Brückenjob: Arbeitsgelegenheit für den Übergang

Je länger die Arbeitslosigkeit, desto schwerer der Wiedereinstieg ins Berufsleben. So sieht leider die traurige Realität aus. Ein Brückenjob soll den Übergang ermöglichen und Arbeitslosen helfen, wieder in eine feste Anstellung zu finden. Ganz so einfach klappt es nur selten und die Kritik am Konzept der Brückenjobs ist groß. Wir schauen uns den Brückenjob für Sie genauer an und klären dabei die wichtigsten Fragen: Was ist ein Brückenjob überhaupt? Welche Vorteile kann dieser mitbringen? Und sind Sie verpflichtet, einen Brückenjob anzunehmen?

Brückenjob: Arbeitsgelegenheit für den Übergang

Definition: Was ist ein Brückenjob?

Brückenjob Definition Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung 2019Der Brückenjob ist den meisten Menschen unter einem anderen Namen besser bekannt: 1 Euro Job. Zwar hat sich diese Bezeichnung eingebürgert (manchmal wird auch von Zusatzjobs gesprochen), doch der eigentlich korrekte Name lautet Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung. Bei diesem bürokratischen Begriff verwundert es nicht, dass häufiger von einem Brückenjob gesprochen wird.

Ein Brückenjob ist ein arbeitsmarktpolitisches Instrument, das sich an Empfänger von Arbeitslosengeld II (umgangssprachlich Hartz 4 genannt) richtet. Das Ziel: Langzeitarbeitslose sollen durch die Arbeitsgelegenheit wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. So sollen Brückenjobs langfristig dabei helfen, die Arbeitslosigkeit zu beenden und Arbeitskräfte wieder in eine geregelte Beschäftigung zu führen.

Um wirklich von einem Brückenjob zu sprechen, müssen verschiedene Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Öffentliches Interesse

    Der Brückenjob muss eine Tätigkeit sein, die im öffentlichen Interesse liegt. Das erzielte Arbeitsergebnis soll bei einer Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung der Allgemeinheit dienen. Bei Privatunternehmen sind solche Arbeitsmöglichkeiten so gut wie nie zu finden. Klassische Beispiele sind: Öffentlicher Garten- und Landschaftsbau, Hilfsarbeiten in Kindergärten oder Altenheimen, Stadtreinigung und Alltagshilfe für ältere Menschen.

  • Zusätzlichkeit

    Brückenjobs dürfen andere und bereits bestehende Arbeitsplätze nicht verdrängen oder ersetzen. Sie müssen zusätzlich geschaffen werden. Gemeinnützige Organisationen oder kommunale Einrichtungen können bei der Agentur für Arbeit einen Antrag einreichen. Wird diesem zugestimmt, kann eine Arbeitskraft in die Maßnahme vermittelt werden. Beim Antrag muss nachgewiesen werden, worin das öffentliche Interesse besteht.

  • Verhältnismäßigkeit

    Ein Brückenjob muss geeignet sein, den Beschäftigten wieder an den ersten Arbeitsmarkt und eine Anstellung heranzuführen. Zudem muss überprüft werden, ob die Tätigkeit in Form und Umfang verhältnismäßig und zumutbar ist. Dabei spielt auch die Höhe der Aufwandsentschädigung eine Rolle.

Von einer Mehraufwandsentschädigung wird deshalb gesprochen, weil durch einen Brückenjob kein reguläres Arbeitsverhältnis entsteht. So kann es sich nicht um ein Gehalt oder Arbeitsentgelt handeln, das gezahlt wird. Die Mehraufwandsentschädigung soll zusätzliche Aufwendungen abdecken, die Empfängern von Arbeitslosengeld II durch die Ausübung der Tätigkeit entstehen, die in den Regelleistungen nicht beinhaltet sind.

Muss ich einen Brückenjob annehmen?

Die wahrscheinlich häufigste Frage, die zu diesem Thema gestellt wird lautet: Ist es verpflichtend, einen Brückenjob anzunehmen? Zunächst lautet die Antwort darauf: Ja, als Empfänger von Arbeitslosengeld II müssen Sie grundsätzlich einen Brückenjob annehmen, wenn Sie von der Agentur für Arbeit dazu aufgefordert werden.

Sollten Sie dies nicht tun, indem Sie die Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung nicht annehmen, diese nicht weiterführen oder anderweitig verhindern, müssen Sie mit Sanktionen und deutlichen Kürzungen bei den Leistungen rechnen. Verweigern Sie einen Brückenjob, wird das Arbeitslosengeld um 30 Prozent gekürzt. Kommen Sie der Aufforderung, einen Brückenjob anzunehmen, weiterhin nicht nach, werden die Sanktionen mit der Zeit gesteigert.

