Genie: Was es ausmacht

Wer etwas kann, das andere bewundern, aber selbst nicht beherrschen, wird schnell zum Genie erklärt. Meist gehört dazu nicht nur das überragende Beherrschen einer Sache, sondern eines Bündels von Fähigkeiten. Ein typisches Beispiel dafür sind Universalgenies wie Goethe – Menschen, die in ihrem „Hauptberuf“ beispielsweise Schriftsteller, aber gleichzeitig auch Naturforscher sind. Was noch macht einen Menschen zum Genie? Muss man dafür ein Universalgelehrter sein? Oder steckt dennoch das Potenzial zum Genie in uns?

Genie: Was es ausmacht

Genie Definition: Was macht ein Genie aus?

Im Alltag ist häufiger zu hören, dass dieser oder jener ein „Genie“ ist, auch mit „genial“ als Ausruf wird selten gespart, wenn etwas positiv bewertet wird. Es ist ein Zeichen der Bewunderung und ehrlichen Anerkennung von Fähigkeiten, über die jemand selbst gerne verfügen würde.

Genie verweist auf zwei Ursprünge: Im englischen Sprachraum leitet er sich von lateinisch genius ab und steht für einen römischen Schutzgeist, der jedem Manne innewohnte und ihm die Zeugungsfähigkeit verlieh. Hierzulande wird Genie auf lateinisch ingenium zurückgeführt und steht für natürliches, angeborenes Talent.

Im Laufe der Jahrhunderte wurde viel diskutiert, was ein Genie ausmacht. Während früher der göttliche Ursprung in den Überlegungen dominierte, bildete sich nach und nach ein Verständnis heraus, das in einem Genie eine Person sieht, die von sich heraus etwas schafft und vollendet, statt bereits Existierendes nur nachzuahmen.

Geblieben ist die Zweiteilung: Wahlweise bezeichnet Genie eine Person, der eine überragende schöpferische Begabung zugesprochen wird oder die Begabung beziehungsweise das Talent selbst werden so benannt.

Bekanntheitsgrad nicht allein ausschlaggebend

Wer ein Genie ist oder nicht, darüber wird häufig gestritten. Es reicht nicht, wenn nur eine Person jemanden toll findet. Jemand mag seinen Beruf ganz hervorragend ausüben, ein Genie ist er oder sie deshalb noch nicht. Ein Fußballer verfügt über eine beeindruckende Körperbeherrschung, aber erst, wenn eine große Fangemeinde das auch so sieht, mehren sich die Anzeichen für Genialität.

Verehrung allein ist wiederum kritisch. Bestes Beispiel dafür dürften manche Influencer sein. Personen, die allein mit ihrem Aussehen auf Instagram tausende oder gar Millionen von Followern haben, werden zwar verehrt, aber sie schaffen nichts Überragendes, das noch nach ihrem Tod Bestand hätte.

Voraussetzung dafür, dass jemand als Genie gesehen wird, ist oft eine Form der Kreativität. Nicht umsonst sind viele Künstler und Erfinder unter den Personen vertreten, die gemeinhin als Genies bezeichnet werden, etwa Vincent Van Gogh, Albert Einstein oder auch Nikola Tesla.

Gleichzeitig hängt die Bewertung bestimmter Persönlichkeiten immer von höchst subjektiven Dingen wie der Kultur und politischen Weltanschauung des Betrachters ab. So gesehen existiert keine Allgemeingültigkeit darüber; nachfolgende Generationen oder Menschen aus anderen Kulturkreisen mögen eine Person, die gegenwärtig von vielen als Genie anerkannt ist, anders bewerten.

Angeborene Genialität oder harte Arbeit?

Wenn jemand über Fähigkeiten verfügt, die anderen schwerfallen, wird meist hohe Intelligenz vermutet. Es zeigt sich hierbei die alte Frage nach Talent beziehungsweise Training. Oder anders formuliert: Bedeutet ein Genie zu sein, nicht weiter arbeiten zu müssen, die eigenen Skills nicht trainieren zu müssen, weil einem alles zufällt?

Oder muss nicht vielmehr trotz einer möglicherweise schnelleren Auffassungsgabe hart gearbeitet werden? Hat jemals einer von Genies gehört, die ohne einen Finger krumm zu machen, in Jogginghose entspannt vom Sofa aus mal eben durchs Studium spazieren und dann bahnbrechende Innovationen tätigen?

Oder könnte es nicht vielmehr sein, dass ein Genie in der Regel viel zu beschäftigt mit dem ist, was es antreibt, als dass es Zeit mit Prahlerei verschwenden müsste? Manche Genies zeichnet eben Bescheidenheit aus. Bis hin zur Skurrilität.

Bestes Beispiel dafür ist der russische Mathematiker Grigori Perelman, der die renommierte Fields-Medaille nebst Preisgeld in Höhe von einer Million Dollar ausschlug. Und der im Alter von 52 Jahren völlig zurückgezogen bei seiner Mutter lebt.

Andere neigen zur Exzentrik, auch gefördert durch massiven Drogenmissbrauch, der unschöne psychische Probleme mit sich bringt oder verstärkt. Nicht umsonst heißt es, dass Genie und Wahnsinn dicht beieinander liegen. Zu beobachten ist beides bei vielen Künstlern, Schauspielern wie auch Musikern.

Merkmale eines Genies

Ist es nun tatsächlich die Intelligenz, die aus einem Menschen ein Genie macht? Hochbegabte müssten demnach ja automatisch Überflieger sein. Eine vom amerikanischen Psychologen Lewis Terman 1921 angelegte (und bis heute laufende) Langzeitstudie mit Kindern kommt zu einem anderen Ergebnis.

