Worauf achten Personaler bei der Körpersprache?
Die Körpersprache im Vorstellungsgespräch prägt bereits den ersten Eindruck entscheidend: Gesten und Körperhaltung können Offenheit, Selbstbewusstsein und Sympathien signalisieren – oder Bewerberinnen und Bewerber genauso distanziert, unsicher oder gar inkompetent wirken lassen.
Entscheidend hierfür vor allem ein stimmiges Gesamtbild: Körpersprache, Kleidung, Lächeln, der gesamte Habitus und die Manieren bei der Begrüßung müssen zusammenpassen und für Position und Branche angemessen sein. Erst dann wirken Kandidaten authentisch – siehe auch Halo-Effekt bzw. Horn-Effekt.
Welche Gesten mögen mögen Personaler überhaupt nicht?
Gleichzeitig gibt es Gesten und Verhaltensweisen, die Personalern im Vorstellungsgespräch regelmäßig negativ auffallen und einen ansonsten positiven Eindruck ruinieren können. Sicher, eine gewisse Nervosität im Vorstellungsgespräch ist völlig normal. In unseren Umfragen unter Personalverantwortlichen gaben diese jedoch zu, dass die folgenden nonverbalen Signale häufig zu einer negativeren Bewertung führen – in dieser Reihenfolge:
- Fehlender Blickkontakt
- Kein Lächeln
- Zappeln, fummeln, nesteln
- Schlaffe Körperhaltung
- Schlaffer Händedruck
- Arme verschränken
- Mit den Haaren spielen
- Hektische Bewegungen
Definition: Was gehört alles zur Körpersprache?
Die Körpersprache gilt als Spiegel der Seele und gehört zur sogenannten nonverbalen Kommunikation und setze sich aus 7 unterschiedlichen Elementen zusammen:
- Blickkontakt: Augenkontakt, Dauer
- Mimik: Gesichtsausdruck, Augen, Stirn, Mund
- Gestik: Hände, Schultern, Füße, Körperhaltung
- Berührung: Umarmung, Händedruck
- Habitus: Auftreten, Erscheinungsbild, Statussymbole
- Distanz: Abstand zum Gesprächspartner
- Stimme: Lautstärke, Tonlage, Tempo, Betonung
Menschen beherrschen laut Studien mehr als 1000 Körperhaltungen, mehr als 5000 Gesten sowie mehr als 250.000 Gesichtsausdrücke.
Wie kann ich meine Körpersprache im Vorstellungsgespräch verbessern?
Tatsächlich scheitern die meisten Kandidaten im Jobinterview nicht an fachlichen Qualifikationen. Wer eine Einladung zum Vorstellungsgespräch erhält, hat bereits mit seiner Bewerbung und dem Lebenslauf überzeugt. Worum es jetzt meistens geht, ist die Persönlichkeit und der sog. Cultural Fit, also wie gut Sie ins Team und zur Unternehmenskultur passen.
Schiffbruch im Gespräch erleiden die meisten Kandidaten dann vor allem durch mangelhafte Soft Skills und widersprüchliche Körpersprache. Vor allem drei Phasen sind für die richtige Körperhaltung bzw. Körpersprache im Bewerbungsgespräch ganz entscheidend:
1. Begrüßung
Wenn Sie sich zum ersten Mal persönlich begegnen, den Raum betreten und begrüßen, ist es enorm wichtig, dass Sie sofort Präsenz und Selbstbewusstsein ausstrahlen. Stehen Sie unbedingt aufrecht, die Schultern gerade, lächeln Sie, halten Sie zu Ihrem Gegenüber Blickkontakt und sorgen Sie beim erste Auftritt für eine gewisse Körperspannung. Ganz wichtig: Laufen Sie nicht mit ausgestreckter Hand auf den Personaler zu (laut Knigge falsch!), sondern warten Sie ab, bis man Ihnen die Hand reicht. Im Business wird übrigens immer die ranghöchste Person im Raum zuerst begrüßt, also nicht unbedingt zwingend die Frau! Zur Begrüßung stehen Sie immer auf. Der Händedruck selbst ist kräftig, nie schlaff, und dauert nicht länger als 3-5 Sekunden. Danach folgen eine kurze Selbstvorstellung mit Namen. Wir empfehlen, hierbei den Namen Ihres Gesprächspartners einzubauen. Beispiel: „Frau Muster, ich freue mich, Sie persönlich kennenzulernen.“
2. Platznehmen
Der Teil ist nicht zu unterschätzen: Setzen Sie sich bitte erst hin, wenn man Ihnen einen Platz anbietet. Absolut tabu wäre, sich sofort auf den Stuhl zu lümmeln, die Arme zu verschränken oder es sich wie daheim einfach bequem zu machen. Schlechte Manieren lassen Bewerber unmittelbar distanzlos und unprofessionell aussehen. Allein richtig: Setzen Sie sich aufrecht hin, die Beine nebeneinander, die Arme und Hände locker im Schoß oder auf dem Tisch liegend. Diese Ausgangspose und Sitzhaltung dürfen und sollten Sie im Verlauf des Gesprächs natürlich variieren und z.B. sich nach vorne beugen und dem Gesprächspartner zuwenden, wenn Sie mit ihm reden oder dessen Körpersprache dezent „spiegeln“ (siehe: Chamäleon Effekt), um Vertrauen und Sympathie aufzubauen.
