Berufsgenossenschaft: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Die Berufsgenossenschaft (BG) ist ein Teil der gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland. Nach einem Arbeitsunfall oder bei einer Berufskrankheit können Arbeitnehmer Hilfe von der für sie zuständigen Berufsgenossenschaft erhalten. Doch nicht erst dann, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, ist die BG zur Stelle. Eine ihrer Aufgaben besteht auch darin, es erst gar nicht zu einem Arbeitsunfall kommen zu lassen…

Berufsgenossenschaft: Was Arbeitnehmer wissen müssen

Berufsgenossenschaft: Was versteht man darunter?

Berufsgenossenschaft: Was versteht man darunter?Die Berufsgenossenschaft (BG) gehört zur gesetzlichen Unfallversicherung in Deutschland. Ihre Hauptaufgabe ist es, Arbeitnehmer, die an einer Berufskrankheit erkrankt sind oder einen Arbeitsunfall erlitten haben, zu unterstützen.

Die Hilfe kann dabei finanzieller Natur sein, kann aber auch darin bestehen, dass sich besonders geschulte Mitarbeiter um eine Wiedereingliederung ins Unternehmen bemühen oder dem erkrankten Arbeitnehmer den Alltag in der privaten Wohnung erleichtern.

Zu den finanziellen Leistungen, die Arbeitnehmer von der Berufsgenossenschaft erhalten können, gehören Lohnersatz- und Entschädigungsleistungen.

Insgesamt gibt es neun gewerbliche Berufsgenossenschaften, die unter dem Spitzenverband Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) organisiert sind. Zu diesem Verband gehören folgende Berufsgenossenschaften:

  • Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU)
  • Berufsgenossenschaft Energie Textil Elektro Medienerzeugnisse (BG ETEM)
  • Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW)
  • Berufsgenossenschaft Handel und Warendistribution (BGHW)
  • BG Holz und Metall (BGHM)
  • Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gaststätten (BGN)
  • Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie (BG RCI)
  • Berufsgenossenschaft für Transport und Verkehrswirtschaft (BG Verkehr)
  • Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG)

Zusätzlich zu den genannten gewerblichen Berufsgenossenschaften gibt es noch eine landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft, die sich nach Regionen in Deutschland aufteilt und weitere Berufsgenossenschaften, die nicht im Dachverband organisiert sind. Wie die

  • Maschinenbau- und Metall-Berufsgenossenschaft (MM BG)
  • Berufsgenossenschaft Metall Nord Süd (BG Metall)
  • Fleischerei-Berufsgenossenschaft (Fleischerei BG)

Bereits Unternehmen mit nur einem Mitarbeiter müssen der zuständigen Berufsgenossenschaft beitreten und einen finanziellen Beitrag leisten. Der Vorteil für Arbeitnehmer: Im Gegensatz zu den anderen Sozialversicherungen in Deutschland, muss der Arbeitgeber den Beitrag zur Berufsgenossenschaft allein tragen.

Das hat einen Grund. Die Berufsgenossenschaft fungiert als eine Art Haftpflichtversicherung für den Arbeitgeber, die ihn im Falle eines Schadens seiner Arbeitnehmers absichert.

Welche Aufgaben hat die Berufsgenossenschaft?

Die BG hat nicht nur kurative und entschädigende Funktion, sondern ist auch dafür zuständig, dass sich Unfälle vor und während der Arbeitszeit erst gar nicht ereignen. Diese Aufgaben fallen unter den Präventionsauftrag, den die Berufsgenossenschaften gemäß Paragraph §17 7. Sozialgesetzbuch (SGB VII) haben.

Im Rahmen dieses Arbeits- und Gesundheitsschutzes gibt die BG Unfallverhütungsvorschriften heraus, die sich auf den konkreten Arbeitsplatz mit seinen Gefährdungen beziehen.

