Chefsache: Bedeutung, Aufgaben, Tipps

Im Berufsleben werden zahlreiche Dinge zur Chefsache erklärt. Der Termin mit dem wichtigen Kunden, das Projekt mit dem größten Budget und viele Entscheidungen im Arbeitsalltag. Auf der einen Seite verständlich, denn der Chef trägt größere Verantwortung, muss das Team leiten und als Führungskraft auch dafür sorgen, dass die Ergebnisse stimmen. Werden Aufgaben zur Chefsache, greift der Chef aktiv ein und erfüllt eine Schlüsselfunktion seiner Position.

Allerdings sollte hinterfragt werden, was wirklich Chefsache ist. Bei falscher Aufteilung werden sonst nicht Lösungen und Ergebnisse, sondern Probleme geschaffen. Die Folge sind Führungskräfte, die alles zur Chefsache machen – und Mitarbeiter, die demotiviert werden. Hier erfahren Sie, was Sie zum Thema Chefsache wissen sollten, welche Schwierigkeiten drohen und was in Teams wirklich Chefsache sein sollte…

Chefsache: Bedeutung, Aufgaben, Tipps

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Definition und Bedeutung: Was ist Chefsache?

Chefsache bedeutet, dass etwas von höchster Bedeutung ist. Gemeint sind damit in der Regel Aufgaben, die so wichtig sind, dass sie vom Chef selbst übernommen werden. Synonym zum Begriff Chefsache könnte auch von Dringlichkeit, Wichtigkeit und Anliegen mit höchster Priorität gesprochen werden. In einigen Situationen kann es sich sogar um einen Notfall handeln, die einen Sachverhalt zur Chefsache macht.


Chefsache sind Aufgaben, die an erster Stelle stellen, höchste Priorität genießen und deren Bedeutung groß genug ist, dass der Chef seine Zeit dafür aufbringt.



Zur Chefsache für Vorgesetzte gehört neben der Repräsentation des Unternehmens die Aufgabenverteilung im Team, das Führen der Mitarbeiter, die Durchführung von Feedbackgesprächen oder auch anderer Austausch mit den Angestellten. Eine wichtige Chefsache ist zudem die Ausrichtung der Abteilung, um gesetzte Ziele zu erreichen.

Wer entscheidet, was Chefsache ist?

Zugespitzt formuliert könnte man sagen: Chefsache ist das, was der Vorgesetzte zur Chefsache macht. Er trägt nicht nur die Verantwortung, sondern hat auch die Befugnis, Aufgaben zu übernehmen, die von großer Bedeutung sind. Mitarbeiter können ebenfalls einen Sachverhalt zur Chefsache machen, wenn dieser an die Führungskraft herangetragen wird. Dabei kann es um Ratschläge, Informationen oder direkte Unterstützung gehen.

In einigen Fällen machen Kunden sich selbst zur Chefsache. Teilweise verlangen Auftraggeber nach der Betreuung von höchster Position.

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Probleme mit der Chefsache

Einige Punkte im Job sind ganz klare Chefsache: Das Führen des Teams und die Verantwortung für den Gesamterfolg der Abteilung obliegen der Funktion der Führungskraft. Werden hingegen andere Aufgaben zur Chefsache erklärt, kann das zu einigen Problemen führen. Das beginnt bereits der bei implizierten Botschaft, die Mitarbeiter erhalten, wenn Projekte plötzlich Chefsache werden: Du bist nicht gut genug, um damit beauftragt zu werden.

Macht der Vorgesetzte eine Aufgabe zur Chefsache, stößt er dem Team vor den Kopf. Für die Mitarbeiter stellt sich schließlich die Frage: Warum kann ich mich nicht um eine wichtige Aufgabe kümmern? Es wird keine Wertschätzung der Arbeit und Leistung gezeigt, sondern das Signal gesendet, Angestellte seien nicht gut oder wichtig genug. Die Folge sind Demotivation, Frust und geringere Bindung und Identifikation mit dem Arbeitgeber.

