Anerkennungsfalle: Welchen Stellenwert hat Ihr Job?

Hand aufs Herz: Welchen Stellenwert haben für Sie Job und Karriere? Und wie sehr wollen Sie für Ihre Arbeit und Leistungen gelobt werden? Genau hier lauert die sogenannte Anerkennungsfalle: Sicher, jeder will für seine Arbeit und Erfolge gelobt werden, Anerkennung bekommen. Aber was, wenn diese ausbleiben? Nicht gerade wenige Menschen machen ihr Selbstwertgefühl enorm davon abhängig. Bleibt die Anerkennung aus, sinken sofort der Spaß an der Arbeit, die Meinung über den Chef – und das Selbstvertrauen. Vielleicht ist das bei Ihnen nicht ganz so extrem. Aber beobachten Sie sich einmal, wie sehr Sie sich von solchen Rückmeldungen abhängig machen. Wir zeigen Ihnen Wege, wie Sie nicht in die Anerkennungsfalle tappen

Anerkennungsfalle: Welchen Stellenwert hat Ihr Job?

Warum ist Anerkennung so wichtig?

Das Führungsverhalten des Vorgesetzten hat einen enormen Einfluss darauf, ob die Mitarbeiter eine hohe emotionale Bindung ans Unternehmen haben oder nicht.

Dem Gallup Index von 2017 zufolge sind es weniger die äußeren Rahmenbedingungen – also: Das Gehalt, der Arbeitsplatz, die Arbeitszeiten und dergleichen -, die für Unmut sorgen.

Die Mehrheit der Angestellten hat ein positives Verhältnis zur Arbeit. Auf die Frage, ob sie weiter arbeiten würden, wenn sie nicht auf das Gehalt für den Lebensunterhalt angewiesen wären, antworteten 77 Prozent mit ja. Das sind sieben Prozent mehr als noch bei der Befragung 2010.

Also alles in Ordnung? Nein. Menschen sind soziale Wesen, leben von emotionaler Zuwendung. Das muss keine Liebeserklärung des Arbeitgebers sein, aber sie brauchen das Gefühl, dass sie eben nicht nur eine Nummer sind. Dass sie jederzeit ersetzbar sind. Erreichen lässt sich dies, indem ein Mitarbeiter…

  • nach seiner Meinung gefragt wird,
  • Feedback über Fortschritte und Entwicklungsmöglichkeiten erhält,
  • das Gefühl vermittelt bekommt, dass man sich für ihn als Person interessiert,
  • Lob und Anerkennung für gute Arbeit erhält.

Viele suchen Anerkennung im Job

Genau das passiert aber nicht unbedingt. Hinzu kommen immer mehr befristete Arbeitsverträge, so dass das subjektive Sicherheitsempfinden durch einen ganz objektiv nachvollziehbaren Grund gestört wird.

Ist die emotionale Bindung gering, steigt die Unzufriedenheit über ausbleibende Anerkennung, beziehen viele das auf sich selbst. Und genau hier liegt die Anerkennungsfalle: Sie definieren sich über ihren Job. Und wenn nicht 100 Prozent stimmen, dann leidet ihr Selbstwertgefühl.

Die mangelnde Zufriedenheit führt dazu, dass die Motivation und Engagement auf Dauer nachlassen. Einige Arbeitnehmer schieben fortan nur noch Dienst nach Vorschrift, andere erwägen gar die Kündigung.

Hier wird allerdings etwas vermengt: Manche tappen in die Anerkennungsfalle, weil sie die emotionale und die Sachebene miteinander verquicken. Nur weil Lob auf der Arbeitsebene ausbleibt, heißt das nicht, dass jemand als Mensch und Mitarbeiter nicht geschätzt wird.

Andersherum kann jemand auch sehr als Mensch geschätzt werden, gleichzeitig werden Defizite in der Arbeit wahrgenommen. Sofern diese in konstruktiver Kritik vorgetragen werden, findet hier ebenfalls eine (gewollte!) Trennung zwischen persönlicher und sachlicher Ebene statt.

Doppelkarrierepaare tappen schneller in Anerkennungsfalle

Anerkennungsfalle Doppelkarrierepaare AnerkennungEin besonderes Problem stellt mangelnde Anerkennung nach Meinung der Soziologin Christine Wimbauer bei sogenannten Doppelkarrierepaaren dar. Das sind Paare, die Kinder haben und bei denen beide Partner berufstätig sind, sich Kindererziehung und Haushalt teilen.

Jedenfalls vom ursprünglichen Grundgedanken her. Tatsächlich ist zu beobachten, dass mit der Geburt von Kindern die gleichberechtigte Aufgabenteilung nachlässt, Frauen und Männer wieder in ihre traditionellen Rollen fallen. Befeuert wird dies meist dadurch, dass Frauen im Job pausieren und eine Elternzeit nehmen.

Wollen sie im Anschluss daran in ihren alten Job zurück, tauchen die ersten Probleme auf. Zwar haben sie einen Rechtsanspruch auf einen Wiedereinstieg, jedoch nicht auf exakt dieselbe Tätigkeit.

Auch die Entscheidung zur Teilzeitarbeit kann dazu führen, dass Frauen für andere Arbeitsbereiche vorgesehen sind als vor der Babypause. Sowohl die Gehaltseinbußen als auch das Gefühl, aufs Abstellgleis geschoben zu werden, sorgen für enorme Frustration.

