Berufsgenossenschaft: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Arbeit selbst, aber auch der Weg dorthin kann mit Risiken verbunden sein. Die Berufsgenossenschaft (BG) ist Teil des gesetzlichen Sozialversicherungssystems in Deutschland. Nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit können Arbeitnehmer Hilfe von der für sie zuständigen Berufsgenossenschaft erhalten. Doch nicht erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist die BG zur Stelle. Eine ihrer Aufgaben besteht im Arbeitsschutz, es also gar nicht erst zu einem Arbeitsunfall kommen zu lassen. Hier erfahren Sie, ob eine Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft Pflicht ist, wann sie zahlt und welche für Sie zuständig ist…

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Berufsgenossenschaft: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Wofür gibt es die Berufsgenossenschaft?

Die Berufsgenossenschaft (BG) ist Träger der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland.

Die fünf wichtigsten Bereiche des deutschen Sozialversicherungssystems sind die Krankenversicherung, Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung, Pflegeversicherung und eben Unfallversicherung.

Alle diese Sozialversicherungen basieren auf den Prinzipien der Solidarität und der Versicherungspflicht. Das heißt:

  • Ein Großteil der Bevölkerung ist automatisch versichert.
  • Jeder Versicherte zahlt ein, auch wenn er keine Leistungen in Anspruch nimmt.

Hauptaufgabe der Berufsgenossenschaft ist die Unterstützung von Arbeitnehmern, die an einer Berufskrankheit erkrankt sind oder einen Arbeitsunfall erlitten haben.

Als Arbeitsunfall gilt nicht nur, wenn ein Arbeitnehmer direkt am Arbeitsplatz in Ausübung seiner Tätigkeit verunglückt. Auch Wegeunfälle sind über die BG versichert, also der direkte Weg zur Arbeit oder der direkte Weg nach Hause. Rechtsgrundlage für diese Ansprüche bildet das Siebte Sozialgesetzbuch (SGB VII).

Die Hilfe kann dabei finanzieller Natur sein oder darin bestehen, dass sich besonders geschulte Mitarbeiter um eine Wiedereingliederung ins Unternehmen bemühen oder dem erkrankten Arbeitnehmer den Alltag in der privaten Wohnung erleichtern.

Zu den finanziellen Leistungen, die Arbeitnehmer von der Berufsgenossenschaft erhalten können, gehören Lohnersatz- und Entschädigungsleistungen. Die BG nimmt somit eine ähnliche Rolle wie die Krankenversicherung ein, ist dabei aber für Arbeitnehmer völlig beitragsfrei.

Sie trägt im Schadensfall einen wichtigen Teil zur finanziellen Absicherung von Arbeitnehmern bei, die unter anderen Umständen der Verarmung ausgesetzt wären.

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Welche Aufgaben haben Berufsgenossenschaften?

Die Aufgaben der Berufsgenossenschaft lassen sich in Prävention, Rehabilitation und Entschädigung zusammenfassen. Als Träger der gesetzlichen Unfallversicherung erfüllt die BG folgende Aufgaben:

  • Schutz vor Arbeitsunfällen

    Im Rahmen dieses Arbeits- und Gesundheitsschutzes gibt die Berufsgenossenschaft Unfallverhütungsvorschriften heraus, die sich auf den konkreten Arbeitsplatz mit seinen Gefährdungen beziehen. Kommt es dennoch zu einem Arbeitsunfall, muss eine detaillierte Schilderung des Hergangs an die BG geschickt werden.

    Diese prüft daraufhin, ob es ein Fehlverhalten im Betrieb gibt oder Vorschriften zur Arbeitssicherheit nicht eingehalten wurden. Der nächste Schritt ist dann, dass die Berufsgenossenschaft Maßnahmen in die Wege leitet, damit die Mängel behoben werden und ein derartiger Arbeitsunfall nicht noch einmal passieren kann.

