Sagen Sie nie NICHT im Vorstellungsgespräch!

Angenommen, Sie sitzen im Vorstellungsgespräch und sollen ein flammendes Plädoyer über Ihre Vorzüge starten; welche Erfolge Sie schon erzielt haben; warum Sie glauben, die beste Besetzung für diesen Job zu sein, so was. Natürlich ist Ihnen das ein bisschen peinlich. Jedem geht das so. Selbstlob klingt eben immer schrecklich unbescheiden… Also beginnen Sie Ihre Selbstpräsentation mit einer klassischen Anmoderation: „Ich will ja nicht prahlen, aber…“ Riesenfehler!

Sagen Sie nie NICHT im Vorstellungsgespräch!

Paul Watzlawick: Man kann nicht nicht kommunizieren.

Psychologen der Eastern University Washington kamen schon vor einiger Zeit zu dem Ergebnis: Solche Einschränkungen bewirken das genaue Gegenteil, der Bewerber klingt nun erst recht wie ein Prahlhans. Kandidaten, die während der entsprechenden Experimente solche Formulierungen verwendeten, galten gar als weniger intelligent.

Wer dagegen selbstbewusst und ohne Anmoderationen seine Vorzüge darstellte, wurde signifikant positiver aufgenommen.

Warum das so ist?

Unser Gehirn kann kein nicht denken.

Versuchen Sie zum Beispiel jetzt bitte einmal nicht an eine Tasse Kaffee zu denken!

Klappt nicht, oder?! Sie sehen die Tasse nun erst recht vor Ihrem geistigen Auge.

Das ist zwar völlig normal, erklärt aber auch, warum zum Beispiel Verteidigungsstrategien, wie „Ich war das nicht“ selten erfolgreich sind. Hängen bleibt am Ende nur die Erkenntnis: „Ich war das.“ Schuldig im Sinne der Anklage.

Bloß keine falsche Bescheidenheit

Bestätigt wird das auch durch eine Studie von Norbert Schwarz, Psychologe an der Universität Michigan, die zugleich auf eine Untersuchung der beiden Psychologen Floyd Allport und Milton Lepkin aus dem Jahr 1945 zurückgeht. Die beiden fanden heraus, dass Menschen falscher Kriegspropaganda mehr Glauben schenkten, je öfter sie diese hörten.

Oder kurz: Wiederholungen sind mächtiger als die Wahrheit. Es ist das Prinzip der urbanen Legenden: Man muss den Leuten den Mist nur oft genug einbimsen, dann glauben sie irgendwann, dass es stimmt.

Je öfter Sie also betonten, etwas nicht zu tun oder zu wollen, desto mehr merken sich die Leute die Botschaft ohne der Beteuerung.

Bescheidenheit ist eine Zier – in der Bewerbung läuft’s besser ohne ihr.

Zumindest sollten Sie auf etwaige Entschuldigungen vorab verzichten. Das lässt sich übrigens auch auf andere Jobsituationen übertragen:

  • „Ich möchte ja nicht unhöflich erscheinen, aber…“
  • „Ich will mich nicht beschweren, aber…“
  • „Ich möchte Euch das Projekt ja nicht versauen, aber…“
  • „Ich will dir deine Idee nicht kaputt reden, aber…“

All diese Versuche, Ihre Hände in Unschuld zu waschen, führen exakt zum Gegenteil. Sie erscheinen unhöflich, beschweren sich und reden anderen die Idee kaputt. Schlauer ist, wer darauf verzichtet.

[Bildnachweis: Production Perig by Shutterstock.com]

Weitere Tipps zum Vorstellungsgespräch

Vorstellungsgespräch Ablauf

Vorstellungsgespräch Tipps
5 typische Gesprächsphasen
Vorstellungsgespräch vorbereiten
Vorstellungsgespräch Checkliste
Dresscode
Begrüßungstipps
Selbstpräsentation
Soft Skills
Authentisch sein
Gesprächsführung
Vorstellungsgespräch beenden

Interview Arten

Assessment Center
Stressinterview
Vorstellungsgespräch auf Englisch
Strukturiertes Interview
Bewerbungsgespräch per Video
Telefoninterview Tipps
Zweites Vorstellungsgespräch
Anruf vom Headhunter
Outplacement Beratung

Typische Fragen

100 Fragen an Bewerber
25 Fangfragen
Stressfragen
Wie hoch war Ihr letztes Gehalt?
Wo sehen Sie sich in 5 Jahren?
Warum haben Sie gekündigt?
Haben Sie sich woanders beworben?
Was wären Sie für ein Tier?
Warum sollten wir Sie einstellen?
Wie stehen Sie zu Überstunden?
Was sind Ihre Schwächen?
Unzulässige Fragen
Rückfragen an Personaler

Tipps & Tricks

Bewerbungsgespräch Tipps
Vorstellungsgespräch trainieren
Bewerbungsgespräch Fehler
Notlügen im Vorstellungsgespräch
Körpersprache Tipps
Nervosität überwinden
Wohin mit den Händen?
Tipps gegen Prüfungsangst

Organisation

Gesprächstermin verschieben
Vorstellungsgespräch absagen
Vorstellungsgespräch abbrechen
Reisekosten: Wer zahlt?
Vorstellungsgespräch gut gelaufen?
Nachfassen
Vorstellungsgespräch Nachbereitung
Achten Sie aufs Umfeld

PS: Nutzen Sie zur Jobsuche unsere Jobbörse!


25. März 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

Mehr von der Redaktion und aus dem Netz



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!