Kaugummi kauen: Machen Kaugummis schlau und gesund?

Schätzungen zufolge kaut jeder Deutsche rund 100 Kaugummis im Jahr. Trotzdem genießt Kaugummi kauen nicht gerade den besten Ruf – vor allem, weil es so viele mit offenem Mund tun. Brrr. Doch das negative Image täuscht. Kaugummis sind besser als ihr Ruf. Unabhängig davon, dass sie den Atem verbessern (bei einigen Zeitgenossen wenigstens kurzfristig) sind sie gesund für unsere Zähne. Einige Wissenschaftler behaupten sogar, das Kauen von Kaugummi beschleunigt unsere kognitive Fähigkeiten. Oder salopp gesagt: Wer Kaugummi kaut, denkt und merkt sich Dinge schneller. Aber stimmt das auch?

Kaugummi kauen: Machen Kaugummis schlau und gesund?

Wie der Kaugummi in die Welt (und unter die Schuhsohle) kam

Wie der Kaugummi in die Welt (und unter die Schuhsohle) kamWas wir heute als Kaugummi mit Pfefferminz-Geschmack kennen, war nicht immer lecker. Am Anfang nämlich schmeckte Kaugummi nach Dreck.

Während unsere Steinzeitvorfahren am flackernden Feuer wahlweise über die Vorzüge von Mammuts oder Höhlenmamas sinnierten, kauten sie gerne mal auf Baumharzen und Birkenpech herum. Lecker. In den Hochkulturen der alten Ägypter und Römer war man da schon weiter und katschte lieber den Harz des Mastixbaumes, in der Hoffnung seiner Mundflora so etwas Gutes zu tun. Im 16. Jahrhundert waren es die spanischen Conquistatores, die aus der neuen Welt Mittelamerikas nicht nur geraubtes Gold und geraubte Azteken einschleppten, sondern auch eine Kaumasse aus dem Latexsaft des Sapotillbaumes, genannt „Chicle“.

Dann kam die Wende. Jahrhunderte später schmeckte Kaugummi auf einmal nach Juicy Fruit, Pfefferminze und großer Freiheit: Im Jahr 1871 brachte der New Yorker Fotograf Thomas Adams die ersten „Chicle-Kugeln“ und -streifen auf den Markt. Die schmeckt da jedoch noch nach nichts. Bald aber schon folgten Kaugummi mit Lakritzgeschmack und Pfefferminzgeschmack. William Wrigley Jr. verkaufte 1873 den ersten „Juicy Fruit“-Kaugummi, wenig später folgte Wrigley’s „Spearmint“.

Zu uns kam das Zeug entsprechend aus Übersee. Die amerikanischen GIs brachten den Bubble Gum nach Germany. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente er der Bevölkerung vor allem bei der Imitation des amerikanischen Idioms sowie der Bekämpfung von Mundgeruch und mangelnder Coolness, später auch von Karies.

Danach litt die Reputation der Kaustreifen ein wenig. Die Innenstädter pflasterten zunehmend ihre Fußgängerzonen damit. Zahnärzte pflasterten zunehmend Zahnlöcher, weil der frisch-fruchtige Kaugenuss mehr Zucker als Genuss enthielt. Seit 1982 gibt es schließlich auch Kaugummis, die Blasen machen können.

Im Fernsehen tauchten zunehmend Typen auf, die daraus possierliche Figuren lutschen konnten oder – falls Sie McGuyver hießen – daraus Bomben bastelten. Beides mindestens gleich verdächtig.

In Singapur wiederum, dem einzigen Land außer Schwaben, das nicht nur sauber ist sondern rein, ist Kaugummi bis dato nur in Apotheken zu kaufen – und selbst dann darf der Apotheker die Kaumasse nur herausrücken, wenn er sich vorher Name und Passnummer des Käufers notiert. Sonst droht ihm eine Geldstrafe.

Aber zäh wie das Zeug nun mal ist, hat es sich trotzdem über all die Jahrtausende gehalten – nicht nur unter Schuhsohlen.

Kaugummi-Sorten: Macht Kaugummi kauen schlauer?

