Was sind schwierige Kollegen?
Schwierige Kollegen sind Mitarbeiter, deren Verhalten die Zusammenarbeit regelmäßig belastet. Sie provozieren Konflikte, halten Absprachen nicht ein, reagieren aggressiv, kritisieren permanent oder überschreiten persönliche Grenzen. Allerdings ist nicht jeder Kollege schwierig, nur weil Sie sich nicht mögen. Unterschiedliche Persönlichkeiten, Arbeitsweisen und Meinungen gehören zum Berufsleben. Problematisch wird es, wenn Verhaltensweisen wiederholt Ihre Arbeit, die Zusammenarbeit oder das Betriebsklima beeinträchtigen.
Hinzu kommt: Was wir als „schwierig“ empfinden, ist oft subjektiv. Haben wir einen Kollegen erst als unhöflich, unfähig oder unsympathisch abgestempelt, interpretieren wir sein Verhalten schnell durch genau diese Brille. Psychologen sprechen hierbei auch vom Bestätigungsfehler. Deshalb lohnt sich vor einer Konfrontation immer ein kurzer Realitätscheck!
Welche schwierigen Kollegen gibt es?
Schwieriges Verhalten zeigt sich im Job auf unterschiedliche Weise. Manche Kollegen werden laut, andere wissen alles besser oder profitieren von fremder Arbeit. Besonders häufig begegnen uns diese Typen:
Kollegentyp |
Typisches Verhalten |
| Choleriker | wird schnell laut und aggressiv |
| Besserwisser | korrigiert und belehrt andere ständig |
| Querulant | provoziert oder verlängert Konflikte |
| Trittbrettfahrer | profitiert von der Leistung anderer |
| Energieräuber | beansprucht permanent Aufmerksamkeit |
Menschen passen natürlich nicht immer in solche Schubladen. Die Typen dienen lediglich zur Orientierung. Eine ausführliche Übersicht über unterschiedliche Charaktere und den jeweils passenden Umgang finden Sie hier:
18 typische Bürotypen im Überblick
Schwierige Kollegen: 10 Tipps zum richtigen Umgang
Sie können andere Menschen nicht ändern – wohl aber beeinflussen, wie Sie auf deren Verhalten reagieren. Je früher Sie aus gegenseitigen Schuldzuweisungen aussteigen, desto größer sind die Chancen auf eine professionelle Zusammenarbeit. Folgende Strategien haben sich im Umgang mit schwierigen Kollegen bewährt:
1. Prüfen Sie Ihre eigene Wahrnehmung
Fragen Sie sich zunächst: Was genau stört mich? Geht es um ein konkretes Verhalten oder hauptsächlich darum, dass der Kollege anders denkt und arbeitet als Sie? Menschen neigen dazu, einmal gefällte Urteile immer wieder bestätigt zu sehen. Ein kurzer Perspektivwechsel schützt Sie davor, aus persönlicher Antipathie vorschnell ein Charakterurteil zu machen.
2. Unterstellen Sie keine böse Absicht
Nehmen Sie nerviges Verhalten nicht automatisch persönlich. Die meisten schwierigen Kollegen stehen morgens nicht mit dem Plan auf, Ihnen den Arbeitstag zu ruinieren. Unterschiedliche Erwartungen, Kommunikationsstile oder Arbeitsweisen erzeugen Reibungen auch ohne böse Absicht. Diese Haltung entschuldigt kein Fehlverhalten, verhindert aber unnötige Eskalationen.
3. Wechseln Sie die Perspektive
Versuchen Sie, zu verstehen, warum sich Ihr Gegenüber so verhält. Der kontrollierende Kollege fürchtet vielleicht Fehler, der Bedenkenträger Risiken und der Besserwisser den Verlust von Anerkennung. Verständnis bedeutet nicht Zustimmung. Wer Motive erkennt, findet jedoch leichter einen Ansatz für eine konstruktive Lösung.
4. Bleiben Sie sachlich
Schwieriges Verhalten verführt zu Gegenangriffen, Ironie und spitzen Bemerkungen. Damit geraten Sie jedoch schnell selbst in eine Konfliktspirale. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf die Sache: Was ist passiert? Welche Auswirkungen hat das? Was muss sich ändern? Je emotionaler Ihr Gegenüber reagiert, desto wichtiger wird Ihre eigene Ruhe.
5. Sprechen Sie das Verhalten direkt an
Ärgern Sie sich nicht wochenlang still, sondern suchen Sie frühzeitig das Gespräch unter vier Augen. Vermeiden Sie dabei pauschale Vorwürfe wie „Sie sind unzuverlässig!“ Beschreiben Sie lieber eine konkrete Situation und deren Wirkung als Ich-Botschaft: „Die Unterlagen kamen diese Woche zweimal nach der vereinbarten Frist. Dadurch konnte ich meinen Teil nicht rechtzeitig abschließen.“ Über beobachtbares Verhalten lässt sich leichter sprechen als über vermeintliche Charakterfehler!
