Zoom-Fatigue: 7 Tipps gegen Videokonferenz-Erschöpfung

Viele Videokonferenzen hintereinander können erstaunlich anstrengend sein: Die Konzentration sinkt, die Augen werden müde und nach dem letzten Call fehlt Energie für die eigentliche Arbeit. Dieses Phänomen heißt Zoom-Fatigue. Woran Sie die Videokonferenz-Erschöpfung erkennen, warum sie entsteht und was wirklich dagegen hilft – inklusive kurzem Selbstcheck…

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Definition: Was ist Zoom-Fatigue?

Zoom-Fatigue bezeichnet die Müdigkeit und Erschöpfung während oder nach häufigen und langen Videokonferenzen. Das Phänomen wird auch Videokonferenz-Erschöpfung oder Online-Müdigkeit genannt und kann bei Zoom ebenso auftreten wie bei Microsoft Teams, Webex oder anderen Videokonferenz-Systemen. Diese ist inzwischen auch wissenschaftlich gut belegt: Studien der FH Oberösterreich und TU Graz konnten den negativen Effekt durch neurophysiologische Daten per EEG und EKG nachweisen.

Der Begriff verbindet den Namen der Videokonferenz-Software Zoom mit dem französischen Wort „Fatigue“ für Müdigkeit oder Erschöpfung. Das Institut für Arbeit und Gesundheit der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) beschreibt Zoom-Fatigue als ein Gefühl der Ermüdung und Erschöpfung durch Online-Konferenzen. Zoom-Fatigue ist aber keine eigenständige Krankheit oder medizinische Diagnose. Gemeint ist eine spezifische Erschöpfungsreaktion im Zusammenhang mit Videokonferenzen.

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Zoom-Fatigue: Welche Symptome sind typisch?

Videokonferenz-Erschöpfung zeigt sich nicht nur durch Müdigkeit. Wissenschaftler der Stanford University entwickelten die Zoom Exhaustion & Fatigue Scale (ZEF Scale). Das wissenschaftliche Messinstrument unterscheidet fünf Bereiche: allgemeine, visuelle, soziale, emotionale und motivationale Erschöpfung.

Typische Symptome sind:

  • Allgemeine Erschöpfung

    Nach mehreren Videokonferenzen fühlen Sie sich müde, ausgelaugt und weniger leistungsfähig.

  • Visuelle Ermüdung

    Die lange Bildschirmarbeit kann müde oder gereizte Augen begünstigen.

  • Emotionale Erschöpfung

    Sie fühlen sich nach Videomeetings gereizt, angespannt oder emotional ausgelaugt.

  • Motivationsverlust

    Nach dem Call fehlt Ihnen die Energie für weitere Aufgaben und Aktivitäten.

  • Soziale Erschöpfung

    Nach zahlreichen Videokonferenzen wächst der Wunsch nach Ruhe und weniger sozialer Interaktion.

Konzentrationsprobleme können hinzukommen: Je länger ein Meeting dauert und je mehr Aufmerksamkeit die virtuelle Kommunikation verlangt, desto schwieriger kann es werden, dem Gespräch fokussiert zu folgen.

Zoom-Fatigue-Test: Bin ich betroffen?

Für eine schnelle Selbsteinschätzung brauchen Sie keinen langen Fragebogen. Denken Sie an einen typischen Arbeitstag mit Videokonferenzen und beantworten Sie folgende Aussagen mit „Ja“ oder „Nein“:

  • Nach mehreren Telemeetings bin ich deutlich erschöpfter als vorher.
  • Meine Augen fühlen sich nach Video-Calls müde oder angestrengt an.
  • Mit jedem weiteren Online-Meeting fällt mir die Konzentration schwerer.
  • Nach Videokonferenzen bin ich häufiger gereizt oder ausgelaugt.
  • Nach einem Tag mit vielen Video-Calls fehlt mir Motivation für andere Aufgaben.
  • Ich finde es anstrengend, mich im Meeting ständig selbst zu sehen.
  • Mehrere direkt aufeinanderfolgende Video-Calls belasten mich besonders.

Auswertung des Zoom-Fatigue-Tests

  • 0-2 Haken: Bei Ihnen gibt es aktuell nur wenige Hinweise auf eine stärkere Videokonferenz-Erschöpfung.
  • 3-4 Haken: Achten Sie darauf, welche Situationen Sie besonders ermüden. Oft helfen bereits weniger Meetings, Pausen oder das Ausblenden der Selbstansicht.
  • 5-7 Haken: Ihre Videomeetings scheinen Sie deutlich zu belasten. Prüfen Sie insbesondere Anzahl, Dauer, Meetingdichte und Kameranutzung.

Hinweis: Der Check dient nur der persönlichen Orientierung und ist keine medizinische Diagnose. Einen ausführlicheren Zoom-Fatigue-Check-Up bietet die DGUV kostenlos an.

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Was sind die Ursachen von Zoom Fatigue?

Warum Videokonferenzen besonders anstrengend sein können, untersuchte der Stanford-Kommunikationswissenschaftler Jeremy Bailenson. In seiner Analyse zur nonverbalen Überlastung beschreibt er vier mögliche Mechanismen: ungewöhnlich intensiven Blickkontakt, höhere Anforderungen an die nonverbale Kommunikation, die permanente Selbstansicht und eingeschränkte Bewegungsfreiheit. Bailenson formulierte diese Punkte jedoch als Erklärungsansätze, nicht als bewiesene Ursachen:

  • Intensiver Blickkontakt

    In der Galerieansicht sehen Sie zahlreiche Gesichter gleichzeitig. Je nach Bildschirmgröße erscheinen diese zudem aus ungewöhnlich geringer Distanz. Anders als bei einem normalen Meeting entsteht dadurch über längere Zeit der Eindruck permanenter Aufmerksamkeit.