  • Schulung zur Arbeitssicherheit

    Mit dem Erlass der Vorschriften ist es aber nicht getan. Da die BG im Falle eines Unfalls des Arbeitnehmers für diesen aufkommen muss, ist ihr sehr daran gelegen, dass die Vorschriften zur Arbeitssicherheit auch eingehalten werden.

    Das versucht die BG sicherzustellen, indem sie eigens dafür bestellte Mitarbeiter im Unternehmen in Fragen der Arbeitssicherheit, des Unfall- und Gesundheitsschutzes schult. Je nach Betriebsgröße und Branche ist eine bestimmte Anzahl an Ersthelfern Pflicht:

    In Betrieben mit zwei bis 20 Versicherten ist ein Ersthelfer erforderlich. Ab einer Betriebsgröße von mehr als 20 Versicherten kommt es auf die Branche an: Fünf Prozent der Versicherten in Verwaltungs- und Handelsbetrieben müssen eine Ersthelferausbildung besitzen, in sonstigen Betrieben müssen es sogar zehn Prozent der Versicherten sein.

  • Absicherung bei Arbeitsunfällen

    Nach einem Arbeitsunfall bekommt der Arbeitnehmer zunächst die reguläre Entgeltfortzahlung, die alle erkrankten Arbeitnehmer erhalten. Sollte er länger als sechs Wochen ausfallen, zahlt die BG das sogenannte Verletztengeld.

    Nach einem Unfall oder einer Krankheit, die nicht beruflich bedingt ist, hat der Arbeitnehmer ansonsten lediglich einen Anspruch auf Krankengeld, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Dieses liegt bei 70 Prozent des regelmäßigen Bruttogehalts, während das Verletztengeld, das die Berufsgenossenschaft zahlt, bei 80 Prozent liegt.

  • Medizinische Versorgung

    Über die Berufsgenossenschaften – und nicht wie sonst die Krankenkassen – laufen auch 100 Prozent der ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen. Das schließt stationäre Behandlung in Krankenhäusern ebenso ein wie Medikamente, Heil- und Hilfsmittel sowie Krankengymnastik.

    Der Leistungskatalog der Berufsgenossenschaften erstreckt sich bis auf die Rehabilitation, das heißt, es die berufliche und soziale Wiedereingliederung fallen ebenfalls in den Aufgabenbereich. Dazu kann gegebenenfalls sogar eine Haushaltshilfe und/oder ein behindertengerechter Umbau der Wohnung vorgenommen werden.

    Seit 2004 existiert außerdem die Verpflichtung aller Arbeitgeber zum betrieblichen Eingliederungsmanagement (BEM), für das die BG Ansprechpartner ist.

  • Finanzielle Existenzsicherung

    Ziel sämtlicher Behandlungen durch die Berufsgenossenschaft ist die Herstellung der Arbeitsfähigkeit eines Arbeitnehmers. Kommt es zu gesundheitlichen Schäden, werden alle geeigneten Maßnahmen ergriffen, um den Arbeitnehmer für eine schnelle Rückkehr in den Beruf fit zu machen. Das kann sogar Umbauten und Spezialanfertigungen am Arbeitsplatz beinhalten.

    In einigen Fällen ist es jedoch nicht möglich, die Arbeitsfähigkeit wiederherzustellen. Ist ein Arbeitsunfall oder eine Berufskrankheit ursächlich, zahlt die Berufsgenossenschaft eine Verletztenrente. Bedingung dafür ist, dass der Geschädigte länger als 26 Wochen krank und die Erwerbsfähigkeit um 20 Prozent gemindert ist.