3. Gesprächshaltung
Im Bewerbungsgespräch selbst führen Sie einen Dialog – beantworten Fragen und stellen eigene Rückfragen oder halten eine 2-5-minütige Selbstpräsentation. Ihr Körper redet dabei permanent mit! Wichtig ist, dass Sie in der gesamten Zeit möglichst langsame und ruhige Bewegungen machen sowie hektische Mikro-Gesten (Nase kratzen, Haare zupfen, an Ringen spielen) unbedingt vermeiden. Solche Kleinigkeiten werden mindestens unbewusst registriert und prägen unterschwellig das Gesamtbild. Je besonnener, gelassener und dennoch bestimmt Sie mit Ihren Händen und der Körpersprache Ihre Antworten unterstützen, desto souveräner und überzeugender wirken Sie.
Vorsicht mit Territorialverletzungen!
Besondere Vorsicht ist am Schreibtisch geboten: Falls Sie dem Personaler gegenübersitzen und Ihre Unterlagen dort ausbreiten wollen andere Dinge abstellen, beanspruchen Sie dabei bitte so wenig Platz wie möglich! Sie verletzen sonst subtil dessen Territorium – das kostet Sympathiepunkte. Und ganz wichtig: Legen Sie NIEMALS das Handy auf den Tisch – schwerer Fauxpas (siehe: Sidebarring)! Das Smartphone gehört grundsätzlich stummgeschaltet in die Hand- oder Jackentasche.
Körpersprache interpretieren: Handgesten entschlüsselt
Zur besseren Orientierung für die perfekte Körpersprache im Vorstellungsgespräch finden Sie hier eine Übersicht häufiger Handgesten und wie diese von vielen Recruitern und Personalverantwortlichen interpretiert werden:
Körpersprache |
Interpretation |
| Verschränkte Arme | Signalisiert Verschlossenheit und Distanz, teils auch Unsicherheit und Ablehnung |
| Mit Fingern trommeln | Wirkt nervös bis ungeduldig, kann als Provokation gedeutet werden |
| Mit Fingern herumspielen | Offenbart Nervosität oder Langeweile und Desinteresse |
| Mit Finger ins Gesicht fassen | Deutet auf Irritation und Unsicherheit hin, kann auch eine Lüge verraten |
| Auf die Uhr schauen | Signalisiert Langeweile, Desinteresse (am Job) und Ablehnung |
| An den Hals fassen | Verrät Zweifel und Unwohlsein, Situation oder Frage ist unangenehm |
| Am Kopf kratzen | Zeigt Ratlosigkeit oder Verzweiflung, die gute Antwort fehlt |
| Hand vor den Mund halten | Deutet eine unangenehme Aussage an, oder: Gesagtes würde gerne zurückgenommen werden |
| Händerreiben | Wird als arrogant und Selbstzufriedenheit ausgelegt, wirkt unsympathisch |
| Merkelraute (Spitzdach der Hände) |
Zeigt Selbstsicherheit an, unter Umständen auch Abwehr von Kritik |
| Versteckte Hände | Wird als mangelnde Ehrlichkeit interpretiert |
| Gegenstände vor den Körper halten (Tasche, Ordner, Mappe) |
Verrät Unwohlsein und Unsicherheit, gilt als Schutzgeste |
| Kopf auf Hände stützen | Deutet Erschöpfung und Müdigkeit an |
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Sonderfall: Was ist mit der Körpersprache am Telefon?
Viele Unternehmen in Deutschland nutzen zur ersten Vorauswahl heute Vorstellungsgespräche am Telefon (sog. Telefoninterview) oder per Video. Auch wenn das paradox klingt: Man kann Ihre Körpersprache am Telefon hören! Die Körperhaltung und Körperspannung wirkt sich auf die Stimme aus und wird so transparent. Ob Sie stehen, sitzen, liegen oder lächeln – all das kann man durch Atmung, Tonlage und Stimmfarbe hören.
