Normalarbeitsverhältnis: Definition & atypische Beschäftigung

Das Normalarbeitsverhältnis gilt bis heute als die klassische Form der Beschäftigung in Deutschland. Unbefristete Verträge, geregelte Arbeitszeiten und eine umfassende soziale Absicherung bieten vielen Arbeitnehmern ein hohes Maß an Sicherheit und Planbarkeit. Gleichzeitig verändert sich der Arbeitsmarkt: Teilzeit, Homeoffice, befristete Verträge und andere flexible Arbeitsmodelle gewinnen an Bedeutung. Welche Vor- und Nachteile hat diese Beschäftigungsform dann noch?

Normalarbeitsverhaeltnis Definition Merkmale Atypische Beschaeftigung Vorteile Nachteile

Definition: Was ist ein Normalarbeitsverhältnis?

Ein Normalarbeitsverhältnis ist die klassische Form einer Beschäftigung – also ein unbefristeter Arbeitsvertrag in Vollzeit mit einem festen Arbeitgeber, geregelten Arbeitszeiten sowie den üblichen arbeits- und sozialrechtlichen Schutzrechten. Geprägt wurde der Begriff bereits in den 1980er Jahren vom damaligen Professor für Arbeits- und Sozialrecht Ulrich Mückenberger.

Normalarbeitsverhältnis Merkmale

Siehe auch Definition des Statistischen Bundesamts.

Normalarbeitsverhältnis vs. atypische Beschäftigung

Das Gegenstück zum Normalarbeitsverhältnis bilden sog. atypische Beschäftigungsformen. Dazu gehören:

Schon an der Länge der Liste erkennen Sie, dass sich der Arbeitsmarkt stark gewandelt hat. Das Normalarbeitsverhältnis ist heute gar nicht mehr so „normal“, die Arbeitsverhältnisse sind vielfältiger und Beschäftigte wechseln auch häufiger zwischen den verschiedenen Formen.

Was sind prekäre Beschäftigungsverhältnisse?

Prekäre Beschäftigungsverhältnisse wiederum sind Arbeitsverhältnisse, die für Beschäftigte mit besonderen Unsicherheiten verbunden sind – etwa geringes Einkommen, befristete Verträge, unregelmäßige Arbeitszeiten oder eine fehlende Jobsicherheit. Oft reichen prekäre Jobs nicht aus, um den Lebensunterhalt dauerhaft zu sichern. Das kann auch bei atypischen Beschäftigungsverhältnissen passieren, muss aber nicht.

Anzeige

Bedeutung: Normalarbeitsverhältnis in Deutschland

Entgegen weitverbreiteten Annahmen nimmt das Normalarbeitsverhältnis in Deutschland seit Jahren zu. Von den rund 37,7 Millionen Erwerbstätigen in Deutschland arbeiten aktuell rund 28,2 Millionen Menschen in einem Normalarbeitsverhältnis – das entspricht 74,8 %. Der Rest verteilt sich auf atypische Beschäftigungsverhältnisse (17,2 %) sowie Selbstständige (7,9 %). Zum Vergleich: Im Jahr 2010 arbeiteten nur 65,8 % der Erwerbstätigen in einem Normalarbeitsverhältnis, ein Zuwachs um 9 Prozentpunkte.

Wichtige Treiber dieser Entwicklung waren und sind der Fachkräftemangel sowie die Zunahme der Teilzeitbeschäftigungen mit mehr als 20 Wochenstunden (insbesondere bei Frauen). Ihr Anteil stieg in der Zeit von 7,3 % (2010) auf 14,1 %. Weil diese Stellen unbefristet und voll sozialversichert sind, zählen sie statistisch zu den Normalarbeitsverhältnissen. Gleichzeitig sank die Zahl der Minijobs und Solo-Selbstständigen. Aktuell wird dieser Effekt jedoch von der anhaltenden wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland gebremst (siehe: Zukunft der Arbeit).

