Hara Hachi Bu: Mäßigung macht erfolgreich

Es klingt nach einem Mantra: Hara Hachi Bu. Das kommt aus dem Japanischen und bedeutet so viel, wie: „Fülle deinen Magen nur zu 80 Prozent.“ (wörtlich: acht Teile von zehn voll). Die Phrase ist heute ein Synonym und Plädoyer für Mäßigung, Verzicht und Selbstkontrolle in der Ernährung. Wer nicht gerade dabei ist, sich für einen Schwergewichts-Wettkampf zu mästen, handelt schlicht unklug, sich beim Essen jedes Mal voll zu stopfen. Hara Hachi Bu (auch bekannt als Okinawa Diät) ist allerdings nicht nur ein asiatisches Konzept der Mäßigung für mehr Lebensqualität. Es lässt sich als Erfolgsrezept ebenso gut auf andere Lebensbereiche übertragen und anwenden…

Hara Hachi Bu: Mäßigung macht erfolgreich

Mäßigung als Tugend: Definition, Bedeutung und Synonyme

Mäßigung Tugend: Definition Bedeutung SynonymeMäßigung oder das Maß halten gehört zu den vier platonischen Kardinaltugenden. Im Deutschen werden als Synonym auch gerne mal Mäßigkeit, Besonnenheit und Selbstbeherrschung verwendet. Ältere und nur noch selten verwendete alternative Bedeutungen sind Maßhaltung, Zucht oder Zügelung. Gemeint ist damit eine Art (Selbst-)Beschränkung. Das Gegenteil von Mäßigung ist der Exzess.

Oder anders formuliert:

Die Tugend der Mäßigung bedeutet, sich nicht dem freien, lustvollen Genuss und seinen Trieben hinzugeben oder gar einen ausschweifendem Lebensstil auszuleben, sondern bewussten Verzicht zu üben und gezielte Enthaltsamkeit zu pflegen, um letztlich (mental) unabhängig zu bleiben.

Von Lukian von Samosata stammt das Zitat und die Ermahnung: „Erfreue dich deines Besitzes, als stürbest du morgen, aber verbrauche ihn mit Maß, als lebtest du lange.“

Mäßigung: Hara Hachi Bu als Erfolgsschlüssel

Hara Hachi Bu lehrt natürlich nicht den vollständigen Verzicht, das Unterdrücken jeglichen Vergnügens zur Selbstreinigung, der sogenannten Askese.

Vielmehr erinnert das Konzept an das Pareto-Prinzip, wonach es auch nicht klug ist, sich vollständig zu verausgaben, weil der sparsame, aber effektivere Einsatz der richtigen Mittel viel eher zum gewünschten Erfolg führt.

Hara Hachi Bu und Mäßigung lässt sich daher so verstehen, immer dann aufzuhören, wenn es am schönsten ist – oder besser noch etwas eher.

Zwei Beispiele:

  • Denken Sie an einen Vortrag, bei dem der Redner versucht, jeden Aspekt, jedes noch so kleine Detail in seine Präsentation oder die Folien zu quetschen – nur um den vermeintlich perfekten und vollständigen Vortrag zu halten. Schrecklich! Für die Zuschauer wäre das Ergebnis eine endlose Marter. Das Publikum wäre am Ende übersättigt, überstrapaziert, vollgestopft eben.

    Obendrein würden die Leute allenfalls zehn Prozent davon behalten. Wenn überhaupt. Weniger ist hier viel mehr: Die Konzentration auf das Wesentliche sorgt für mehr Aufmerksamkeit und Sympathie und erhält auch noch etwas Lust und Kapazität für eine anschließende Diskussion.
  • Oder denken Sie an einen Chef, der seinen Mitarbeitern 100 Prozent vollständige Anweisungen erteilt. Jeder Hangriff, jeder Entwicklungsschritt wäre vorgegeben, der gesamte Tagesablauf streng geregelt. Null Kapazität für eigene freie Entfaltung oder Entscheidungen.

    Mikromanagement heißt das im Fachjargon. Und es fällt nicht schwer, sich auszumalen, wie demotivierend eine solche Atmosphäre der Vorschriften wirkt.

Auf der anderen Seite gibt es Unternehmen wie Google, IBM, Facebook, die ihren Mitarbeitern bewusst Freiräume und einen bestimmten Prozentsatz der Arbeitszeit zur freien Verfügung überlassen. In dieser Zeit können sich die Mitarbeiter um eigene Projekte, eigene Ideen kümmern, experimentieren, sich austauschen.

Und siehe da: Auf einmal entstehen daraus zahlreiche neue Innovationen für das eigene Unternehmen. Hara Hachi Bu!

„Die Dosis macht das Gift“, das wusste schon Paracelsus. Man kann es auch mit dem Guten übertreiben und so das Gegenteil bewirken. So sind noch viele weitere Allegorien und Anwendungsoptionen für das 80-Prozent-Konzept des Hara Hachi Bu denkbar.

Wenn Sie Lust haben, können Sie ja ein paar davon hier in den Kommentaren verewigen. Wir würden uns freuen – zu 100 Prozent…

[Bildnachweis: Ollyy by Shutterstock.com]
15. Januar 2017 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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