Kaugummi kauen genießt nicht gerade den besten Ruf - vor allem, weil es so viele mit offenem Mund tun. Brrr. Doch das negative Image täuscht. Kaugummis sind besser als ihr Ruf. Unabhängig davon, dass sie den Atem verbessern (bei einigen Zeitgenossen wenigstens kurzfristig) macht das Kaugummi kauen auch noch schlauer. Ein bisschen wenigstens. Denn das Kauen von Kaugummi beschleunigt unsere kognitive Fähigkeiten, so eine japanische Studie. Oder salopp gesagt: Wer Kaugummi kaut, denkt und merkt sich Dinge schneller...

Kaugummi kauen schlau intelligent Studie

Wie der Kaugummi in die Welt (und unter die Schuhsohle) kam

Wie der Kaugummi in die Welt (und unter die Schuhsohle) kamWas wir heute als Kaugummi mit Pfefferminz-Geschmack kennen, war nicht immer lecker. Am Anfang nämlich schmeckte Kaugummi nach Dreck.

Während unsere Steinzeitvorfahren am flackernden Feuer wahlweise über die Vorzüge von Mammuts oder Höhlenmamas sinnierten, kauten sie gerne mal auf Baumharzen und Birkenpech herum. Lecker. In den Hochkulturen der alten Ägypter und Römer war man da schon weiter und katschte lieber den Harz des Mastixbaumes, in der Hoffnung seiner Mundflora so etwas Gutes zu tun. Im 16. Jahrhundert waren es die spanischen Conquistatores, die aus der neuen Welt Mittelamerikas nicht nur geraubtes Gold und geraubte Azteken einschleppten, sondern auch eine Kaumasse aus dem Latexsaft des Sapotillbaumes, genannt "Chicle".

Dann kam die Wende. Jahrhunderte später schmeckte Kaugummi auf einmal nur noch nach Juicy Fruit, Pfefferminze und der großen Freiheit: Wieder kam das Zeug aus Übersee, nur diesmal brachten die amerikanischen GIs den Bubble Gum nach Germany. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs diente er der Bevölkerung vor allem bei der Imitation des amerikanischen Idioms sowie der Bekämpfung von Mundgeruch und mangelnder Coolness, später auch von Karies.

Danach litt die Reputation der Kaustreifen ein wenig. Die Innenstädter pflasterten zunehmend ihre Fußgängerzonen damit. Zahnärzte pflasterten zunehmend Zahnlöcher, weil der frisch-fruchtige Kaugenuss mehr Zucker als Genuss enthielt. Seit 1982 gibt es schließlich auch Kaugummis, die Blasen machen können.

Im Fernsehen tauchten zunehmend Typen auf, die daraus possierliche Figuren lutschen konnten oder – falls Sie McGuyver hießen – daraus Bomben bastelten. Beides mindestens gleich verdächtig.

In Singapur wiederum, dem einzigen Land außer Schwaben, das nicht nur sauber ist sondern rein, ist Kaugummi bis dato nur in Apotheken zu kaufen – und selbst dann darf der Apotheker die Kaumasse nur herausrücken, wenn er sich vorher Name und Passnummer des Käufers notiert. Sonst droht ihm eine Geldstrafe.

Aber zäh wie das Zeug nun mal ist, hat es sich trotzdem über all die Jahrtausende gehalten – nicht nur unter Schuhsohlen.

Kaugummi kauen macht schlauer

Kaugummikauen ist populär in Deutschland. Schätzungen zufolge kaut jeder Deutsche rund 100 Kaugummis im Jahr. Die Gründe dafür sind natürlich völlig unterschiedlich:

  • Manche Kauen Kaugummi zur Zahnpflege nach dem Essen.
  • Andere kauen die Pfefferminzstreifen gegen Mundgeruch.
  • Wieder andere nutzen Nikotinkaugummis, um das Verlangen nach einer Zigarette zu unterdrücken.
  • Koffeinkaugummis hingegen sollen kurzfristig wach machen - etwa bei LKW-Fahrern.
  • Einige kauen Kaugummis auch bei Start und Landung in Flugzeugen - zum Druckausgleich und gegen Ohrenschmerzen.
  • Es gibt aber auch Kaugummis gegen Reiseübelkeit. Sie enthalten den Wirkstoff Dimenhydrinat.
  • Und manch einer kaut die Kaugummis auch nur gegen akuten Stress.

Grundsätzlich setzen sich Kaugummis aus verschiedenen Grundstoffen zusammen. Dazu gehört zum Beispiel Mastix - ein Weichharz des Mastix-Pistazienbaumes. Eine Alternative ist die Rohmasse Chicle. Sie stammt aus dem weißen Milchsaft der Früchte des Breiapfelbaumes. Das Gros der Kaugummis hierzulande wird allerdings synthetisch hergestellt, meist aus Kunststoffen, die aus Erdöl, Zucker und Füllstoffen gewonnen werden.

Beim Kaugummikauen passiert zunächst nichts allzu Aufregendes:

  • Durch das Kauen lösen sich enthaltene Inhaltsstoffe aus dem Kaugummi.
  • Diese vermischen sich im Mund mit Speichel.
  • Bei Schlucken gelangen diese schließlich in den Verdauungstrakt.
  • Dort werden sie über die Schleimhäute ins Blut aufgenommen.
  • Dies geschieht zum Teil auch schon in der Mundschleimhaut.