Struktur und Zuständigkeiten der Berufsgenossenschaften

Insgesamt gibt es neun gewerbliche Berufsgenossenschaften, die unter dem Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) organisiert sind. Zu diesem Verband gehören folgende Berufsgenossenschaften:

  • Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)
  • BG Holz und Metall (BGHM)
  • Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)
  • Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN)
  • Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)
  • Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW)
  • Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)
  • Berufsgenossenschaft Verkehrswirtschaft Post-Logistik Telekommunikation (BG Verkehr)
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)

Zusätzlich zu den genannten gewerblichen Berufsgenossenschaften gibt es noch eine landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft, die sich nach Regionen in Deutschland aufteilt und weitere Berufsgenossenschaften, die nicht im Dachverband organisiert sind. Wie die

  • Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft (MM BG)
  • Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd (BG Metall)
  • Fleischerei-Berufsgenossenschaft (Fleischerei BG)

Arbeitnehmer und Angestellte im öffentlichen Dienst fallen in den Zuständigkeitsbereich der Unfallkassen und weiterer Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand.

Nachfolgend wird vor allem auf die gewerbliche Berufsgenossenschaft eingegangen, wobei der Aufgabenbereich der landwirtschaftlichen der gewerblichen Berufsgenossenschaft vergleichbar ist. Die einzelnen Berufsgenossenschaften unterscheiden sich lediglich in ihren jeweiligen Schwerpunkten.

Der Arbeitsschutz in Deutschland ist nach einem dualen System gegliedert. Das heißt, dass sowohl der Staat als auch Träger der gesetzlichen Unfallversicherung dafür zuständig sind. Staatliche Behörden und Vertreter der Berufsgenossenschaften wachen über die Einhaltung der Regelungen. Festgehalten ist dies in § 21 des Arbeitsschutzgesetzes.

Berufsgenossenschaft Aufgaben Arbeitsschutz Duales System

Ist die Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft Pflicht?

Pflicht ist die Berufsgenossenschaft nur für Unternehmen und unternehmerähnliche Personen. Unternehmen mit nur einem Mitarbeiter müssen der zuständigen Berufsgenossenschaft beitreten und einen finanziellen Beitrag leisten.

Einschränkungen bezüglich der Versicherungspflicht bestehen vor allem für Selbstständige, Freiberufler, geringfügig Beschäftigte, Beamte und Soldaten.

Als Arbeitnehmer müssen Sie sich um nichts kümmern; Ihr Vorteil: Im Gegensatz zu den anderen Sozialversicherungen in Deutschland muss der Arbeitgeber den Beitrag zur Berufsgenossenschaft allein tragen.

Das hat einen Grund. Die Berufsgenossenschaft fungiert als eine Art Haftpflichtversicherung für den Arbeitgeber, die ihn im Falle eines Schadens seiner Arbeitnehmers absichert.

Da die Mitgliedschaft für die Mehrheit der Arbeitgeber verpflichtend ist, wird sie als Zwangsversicherung gewertet. Einige wenige Personengruppen sind dennoch von der Berufsgenossenschaft befreit, dazu gehören (sofern frei und selbständig tätig):

  • Ärzte
  • Zahnärzte
  • Tierärzte
  • Apotheker
  • Heilpraktiker
  • Psychologische Psychotherapeuten
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten

Was gilt für Freiberufler und Selbständige?

Freiberufler können sich in einer Berufsgenossenschaft versichern, müssen das aber nicht. Wenn sie allerdings von den Vorzügen wie dem gesetzlichen Unfallschutz bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten profitieren möchten, müssen sie sich anmelden. Eine automatische Versicherung in der Berufsgenossenschaft für diese Berufsgruppe gibt es nicht.

Übrigens: Wer freiberuflich arbeitet und sich absichern möchte, sollte sich die Mitgliedschaft in der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft überlegen. Die Beiträge können nämlich als Werbungskosten von der Steuer abgesetzt werden.

Kommt es tatsächlich zu einem Arbeitsunfall oder muss aus einem anderen Grund eine Versicherungsleistung der BG in Anspruch genommen werden, sind die Leistungen steuerfrei.

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Was kostet die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft?

Für Arbeitnehmer ist die Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft komplett kostenlos. Die Beiträge muss der Arbeitgeber allein tragen. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach der Bezahlung, die der Arbeitgeber seinem oder seinen Arbeitnehmern leistet.

