Nervensäge: So gehen Sie mit schwierigen Menschen um

Den Job wählt jeder selbst. Die Arbeitskollegen kennt man aber für gewöhnlich nicht, ebenso wenig wie den Vorgesetzten. Und der eine oder andere entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als Nervensäge. Dazu zählen Leute, die ständig etwas zu kritisieren haben, die Ihnen das Ohr abkauen, sich ständig in den Vordergrund drängen müssen oder anderweitig die Laune vermiesen – kurz: auf die Nerven gehen. Wer nicht gleich den Job schmeißen, aber es sich auch nicht unnötig schwer machen will, muss sich etwas einfallen lassen. Wie Sie mit schwierigen Menschen umgehen…

Nervensäge: So gehen Sie mit schwierigen Menschen um

Nervensäge Bedeutung: Wenn das Ende der Nerven angezählt ist

Auch wenn die Herkunft des Begriffes Nervensäge (englisch: nag) nicht restlos klar ist, scheint die Bedeutung naheliegend: Ganz bildlich gesprochen ist eine Nervensäge etwas, das die Nerven einer Person zerstören kann.

Der Duden definiert als Nervensäge eine „Person oder Sache, die jemandem äußerst lästig fällt“. Üblicherweise wird ausschließlich eine unsympathische Person so bezeichnet, weshalb synonym zu Nervensäge auch folgende Begriffe verwendet werden:

  • Landplage
  • Nervtöter
  • Plagegeist
  • Quälgeist
  • Ruhestörer
  • Störenfried
  • Unsympath

Was zeichnet eine Nervensäge aus?

Die Gründe, warum jemand eine andere Person als Nervensäge empfindet, können unterschiedlicher Natur sein. Sie müssen auch gar nicht im vermeintlichen Plagegeist begründet sein, vielleicht ist der Genervte einfach sehr sensibel. Oder er hatte einen schlechten Tag.

Manche Angewohnheiten sind jedoch wirklich nervtötend. Summieren sich diese Tage zu Wochen und Monaten, liegt es auf der Hand, dass Sie es mit einer echten Nervensäge zu tun haben. Vor allem, wenn andere Ihren Eindruck bestätigen.

Zu den häufigsten Verhaltensweisen im Job, die andere Menschen nerven, zählen:

  • Unzuverlässigkeit

    Sie hatten mit Ihrem Kollegen abgesprochen, welchen Teil des Projekts er übernimmt und im Meeting präsentiert. Nun stellt sich heraus, dass er mal wieder bis auf den letzten Drücker damit gewartet hat und dementsprechend schlecht vorbereitet ist. Das fällt auf das ganze Team zurück. Oder es führt dazu, dass kurz vor knapp noch vermeidbare Überstunden eingelegt werden müssen.

  • Miesmacherei

    Wann immer Sie eine Idee äußern, kommt mal wieder Kollege Meier und hat zig Gründe, die vielleicht eventuell sicherlich bedacht werden sollten, denn man kann ja nie wissen… Natürlich sollten immer mehrere Aspekte betrachtet und mögliche Vor- und Nachteile abgewogen werden. Das Problem mit Bedenkenträgern ist jedoch, dass sie zur richtigen Nervensäge werden, wenn sie immer und ausschließlich die negativen und zum Teil hanebüchenen Aspekte sehen.

  • Rücksichtslosigkeit

    Daneben gibt es natürlich Nervensägen, die ein Verhalten an den Tag legen, als ob sie allein auf der Welt wären. Sie brauchen vielleicht Ruhe bei der Arbeit – der Kollege pfeift ein Liedchen. Oder hört nebenbei Radio. Führt lauthals Privatgespräche am Telefon. Oder er hält sich nicht an Abmachungen: Die Kaffeetasse landet grundsätzlich auf der Ablage statt in der Spülmaschine. Wenn er mit etwas an der Reihe wäre, zieht er sich aus der Affäre. Solche Egomanen braucht niemand.