Soweit, so unspektakulär. Tatsächlich passiert beim Kauen von Kaugummi aber noch mehr - über die Inhaltsstoffe hinaus.

So gibt es inzwischen eine ganze Reihe von Studien, die dem Kaugummi kauen ungeahnte Wirkungen zusprechen.

Schon vor einiger Zeit fand etwa Serge Onyper, Psychologe an der St. Lawrence Universität heraus, dass sich die Leistung von Studenten nachweislich verbessert, wenn sie fünf Minuten vor einer Prüfung Kaugummi kauen. Am Ende erzielten seine kauenden Probanden tatsächlich bessere Noten.

Allerdings funktioniere der Trick nur in den ersten 15 bis 20 Minuten der Prüfung. Danach nehme die Wirkung des Kaugummis ab.

Ein Grund - so vermuten Wissenschaftler - könnte sein, dass das Kauen beistimmte Hirnareale stimuliert, die zugleich wichtig sind, um Stress abzubauen (oder Denkblockaden zu lösen). Gleichzeitig rege die Kiefertätigkeit die Durchblutung im Gehirn an. So gelange schließlich auch rund ein Viertel mehr Sauerstoff in die Oberstube, was wiederum Konzentration und Leistungsfähigkeit verbessert.

Überdies aktiviert das Kaugummikauen den Stoffwechsel. US-Forscher an der Mayo-Klinik haben ermittelt, dass beim Kauen von Kaugummis pro Stunde etwa 11 Kalorien verbraucht werden. Dazu erhöhte sich die Stoffwechselrate um rund 20 Prozent.

Aber was passiert, wenn man zu viel Kaugummi kaut?

In der Tat macht auch hier die Dosis das Gift. So kann übermässiges Kaugummikauen die Kiefermuskulatur enorm belasten. Bemerkbar macht sich die Überforderung durch hörbares Knirschen oder Knacken im Kiefer. Im Extrem kann es sogar zum sogenannten Kiefergelenk-Syndrom kommen - sehr schmerzhaft!.

Wahrheit oder Mythos: Kaugummi verschlucken ist gefährlich?

Wahrheit oder Mythos: Kaugummi verschlucken ist gefährlich?Wohin mit dem Kaugummi, wenn keine Mülltonne in Sicht ist? Nicht wenige schlucken die Kaumasse einfach herunter. "Gefährlich!" - so hieß es jedenfalls früher. Eltern warnten gar davor, es bilde sich so im Magen ein klebriger Gummiball...

Alles Quatsch: Es stimmt zwar, dass Kaugummi bis auf wenige Bestandteile wie etwa der Zucker darin, unverdaulich ist. Diese Reste aber werden ganz normal über den Verdauungstrakt wieder ausgeschieden.

Drei gute Gründe Kaugummi zu kauen:

  1. Kauen macht schlau.

    Forscher der britischen Universität Northumbria testeten 75 Stunden lang das Kurz- und Langzeitgedächtnis ihrer Probanden und teilen sie in drei Gruppen: Die einen kauten Kaugummi, die zweiten absolvierten lediglich Kiefergymnastik, die dritten hielten ihre Klappe still. Ergebnis: Die Kaugummi-Kauer konnten sich am besten an Telefonnummern und Vokabeln erinnern.

  2. Kaugummikauen baut Stress ab.

    Unter psychischem Druck verspannen sich schnell Kiefer-, Gesichts- und Nackenmuskeln – Folge: Konzentrationsstörungen und Kopfschmerzen. Das Kaugummis zu kauen dagegen kann solche Verspannungen lockern und Stress in körperliche Bewegung umwandeln.

  3. Kaugummi schützt den Magen.

    Untersuchungen zeigten, dass Patienten, die nach einer Darmoperationen dreimal täglich Kaugummis für jeweils eine Stunde kauten, ihren Verdauungsapparat anregten und Magensäuren neutralisierten. Erklärung: Durch das Kauen würden bestimmte Nerven stimuliert, die die Aktivität des Magen-Darm-Trakts anregen.

Überdies zeigten Studien, dass Kaugummikauen nach dem Essen Sodbrennen lindern kann. Dabei werde die Speichelproduktion angeregt. Der alkalische Speichel wiederum neutralisiere für rund drei Stunden die für das Sodbrennen verantwortliche aufsteigende Magensäure.

Kaugummi kauen: Achtung Süßstoff!

Kaugummi kauen: Achtung SüßstoffTrotz diverser Vorteile birgt Kaugummikauen auch ein Restrisiko: Viele Diät-Kaugummis enthalten das Süßungsmittel Sorbitol beziehungsweise Sorbit (andere Bezeichnung: E 420). Es wird auch als Abführmittel genutzt und kann entsprechend bei zu starkem Kaugummi-Konsum zu Durchfall führen.

Wer die Kaumasse also übermäßig nutzt, hat die Wahl zwischen Zucker und Karies oder Süßstoff und beschleunigtem Stuhlgang. Zumindest vorübergehend.

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