Kaugummikauen ist populär in Deutschland. Die Gründe dafür sind natürlich völlig unterschiedlich:

  • Manche Kauen Kaugummi zur Zahnpflege nach dem Essen.
  • Andere kauen die Pfefferminzstreifen gegen Mundgeruch.
  • Wieder andere nutzen Nikotinkaugummis, um das Verlangen nach einer Zigarette zu unterdrücken.
  • Koffeinkaugummis hingegen sollen kurzfristig wach machen – etwa bei LKW-Fahrern.
  • Einige kauen Kaugummis auch bei Start und Landung in Flugzeugen – zum Druckausgleich und gegen Ohrenschmerzen.
  • Es gibt aber auch Kaugummis gegen Reiseübelkeit. Sie enthalten den Wirkstoff Dimenhydrinat.
  • Und manch einer kaut die Kaugummis auch nur gegen akuten Stress.

Grundsätzlich setzen sich Kaugummis aus verschiedenen Grundstoffen zusammen. Dazu gehört zum Beispiel Mastix – ein Weichharz des Mastix-Pistazienbaumes. Eine Alternative ist die Rohmasse Chicle. Sie stammt aus dem weißen Milchsaft der Früchte des Breiapfelbaumes. Das Gros der Kaugummis hierzulande wird allerdings synthetisch hergestellt, meist aus Kunststoffen, die aus Erdöl, Zucker und Füllstoffen gewonnen werden.

Beim Kaugummikauen passiert zunächst nichts allzu Aufregendes:

  • Durch das Kauen lösen sich enthaltene Inhaltsstoffe aus dem Kaugummi.
  • Diese vermischen sich im Mund mit Speichel.
  • Bei Schlucken gelangen diese schließlich in den Verdauungstrakt.
  • Dort werden sie über die Schleimhäute ins Blut aufgenommen.
  • Dies geschieht zum Teil auch schon in der Mundschleimhaut.

Soweit, so unspektakulär. Tatsächlich passiert beim Kauen von Kaugummi aber noch mehr – über die Inhaltsstoffe hinaus.

So gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die dem Kaugummi kauen ungeahnte Wirkungen zusprechen.

Schon vor einiger Zeit will etwa Serge Onyper, Psychologe an der St. Lawrence Universität herausgefunden haben, dass sich die Leistung von Studenten verbessert, wenn diese fünf Minuten vor einer Prüfung Kaugummi kauen. Am Ende erzielten seine kauenden Probanden tatsächlich bessere Noten.

Allerdings funktioniere der Trick nur in den ersten 15 bis 20 Minuten der Prüfung. Danach nehme die Wirkung des Kaugummis ab, räumt der Forscher selber ein.

Ein Grund – so die Wissenschaftler – könnte sein, dass das Kauen beistimmte Hirnareale stimuliert, die zugleich wichtig sind, um Stress abzubauen (oder Denkblockaden zu lösen). Gleichzeitig – so die Theorie – rege die Kiefertätigkeit die Durchblutung im Gehirn an. So gelange schließlich auch rund ein Viertel mehr Sauerstoff in die Oberstube, was wiederum Konzentration und Leistungsfähigkeit verbessert.

Die Ergebnisse dürfen aber bezweifelt werden. Dafür waren sowohl die Stichprobengruppen zu klein als auch die Studienaufbauten nicht valide genug. Ob Kaugummi die Probanden wirklich zu Superhirnen macht, gehört daher wohl eher ins Reich der Mythen.

Gut und gesund ist Kaugummi kauen dennoch.

Vor allem für die Zähne und wenn der Kaugummi zuckerfrei ist (und den Zuckerersatzstoff Xylitol beziehungsweise Xylit enthält). Denn das Kauen regt die Speichelproduktion an. Und Speichel reinigt nicht nur die Zähne und neutralisiert den Karies verursachenden Zucker aus den Nahrungsresten, die wir zuvor zu uns genommen haben. Speichel erhöht auch den sogenannten Bicarbonatpuffer und damit den pH-Wert im Mundraum. Das wiederum neutralisiert schädliche Säuren, die die Zähne ebenfalls angreifen können.

Überdies aktiviert das Kaugummikauen den Stoffwechsel. US-Forscher an der Mayo-Klinik haben ermittelt, dass beim Kauen von Kaugummis pro Stunde etwa 11 Kalorien verbraucht werden. Dazu erhöhte sich die Stoffwechselrate um rund 20 Prozent.

Aber was passiert, wenn man zu viel Kaugummi kaut?