  • Prahlerei

    Richtige Nervensägen sind auch solche, die sich unentwegt selbst beweihräuchern. Ihre tolle Leistung, ihre tollen Ideen, sie stehen immer an erster Stelle und das Team, na ja, das war anwesend. Schwätzer sind richtig ätzend, solche Zeitgenossen sind hochgradig unkollegial.

Falsches Verhalten führt zur Eskalation

Wer seinen Kollegen oder Chef immer als Nervensäge empfindet, hat ein Problem. Natürlich können Sie sich wünschen, dass der andere doch einfach mit seinem nervigen Verhalten aufhört. In den seltensten Fällen werden solche Gebete erhört.

Sie können als Arbeitnehmer – zumindest im ersten Schritt – aktiv beeinflussen, welche Auswirkung das Verhalten der Nervensäge auf Sie hat.

Denn viele der nervenden Verhaltensweisen und Marotten Ihres Kollegen sind deshalb anstrengend, weil Sie ein anderes Verhalten erwarten. Instinktiv hoffen die meisten Menschen darauf, dass andere genauso ticken wie sie – denn sie sind ja „richtig“.

Menschen sind aber nun einmal unterschiedlich, haben andere Normen und Werte, Interessen und Vorstellungen. Es bringt Sie daher nicht weiter, wenn Sie von der Nervensäge erwarten, doch einfach wie Sie zu sein.

Im Gegenteil: Wer sich konfliktscheu vor der Aussprache drückt, verschlimmert die Situation nur. Erfahrungsgemäß staut sich der Ärger über die Nervensäge auf, bis es irgendwann aus einem herausbricht.

Dann passieren unter Umständen unschöne Szenen, die vermeidbar gewesen wären.

Nervensäge Chef: Wie Sie damit umgehen

Nervensäge Chef Bedeutung Herkunft Synonym englisch DudenAuch Vorgesetzte können Nervensägen sein. Ständig wird genörgelt oder aber Aufgaben kurzfristig übertragen, was Sie in Zeitnot bringt – unschön. Hier gilt es, zunächst eine gewisse Gelassenheit im Umgang mit Kritik zu entwickeln.

Bei dieser Strategie geht es keinesfalls darum, sich vor seinem Chef zu ducken, alles klaglos zu akzeptieren und das nervende Verhalten passiv hinzunehmen. Vielmehr geht es darum, ein gewisses Gespür für Situationen und Verhaltensweisen zu entwickeln – Vorgesetzte sind auch nur Menschen.

Aber sie sitzen meist am längeren Hebel. Beispielsweise können Stimmungsschwankungen und Unhöflichkeit Teil der Persönlichkeit sein – oder durch Stress und hohe Belastung verursacht werden.

Kurzfristig verteilte Aufgaben und fehlende Planung können ihre Wurzeln in einer chaotischen Arbeitsweise haben. Es ist aber ebenso möglich, dass Ihr Chef selbst die Projekte und Aufgaben nur sehr kurzfristig erhält und dann sofort an Sie weitergibt.

Wer seinen Chef eine Weile aufmerksam beobachtet und sich auf die Ursachen für sein Verhalten konzentriert, kann sich entsprechend diplomatisch darauf einstellen:

  • Stellen Sie immer wieder Rückfragen, die erkennen lassen, dass Sie verstehen, unter welchem Druck Ihr Chef steht. So schaffen Sie Vertrauen und zeigen Verständnis für seine Lage.
  • Betreiben Sie aktiv Prävention, in dem Sie Ihrem Chef möglichst wenig Grund geben, sich zu ärgern. Sprechen Sie das Ihrem Chef gegenüber jedoch auch offen an und machen Sie deutlich, dass Sie sich Mühe geben, um die Aufgaben erwartungsgemäß zu erfüllen.
  • Geben Sie Ihrem Chef Kontra, wenn er sich unberechtigt aufregt – doch tun Sie es konstruktiv! Reagieren Sie also nicht Ihrerseits mit Aggression und Vorwürfen, sondern sprechen Sie klar an, warum die Kritik aus Ihrer Sicht nicht berechtigt ist.