Wenn Sie also ein Vorstellungsgespräch am Telefon führen, setzen Sie sich dazu bitte stets aufrecht auf einen Stuhl oder stehen Sie dazu auf. Achten Sie auf eine langsame, deutliche und selbstbewusste Sprechweise und regulieren Sie dabei Ihre Atmung, Lautstärke, vor allem aber das Tempo. Eine monotone Sprechweise begeistert niemanden. Interessanter werden Sie, wenn Sie manchmal laut oder leise, schnell oder langsam, mal begeistert, mal bedächtig sprechen. Vor allem: Machen Sie zwischendurch immer wieder rhetorische Pausen – einmal um Luft zu holen, aber genauso um das Gesagte zu betonen oder sacken zu lassen.
Wir empfehlen, dass Sie sich zusätzlich immer noch ein Glas stilles Wasser in die Nähe stellen. Das können Sie heimlich trinken, wenn der Personaler redet und Ihr Mund vor Nervosität trocken wird. Bei Wasser mit Kohlensäure laufen Sie hingegen Gefahr, häufiger aufstoßen zu müssen. Unschön!
Was sollte ich bei der Verabschiedung beachten?
Wenn Sie bis hierhin alles richtig gemacht haben, verhauen Sie sich den bislang guten Eindruck bitte nicht am Schluss. Der letzte Eindruck ist mindestens so wichtig wie der erste, denn er hallt nach. Stehen Sie zum Abschied wieder auf, bedanken Sie sich für das gute Gespräch und die angenehme Atmosphäre und reichen erneut allen die Hand – wieder dem Gastgeber oder Ranghöchsten zuerst. Dabei halten Sie ebenfalls Blickkontakt und setzen Ihr schönstes Gewinnerlächeln auf. Gut ist wieder, den Namen der jeweiligen Person kurz zu erwähnen, etwa: „Herr Beispiel, es hat mich gefreut, Sie kennenzulernen!“
Danach gehen Sie aufrecht und langsam aus dem Gebäude – Sie sind ja nicht auf der Flucht. Verabschieden Sie sich bitte auch von allen Mitarbeitern, die Ihnen auf dem Weg begegnen! Manchmal werden diese gefragt, welchen Eindruck sie von dem oder der Kandidatin hatten. Erst wenn Sie außer Sichtweite sind, dürfen Sie entspannen, zusammensacken, schreien oder zittern… niemals vorher!
Was sind die größten Fehler bei der Vorstellungsgespräch Körpersprache?
Perfekte Antworten reichen im Vorstellungsgespräch meist nicht aus. Die richtige Körpersprache entscheidet ebenfalls mit über Zu- oder Absage. Der Bewerbungsprozess ist nunmal häufig höchst subjektiv und Personaler sind auch bloß Menschen. Kritisch wird es deshalb, wenn negative Körpersignale überwiegen. Diese Körpersprache-Fehler im Vorstellungsgespräch sollten Sie daher unbedingt vermeiden:
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Kein Blickkontakt
Der größte Lapsus überhaupt: Ihr Gegenüber nicht ansehen, wenn Sie reden oder die Person redet. Zu wenig Augenkontakt signalisiert Desinteresse oder wirkt verschlossen.
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Lascher Händedruck
Ein No-Go beim ersten und letzten Eindruck. Der Händedruck sollte stets fest, kurz und selbstbewusst sein – auch für Frauen.
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Fehlendes Lächeln
Ein freundliches Lächeln bei Begrüßung und Abschied erhöht nachweislich die Sympathie. Dauergrinsen wäre allerdings auch falsch. Das wirkt unseriös oder nicht ernsthaft genug.
-
Mit Gegenständen spielen
Stift, Ring, Haare sind Stressventile – und Nervtöter, wenn Bewerber daran ständig herumfummeln. Auch das sieht übermäßig nervös und unkonzentriert aus.
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Auf dem Stuhl zappeln
Ständiges hin und her Rutschen oder Wippen auf dem gilt als Zeichen für Unbehagen oder Unsicherheit. Beides sind eher negative Signale im Vorstellungsgepräch. Besser: Locker, aber ruhig sitzen.
-
Schlechte Sitzhaltung
Auf dem Stuhl lümmeln oder eine Macho-Pose mit gespreizten Beinen einnehmen, hinterlässt immer einen schlechten Eindruck und ist für ein Jobinterview definitiv unangemessen.
-
Arme verschränken
Die Pose gilt als klassische Schutz- oder Abwehrhaltung. Dasselbe gilt für das Verstecken der Hände in den Hosentaschen oder hinter dem Rücken. Einzig richtig: eine offene Körperhaltung.
Eine optimale Körperhaltung und zugewandte Körpersprache im Vorstellungsgespräch signalisiert Selbstbewusstsein, Interesse und Professionalität. Das Gute daran: Sie können diese im Vorfeld trainieren und üben – vor dem Spiegel, vor der Handykamera, vor Freunden oder mithilfe eines Coaches. Tatsächlich können manche so ihre Bewerbungschancen nochmal um 20-30 Prozent steigern.
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