Zoom Fatigue: 5 Tipps gegen die Müdigkeit in Videokonferenzen

Wer Zoom Meetings häufig nutzt, kennt das Phänomen: die Zoom Fatigue. Teilnehmer visuell-virtueller Konferenzen fühlen sich schnell müde und ausgelaugt. Dabei haben sie sich den ganzen Tag kaum bewegt. Tatsächlich haben Videokonferenzen nicht nur Vorteile. Wir zeigen, was sich hinter Zoom Fatigue verbirgt und was Sie gegen die Bildschirm-Müdigkeit tun können…

Zoom Fatigue: 5 Tipps gegen die Müdigkeit in Videokonferenzen

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Definition: Was ist Zoom Fatigue?

Hinter dem Begriff Zoom Fatigue steckt eine Zusammensetzung aus dem Namen des amerikanischen Softwareherstellers „Zoom“ und der englischen Bezeichnung für Müdigkeit oder Erschöpfung – „fatigue“. In englischer Aussprache klingt das Ganze so: „Suum Fatiig“ (langes u, langes i). Gemeint ist speziell die Ermüdung, die viele Arbeitnehmer infolge von Videokonferenzen und virtuellen Meetings ereilt.

Korrekter wäre es daher, von einer „Concentration Fatigue“ zu sprechen. Denn nach einer Weile leidet die Konzentration. Und natürlich kennen auch Nutzer anderer Softwareanbieter das Problem. Seit der Corona-Pandemie aber hat das amerikanische Unternehmen Zoom die Videomeetings entscheidend geprägt und damit auch den Namen für das Phänomen.

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Was ist das Besondere an Videokonferenzen?

Ob Skype, Whatsapp, Gotomeeting oder Microsoft Teams: Der Zweck ist derselbe und das Ergebnis immer Zoom Fatigue. Das ist eine überraschende Erkenntnis aus dem starken Aufkommen von Videokonferenzen. Bisher kannten viele den Effekt von realen Meetings: Teamsitzungen, die sich nahtlos aneinanderreihen und ins scheinbar Endlose ausdehnen. Ständige Raumwechsel zwischendrin, während der Konferenz eher verbrauchte Luft – kein Wunder, wenn da die Konzentration nachlässt. Genau das fällt ja bei Videokonferenzen weg. Oft bequem aus dem Homeoffice gesendet, fallen lange Wege weg. Jeder kann individuell für Sauerstoffzufuhr sorgen. Bei Zoom Fatigue geht es aber um mehr als frische Luft. Das Medium an sich ist das Problem. Und zwar aus diesen Gründen:

Kaum Körpersprache

Wenn wir normalerweise real mit unserem Gegenüber interagieren, nehmen wir nicht nur die Worte wahr. Nonverbale Kommunikation ist ein wichtiger Bestandteil von Gesprächen. Mimik und Gestik transportieren wichtige Informationen, die wir für gewöhnlich nebenbei wahrnehmen. Sie helfen uns dabei einzuschätzen, ob uns jemand wohlgesinnt ist. Bei Videokonferenzen ist die Körpersprache jedoch deutlich geringer ausgeprägt. Meist sitzen die Leute stoisch auf Ihrem Platz und versuchen, mehrere Gesprächsteilnehmer gleichzeitig wahrzunehmen. Jede Bewegung, jedes Wort führt zu einem Bildwechsel oder anderweitigen visuellen Hinweis auf dem Monitor. Unsere Augen und unser Gehirn registrieren alles, sind aber gleichzeitig davon irgendwann überwältigt.

Verstärkte Selbstaufmerksamkeit

Nicht nur Sie als Teilnehmer sind damit beschäftigt, beispielsweise in neun andere Gesichter zu schauen – und zwar immer auf der Suche nach Zeichen der Kommunikation. Auch unbewusst. Diese neun Teilnehmer glotzen aber genauso zurück. Und das weiß man, wenn man teilnimmt. Sinnvoller wäre es eigentlich, in die Kamera zu gucken, um dem aktuell Sprechenden direkt ins Gesicht zu sehen. Das wäre zumindest für diese Person eine annähernd „normale“ Gesprächssituation. Stattdessen blicken wir aber oft auf unser eigenes Bild. In ständiger Selbstkontrolle stellen wir sicher, dass wir uns aus dem besten Winkel zeigen. Bloß nicht schlaff im Sessel hängen und erst recht kein Doppelkinn präsentieren!

Technische Probleme

Verpixelte Bilder, unterbrochene Verbindungen, mäßige Tonqualität – vermutlich jeder hat bereits die eine oder andere Tücke selbst erlebt. Nicht umsonst gibt es auch dafür mittlerweile ein Bullshit-Bingo. Hinzu kommt Latenz bei der Übertragung: Ein Teilnehmer sagt etwas, die anderen sehen zwar, wie sich der Mund bewegt, aber es kommt kein Ton. Oder plötzlich ist Zoom eingefroren. Das führt zu Unterbrechungen, der Redner muss wieder von vorne beginnen, das Meeting wird in die Länge gezogen. Das ermüdet alle Beteiligten. Zusätzlich zur Zoom Fatigue gesellt sich der Frust über die technischen Probleme.

