Job verloren: Wie Sie wieder auf die Beine kommen

Arbeitslosigkeit kann jeden treffen. Das ist keine Schande, auch wenn es sich vielleicht so anfühlt. Eher gehören diese Gefühle zu der typischen Achterbahnfahrt, die Menschen in Krisen durchmachen. Lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Falls Sie also gerade den Job verloren haben – hier sind ein paar Empfehlungen, um bald wieder Fuß auf dem Arbeitsmarkt zu fassen…

Job verloren: Wie Sie wieder auf die Beine kommen

Job verloren? So kommen Sie wieder auf die Beine

Nach dem Verlust des Jobs fällt man oft in ein tiefes Loch und kommt auch so schnell nicht wieder heraus. Das zeigt eine aktuelle Untersuchung von Jürgen Schupp vom DIW und den Soziologen Christian von Scheve und Frederike Esche von der Freien Universität Berlin, die in der Fachzeitschrift Journal of Happines veröffentlicht wurde. Demnach erreichen Arbeitslose auch längere Zeit nach dem Verlust ihrer Stelle nicht das vorherige Niveau an Lebenszufriedenheit.

Arbeitslose sind unzufriedener, niedergeschlagener, empfinden deutlich häufiger Gefühle von Traurigkeit und Freudlosigkeit. Aber: Danach tritt eine Gewöhnung ein, nach zwei Jahren ist das emotionale Tal weitgehend durchschritten. Auch die Angstgefühle, die viele im ersten Augenblick übermannen, sind nach einem Jahr weitgehend verschwunden.

Die Persönlichkeit spielt dabei offenbar keine Rolle. „In Phasen der Arbeitslosigkeit sind alle Menschen ängstlicher als zuvor oder danach – unabhängig davon, wie ängstlich sie sonst sind“, erklärt Jürgen Schupp. „Einblicke in Emotionen, die mit Arbeitslosigkeit einhergehen, sind wichtig, weil sie nicht nur das Befinden, sondern auch das Denken und Handeln der Betroffenen beeinflussen“, ergänzt Christian von Scheve, Professor für Soziologie an der FU Berlin.

Wie aber lenkt man sein Denken und Handeln in die richtigen Bahnen? Karrierebibel hat zehn Vorschläge

  1. Seien Sie nicht nachtragend

    Vermeiden Sie es, schlecht über den ehemaligen Arbeitgeber zu sprechen oder Gerüchte zu verbreiten. Brücken, die man hinter sich abgerissen hat, sind für die Zukunft unpassierbar. Bleiben Sie fair – übrigens auch zu sich selbst. In vielen Fällen schieben sich Arbeitslose die Schuld an ihrer misslichen Lage fälschlicherweise selbst in die Schuhe. Immerhin ist laut Stanford-Soziologe Cristobal Young der emotionale Stress für die Betroffenen größer, als wenn sie ihr Haus verlieren oder die Kinder ausziehen.

  2. Verlieren Sie nicht die Nerven

    Entspannen Sie sich, gönnen Sie sich ein Bier, aber versauern Sie nicht gleich jeden Abend in der gleichen Bar am Tresen. Nutzen Sie die freie Zeit, um den Kopf freizubekommen, neue Pläne zu schmieden und sich in Form zu bringen. Arbeitslosigkeit erhöht auch das Krankheitsrisiko. Deshalb: Halten Sie sich fit und blicken Sie nach vorne.

  3. Informieren Sie Ihre Familie

    Verheimlichen Sie nicht Ihren Jobverlust vor Ihrer Frau und den Kindern. Geheimniskrämerei im engsten Kreis belastet Sie nur noch zusätzlich. Und außerdem: Daten deuten darauf hin, dass Kinder gewissenhafter und fleißiger werden, sobald der Vater den Job verliert. Eine Art heilsamer Schock also, der die Sinne bei den Teenagern schärft.

