Cultural Fit: Wie gut passen Sie zum Unternehmen?

In der modernen Arbeitswelt gewinnt Cultural Fit immer stärker an Bedeutung. Der sagt etwas darüber aus, welche persönlichen Einstellungen ein Bewerber vertritt. Gleichzeitig geht es um mehr als nur Persönlichkeit neben der Fachkenntnis. Vielmehr geht es um einen Abgleich seiner Werte mit denen des Unternehmens. 100 Prozent lassen sich nie erreichen, aber ein möglichst hoher Cultural Fit kann ein gutes Indiz für eine erfolgreiche gemeinsame Zukunft sein. Was genau mit Cultural Fit gemeint ist und wie er sich ermitteln lässt…

Cultural Fit: Wie gut passen Sie zum Unternehmen?

Definition: Was ist Cultural Fit?

Cultural Fit beschreibt zu Deutsch etwa die kulturelle Übereinstimmung, Passung eines Bewerbers mit dem Unternehmen. Nicht allein die fachliche Qualifikation entscheidet, ob ein Bewerber auf eine Stelle passt, sondern in immer stärkeren Maße die Wertvorstellungen.

Eine wichtige Rolle spielt die Unternehmenskultur: Welche Entscheidungswege gibt es, wie werden Feedbackgespräche gestaltet und natürlich ganz wichtig: Kann sich ein Bewerber damit identifizieren, vertritt er dieselben Normen und Werte?

Der Gedanke dahinter ist, dass ein möglichst hoher Cultural Fit sich positiv auf die Zusammenarbeit auswirkt: Der Mitarbeiter zeigt eine geringe Wechselmotivation, bringt sich mit entsprechend hohem Engagement ein.

Diese Frage ist nicht nur aus Unternehmenssicht wichtig, sondern auch seitens des Bewerbers. In Zeiten des Fachkräftemangels können sich viele Bewerber aussuchen, wo und für wen sie arbeiten wollen. Vor allem Young Professionals aus den jüngeren Mitarbeitergenerationen wird eine stärkere Orientierung an den Unternehmenswerten nachgesagt.

Veränderte Vorstellungen zeigen sich bei New Work

New WorkIn diesem Zusammenhang fällt gelegentlich der Begriff New Work: Der geht auf den deutsch-amerikanischen Sozialphilosophen Frithjof Bergmann zurück, der sich bereits vor Jahrzehnten mit der im Wandel begriffenen Arbeitswelt beschäftigte. Drei zentrale Werte der New Work macht er aus:

  • Selbstständigkeit
  • Freiheit
  • Teilhabe an der Gemeinschaft

Dahinter steckt die Idee, dass Menschen nur noch die Arbeit machen, die sie wirklich tun wollen – getrieben von einer inneren Leidenschaft, die stärker ist als einfach nur „Spaß bei der Arbeit“. Es geht ihm vielmehr um ein „in der Arbeit aufgehen“.

Möglich werden soll das dadurch, dass zukünftig etliche Tätigkeitsbereiche durch Automatisierung wegfallen, so dass für Arbeitnehmer zunehmend mehr Zeit übrig bleibt. Zur Zeit dieser Ideenentwicklung gab es noch keine Digitalisierung, in der Zwischenzeit haben bereits einige Unternehmen diese Gedanken aufgegriffen.

Flexiblere Arbeitszeitmodelle, mobile Büros und gemeinsame Unternehmungen durch Teambuildingmaßnahmen sind bereits Zugeständnisse an veränderte Anforderungen durch Arbeitnehmer.

Cultural-Fit-Fragen zur kulturellen Passung

Ein hoher Wert beim Cultural Fit erhöht also für beide Seiten die Aussicht auf eine gemeinsame Zukunft. Unternehmen müssen daher versuchen, bereits in der Bewerbungsphase festzustellen, wie hoch die Übereinstimmung des Bewerbers mit den Unternehmenswerten und anderen Teammitgliedern ist.

Wichtig ist dafür, dass das Unternehmen zuvor für sich definiert hat, wofür es stehen will, welche Unternehmenskultur gelebt werden soll. Sich einfach „hippe“ Begrifflichkeiten etwa von der flachen Hierarchie auf die Fahnen zu schreiben, wenn sie nicht gelebt wird, reicht nicht aus.

