtual Personal Branding ist somit das Bild, das Sie von sich, Ihrer Arbeitsweise, Ihrer Kompetenz und Ihrer Einstellung vermitteln, während Sie digital zusammenarbeiten.

Virtual Personal Branding: Darum ist es so wichtig

Es gibt zahlreiche Artikel – auch bei uns – die sich mit verschiedenen Aspekten der digitalen Zusammenarbeit befassen. Meist geht es dabei um…

  • technische Tools und Voraussetzungen
  • Arbeitsorganisation
  • Kommunikation und Absprache im Team

All diese Punkte sind natürlich wichtig und auch wird oft und zurecht von den vielen Vorteilen der virtuellen Kooperation geschwärmt – allerdings bleibt eine Frage oft außen vor und damit unbeantwortet: Wie können sich Mitarbeiter in solch virtuellen Bürogemeinschaften positionieren, weiterentwickeln, kurz: Karriere machen?

Ohne die gemeinsame Arbeit am Arbeitsplatz müssen sich Leistungsträger auf andere Weise hervorheben und das eigene Image beim Chef prägen. Ohne Virtual Personal Branding geht es nicht. Schon bei Anwesenheit ist es leicht, in der Masse der Kollegen unterzugehen. Noch viel größer ist das Risiko, in der digitalen Zusammenarbeit zum gesichtslosen Angestellten zu werden.

So zeigen beispielsweise Studien, dass Beförderungen und Gehaltserhöhungen häufiger an die Mitarbeiter gehen, die vor Ort arbeiten – seltener an diejenigen im Homeoffice. Mit Leistung hat das nichts zu tun, sondern mit der Wahrnehmung des Chefs, der die Leistungen der anwesenden Mitarbeiter sieht und höher einschätzt. Um diesem Schicksal zu entgehen, müssen Sie Virtual Personal Branding betreiben und den Ruf eines wichtigen und leistungsstarken Mitarbeiters haben.

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Tipps für Ihr Virtual Personal Branding

In vielen vornehmlich virtuellen Teams gibt es durchaus auch persönlichen Kontakt, allerdings ist dieser eher die Ausnahme. Wenn die Kollegen in unterschiedlichen Ländern oder gar Kontinenten arbeiten, sind die Reisekosten schlichtweg zu hoch und auch Chefs und Teamleiter können in einer solchen Situation nicht ständig um die Welt reisen, um sich ein persönliches Bild von allen Mitarbeitern zu machen und diese zu führen.

So bleibt die große Herausforderung des Virtual Personal Branding der Aufbau einer persönlichen Reputation auf digitalem Weg. Wenn man sich nur über Telefon oder Videokonferenzen kennt, keiner genau weiß, wie der andere Arbeit oder was diesen antreibt und auch, welcher Mitarbeiter welche Potenziale hat – auch für zukünftige Aufgaben – ist es Ihre Aufgabe bein Virtual Personal Branding, die Wahrnehmung des Chefs bestmöglich zu prägen.

Wir haben einige Tipps gesammelt, mit denen Sie Ihr Virtual Personal Branding vorantreiben:

  • Überzeugen Sie durch konstante Leistungen

    Bei digitalen Teams sieht der Chef nicht so genau, wie Sie arbeiten – er sieht jedoch die Ergebnisse. Und genau damit müssen Sie regelmäßig überzeugen. Konstant gute Leistungen und eine hohe Arbeitsqualität fallen auch dann auf, wenn Sie nicht im Büro nebeneinander sitzen.

  • Präsentieren Sie andere Fähigkeiten

    In solch kollaborativen Teams gewinnen für das Virtual Personal Branding neben Ihren fachlichen Kompetenzen auch andere Fähigkeiten und Soft Skills an Bedeutung. Treten Sie kommunikationsstark auf? Zeigen Sie sich empathisch? Können Sie andere motivieren?

    Während der digitalen Zusammenarbeit können Sie sich beispielsweise auch als Moderator für Videokonferenzen präsentieren. Nutzen Sie die Gelegenheiten, die sich Ihnen bieten, um Ihre Stärken in den Vordergrund zu rücken. Gerade kommunikative Fähigkeiten lassen sich für das Virtual Personal Branding nutzen, da die Kommunikation untereinander in virtuellen Teams noch einmal deutlich größeres Gewicht hat.

  • Suchen Sie den Austausch mit dem Chef

    Wollen Sie Ihr Image dem Chef oder Teamleiter gegenüber stärken, hilft der direkte Kontakt und Austausch. Nicht nur innerhalb von Gruppenchats oder gemeinsamen Videokonferenzen, sondern auch in Gesprächen unter vier Augen. Bitten Sie beispielsweise um ein kurzes Feedbackgespräch zu einer Ihrer Leistungen.

    Das hat gleich zwei Vorteile: Zum einen präsentieren Sie noch einmal Ihre (hoffentlich guten) Leistungen und fallen gleichzeitig durch das persönliche Gespräch noch einmal besonders auf. Ein wichtiger Aspekt im Virtual Personal Branding, um aus der Masse der Kollegen hervorzustechen.

  • Bringen Sie neue Ideen ein

    Eine gute Möglichkeit für erfolgreiches Virtual Personal Branding sind Ideen, Verbesserungsvorschläge und Problemlösungen. Egal ob ein gutes Konzept für einen wichtigen Kunden gebraucht wird oder Sie einen Einfall haben, um die Abläufe zu optimieren – wenn Sie gute Ideen einbringen, merkt das Ihr Chef auch in virtueller Zusammenarbeit. Am besten nutzen Sie die Gelegenheit in einer Videokonferenz, um den größten Effekt zu erzielen.

  • Entwickeln Sie Expertise

    Für Ihr Virtual Personal Branding gilt: Große Expertise auf einem Gebiet ist der vielleicht beste Weg, um die richtige Reputation beim Chef aufzubauen. Geht es um ein bestimmtes Thema, sollte der Chef sofort an Sie und Ihr Know How in dem Bereich denken.

    Dafür müssen Sie natürlich das nötige Fachwissen haben, kontinuierlich ausbauen und aktualisieren. Gleichzeitig müssen Sie das Virtual Personal Branding aber auch vorantreiben, indem Sie Ihre Expertise präsentieren und einbringen.

[Bildnachweis: fizkes by Shutterstock.com]
25. März 2020 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt mehr als 20 Jahre als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.



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