Die Grundannahme aus psychologischer Sicht ist, dass jemand mit einem Intelligenzquotienten von über 140 das Potenzial zum Genie hat. In der von Terman durchgeführten Studie wurden über 1.000 besonders intelligente Kinder ausgewählt, von denen man sich im Laufe der Zeit herausragende Leistungen und Erfolge erhoffte.

Diese blieben jedoch aus – überragenden Erfolg hatten später stattdessen zwei Personen, die von der Stichprobe wegen zu geringer Intelligenz ausgeschlossen worden waren. Anhand dieses Beispiels wird deutlich, dass die Gleichsetzung von hohem IQ beziehungsweise Hochbegabung mit Genie oder Genialität, nicht funktioniert.

Termans Kollegin Catharine Cox wollte ebenfalls wissen, was ein Genie ausmacht. Sie entdeckte, dass bestimmte Persönlichkeitsmerkmale bei Genies erkennbar sind. Intelligenz stellt das kognitive Potenzial dar; um jedoch wirklich ein schöpferisches Genie zu sein, bedarf es solcher Eigenschaften wie…

  • Beharrlichkeit

    Geht es darum, etwas Neues auszuprobieren, müssen Sie mit Niederlagen rechnen. Wie etwas funktionieren könnte, ist schließlich nicht von Anfang an ersichtlich. Genau das zeichnet erfolgreiche Menschen aus: Sie probieren Dinge immer und immer wieder, verändern den Versuchsablauf geringfügig und lassen sich von Fehlschlägen nicht abbringen.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Intuition

    Von einem Genie erwartet man, dass es ständig Geistesblitze unter der Dusche hat. So etwas kann vorkommen, aber auch ganz normale Menschen kennen das. Ein anderes Merkmal ist bei Genies viel ausgeprägter: die Intuition. Dieses leise schleichende Gefühl für eine Sache, das sich nicht exakt begründen lässt. Wer dem folgt, liegt oft richtig.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Kreativität

    Kreative Menschen gehen Dinge von mehreren Seiten an. Laterales Denken ist ihnen eine Selbstverständlichkeit. Bei starren Vorgaben hingegen fühlen sie sich eingeschränkt.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Offenheit

    Manches Genie ist vielleicht ein Eigenbrötler, das nicht gerne unter Menschen geht. Viele holen sich ihre Inspiration bei anderen, sind offen für neue Denkansätze. Und sind damit teilweise sogar erfolgreicher als der Urheber – so geschehen bei Thomas Alva Edison, der maßgeblich von den Entdeckungen Nikola Teslas profitierte. Das Geo-Magazin titelte einst “ Das betrogene Genie“, denn Edison kassierte sämtliche Lorbeeren.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Phantasie

    Menschen mit ausgeprägter Phantasie denken anders. Teilweise hängen Tagträumen hinterher und spinnen diese weiter. Genau das führt manchmal zu völlig wilden Einfällen, die ausprobiert werden.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

Lässt sich Genialität lernen?

Bin ich ein Genie? Wenn nicht, kann ich es werden? Woher kommen Genies? Dem einen oder anderen gehen diese Fragen vermutlich durch den Kopf. Mit Blick auf die obigen Persönlichkeitsmerkmale lässt sich feststellen, dass die Eigenschaften eines Genies zumindest nicht so exklusiv sind, wie zunächst angenommen.

Allerdings spielen eine Reihe weiterer Faktoren in die Entwicklung eines Menschen hinein. Anlage und Umgebung heißt es immer wieder, mit anderen Worten: Die Gene spielen eine wichtige Rolle, aber das soziale Umfeld, die Famile, die Schule und Vorbilder ebenfalls.

Zwar kann kein Mensch seine Gene ändern, aber „doof geboren und nichts dazugelernt“ muss nicht sein: Intelligenz lässt sich steigern. Gerade die fluide Intelligenz wird lediglich zu 40 Prozent genetisch beeinflusst, der Rest lässt sich trainieren.

Die Intelligenz allein nützt Ihnen allerdings nichts, wenn Sie keine Freude an dem haben, was Sie tun. Genie wird nicht Genie, weil es sich verbissen vorgenommen hat, als solches bezeichnet zu werden. Vielmehr werden solche Menschen von einer inneren Motivation getrieben. Sie gehen mit Leidenschaft einer Sache nach und versuchen noch ein bisschen besser in dem Bereich zu werden.

Für diese Verbesserungen ziehen sie jede Form von Hilfe heran, ein großer Wissensdurst ist sicherlich nicht schädlich. Aber eben auch Training, wenn es darum geht, handwerkliche Fertigkeiten zu verfeinern. Etwa, indem ein Musikstück oder eine Choreografie erneut geübt wird, das Schmuckstück den letzten Schliff erhält.

[Bildnachweis: ktasimar by Shutterstock.com]
2. Januar 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



Mehr von der Redaktion und aus dem Netz


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!

Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren. Außerdem geben wir Informationen zu Ihrer Verwendung unserer Website an unsere Partner für soziale Medien, Werbung und Analysen weiter. Unsere Partner führen diese Informationen möglicherweise mit weiteren Daten zusammen, die Sie ihnen bereitgestellt haben oder die sie im Rahmen Ihrer Nutzung der Dienste gesammelt haben. Details

The cookie settings on this website are set to "allow cookies" to give you the best browsing experience possible. If you continue to use this website without changing your cookie settings or you click "Accept" below then you are consenting to this.

Close