6. Setzen Sie klare Grenzen
Verständnis endet dort, wo Respektlosigkeit beginnt. Beleidigungen, Anschreien oder wiederholte persönliche Angriffe müssen Sie nicht hinnehmen. Formulieren Sie ruhig und eindeutig, welches Verhalten Sie nicht akzeptieren. Eine klare Grenze ist keine Provokation, sondern Voraussetzung für eine professionelle Zusammenarbeit.
7. Vermeiden Sie endlose Diskussionen
Nicht jeder Konflikt lässt sich durch noch mehr Argumente lösen. Manche Kollegen wollen das letzte Wort haben, wiederholen dieselben Vorwürfe oder ziehen Sie in Rechtfertigungsschleifen. Beenden Sie solche Gespräche freundlich, aber bestimmt. Fassen Sie Vereinbarungen zusammen und kehren Sie zur Arbeit zurück. Sie müssen nicht jeden Kollegen überzeugen, um professionell mit ihm zusammenzuarbeiten.
8. Dokumentieren Sie wiederkehrende Vorfälle
Bei ernsten oder wiederholten Problemen sollten Sie relevante Situationen sachlich festhalten: Datum, Anlass, Beteiligte, konkretes Verhalten und Folgen für die Arbeit. Bewahren Sie außerdem wichtige Absprachen und Nachrichten auf. Das ist aber keine Materialsammlung für einen Rachefeldzug! Eine Dokumentation hilft vielmehr, später konkrete Beispiele nennen zu können, statt nur zu behaupten: „Mit diesem Kollegen gibt es ständig Probleme.“
9. Holen Sie sich Unterstützung
Scheitert das direkte Gespräch oder beeinträchtigt das Verhalten Ihre Arbeit dauerhaft, müssen Sie den Konflikt nicht alleine lösen. Je nach Situation können Führungskraft, Personalabteilung, Betriebsrat oder eine betriebliche Konfliktstelle unterstützen. Schildern Sie konkrete Vorfälle und deren Auswirkungen auf die Zusammenarbeit – statt den Kollegen pauschal schlechtzumachen. Ihr Ziel sollte eine Lösung des Problems sein, nicht die Bestrafung der Person.
10. Ziehen Sie Konsequenzen
Manchmal helfen weder Gespräche noch Grenzen oder Vermittlung. Prüfen Sie dann, ob sich Zuständigkeiten verändern, Kontakte reduzieren oder ein Teamwechsel ermöglichen lässt. Wird destruktives Verhalten vom Arbeitgeber dauerhaft toleriert und belastet die Situation zunehmend Ihre Arbeit und Lebensqualität, kann letztlich auch ein Jobwechsel die richtige Konsequenz sein. Durchhalten um jeden Preis ist keine Lösung!
Wann sollte ich mich über schwierige Kollegen beschweren?
Nicht jede Meinungsverschiedenheit gehört sofort zum Chef. Versuchen Sie, kleinere Konflikte zunächst direkt und professionell zu lösen. Bei wiederholten Grenzüberschreitungen, ernsthaften Beleidigungen oder einer nachhaltigen Beeinträchtigung Ihrer Arbeit sollten Sie jedoch handeln. Als Orientierung hilft folgende Eskalationsleiter:
-
Situation prüfen
Handelt es sich um einen Einzelfall oder erkennen Sie ein wiederkehrendes Muster?
-
Direkt ansprechen
Beschreiben Sie das konkrete Verhalten und dessen Auswirkungen.
-
Grenzen setzen
Sagen Sie eindeutig, welches Verhalten Sie künftig nicht akzeptieren.
-
Vorfälle dokumentieren
Halten Sie relevante Situationen und Vereinbarungen sachlich fest.
-
Unterstützung suchen
Schalten Sie Vorgesetzte oder andere zuständige Stellen ein, wenn eigene Lösungsversuche scheitern.
Bei gravierendem Fehlverhalten müssen Sie diese Reihenfolge natürlich nicht stur abarbeiten. Drohungen, körperliche Übergriffe, sexuelle Belästigung, Diskriminierung oder systematisches Mobbing sind keine Bagatellen und gewöhnlichen Kollegenkonflikte. Hier müssen Sie frühzeitig Unterstützung suchen!
Schwierig oder toxisch: Wo liegt die Grenze?
Ein schwieriger Kollege ist nicht gleich automatisch toxisch. Eigenheiten, schlechte Laune, unterschiedliche Arbeitsweisen oder gelegentliche Konflikte können anstrengend sein, ohne gezielt zu schaden. Auch ein heftiger Streit macht aus einem Kollegen noch keinen dauerhaft destruktiven Menschen. Toxisches Verhalten geht weiter: Es zeigt sich wiederholt durch Manipulation, Einschüchterung, gezielte Abwertung, Sabotage oder systematische Ausgrenzung. Entscheidend sind nicht einzelne schlechte Tage, sondern Muster, Dauer und Auswirkungen.
Wer Sie regelmäßig erniedrigt, manipuliert oder bei der Arbeit sabotiert, ist nicht bloß ein „schwieriger Charakter“. Dann brauchen Sie keine besseren Tricks zum Umgang, sondern wirksamen Selbstschutz und gegebenenfalls Unterstützung im Unternehmen. Lesen Sie in diesem Fall bitte hier weiter: Toxische Kollegen erkennen und richtig reagieren.
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