  4. Sprechen Sie über die finanzielle Lage

    Setzen Sie neue Prioritäten. Sind das Auto oder der geplante Urlaub noch bezahlbar? Machen Sie einen Kassensturz, kalkulieren Ein- und Ausgaben neu. Schränken Sie sich ein, dann können Sie länger von den Reserven zehren. Ohnehin ist Sparsamkeit eine durch und durch nützliche Tugend.

  5. Melden Sie sich arbeitslos

    Spätestens am ersten Tag der Arbeitslosigkeit müssen Sie sich persönlich bei der zuständigen Arbeitsagentur als arbeitslos melden. Zusätzlich können Sie Arbeitslosengeld II beantragen, falls das Arbeitslosengeld zu gering ist, um damit Ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das wegbrechende Einkommen ist – logischerweise – ein großes Problem. Emotional noch mehr zu schaffen macht den meisten aber die Tatsache, überhaupt arbeitslos geworden zu sein.

  6. Denken Sie an die Zukunft

    Frischen Sie Ihren Lebenslauf auf, aktualisieren Sie Ihre Bewerbungsmappe und beginnen Sie noch am Tag nach der Kündigung mit der Jobsuche. Das hilft im Übrigen auch, sich nicht vom Alter Ego in eine Schulddebatte verwickeln zu lassen. Denn der Schuldkomplex nagt an vielen Arbeitslosen; das Gefühl, die unglückliche Situation durch eigenes Verschulden verursacht zu haben – oft zu Unrecht. Daher: Nach vorne blicken und Lösungen suchen.

  7. Gehen Sie neue Wege

    Bewerben Sie sich beispielsweise initiativ über unübliche Kanäle wie soziale Netzwerke. Recherchieren Sie neue Jobbörsen, alternative Bewerbungsformen, überarbeiten Ihre Business-Profile. Und sei es nur, um Routine zu bekommen. Praxistipp: Bewerben Sich einfach mal per Smartphone. Das verschafft Ihnen zudem ein Erfolgserlebnis.

  8. Zapfen Sie ihr persönliches Netzwerk an

    Hören Sie sich bei Kollegen und Freunden um, vielleicht ergibt sich dort eine Chance. Wenn Sie noch nicht aktiv netzwerken, sollten Sie spätestens jetzt damit beginnen. Nicht betteln, aber baggern! Und: Vermeiden Sie Gruppen (online oder offline), die ausschließlich aus Arbeitslosen bestehen. Gruppen von Gleichen haben stets die Tendenz, ihre eigene Situation als soziale Norm anzusehen. Mögliche Folge in diesem Fall: Die Mutlosigkeit steigt, Eigeninitiative sinkt.

  9. Halten Sie Kontakt zu ehemaligen Kollegen

    Nur weil Sie entlassen wurden, heisst das nicht, dass Sie den Kontakt zu Ihren (hoffentlich) geschätzten Kollegen abbrechen müssen. Auch die erfahren vielleicht mal etwas oder können Ihnen andere Türen öffnen. Vor allem aber sollten Sie zusammen Spaß haben. Das US-Marktforschungsunternehmen Gallup fand in einer Umfrage heraus, dass Arbeitslose seltener lachen.

  10. Nutzen Sie freie Zeit zur Weiterbildung

    Wenn Sie auf absehbare Zeit keinen neuen Job bekommen, sollten Sie daran denken, sich für den Arbeitsmarkt attraktiver zu machen – durch Fortbildung und gefragte Zusatzqualifikationen. Zudem können Sie die Arbeitslosigkeit zur Neuorientierung nutzen. Vielleicht ist es der erste Schritt zu Ihrem neuen Traumjob. Weiterbildung ist umso wichtiger, da Arbeitslose mit der Zeit immer unkreativer, verschlossener und weniger umgänglich werden. Darum: Bleiben Sie am Ball!

[Bildnachweis: Marcos Mesa Sam Wordley by Shutterstock.com]
1. September 2016 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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