Mit dem Erlass der Vorschriften ist es aber nicht getan. Da die BG im Falle eines Unfalls des Arbeitnehmers für diesen aufkommen muss, ist ihr sehr daran gelegen, dass die Vorschriften zur Arbeitssicherheit auch eingehalten werden.

Das versucht die BG sicherzustellen, indem sie eigens dafür bestellte Mitarbeiter im Unternehmen in Fragen der Arbeitssicherheit, des Unfall- und Gesundheitsschutzes schult.

Nicht nur die Vermeidung von Unfällen und Berufskrankheiten, auch nach einem Unfall kümmert sich die Berufsgenossenschaft. Nach einem Arbeitsunfall, muss eine detaillierte Schilderung des Hergangs an die BG geschickt werden. Diese prüft daraufhin, ob es ein Fehlverhalten im Betrieb gibt oder Vorschriften zur Arbeitssicherheit nicht eingehalten wurden.

Der nächste Schritt ist dann, dass die Berufsgenossenschaft Maßnahmen in die Wege leitet, damit die Mängel behoben werden und ein derartiger Arbeitsunfall nicht noch einmal passieren kann.

Wann greift der Versicherungsschutz der BG?

Auf Geld- oder Sachleistungen einer Berufsgenossenschaft können Arbeitnehmer hoffen, die an einer Berufskrankheit (wie beispielsweise einer Allergie gegen bestimmte Stoffe, die bei der täglichen Arbeit eingesetzt werden) leiden oder einen Arbeitsunfall erlitten haben.

Arbeitnehmer sind übrigens auch dann über die BG versichert, wenn sie sich auf dem direkten Weg zur Arbeit befunden haben oder auf dem direkten Nachhauseweg sind.

Die Rechtsgrundlage für diese Ansprüche ist im 7. Sozialgesetzbuch (SGB VII) geregelt.

Was kostet die Mitgliedschaft in der Berufsgenossenschaft?

Für Arbeitnehmer ist die Mitgliedschaft in einer Berufsgenossenschaft komplett kostenlos. Die Beiträge muss der Arbeitgeber allein tragen. Die Höhe des Beitrags richtet sich nach der Bezahlung, die der Arbeitgeber seinem oder seinen Arbeitnehmern leistet.

Neben dem Lohn oder Gehalt der Mitarbeiter spielt auch noch der sogenannte Beitragsfuß und die Gefahrenklasse eine Rolle. Der Beitragsfuß ist derjenige Betrag, der pro 1000 Euro Lohn oder Gehalt in der Gefahrenklasse 1 bezahlt werden muss.

Die Einteilung nach Gefahrenklassen kommt daher, dass die BG bei gefährlicheren Berufen in der Regel mit höheren Versicherungsleistungen rechnen muss. Anders ausgedrückt: Ein Dachdecker verletzt sich durchschnittlich häufiger und schwerer als ein Büroarbeiter.

Sobald der Beitragsfuß für das Unternehmen ermittelt ist, wird der komplette Unternehmensbeitrag berechnet. Die Formel dazu lautet folgendermaßen:

Unternehmensbeitrag = (Beitragsfuß x Gefahrenklasse x Arbeitsentgelt der Arbeitnehmer) / 1000.

Unternehmen müssen ihre Beiträge jedoch nicht selbst berechnen, sondern erhalten jährlich von der Berufsgenossenschaft einen Bescheid, in dem ihnen ihr Unternehmensbeitrag mitgeteilt wird.

Muss ich mich als Arbeitnehmer bei der Berufsgenossenschaft anmelden?

Die Anmeldung in der Berufsgenossenschaft übernimmt der Arbeitgeber oder Unternehmer. Analog zu den Beiträgen muss sich auch bei der Anmeldung der Arbeitnehmer um nichts kümmern.

In der Regel wird ein Unternehmen kurz nach seiner Gründung bei der zuständigen BG angemeldet. Gemäß Paragraph §192 SGB VII muss die Anmeldung des Betriebes bis spätestens eine Woche nach der Gewerbeanmeldung erfolgt sein.