Wird nicht klar geregelt und kommuniziert, was Chefsache ist – und aus welchen Gründen dies so gehandhabt wird – kommen weitere Probleme hinzu:

Fehlende Verantwortung bei Mitarbeitern

Mitarbeiter wollen nicht nur Aufgaben abarbeiten, sondern eigenverantwortlich entscheiden und handeln. Je mehr Aspekte des Jobs zur Chefsache werden, desto weniger Verantwortung liegt im Team. Das steigert die Unzufriedenheit. Zusätzlich bringen sich die Teammitglieder weniger ein.

Weniger Weitergabe von Informationen

Wenn Projekte als Chefsache gelten, kommen weniger Informationen im Team an. Das kann sich negativ auf weitere Aufgaben auswirken, weil Wissen über den aktuellen Stand fehlt. Übernimmt der Chef viele Aufgaben selbst, fehlt es oft an der nötigen Kommunikation mit dem Team.

Kein Transfer von Fähigkeiten

In einigen Betrieben mag es stimmen, dass der Chef über besonders große Qualifikationen, Kompetenzen und Erfahrung verfügt. Trotzdem ist es problematisch, wenn wichtige Aufgaben dann immer zur Chefsache gemacht werden. So kann kein Transfer der Fähigkeiten stattfinden. Die Mitarbeiter werden nicht gefördert.

Nicht ausreichend Zeit für Führungsaufgaben

Führungskräfte haben einen vollen Terminplan und lange ToDo-Listen. Organisation, Planung, Vorbereitung und zahlreiche tatsächliche Führungsaufgaben wollen erledigt werden. Je mehr Aufgaben des Arbeitsalltags zur Chefsache werden, desto weniger Zeit bleibt, um sich um diese Dinge zu kümmern.

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Chefsache und Führungsstile

Eine große Rolle bei der Frage, was zur Chefsache wird, spielt der Führungsstil. Einige Chefs sind sehr darauf bedacht, Aufgaben und Verantwortungen an sich zu reißen, andere sind offener, binden das Team ein und delegieren auch große und wichtige Projekte.

Chefsache Kommunikation Führungsstil

Je nach Situation haben zahlreiche Führungsstile eine Berechtigung. So kann es in einem Notfall sinnvoll sein, bestimmte Aufgaben zur Chefsache zu erklären. Wenn schnell gehandelt werden muss, bleibt keine Zeit, um zu diskutieren. Hier übernimmt der Chef das Ruder, gibt Anweisungen und trägt nicht nur die Verantwortung, sondern steuert aktiv das Team durch Vorgaben und eigene Mitarbeit.

In anderen Fällen kann ein anderes Vorgehen sinnvoller sein, in der gegenseitige Kommunikation und Delegation von Aufgaben im Vordergrund steht. Werden dann – ohne erkennbaren Grund oder transparente Erklärung – Punkte der täglichen Arbeit zur Chefsache erklärt, kommt es zu den oben genannten Problemen. Ob etwas zur Chefsache gemacht wird, sollte situationsabhängig entschieden und stets offen kommuniziert werden. Das steigert das Verständnis und die Akzeptanz innerhalb des Teams.

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Darum ist Kommunikation Chefsache

Über allem steht die Kommunikation als Bindeglied zwischen Führungskraft und Team. Kommunikation ist deshalb in jedem Fall Chefsache und hat für den Erfolg der Zusammenarbeit oberste Priorität. Die Art und Weise wie ein Chef kommuniziert (und vice versa), trägt entscheidend zum Betriebsklima bei. Sie hat Einfluss auf das Maß an Mitarbeitermotivation und letztlich direkt auf den Unternehmenserfolg.

Mitarbeiterführung gehört zu den Kernaufgaben von Vorgesetzten und ist schon deshalb Chefsache. Ohne richtige Kommunikation erweist sich Führungsarbeit als schwierig bis unmöglich. Mit anderen Worten: Führungskräfte, die gar nicht oder nicht richtig kommunizieren, machen keinen guten Job. Hier zeigt sich der Unterschied zwischen Vorgesetzten und Führungskräften. Oft synonym verwendet, klafft in der Realität zwischen beiden ein riesiger Spalt. Soziale Fähigkeiten und Führungskompetenz gehen nicht zwangsläufig mit dem hierarchischen Aufstieg einher.