Neben dem Lohn oder Gehalt der Mitarbeiter spielt auch noch der sogenannte Beitragsfuß und die Gefahrenklasse eine Rolle. Der Beitragsfuß ist derjenige Betrag, der pro 1000 Euro Lohn oder Gehalt in der Gefahrenklasse 1 bezahlt werden muss.

Die Einteilung nach Gefahrenklassen kommt daher, dass die BG bei gefährlicheren Berufen in der Regel mit höheren Versicherungsleistungen rechnen muss. Anders ausgedrückt: Ein Dachdecker verletzt sich durchschnittlich häufiger und schwerer als ein Büroarbeiter.

Sobald der Beitragsfuß für das Unternehmen ermittelt ist, wird der komplette Unternehmensbeitrag berechnet. Die Formel dazu lautet folgendermaßen:

Unternehmensbeitrag = (Beitragsfuß x Gefahrenklasse x Arbeitsentgelt der Arbeitnehmer) / 1000.

Unternehmen müssen ihre Beiträge jedoch nicht selbst berechnen, sondern erhalten jährlich von der Berufsgenossenschaft einen Bescheid, in dem ihnen ihr Unternehmensbeitrag mitgeteilt wird.

Muss ich mich als Arbeitnehmer bei der BG anmelden?

Die Anmeldung in der Berufsgenossenschaft übernimmt der Arbeitgeber oder Unternehmer. Analog zu den Beiträgen muss sich auch bei der Anmeldung der Arbeitnehmer um nichts kümmern.

In der Regel wird ein Unternehmen kurz nach seiner Gründung bei der zuständigen BG angemeldet. Gemäß Paragraph §192 SGB VII muss die Anmeldung des Betriebes bis spätestens eine Woche nach der Gewerbeanmeldung erfolgt sein.

Sollte das Unternehmen in mehreren Branchen gleichzeitig tätig sein, ist trotzdem nur eine Berufsgenossenschaft zuständig. Welche das im Einzelfall ist, sollte individuell erfragt werden.

Auch Unternehmen, die bereits in der Berufsgenossenschaft angemeldet sind, deren Inhaber aber gewechselt hat, müssen neu bei der BG angemeldet werden.

Sollten Sie als Arbeitnehmer nicht wissen, welche Berufsgenossenschaft für Sie zuständig ist, können Sie entweder in der Personalabteilung Ihres Arbeitgebers nachfragen, oder direkt bei der gesetzlichen Unfallversicherung unter der Telefonnummer 0800 60 50 40 4 anrufen.

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Wie melde ich einen Arbeitsunfall der Berufsgenossenschaft?

Einen Arbeitsunfall sollten Arbeitnehmer in jedem Fall der Berufsgenossenschaft melden. Auch wenn es anfänglich so aussieht, als sei der Unfall nicht weiter schlimm, können sich Spätfolgen ergeben. Diese sind nur dann durch die BG abgedeckt, wenn der Unfall frühzeitig gemeldet wurde.

Arbeitnehmer, die sich auf dem Weg von oder zur Arbeit oder während der Ausübung derselbigen verletzen, sollten zunächst zu einem Durchgangsarzt gehen. Dieser schaut sich die Verletzung an und entscheidet über die weiteren Schritte. Manche Arbeitnehmer müssen bei einem Facharzt vorstellig werden, während bei anderen die Behandlung durch den Durchgangsarzt ausreichend ist.

Spätestens wenn klar ist, dass der Arbeitnehmer länger als drei Tage ausfällt, muss der Unfall der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Diese Meldung kann nur durch den Arbeitgeber erfolgen.

Arbeitnehmer haben allerdings das Recht, eine Kopie der Unfallanzeige zu bekommen. So haben sie einen Überblick darüber, welchen Unfallhergang der Arbeitgeber der Berufsgenossenschaft geschildert hat und können – wenn nötig – dagegen vorgehen.

[Bildnachweis: nd3000 by Shutterstock.com]
27. Mai 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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