Erschwerte Bedingungen

Nicht zuletzt die Rahmenbedingungen erschweren die Videokonferenz und fördern Zoom Fatigue. Viele der Zoom Meetings finden nun zuhause statt. Kaum ein Teilnehmer, der nicht bereits sehr unterstützungswillige Haustiere seiner Kollegen kennengelernt hat. Oder den Nachwuchs, der ungeplant ins Zimmer platzt. In den Raum rufende Partner – all das trägt dazu bei, die Videokonferenz zu einem anstrengenden Akt werden zu lassen. Selbst der individuelle Hintergrund – Bücherregal, Pflanzen, Bilder an der Wand – lenken tendenziell eher ab. All das erschwert, sich auf das Gesagte zu konzentrieren.

Häufiger Multitasking

Die Langeweile und die Schwierigkeit, sich auf zahlreiche Personen gleichzeitig zu konzentrieren, lenkt ab: Viele versuchen sich im Multitasking. Während man im direkten Kontakt deutlich gehemmter wäre, mal eben die Mails zu checken, kommt das bei virtuellen Meetings deutlich häufiger vor. Auch das verstärkt letztlich Zoom Fatigue.

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5 wirkungsvolle Tipps gegen Zoom Fatigue

Laut einer Studie der Hochschule für Wirtschaft und Gesellschaft kennen 60 Prozent der Befragten Zoom Fatigue. 77 Prozent haben es zwar nur manchmal, aber 15 Prozent dafür dauerhaft. Zoom Fatigue zeigt sich nicht nur in Erschöpfung oder sinkender Konzentration. Wer müde ist, sich aber trotzdem durch seine Aufgaben quälen muss, wird unleidlich. Ungeduld, aber auch Kopf- und Rückenschmerzen sind weitere Begleitsymptome. Was dagegen tun? Diese Tipps helfen:

Mehr Pausen

Der wohl effektivste Tipp gegen Zoom Fatigue: Mehr Pausen. Wie erwähnt, wird die Anstrengung durch die geringe körperliche Aktivität unterschätzt. Bei realen Meetings findet zwischen den einzelnen Sitzungen eine Pause statt. Und sei es nur, um eben die Toilette aufsuchen zu können. Oder sich ein Getränk zu holen. Es gibt die Möglichkeit, etwas Abstand von einer Konferenz zu bekommen und sich mental auf die nächste einzustellen. Diese sinnvolle Praxis sollte auch für Zoom Meetings eingehalten werden.

Weniger Meetings

Fragen Sie sich insgesamt, ob es dieses Meeting überhaupt braucht? Einige Teilnehmer nutzen Meetings in erster Linie zur Selbstdarstellung. Entweder liegen keine wichtigen Themen an oder sie können so gar keinen Platz finden. Endlosmonologe braucht aber keiner. Und einige Informationen lassen sich auch kompakt in Mails darstellen.

Zeitbegrenzung

Begrenzen Sie die Zeit auf ein Maximum von 45 Minuten. Schon Schulstunden sind auf diese Zeit beschränkt, weil nach 45 Minuten oft die Konzentration nachlässt. Falls das Meeting länger dauern muss, sollten fünf bis zehn Minuten Pause eingeräumt werden. Der Moderator sollte wie bei realen Konferenzen unbedingt auf die Einhaltung der Zeitvorgaben achten. Um das Ganze aufzulockern und schneller zum eigentlichen Anliegen zu kommen, kann er mit speziellen Eisbrechern für Online Meetings arbeiten.

Teilnehmerbegrenzung

Niemand kann mehreren Menschen gleichzeitig in die Augen blicken. Aber eine hohe Teilnehmerzahl führt dazu, dass wir das unweigerlich versuchen. Sie reduzieren das Risiko von Zoom Fatigue schon bei einer geringeren Teilnehmerzahl. Als Richtwert gelten maximal acht Teilnehmer. Das erhöht außerdem die Wahrscheinlichkeit, dass jedem Zeit für seine Belange zusteht. Wer nicht nur zuhören muss, sondern selbst aktiv werden kann, ist automatisch konzentrierter.

Ton

Stellt sich abschließend die Frage, ob es überhaupt immer eine Videokonferenz braucht? Reale Konferenzen sind nicht immer möglich, teilweise aufgrund der Distanz. Aber was spricht gegen den guten alten Telefonhörer? Telefonkonferenzen können eine Alternative sein. Ebenfalls möglich: Wird ein Konferenztool genutzt, stellen Sie trotzdem nur den Ton an. Das hilft, den Datentransfer bei schlechter Verbindung gering zu halten. Vor allem für feste Teams, die sich schon länger kennen, eignet sich das. Der Blickkontakt ist zwar nach wie vor wichtig, aber es reicht womöglich einmal die Woche. In der restlichen Zeit führt die Reduzierung der Bildfunktion auch zu geringerer Zoom Fatigue.

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[Bildnachweis: kora_sun by Shutterstock.com]
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12. November 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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