Sollte das Unternehmen in mehreren Branchen gleichzeitig tätig sein, ist trotzdem nur eine Berufsgenossenschaft zuständig. Welche das im Einzelfall ist, sollte individuell erfragt werden.

Auch Unternehmen, die bereits in der Berufsgenossenschaft angemeldet sind, deren Inhaber aber gewechselt hat, müssen neu bei der BG angemeldet werden.

Auch Freiberufler können sich in einer Berufsgenossenschaft versichern, müssen das aber nicht. Wenn sie allerdings von den Vorzügen wie dem gesetzlichen Unfallschutz bei Arbeitsunfällen oder Berufskrankheiten profitieren möchten, müssen sie sich anmelden. Eine automatische Versicherung in der Berufsgenossenschaft für diese Berufsgruppe gibt es nicht.

Übrigens: Wer freiberuflich arbeitet und sich absichern möchte, sollte sich die Mitgliedschaft in der für ihn zuständigen Berufsgenossenschaft überlegen. Die Beiträge können nämlich von der Steuer abgesetzt werden. Kommt es tatsächlich zu einem Arbeitsunfall oder muss aus einem anderen Grund eine Versicherungsleistung der BG in Anspruch genommen werden, sind die Leistungen steuerfrei.

Sollten Sie als Arbeitnehmer nicht wissen, welche Berufsgenossenschaft für Sie zuständig ist, können Sie entweder in der Personalabteilung Ihres Arbeitgebers nachfragen, oder direkt bei der gesetzlichen Unfallversicherung unter der Telefonnummer 0800 60 50 40 4 anrufen.

Wie melde ich einen Arbeitsunfall der Berufsgenossenschaft?

Einen Arbeitsunfall sollten Arbeitnehmer in jedem Fall der Berufsgenossenschaft melden. Auch wenn es anfänglich so aussieht, als sei der Unfall nicht weiter schlimm, können sich Spätfolgen ergeben. Diese sind nur dann durch die BG abgedeckt, wenn der Unfall frühzeitig gemeldet wurde.

Arbeitnehmer, die sich auf dem Weg von oder zur Arbeit oder während der Ausübung derselbigen verletzen, sollten zunächst zu einem Durchgangsarzt gehen. Dieser schaut sich die Verletzung an und entscheidet über die weiteren Schritte. Manche Arbeitnehmer müssen bei einem Facharzt vorstellig werden, während bei anderen die Behandlung durch den Durchgangsarzt ausreichend ist.

Spätestens wenn klar ist, dass der Arbeitnehmer länger als drei Tage ausfällt, muss der Unfall der Berufsgenossenschaft gemeldet werden. Diese Meldung kann nur durch den Arbeitgeber erfolgen.

Arbeitnehmer haben allerdings das Recht, eine Kopie der Unfallanzeige zu bekommen. So haben sie einen Überblick darüber, welchen Unfallhergang der Arbeitgeber der Berufsgenossenschaft geschildert hat und können – wenn nötig – dagegen vorgehen.

Nach einem Arbeitsunfall bekommt der Arbeitnehmer zunächst die reguläre Entgeltfortzahlung, die alle erkrankten Arbeitnehmer erhalten. Sollte er länger als sechs Wochen ausfallen, zahlt die BG das sogenannte Verletztengeld.

Nach einem Unfall oder einer Krankheit, die nicht beruflich bedingt ist, hat der Arbeitnehmer ansonsten lediglich einen Anspruch auf Krankengeld, das von der Krankenkasse bezahlt wird. Dieses liegt bei 70 Prozent des regelmäßigen Bruttogehalts, während das Verletztengeld, das die Berufsgenossenschaft zahlt, bei 80 Prozent liegt.

[Bildnachweis: nd3000 by Shutterstock.com]
17. Februar 2019 Karrierebibel Autoren Logo Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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