In der Tat macht auch hier die Dosis das Gift. So kann übermässiges Kaugummikauen die Kiefermuskulatur enorm belasten. Bemerkbar macht sich die Überforderung durch hörbares Knirschen oder Knacken im Kiefer. Im Extrem kann es sogar zum sogenannten Kiefergelenk-Syndrom kommen – sehr schmerzhaft!.

Wahrheit oder Mythos: Kaugummi verschlucken ist gefährlich?

Wahrheit oder Mythos: Kaugummi verschlucken ist gefährlich?Wohin mit dem Kaugummi, wenn keine Mülltonne in Sicht ist? Nicht wenige schlucken die Kaumasse einfach herunter. „Gefährlich!“ – so hieß es jedenfalls früher. Eltern warnten gar davor, es bilde sich so im Magen ein klebriger Gummiball…

Alles Quatsch: Es stimmt zwar, dass Kaugummi bis auf wenige Bestandteile wie etwa der Zucker darin, unverdaulich ist. Diese Reste aber werden ganz normal über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden.

Drei gute Gründe Kaugummi zu kauen:

  1. Kauen hilft beim Lernen.

    Forscher der britischen Universität Northumbria testeten 75 Stunden lang das Kurz- und Langzeitgedächtnis ihrer Probanden und teilen sie in drei Gruppen: Die einen kauten Kaugummi, die zweiten absolvierten lediglich Kiefergymnastik, die dritten hielten ihre Klappe still. Ergebnis: Die Kaugummi-Kauer konnten sich am besten an Telefonnummern und Vokabeln erinnern.

  2. Kaugummikauen baut Stress ab.

    Unter psychischem Druck verspannen sich schnell Kiefer-, Gesichts- und Nackenmuskeln – Folge: Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Das Kaugummis zu kauen dagegen kann solche Verspannungen lockern und Stress in körperliche Bewegung umwandeln. Natürlich tun es ein paar Lockerungsübungen zwischendurch aber genauso.

  3. Kaugummi schützt den Magen.

    Untersuchungen zeigten, dass Patienten, die nach einer Darmoperationen dreimal täglich Kaugummis für jeweils eine Stunde kauten, ihren Verdauungsapparat anregten und Magensäuren neutralisierten. Erklärung: Durch das Kauen würden bestimmte Nerven stimuliert, die die Aktivität des Magen-Darm-Trakts anregen.

Überdies zeigten Studien, dass Kaugummikauen nach dem Essen Sodbrennen lindern kann. Dabei werde die Speichelproduktion angeregt. Der alkalische Speichel wiederum neutralisiere für rund drei Stunden die für das Sodbrennen verantwortliche aufsteigende Magensäure.

Kaugummi kauen: Achtung Süßstoff!

Kaugummi kauen: Achtung SüßstoffTrotz diverser Vorteile birgt Kaugummikauen auch ein Restrisiko: Viele Diät-Kaugummis enthalten das Süßungsmittel Sorbitol beziehungsweise Sorbit (andere Bezeichnung: E 420). Es wird auch als Abführmittel genutzt und kann entsprechend bei zu starkem Kaugummi-Konsum zu Blähungen oder gar Durchfall führen.

Wer die Kaumasse also übermäßig nutzt, hat die Wahl zwischen Zucker und Karies oder Süßstoff und beschleunigtem Stuhlgang. Zumindest vorübergehend.

Haushaltstipp: Wie bekommt man Kaugummi aus Haar und Kleidung?

Kaugummi im Haar lässt sich in der Regel gut mit Öl oder einer Fettcreme entfernen. Etwas Olivenöl (oder Salatöl bezwiehungsweise Fettcreme) nehmen und in den Kaugummi kneten und einwirken lassen. Nach kurzer Zeit schon lässt sich der Kaugummi auskämmen.

Kaugummi in Textilien lässt sich indes am besten im Gefrierfach entfernen. Dazu einfach die Kleidung in eine Plastiktüte packen und einfrieren. Anschließend lässt sich der gefrorene Gummi-Klumpen ganz leicht abkratzen.

Falls das Kleidungsstück für die Gefriertruhe zu groß ist (etwa Kaugummi auf dem Teppich oder auf Polstermöbeln), funktioniert die Gefrier-Methode auch mit Kühlakkus oder einen Sport-Gefrierspray. Wichtig ist, dass der Kaugummi völlig ausgehärtet ist, bevor Sie ihn abziehen.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
6. Mai 2018 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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