  • Mehr kognitive Arbeit

    Gestik, Mimik und andere nonverbale Signale sind am Bildschirm schwieriger wahrzunehmen. Gleichzeitig müssen eigene Signale bewusster gesendet werden – etwa durch deutliches Nicken oder den Blick in die Kamera.

  • Ständige Selbstansicht

    Im persönlichen Gespräch sehen Sie nicht permanent Ihr eigenes Gesicht. Im Video-Call wird das eigene Bild dagegen zum ständigen Begleiter und kann die Aufmerksamkeit stärker auf das eigene Auftreten lenken.

  • Weniger Bewegung

    Wer im Kamerabild bleiben möchte, sitzt häufig lange an derselben Position. Ein Telefonat erlaubt dagegen eher, aufzustehen oder herumzugehen.

  • Viele Meetings ohne Abstand

    Auch die Organisation spielt eine Rolle. Die ZEF-Studie fand Zusammenhänge zwischen höherer Fatigue und häufigeren, längeren sowie dicht aufeinanderfolgenden Zoom-Meetings.

Macht eine eingeschaltete Kamera müder?

Für eine vierwöchige Studie wurde die Kamera bei virtuellen Meetings mal ein- oder ausgeschaltet. Mit eingeschalteter Kamera berichteten viele Teilnehmer von mehr Erschöpfungssymptomen – was wiederum ihre Beteiligung senkte. Gleichzeitig fiel der Effekt bei Frauen stärker aus. Als mögliche Erklärung werden der zusätzliche Aufwand für Selbstdarstellung und das Gefühl, beobachtet zu werden, diskutiert.

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Was hilft gegen Zoom-Fatigue?

Nicht jeder braucht dieselbe Gegenmaßnahme. Entscheidend ist, was Sie persönlich am meisten ermüdet. Nutzen Sie deshalb zuerst Ihren Zoom-Fatigue-Check und setzen Sie dort an, wo Ihre größte Belastung liegt:

Das belastet Sie

Das können Sie ändern

Zu viele Meetings Termine reduzieren oder asynchron abstimmen
Calls direkt hintereinander Puffer und kurze Pausen einplanen
Eigene Selbstansicht Eigenes Videobild ausblenden
Kameranutzung Kamera ausschalten, wenn das Bild keinen Mehrwert bietet
Zu viele Gesichter Sprecheransicht statt Galerieansicht nutzen
Bewegungsmangel Audio-Calls im Stehen oder Gehen führen
Mentale Überlastung Multitasking und unnötige Nebenreize reduzieren

7 Tipps gegen Zoom-Fatigue

  1. Videomeetings reduzieren

    Nicht jede Abstimmung braucht einen Video-Call. Prüfen Sie vor der Einladung, ob eine Nachricht, ein Telefonat oder eine kurze asynchrone Abstimmung denselben Zweck erfüllt.

  2. Pausen zwischen Meetings einplanen

    Vermeiden Sie nach Möglichkeit mehrere Videokonferenzen unmittelbar hintereinander. Stehen Sie zwischendurch auf, bewegen Sie sich und schauen Sie bewusst weg vom Bildschirm. Die Pause schafft zugleich einen mentalen Übergang zwischen zwei Terminen.

  3. Kamera nicht permanent verlangen

    Wo visueller Kontakt keinen entscheidenden Mehrwert bietet, sollte Kamera-Aus eine akzeptierte Option sein. Das gilt besonders für lange Meetings oder Termine mit vielen Teilnehmern.

  4. Selbstansicht ausblenden

    Viele Programme erlauben, das eigene Kamerabild nur für sich selbst zu verbergen. Die anderen Teilnehmer sehen Sie weiterhin, während der permanente Blick in den digitalen Spiegel entfällt.

  5. Bildschirmansicht reduzieren

    Verkleinern Sie das Videofenster oder wechseln Sie bei großen Gruppen von der Galerie- zur Sprecheransicht. Das reduziert die Zahl der gleichzeitig sichtbaren Gesichter und visuellen Reize.

  6. Multitasking vermeiden

    Parallel E-Mails zu beantworten, Chats zu verfolgen und Dokumente zu bearbeiten, erhöht die mentale Belastung. Konzentrieren Sie sich auf das Gespräch – oder fragen Sie sich, ob Ihre Teilnahme überhaupt erforderlich ist.

  7. Bewegung ermöglichen

    Nicht jedes Gespräch erfordert eine starre Position vor dem Bildschirm. Termine ohne Präsentation oder notwendigen Blickkontakt lassen sich teilweise als Audio-Call im Stehen oder Gehen führen.

Wie können Unternehmen Zoom-Fatigue verhindern?

Zoom-Fatigue ist nicht allein Sache der Beschäftigten. Wenn ein Arbeitstag aus aufeinanderfolgenden Video-Calls besteht, jede kurze Abstimmung zum Meeting wird oder grundsätzlich Kamerapflicht herrscht, liegt ein Teil der Belastung in der Meetingkultur. Führungskräfte können gegensteuern, indem sie virtuelle Meetings nur bei echtem Abstimmungsbedarf ansetzen, Teilnehmerkreise begrenzen, Puffer zwischen Terminen ermöglichen und Kamera-Aus nicht automatisch als mangelndes Engagement interpretieren. Eine klare Agenda und Moderation helfen zusätzlich, Videokonferenzen kurz und fokussiert zu halten. Die DGUV-Praxishilfe Zoom-Fatigue bündelt weitere Empfehlungen für Beschäftigte und Führungskräfte.


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