Gerade anhand dieses Lebensmodells zeigt sich laut Wimbauer die Anerkennungsfalle auf mehreren Ebenen:

  • Bei den Frauen, die das Gefühl haben, in ihrem Job nicht mehr geschätzt zu werden.
  • Bei den Doppelkarrierepaaren selbst, die ihr Lebensmodell für das einzig richtige halten und demzufolge alle anderen abwerten.
  • Bei der Gesellschaft, die geschlechtsbezogene Diskriminierung aufrecht erhält, indem Männern, die in Elternzeit gehen, oftmals die Anerkennung verwehrt wird, weil sie nicht die Ernährerrolle einnehmen.

Die Verwechslung von Lob und Anerkennung

Etliche Arbeitnehmer tappen vermutlich die Anerkennungsfalle, weil sie sich gar nicht genau darüber im Klaren sind, was Anerkennung überhaupt bedeutet. Denn Anerkennung zeigt sich nicht nur in Lob. Lob ist eine kurzfristige, wertschätzende Äußerung.

Die ist auf jeden Fall ein wichtiger Bestandteil in der Mitarbeitermotivation, keine Frage. Wenn etwa ein Projekt gut abgeschlossen wurde, dann sollte das entsprechend benannt werden. Anerkennung hingegen ist eine grundsätzliche Haltung des Respekts und der Wertschätzung seinen Mitarbeitern gegenüber.

Und die drückt sich nicht nur in Lob aus. Diese Haltung findet sich eben auch in den Rahmenbedingungen des Jobs wider:

  • Werden Überstunden abgegolten?
  • Gibt es flexible Arbeitszeiten?
  • Geht der Urlaub über den gesetzlichen Urlaubsanspruch hinaus?
  • Besteht grundsätzlich ein gutes Arbeitsklima?
  • Existieren umfangreiche Sozialleistungen?

Bevor Sie also bereits das Kündigungsschreiben aufsetzen, sollten Sie diese Aspekte in Ruhe betrachten und abwägen. Überhaupt verbietet sich eine Kurzschlussreaktion bei einem so wichtigen Thema.

Raus aus der Falle durch Reflexion

Die oben aufgeführten Punkte sind eine Möglichkeit, die eigene Situation zu reflektieren: Womöglich ist bei nüchterner Betrachtung der jetzige Arbeitsplatz doch ganz in Ordnung? Das soll aber nicht heißen, dass es um jeden Preis gilt, einen Job zu behalten, in dem Sie unglücklich sind.

Der Anerkennungsfalle zu entrinnen heißt zugleich, im Sinne der Arbeitszufriedenheit einen Soll-Ist-Vergleich zu machen und genau die eigenen Erwartungen zu überprüfen.

Denn eine einmal ausgesprochene Kündigung können Sie nicht zurücknehmen. Wichtig ist daher, bei einer möglichen Kündigung die Gründe vorab genau zu reflektieren. Was ist Ihre genaue Motivation? Ganz klar für eine Kündigung sprechen:

  • Gesundheit

    Leidet Ihre Gesundheit unter dem Job? Bei dauerhaftem Stress, Mobbing und Ähnlichem können starke gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten. Magen-Darm-Probleme, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafstörungen sind ernstzunehmende Erkrankungen. Wer die infolge zu hoher Arbeitsbelastung entwickelt, sollte entsprechende Konsequenzen ziehen.

  • Chancenmangel

    Sie haben so gar keine Entwicklungsmöglichkeiten in Ihrem Job. Ganz gleich, ob es herausfordernde Tätigkeiten in Ihrer derzeitigen Position sind oder ob ein Aufstieg im Unternehmen unmöglich ist: Wer sich beruflich verändern, neue Bereiche erschließen und mehr Verantwortung übernehmen will, letztlich aber an den Bedingungen scheitert, kann sich durch eine Kündigung in einen neuen Bereich bringen.

  • Insolvenz

    Eine drohende Niederlassungsschließung oder gar Insolvenz des Unternehmens ist ebenfalls ein nachvollziehbarer Grund zu kündigen. Denn bis zum letzten Augenblick zu warten kann bedeuten, dass Sie mit einem Schwung ebenfalls entlassener Mitarbeiter auf der Straße stehen. Ein Überangebot an Fachkräften in einem Bereich führt erfahrungsgemäß zu Schwierigkeiten bei der Jobsuche. Zum einen, weil nicht genügend freie Plätze am Arbeitsmarkt sind und zum anderen, weil Angebot und Nachfrage den Preis beeinflussen, in dem Fall das Überangebot das mögliche Gehalt drücken.

Deutlich gegen eine Kündigung spricht alles, was aus dem Bauch und einem spontanen Gefühl des Ärgers oder Frusts heraus entschieden wird. Also wenn Sie sich beispielsweise gerade über Kollegen geärgert haben oder mit dem Chef aneinandergeraten sind. Wohlgemerkt: Hier geht es um spontane Ereignisse.

Wer ständig unter Mobbing oder Bossing leidet, hat natürlich einen guten Grund. Aber mal einen Streit, eine Diskussion oder auch ein peinlicher Vorfall – das alles sind Gefühlslagen, die Sie aushalten können sollten und die in jedem Job vorkommen werden.

Ganz zu schweigen davon, dass Sie bei einem Vorstellungsgespräch sehr wahrscheinlich nach den Gründen für Ihren Jobwechsel gefragt werden. Halten Sie sich daher vor Augen, dass es immer um eine Hin-zu-Motivation gehen sollte, nie um eine Weg-von-Motivation:

Also nicht einfach kopflos entscheiden, dass Sie weg von dem wollen, was Sie momentan ärgert, sondern definieren, was Sie suchen und bei einem anderen Arbeitgeber zu sehen meinen.

[Bildnachweis: SFIO CRACHO by Shutterstock.com]
20. August 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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