Aber: Es kann gute Gründe geben, aus denen Sie einen Brückenjob nicht annehmen. So muss es sich um eine Tätigkeit handeln, die für Sie zumutbar ist und zu der Sie in der Lage sind. Können Sie glaubhaft erklären, warum dies nicht der Fall ist, kann ein Brückenjob unter Umständen abgelehnt werden. Aus diesem Grund ist es von Seiten des Anbieters und der Arbeitsagentur notwendig, die Arbeitsgelegenheit genau zu definieren – nach Art, Ort und Umfang der Aufgaben.

Ein weiterer möglicher Grund, um einen Brückenjob abzulehnen, ist die fehlende arbeitsmarktpolitische Zweckmäßigkeit. Klingt kompliziert, heißt im Klartext: Wenn die Arbeitsgelegenheit nicht geeignet ist, um Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, müssen Sie diese nicht antreten. Im Einzelfall kann es jedoch schwierig sein, dies zu argumentieren und nachzuweisen, dass Sie keine Qualifikationen sammeln, Kenntnisse erwerben oder durch die Erfahrung Ihre Chancen verbessern.

Kritik: Sind Brückenjobs nur für die Statistik?

Brückenjobs 1 Euro Job KritikDas erklärte Ziel von Brückenjobs ist löblich und unterstützenswert. Staatliche Hilfe ist notwendig, um Arbeitslosigkeit zu verringern und Betroffene gerade nach einer langen Phase der Nicht-Beschäftigung wieder in den Arbeitsmarkt zu bringen.

Ob ein Brückenjob dieses Ziel wirklich erreicht, wird jedoch angezweifelt und kritisiert. Kritiker sehen keine nennenswerte Wirkung auf die Wiedereingliederung ins Berufsleben.

Das ist längst nicht der einzige Kritikpunkt: Statistiken legen nahe, dass Brückenjobs andere Arbeitsverhältnisse zum Teil verdrängen. Die Aufgaben sind identisch mit denen ausgebildeter Kräfte, die Positionen werden nicht als solche ausgeschrieben, sondern über Arbeitsgelegenheiten mit Mehraufwandsentschädigung besetzt.

Gerade in diesem Zusammenhang werden die verbundenen Arbeitsbedingungen im Brückenjob moniert. Da es kein echtes Arbeitsverhältnis ist, gibt es keinen geregelten Arbeitsvertrag, keinen Anspruch auf Bezahlung bei Urlaub oder Krankheit.

Immer wieder werden zudem Stimmen laut, die das Instrument nur als Beschönigung für die Statistiken der Arbeitslosenzahl sehen. Denn: Empfänger von Arbeitslosengeld II, die einer Arbeitsgelegenheit mit Mehraufwandsentschädigung nachgehen, gelten nicht als arbeitslos und werden nicht in den Zahlen der Arbeitslosenstatistik berücksichtigt.

Vorteile und Gründe für einen Brückenjob

Bei so viel Kritik stellt sich die Frage: Sind Brückenjobs überhaupt sinnvoll? Über diese Frage darf – wie über die genannten Kritikpunkte – diskutiert und gestritten werden. Kritiker sind nur Nachteile, Befürworter nennen hingegen durchaus Vorteile und gute Gründe, die für einen Brückenjob sprechen:

  • Beschäftigung während der Arbeitslosigkeit

    Bei Bewerbungen haben es Arbeitslose schwer, wenn lange Lücken entstehen, in denen nicht gearbeitet wurde. Hier entscheiden sich Personaler meist für andere Kandidaten. Mit der Beschäftigung im Brückenjob können Sie zeigen: Ich bin motiviert und möchte arbeiten.

  • Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit

    Mit dem Brückenjob können Sie Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigern. Im besten Fall passt die Arbeitsgelegenheit auch fachlich zu dem Bereich, in den Sie wieder einsteigen wollen, in jedem Fall können Sie Soft Skills erlernen und ausbauen.

  • Verbesserung der finanziellen Situation

    Arbeitslosengeld II soll alle Kosten decken, die finanzielle Situation ist trotzdem angespannt und jeder Euro muss zweimal umgedreht werden. Der Brückenjob kann durch die Mehraufwandsentschädigung das monatliche Budget ein wenig aufstocken, weil diese zusätzlich gezahlt und nicht auf die Leistungen angerechnet wird.

[Bildnachweis: Microstocker13 by Shutterstock.com]
9. Mai 2019 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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