Parasiten im Job: Mit Schmarotzern umgehen

Von allen wunderlichen Lebensformen, die dieser Planet hervorgebracht hat, ist die wohl lästigste die des Parasiten. Leider nimmt die Natur auf menschliche Billigung keine Rücksicht. Deshalb vermehren sich diese lausigen Kreaturen immer weiter. Stechmücken zum Beispiel. Zecken genauso. Oder Nassauer im Job. Überhaupt die Schmarotzer im Büro! Sie sind von allen die schlimmsten. Oder wie heißt es so schön: Das Problem am Rattenrennen ist – selbst wenn du gewinnst, bleibst du immer noch eine Ratte…

Parasiten im Job: Mit Schmarotzern umgehen

Wie Sie mit Schmarotzern und Nassauern im Job umgehen

Man sich für Parasiten natürlich auch begeistern. Das Böse hat die Menschen schon immer fasziniert: Trolle. Hater. Sarcoptes scabiei, die Krätzmilbe – alles spannend.

In der Naturwissenschaft wird Schmarotzern erstaunlich viel Beachtung geschenkt. Lange haben Forscher versucht, die Erfolgsstrategien solcher Parasiten zu entschlüsseln, um sie auszumerzen. Das Ergebnis lässt sich wie folgt zusammenfassen: Die Biester waren besser.

Man kann sagen, dass Parasiten nicht nur extreme Anpasser sind, sondern auch in hohem Maße Spezialisten, die ihr Habitat auf nur wenige Wirtsarten beschränken. Ganz oft gibt es sogar nur einen einzigen Wirt. Der ist dann der Depp.

Von diesem armen Geschöpf zehrt der Schmarotzer lebenslang, nutznießt Nahrung oder andere Leistungen, ohne dass es dafür eine Gegenleistung gäbe. Obwohl im Allgemeinen eine hohe Abhängigkeit des Parasiten von seinem Wirt besteht, bleibt das für den Wirt fast immer ein Verlustgeschäft. So wie Anschreibenlassen. Je nach Ausmaß des Befalls ist das sogar ruinös bis tödlich. Auch wie Anschreibenlassen.

In beiden Fällen schmarotzen die Parasiten nach dem Ausfall woanders weiter.

Auch der menschliche Körper ist nicht frei von Parasitenbefall. Ihn plagen die Viecher zum Beispiel im Dünndarm. Oder auf der Kopfhaut. Manchmal gibt es sogar Parasiten im Volkskörper. Dann sprechen Experten vom Sozialschmarotzer, der sich durch die wohlfahrtsstaatlichen Vergünstigungen frisst. Häufig ist das aber gefährliche Propaganda.

Dem muss man auch entgegen halten, dass es nach Ansicht des französischen Philosophieprofessors Michel Serres, gar kein Leben ohne Parasiten gibt. Man brauche sie – so wie Philosophieprofessoren gelegentlich Allegorien aus der Naturwissenschaft brauchen -, damit sie etwas zum Philosophieren haben.

Serres rät den Menschen deshalb: „Waschen Sie sich nicht zu oft die Hände, sonst werden Sie krank.“ Sollte ich den Franzosen eines Tages treffen, werde ich ihm bestimmt nicht die Hand geben…

Arbeitsvermeider und Wegdelegierer im Büro

Um diesen Text zu rechtfertigen, möchte ich an dieser Stelle nicht unerwähnt lassen, dass man Parasiten natürlich auch im Job treffen kann. Das sind zum Beispiel Kollegen, die unangenehme Aufgaben perfekt delegieren können und so lästige Arbeit vermeiden.

Sie verwenden dazu in der Regel…

  • Schmeicheleien oder
  • Gefallensdienste oder
  • die Macht der Hierarchie.

Geht das Projekt schief, waschen sie ihre Hände in Unschuld: War ja ein anderer, der das Ding vermasselt hat. Andernfalls reklamieren sie den Erfolg für sich.

Für solche Büroschmarotzer empfehlen wir eine entschiedene Laissez-faire-Haltung: Bei allem Ärger – diese Typen sind brillante Taktiker, Empathen und Meister des richtigen Augenblicks. Sonst würden sie mit der Masche nicht immer wieder durchkommen.

Das muss man anerkennen. Nur nicht mitmachen.

Wenn man dem Schmarotzer seine Nahrung entzieht, zieht er weiter. Falls Sie also eine gute Idee haben, präsentieren Sie diese besser nur vor Zeugen. So sichern Sie sich Ihre Urheberschaft.

Weitere Strategien gegen Parasiten:

  • Aussitzen: Versucht der Parasit, seine Arbeit an Sie zu delegieren, machen Sie nichts davon. Am Ende trägt er oder sie die Verantwortung für das Ergebnis – nicht Sie!
  • Sich-dumm-anstellen: Und zwas so dumm, dass sich der Parasit einen anderen Wirt sucht.

Probleme hingegen besprechen Sie besser nie unter vier Augen – im Zweifel streitet die Zecke später alle Mitverantwortung ab. Und bevor Sie in die Gefallenfalle tappen: Bieten Sie nur Tauschgeschäfte gegen Vorauskasse an.

[Bildnachweis: igorstevanovic by Shutterstock.com]
13. Mai 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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