Umgang mit Nervensägen: So geht’s

Wie erwähnt: Idealerweise merkt die Nervensäge, dass sie an ihrem Verhalten etwas ändern muss, weil sie ständig bei anderen aneckt und gemieden wird. Wesentlich häufiger merken solche Menschen jedoch nichts und wundern sich, warum andere sich in ihrer Gegenwart so komisch verhalten.

Ausgrenzung sollte allerdings nie das Mittel der Wahl sein. Ein fairer Umgang mit Kollegen gebietet ein aktives Vorgehen. Der Weg zur Konfliktlösung läuft mit diesen Tipps:

  • Akzeptanz

    Das klingt erst recht wie der größstanzunehmende Widerspruch, aber Sie sollten zunächst genau prüfen, was Sie nervt: Sind es wirklich unverzeihliche Fehler oder menschliche Schwächen? Wer etwas vergisst, ist noch längst nicht boshaft. Manchmal kann es helfen, die eigenen Erwartungen entsprechend herunterschrauben.

  • Aussprache

    Es führt meist kein Weg daran vorbei, es sei denn, der erste Punkt trifft zu. Deshalb sollten Sie den Kollegen darauf ansprechen, dass er das Verhalten einer Nervensäge an den Tag legt. Dazu gehört jedoch nicht, einfach nur zu sagen: Du nervst! Denn das wird meist verletzend beim Gegenüber ankommen. Wichtiger ist, dass Sie möglichst in Ich-Botschaften anhand konkreter Beispiele benennen, warum sein Verhalten an Ihren Nerven zehrt und es Ihnen erschwert, Ihrer Arbeit nachzukommen. Machen Sie darin deutlich, dass Ihnen an einem guten Auskommen miteinander gelegen ist und Sie deshalb lieber Probleme direkt ansprechen, als sich das Maul zu zerfetzen.

  • Reflexion

    Wer bei seinen Ideen von der Nervensäge häufig Kritik einstecken muss, sollte sich beispielsweise fragen, ob der Kollege vielleicht doch in dem einen oder anderen Punkt recht hat. Treffen seine Kritikpunkte zu, sollten Sie natürlich etwas ändern. Ist die ständige Kritik jedoch unberechtigt, sollten Sie sich das klar machen und eine gewisse Distanz dazu aufbauen. Es besteht zwar das Risiko, dass Sie dadurch eine Haltung entwickeln, die sich negativ auf Ihren Umgang mit berechtigter Kritik auswirkt. Das können Sie aber eindämmen, indem Sie sich bei anderen Kollegen rückversichern oder in einem Feedbackgespräch mit Ihrem Chef klären, welche Punkte Ihnen wichtig sind.

  • Mediation

    Eine weitere Stufe ist allerdings erreicht, wenn Sie merken, dass Ihre konstruktive Kritik auf taube Ohren trifft und sich im Verhalten der Nervensäge nichts ändert. Hier ist spätestens das Gespräch mit Dritten, dem Vorgesetzten oder dem Betriebsrat, angezeigt. Kommt es zu keiner einvernehmlichen Lösung, weil die Fronten verhärtet sind, kann eine räumliche Trennung oder Versetzung in einen anderen Bereich helfen.

  • Exit

    Dieser Schritt ist der extremste, kann aber notwendig sein, wenn das Arbeitsumfeld Sie krank macht. Letztlich geht es darum, den Kontakt zur Nervensäge möglichst zu meiden. Ist das nicht durch Maßnahmen wie im vorgenannten Punkt möglich, kann ein Jobwechsel eine Alternative sein.

[Bildnachweis: LightField Studios by Shutterstock.com]
9. Mai 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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