Recruitainment: Spielerisch zum Job?

Die Personalauswahl und -beschaffung ist für Unternehmen ein wichtiger Erfolgsfaktor. Wem es gelingt, talentierte Mitarbeiter ausfindig zu machen und in die eigenen Reihen zu bringen, verschafft sich langfristig einen Vorteil gegenüber den Konkurrenten. Nicht zuletzt, weil es mit enormen Kosten verbunden ist und eine falsch besetzte Stelle, die nach wenigen Monaten erneut ausgeschrieben werden muss, dem Arbeitgeber nahezu keinen Nutzen gebracht hat. Das Recruitainment soll dabei helfen, passende Mitarbeiter und Unternehmen zusammenzubringen – und das auf eine spielerische Art und Weise, die aber auf den zweiten Blick durchaus eine genauso harte Auswahl darstellt, wie klassische Methoden der Personalauswahl…

Recruitainment: Spielerisch zum Job?

Recrutainment: Was verbirgt sich dahinter?

Das sogenannte Recruitainment ist eine – im Vergleich zu anderen bekannten und alteingesessenen Methoden – neue Entwicklung in der Personalbeschaffung. Der Begriff wird dabei zusammengesetzt aus den Wörtern Recruiting und Entertainment, was sich etwa mit unterhaltsamer oder auch spielerisches Personalbeschaffung übersetzen lässt.

Hinter solch neuen Methoden steht ein klarer Gedanke: Es herrscht große Konkurrenz auf dem Arbeitsmarkt – nicht nur unter Bewerbern, sondern auch auf Seiten der Arbeitgeber. Zum einen möchte man die besten Mitarbeiter gerne in den eigenen Reihen wissen und nur ungerne bei einem direkten Konkurrenten sehen. Auf der anderen Seite soll bereits bei der Auswahl sichergestellt werden, dass ein neuer Angestellter tatsächlich zum Unternehmen passt, dass seine Vorstellungen mit der Realität möglichst übereinstimmen und sich eine langfristige Bindung entwickeln kann, von der am Ende beide Seiten profitieren.

Gerade die langfristige Ausrichtung ist für Unternehmen ein Kostenfaktor, da es rentabler ist, einen Mitarbeiter zu halten und intern weiterzubilden, als fehlendes KnowHow auf dem Arbeitsmarkt anzukaufen.

Recrutainment setzt genau an diesem Punkt an und orientiert sich dabei in erster Linie an Young Professionals und Absolventen der Universitäten. Mit Hilfe von neuen – oft digitalen – Elementen werden Jobsuchende und Arbeitgeber zusammengebracht – und profitieren im besten Fall beide vom Recrutainment. Potenzielle Mitarbeiter erhalten Einblicke in Berufsfelder, den Arbeitsalltag und die Unternehmenskultur, auf der anderen Seite können sich Personaler ein Bild von der Persönlichkeit, aber eben auch Qualifikationen und Fähigkeiten eines Kandidaten machen, wenn das Recrutainment auf diese Bereiche ausgelegt ist.

Was kann Recruitainment in Unternehmen aussehen??

Die Möglichkeiten des Recruitainment sind sehr weit und umfassen die unterschiedlichsten Konzepte – sowohl online als auch offline im direkten Kontakt zwischen Bewerber und Unternehmen. Eine besonders beliebte Form sind Computer-Spiele, die es ermöglichen, den Arbeitsalltag in einem Beruf genauer kennenzulernen.

So können Kandidaten beispielsweise über einen längeren Zeitraum jeden Tag durch verschiedene Bereiche geführt werden, wo entsprechende Aufgaben gelöst werden müssen. Doch auch offline wird immer häufiger auf Recruitainment gesetzt, um Talente und Unternehmen spielerisch zusammenzubringen. Je nach Unternehmen gibt es hier die verschiedensten Ansätze. Manche setzen auf sportliche Events, andere Escape-Spiele im Team, bei denen zusammengearbeitet werden muss, um Rätsel und Aufgaben zu lösen, damit man sich aus einem Raum befreien kann.

Fasst man den Begriff etwas weiter, lassen sich auch Videos beispielsweise auf den Social Media Kanälen eines Unternehmens als Teil des Recrutainment betrachten, besonders wenn diese potenzielle Bewerber ansprechen oder das Unternehmen vorstellen.

Recruitainment sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden

Der spielerische Charakter von Recruitainment sollte aber nicht von der Ernsthaftigkeit ablenken, die dahintersteckt – nicht nur, weil Unternehmen teilweise große Summen in die Planung und Umsetzung solcher Maßnahmen investieren. Trotz dem Spaß an der Sache und der Freude über die innovative Möglichkeit, mit einem Unternehmen in Kontakt zu treten, sollte nicht vergessen werden, dass es um eine Personalauswahl geht – und Sie als Bewerber dabei genau beobachtet werden.

Auch eine Vorbereitung sollte deshalb in jedem Fall dazugehören, um wirklich den besten Eindruck zu hinterlassen und die eigenen Chancen auf einen Job bei diesem zu steigern. Zwar ersetzt das Recruitainment nicht die klassischen Vorstellungsgespräche, sondern ist in den meisten Fällen eine weitere Stufe im Prozess der Personalbeschaffung, doch wer hier überzeugt, ist einen bedeutenden Schritt weiter.

Das bedeutet nicht, dass Sie sich verstellen sollen, um jemanden zu beeindrucken oder das Bild von sich zu zeigen, von dem Sie den größten Erfolg erwarten. Stattdessen sollten Sie sich bewusst machen, dass das Recruitainment auch für Sie viele Vorteile bietet, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Es ist eine große Möglichkeit, sich für einen Job zu qualifizieren und wichtige Eindrücke von der Arbeit in einem Beruf, einer Branche und einem speziellen Unternehmen zu erhalten, die vielen anderen verwehrt bleiben. Stellen Sie Fragen und finden Sie heraus, ob der Job und der Arbeitgeber tatsächlich zu ihnen passen. Nur so nutzen auch Sie das Potenzial wirklich aus.

[Bildnachweis: Jacob Lund by Shutterstock.com]
21. Juli 2016 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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