Was sind die Vor- und Nachteile im Normalarbeitsverhältnis?

Das Normalarbeitsverhältnis bleibt zwar das vorherrschende Leitbild der deutschen Arbeitsmarktpolitik. Es hat aber nicht nur Vorteile, sondern auch einige Nachteile:

Vorteile

Nachteile

Hohe Arbeitsplatzsicherheit (unbefristete Verträge) Arbeitszeiten und -ort sind vorgegeben
Regelmäßiges Einkommen Abhängigkeit vom Arbeitgeber
Soziale Absicherung (Kranken-, Renten-, Arbeitslosenversicherung) Begrenzte Verdienstmöglichkeiten (teils Tarifvertrag)
Anspruch auf Urlaub und Lohnfortzahlung Weniger individuelle Arbeitsgestaltung
Kündigungsschutz und Karriereperspektiven Weniger Eigenständigkeit, dafür oft Hierarchien

Dem gegenüberstehen jedoch die Nachteile und Gefahren vieler atypischer Beschäftigungsverhältnisse: Gerade durch die hohe Jobunsicherheit und geringe Bezahlung, ist das Risiko, später in die Altersarmut abzurutschen, hierbei besonders hoch. Die Unsicherheit über die berufliche und finanzielle Zukunft erhöht zudem den Stress und wirkt damit oftmals negativ auf die Gesundheit. Kommt es durch häufig wechselnde Jobs zum sog. Jobhopping, macht sich das ebenfalls nicht gut im Lebenslauf – Effekt: Künftige Bewerbungen werden erschwert und damit zugleich die Chance, jemals in ein Normalarbeitsverhältnis zu kommen (siehe: Scarring-Effekt).

Anzeige

FAQ – Häufige Fragen

Was gilt als Normalarbeitsverhältnis?

Ein Normalarbeitsverhältnis ist eine unbefristete Beschäftigung in Vollzeit mit sozialversicherungspflichtigem Einkommen. Arbeitnehmer arbeiten direkt für einen Arbeitgeber und genießen den vollen arbeitsrechtlichen Schutz, etwa bei Urlaub, Lohnfortzahlung und Kündigung.

Ist Teilzeit ein Normalarbeitsverhältnis?

In der klassischen Definition gehört Teilzeit nicht zum Normalarbeitsverhältnis, weil dieses von einer unbefristeten Vollzeitstelle und mindestens 21 Wochenstunden ausgeht. In der Praxis ist Teilzeit heute jedoch weit verbreitet und rechtlich eine gleichwertige Beschäftigungsform in Deutschland mit denselben grundlegenden Arbeitnehmerrechten.

Welche Vorteile hat ein Normalarbeitsverhältnis?

Ein Normalarbeitsverhältnis bietet hauptsächlich Planungssicherheit, ein regelmäßiges Einkommen und umfassende soziale Absicherung. Hinzu kommen gesetzliche Ansprüche auf Urlaub, Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall sowie ein besserer Kündigungsschutz.

Ist ein befristeter Arbeitsvertrag ein Normalarbeitsverhältnis?

Nein. Da ein befristeter Arbeitsvertrag automatisch zu einem festgelegten Zeitpunkt endet, zählt er nicht zum klassischen Normalarbeitsverhältnis. Er gilt als sogenannte atypische Beschäftigungsform.

Sollte ich ein Normalarbeitsverhältnis anstreben?

Das hängt von Ihren persönlichen Zielen und Ihrer Lebenssituation ab. Ein Normalarbeitsverhältnis eignet sich besonders, wenn Sie Wert auf ein sicheres Einkommen, umfassende Sozialleistungen und langfristige Planbarkeit legen. Wünschen Sie sich dagegen maximale Flexibilität oder möchten Sie selbstständig arbeiten, können andere Beschäftigungsformen besser zu Ihnen passen. Entscheidend ist, dass das Arbeitsmodell Ihren beruflichen und privaten Bedürfnissen entspricht.


Was andere dazu gelesen haben