Headshots: So zeigen Porträts Ihre Persönlichkeit

Ein Gastbeitrag von Dennis Beyer

Personal Branding begegnet uns täglich: Unser Profil in beruflichen und sozialen Netzwerken wie Xing, LinkedIn oder Facebook ist Personal Branding, eine Bewerbung ebenfalls, genauso wie ein Angebotsflyer oder die Vorstellung eines Autors oder Keynote-Speakers (auf einer Website). Und allen gemein ist: Sie kommen nicht ohne Profilbild aus. Es ist das Logo unserer digitalen Identität. Aber gibt es das perfekte Foto für jeden Karriere-Zweck oder reichen dazu nicht die üblichen Porträtfotos? Theoretisch reichen auch Porträtfotos, aber es gibt längst eine bessere, jedoch kaum bekannte Alternative: Headshots. Rein formal zeigt ein Headshot nur das Gesicht und ein Stück vom Oberkörper – doch die haben es in sich…

Headshots: So zeigen Porträts Ihre Persönlichkeit

Definition: Was ist ein Headshot?

Definition: Was ist ein Headshot?Ein Headshot ist kein Kopfschuss und auch kein normales Porträt. Ein Headshot ist ein Bild einer Person, das auf das Wichtigste reduziert ist. Es zeigt den Charakter und die Persönlichkeit des Abgebildeten.

Ein Headshot zeigt den Menschen so authentisch und echt, wie es nur geht. Während bei einem herkömmlichen Porträt viele Faktoren die Wirkung des Bildes beeinflussen, wie zum Beispiel Kleidung, Hintergrund, Frisur oder Make-Up, wird bei einem Headshot so viel möglich davon ausgeblendet – teils buchstäblich.

Der Fotograf wird dabei zum Regisseur und leitet sein Motv solange an, bis die Person absolut echt und ungekünstelt einen intensiven Blickkontakt mit der Kamera aufnehmen und sich entspannen kann. Kein unechtes Lächeln, keine gestellte, gequälte Pose, keine Maske. Man sieht nur noch den Menschen – und nichts lenkt davon ab.

Headshots stammen ursprünglich aus den USA und aus der Filmindustrie. Sie wurden anfangs überwiegend von Schauspielern genutzt. Einer der Vorreiter war der Fotograf Peter Hurley, der diese neue Art der Portraitfotografie kreierte. Ohne Kontext, intensiver Blickkontakt mit dem Betrachter, die Persönlichkeit herausgearbeitet – so ein Bild musste in jede Casting-Mappe. Der Verantwortliche für die Besetzung einer Filmrolle, der Casting-Director, traf dann oft auf Basis dieses Headhots die Entscheidung, wer zum Vorsprechen eingeladen wurde.

Warum ist das Bild so wichtig?

Warum ist das Bild so wichtig?Menschen sind unfassbar gut darin, Mimik zu interpretieren. Es dauert nur 100 Millisekunden bis wir unbewusst aus dem Gesicht eines anderen Menschen auf dessen Charakter, Kompetenz und Absichten schlussfolgern. Ein ganzes Areal im Gehirn ist nur dafür zuständig. So verfestigt sich bei uns der erste Eindruck – egal, wie zutreffend der am Ende ist.

Was auf manche beängstigend wirkt, stellt natürlich auch eine Chance dar: Mit einem perfekt inszenierten Porträt oder Headshot können Sie den Eindruck erzeugen, der Ihnen wichtig ist – Jobinterview genauso wie im Vorfeld eines Kongresses.

Bei einem Headshot geht es nicht um gutes Aussehen

Nicht wenige Menschen machen ungerne Fotos von sich. Sie finden sich entweder hässlich oder meinen, sie seien nicht „fotogen“ genug. Ein Trugschluss – erst recht im Zusammenhang mit Headhots. Die lassen sich nicht nur von besonders attraktiven Menschen anfertigen. Denn hier steht die Persönlichkeit im Vordergrund. Und da jeder Mensch eine einzigartige, spannende Persönlichkeit hat, lässt sich von (fast) jedem Menschen ein solch „echtes“ Bild anfertigen. Oft mit dem Resultat, dass sich die meisten Menschen auf Headshots „gut getroffen“ fühlen.

Der Weg dorthin dauert allerdings. So ein Headshot-Shooting kann schon mal zwei oder drei Stunden dauern. Die Aufgabe des Headshotfotografen ist dann, nicht nur die Schokoladenseite der Person zu finden, sondern eben auch ein emphatisches Gespür dafür zu entwickeln, wer da so vor ihm und der Kamera steht.

Warum wird der Kopf bei einem Headshot angeschnitten?

Tatsächlich fällt bei diesem speziellen Bildformat sofort auf, dass der Kopf – im Gegensatz zu den meisten Bewerbungsfotos – nicht vollständig abgebildet wird. Er wird – wie es in der Fachsprache heißt – angeschnitten.