Chefsache: Fragen, die Führungskräfte stellen sollten

Nur Ansagen reichen für gelungene Kommunikation nicht aus, Fragen gehören ebenso zur Chefsache, um Input zu erhalten, Wertschätzung und Respekt zu signalisieren und das Team erfolgreich führen zu können. Gemeint sind dabei nicht die typischen Cheffragen im Stile von „Wann ist das Projekt endlich fertig?“ oder „Kann jemand heute Überstunden machen, um sich darum zu kümmern?“

Wichtiger sind Fragen die signalisieren, dass Führungskräfte Mitarbeiter ernst nehmen, schätzen, sich für diese einsetzen und ihnen an einem guten Verhältnis und positiver Zusammenarbeit gelegen ist. Diese zum Beispiel:

  • Wie kann ich Ihnen helfen?
  • Worauf konzentrieren Sie sich momentan? Haben Sie alles, was Sie brauchen, um Ihre Arbeit bestmöglich zu erledigen?
  • Was können wir beide tun, um diese Woche für Sie besser zu gestalten?
  • Gab es diese Woche etwas, das Sie nicht voranbringen konnten oder worüber Sie nicht sprechen konnten, was Sie aber beschäftigt?
  • Wie würden Sie am liebsten geführt werden und warum?
  • War das Ihre beste Arbeit?

Einzelgespräche sind eine gute Möglichkeit, für den Vorgesetzten und seinen Mitarbeiter miteinander in Kontakt zu treten, um eine Vertrauensbasis aufzubauen, die für eine gute Arbeitsbeziehung unerlässlich ist. Ein solcher Austausch ist als Chefsache unerlässlich und sollte regelmäßig stattfinden.

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Initiative Chefsache: Chancengleichheit in Unternehmen

Was Unternehmen allgemein zur Chefsache erklären – also unabhängig von unmittelbar anliegenden Aufgaben – ist nicht zuletzt auch eine Frage der Unternehmenskultur. Wofür will ein Unternehmen wahrgenommen werden? Welche Werte repräsentiert es? Solche Werte hängen eng mit gesellschaftlichen Entwicklungen zusammen, denen Unternehmen für ein positives Bild entsprechen wollen.

Ein verändertes Umweltbewusstsein in Zeiten des Klimawandels, der Wunsch nach fairen Produktions- und Arbeitsbedingungen, Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern und nicht zuletzt der Mensch mit seinen unterschiedlichen Facetten finden immer mehr Beachtung. Nicht nur gesamtgesellschaftlich, sondern auch auf wirtschaftlicher Ebene spiegeln sich bestimmte Veränderungen wider. Erkennbar ist das beispielsweise an veränderten Formulierungen in Stellenanzeigen, die dem politischen Konsens Rechnung tragen.

Diversität zur Chefsache machen

Dass Diversität nicht nur eine Modeerscheinung ist, sondern Unternehmen nachweislich voranbringt, ist lange bekannt. Bereits der britische Psychologe Raymond Meredith Belbin erkannte, dass möglichst heterogene Teams die besten Ergebnisse erzielen. Die Realität sieht oft anders aus. Gerade im Management sind beispielsweise Frauen weiterhin deutlich unterrepräsentiert.

Das Bewusstsein für die Problematik ist vorhanden. Immer mehr Unternehmen möchten etwas ändern und haben sich zu der „Initiative Chefsache“ zusammengeschlossen. Das unter der Schirmherrschaft von Kanzlerin Angela Merkel stehende Netzwerk will nicht einfach nur mehr Frauen in Führung bringen. Es will den Blick für Vorbehalte schulen und durch Mentoringprogramme Vorurteile abbauen. Chancengleichheit und Diversität sollen zur Chefsache gemacht werden.

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[Bildnachweis: rudall30 by Shutterstock.com]
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4. September 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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