Entscheidend ist, dass der Bewerber zu der tatsächlich vorhandenen Unternehmenskultur passt. Das kann mit Fragen zum Cultural Fit im Rahmen eines Eignungstests, eines Vorstellungsgesprächs oder vorab als Selbsttest auf der Unternehmenshomepage passieren.

Beispielsweise könnten solche Fragen gestellt werden:

  • Was brauchen Sie, damit Sie möglichst produktiv und glücklich arbeiten können?
  • Wie definieren Sie einen erfüllenden Arbeitsbereich für sich?
  • Welche Rolle spielen gemeinsame soziale Aktivitäten im Team?
  • Woran machen Sie für sich beruflichen Erfolg fest?

Aus den Cultural-Fit-Fragen geht hervor, dass nicht nur die reinen Fachkenntnisse zählen, sondern Soft Skills bedeutend sind. Ein eher introvertierter Mitarbeiter, wenn gleichzeitig ein neues Team zusammengestellt werden soll, würde vermutlich geringere Werte im Cultural Fit aufweisen.

Diese Werte spielen für beide Seiten eine Rolle, denn damit es auf persönlicher Ebene passt, müssen die Vorstellungen nicht nur den konkreten Arbeitsbereich und das Kollegium betreffen. Von großer Bedeutung ist ebenfalls der Führungsstil.

Jüngere Arbeitnehmergenerationen erwarten mehr Befugnisse und flachere Hierarchien – ein eher autoritärer Führungsstil wird daher für Konfliktpotenzial sorgen.

Vorteile von Cultural Fit

Noch nie kam es nur auf die Fachkenntnisse bei Bewerbern an. Die Fürsprecher von Cultural Fit argumentieren, dass hierbei stärker die sich schnell verändernden Anforderungen an Arbeitnehmer stärker berücksichtigt würden. Klare Vorteile von Cultural Fit sind:

  • Höhere Mitarbeiterzufriedenheit

    Ein hoher Cultural Fit steigert die Zufriedenheit. Die Mitarbeiter wissen, wofür Sie arbeiten und tun ihre Arbeit gerne, da sie sich damit identifizieren können. Sie erhalten das Maß an Anerkennung und Wertschätzung neben einer fairen Vergütung, das ihnen wichtig ist. Und das wirkt sich nicht zuletzt positiv auf den Krankenstand aus.

    Mehr dazu siehe hier:

  • Schnelleres Onboarding

    Wer sich von Anbeginn wie zuhause fühlt, muss die Unternehmenskultur nicht erst lernen. Das trägt zu einem schnelleren Onboarding bei. Das hilft Fehler zu vermeiden und die Produktivität zu steigern.

    Mehr dazu siehe hier:

  • Geringere Fluktuationsrate

    Direkt mit der hohen Mitarbeiterzufriedenheit hängt ein weiterer Vorteil von Cultural Fit zusammen. Wer gerne zur Arbeit geht, weil sie ein Teil seiner Selbstverwirklichung darstellt und die Kollegen freundlich sind, hat wenig Anreiz, seinen Job zu wechseln. Geringe Fluktuation wiederum stellt reibungslose Abläufe sicher und ist eine immense Kostenersparnis: Mehrere zehn- bis hunderttausend Euro Verlust kann eine Fehlbesetzung ein Unternehmen kosten. Darin enthalten unter anderem die bisher gezahlten Gehälter bis hin zu den Kosten für geringere Arbeitsleistung durch Einarbeitungsphase sowie neuerlichen Rekrutierungsprozessen.

    Mehr dazu siehe hier:

  • Stärkeres Engagement

    Identifikation mit den Arbeitsinhalten und eine gute Arbeitsatmosphäre bedingen fast automatisch eine höhere Motivation. Der Arbeitnehmer fühlt sich angekommen und packt neue Inhalte ganz anders an, bringt sich stärker ein. Cultural Fit ist im Idealfall wie blindes Verstehen.

    Mehr dazu siehe hier:

  • Mehr Employer Branding

    Cultural Fit trägt zum Employer Branding bei: Je höher die Anzahl an Mitarbeiter mit Cultural Fit, desto stärker die Außenwahrnehmung. Zufriedene Mitarbeiter werden von ihren Erfahrungen berichten. Das wird andere Fachkräfte aufs Unternehmen aufmerksam machen.

    Mehr dazu siehe hier:

[Bildnachweis: LightField Studios by Shutterstock.com]
23. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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