Warum das so ist? Die Antwort geht auf eine Gestaltungsregel zurück, die schon über 400 Jahre alt ist. Nach dieser Regel wurden schon die Gemälde der alten Meister angefertigt. Sie sagt, dass die Dinge in einem Bild, die auf den sogenannten Drittellinien oder den Schnittpunkten dieser Linien liegen, als besonders wichtig wahrgenommen werden.

Egal, welches Format Sie also wählen – unterteilen Sie das Bild (gedanklich) in drei gleich große Flächen (siehe Beispiel-Abbildung unten). Besonders wichtig bei einem Headshot sind zum Einen die Augen. Sie vermitteln Selbstbewusstsein, Stärke, Kompetenz. Und der Mund: Er vermittelt die Offenheit und Zugänglichkeit einer Person. Idealerweise liegen Augen und/oder Mund genau auf einer dieser Drittellinien. Das hat aber meist zur Folge, dass der Kopf angeschnitten werden muss.

Das lässt sich besonders gut an diesem Beispielbild erkennen:

Headshot Foto Drittelregel Beispielbild

Tipp: Achten Sie mal im Fernsehen oder im Kino auf die eindrucksvollsten, intensivsten Nahaufnahmen der Hauptdarsteller. Sie werden genauso angeschnitten wie Headshots – aus dem selben Grund. Es steckt also eine Menge Psychologie und Jahrhunderte alte Erfahrung in den Headshots.

Headshots sind ideal für ein gutes Personal-Branding

Da sie keinen Kontext abbilden, eignen sich Headshots für zahlreiche Anwendungen. Sie taugen als Profilbilder auf sozialen Netzwerken genauso wie auf Dating-Plattformen, für eine Bewerbung oder auf der eigenen Website in der Rubrik „Über mich“. Also immer dann, wenn fremde Menschen entscheiden wollen oder müssen, ob sie mit Ihnen etwas zu tun haben wollen und ob es sich lohnt Sie persönlich kennenzulernen. Immer da, wo Sie beim wichtigen ersten Eindruck punkten wollen, ist der Headshot die perfekte Wahl.

Unabhängig davon, welchem Fotografen Sie sich später anvertrauen, ein paar Punkte können Sie selbst vorbereiten, um das spätere Ergebnis zu optimieren…

Checkliste für das perfekte Headshot-Bild

  • Schlafen Sie vor Ihrem Headshot-Shooting ausreichend und gestalten Sie Ihren Tag stressarm.
  • Trinken Sie an den Tagen vorher viel Wasser. Das macht die Haut glatter.
  • Benutzen Sie eine Feuchtigkeitscreme.
  • Planen Sie – im Idealfall – einige Stunden Zeit ein. Ihre Headshot-Session soll Spaß machen und in entspannter Atmosphäre ablaufen.
  • Nehmen Sie verschiedene Kleidungsstücke mit (je nach Beruf – Sakko/Blazer, verschiedene Hemden/Blusen, verschiedene Krawatten, etwas Schmuck). Wichtig ist, dass Sie nur Kleidung mitnehmen, in der Sie sich wohlfühlen. Halten Sie, wenn möglich, Ihre Bekleidung dezent. Das heisst: keine zu grellen Farben, keine auffälligen Muster. Vermeiden Sie auch schwarze und weiße Kleidung. Weniger Kontrast ist besser.
  • Werfen Sie kurz vor dem Shooting noch einen letzten Blick in den Spiegel, ob die Frisur und das eventuelle Make-up sitzen.
  • Halten Sie es wie Steve Jobs: Seien Sie die einfachste Version von sich selbst.

Und weil Bilder mehr sagen als 1000 Worte, sehen Sie hier gleich noch ein paar Beispiele für Headshots…

Headshot Foto Portrait Beispiel 01

Headshot Foto Portrait Beispiel 02

Headshot Foto Portrait Beispiel 03

Headshot Foto Portrait Beispiel 04

Headshot Foto Portrait Beispiel 05

Headshot Foto Portrait Beispiel 06

Über den Autor:

Dennis Beyer Fotograf GastautorDennis Beyer ist ein international gebuchter Fotograf. Er hat am City of Glasgow College in Großbritannien Fotografie studiert. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Porträt- und Headshotfotografie. Außerdem ist er weltweit in der Corporate-Image- und Industriefotografie tätig. Seit 2009 ist er zudem der Creative Director der Marketingagentur „fotopizza“.

[Bildnachweis: Alle Bilder von Dennis Beyer]
29. Mai 2018 Autor: Redaktion

Dieser Artikel wurde von der Redaktion lediglich bearbeitet und minimal redigiert, um ihm dem Redaktionssystem anzupassen. Verantwortlich für den Inhalt und die Richtigkeit der darin gemachten Aussagen und Links ist allein der genannte (Gast)Autor.

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