Haftpflicht: Übernimmt sie Schäden im Job?

In Deutschland ist gesetzlich die sogenannte Haftpflicht vorgeschrieben. Das bedeutet zunächst einmal, dass Sie für Schäden oder Unfälle, die Sie verursachen – egal ob vorsätzlich oder fahrlässig – haften müssen. Schubsen Sie die Vase eines Freundes während des Besuchs vom Tisch, ist es Ihre Haftpflicht, für den Schaden aufzukommen. Um sich vor solchen Kosten zu schützen, schließen die meisten Menschen eine private Haftpflichtversicherung ab, die im Schadensfall einspringt und diesen für Sie begleicht. Wie verhält es sich aber mit der Haftpflicht im Beruf? Wer einen Fehler macht oder falsche Entscheidungen trifft, kann damit schnell sehr hohe Kosten und Schäden verursachen. Müssen Sie auch für diese haften und greift im Notfall die Absicherung durch Ihre private Haftpflicht?

Haftpflicht: Übernimmt sie Schäden im Job?

Haftpflicht: Es heißt nicht umsonst private Haftpflichtversicherung

Wenn Sie mit dem Versicherungsvertreter Ihres Vertrauens über eine Haftpflichtversicherung reden, handelt es sich dabei in der Regel um die private Variante. Diese hat Ihren Namen nicht ohne Grund, denn sie sichert lediglich Privatpersonen in ihrem Alltag ab. Soll heißen: Für Schäden, die Sie während der Ausübung Ihres Jobs verursachen, kommt diese Haftpflicht nicht auf.

Bevor Sie es nun mit der Angst zu tun bekommen und im Berufsalltag alles nur noch mit Samthandschuhen anfassen und bei jedem Projekt und Auftrag in Panik ausbrechen, können wir Sie etwas beruhigen. In Deutschland orientiert sich die Haftpflicht im Beruf an der sogenannten beschränkten Arbeitnehmerhaftung. Mit diesem Grundsatz werden Arbeitnehmer geschützt, da davon ausgegangen wird, dass selbst bei gründlicher und sorgfältiger Arbeit Fehler vorkommen können.

Solange Sie nicht vorsätzlich oder grob fahrlässig gehandelt haben, können Sie für Schäden, die Sie im Job verursachen, nicht zur Kasse gebeten werden. Stattdessen übernimmt die Haftpflicht Ihres Arbeitgebers solche Kosten. Geht beispielsweise unglücklich ein Computer zu Bruch, obwohl der Mitarbeiter sorgfältig gehandelt und gearbeitet hat, sorgt die Betriebshaftpflicht des Unternehmens dafür, dass für den Schaden aufgekommen wird.

Kann die beschränkte Arbeitnehmerhaftung umgangen werden?

Haftpflicht privat Familie Beruf Job Kosten DefinitionArbeitgeber sind sich Vorgaben der beschränkten Haftpflicht von Mitarbeitern natürlich bewusst – und das ist zum Teil ein Dorn im Auge. Schließlich kann es für das Unternehmen ganz schön teuer werden, wenn ein Angestellter durch die beschränkte Arbeitnehmerhaftung fein raus ist. Die Versicherung muss bezahlt werden, möglicherweise steigen die Beiträge oder wenn die Versicherung nicht alles übernimmt, bleibt der Betrieb sogar auf einem Teil der Kosten sitzen.

Da könnte man auf die Idee kommen, den Mitarbeiter doch voll zur Verantwortung zu ziehen und die beschränkte Arbeitnehmerhaftung zu umgehen. Entsprechende Klauseln lassen sich ohne großen Aufwand in den Arbeitsvertrag einbauen. Schon heißt es hier, dass der Arbeitnehmer für alle verursachten Schäden uneingeschränkt aufkommen muss.

Das ist jedoch nicht erlaubt und entsprechende Formulierungen in Verträgen sind unwirksam. Die beschränkte Arbeitnehmerhaftung ist gesetzlich vorgesehen und lässt sich nicht einfach so aushebeln.

Haftpflicht: Die Berufshaftpflicht als Pflichtversicherung mancher Berufe

Eine private Haftpflichtversicherung hat auf die Folgen von beruflichen Fehlern keine Auswirkung. Das bedeutet jedoch nicht, dass es keine Möglichkeit gibt, sich im Beruf gegen Ansprüche aus der Haftpflicht zu schützen. In manchen Berufsfeldern ist eine solche Berufshaftpflichtversicherung sogar eine tatsächliche Pflichtversicherung un in den Entsprechenden Berufsordnungen festgehalten.

Das bedeutet, dass Sie sogar die Zulassung verlieren können und nicht mehr in Ihrem Beruf arbeiten dürfen, wenn eine solche Absicherung gegen die Haftpflicht fehlt. Die Liste dieser Beschäftigungen ist lang:

  • Ärzte
  • Rechtsanwälte
  • Steuerberater
  • Unternehmensberater
  • Architekten
  • Hebammen
  • Ingenieure
  • Wirtschaftsprüfer
  • Übersetzer

Hinzu kommen zahlreiche Berufe, in denen es sinnvoll und empfehlenswert ist, die eigene Haftpflicht im Job zu versichern. Dies gilt besonders immer dann, wenn Sie während der Arbeit ein hohes Risiko haben, anderen Menschen Schaden zuzufügen – entweder körperlich oder durch die Beschädigung des Besitzes.

Bei Ärzten ist dies durch Behandlungsfehler gegeben, Rechtsanwälte können durch fehlerhafte Beratung einen hohen finanziellen Schaden anrichten oder ein Dolmetscher, der ein wichtiges Dokument fehlerhaft übersetzt, kann damit enorme Kosten verursachen.

Aber auch Handwerker können einen großen Schaden anrichten, weshalb über eine Berufshaftpflichtversicherung nachgedacht werden kann. Führt beispielsweise nachweislich ein falscher Einbau von Elektronik zu einem Hausbrand, sind die damit verbundenen Kosten kaum aus dem eigenen Vermögen zu tragen. Ähnliches gilt beispielsweise für einen Fitnesstrainer oder andere Arbeitnehmer in der Gesundheitsbranche.

Im Zweifelsfall muss abgewägt werden, ob sich eine Haftpflicht für den Beruf lohnt. Günstig sind diese nämlich in der Regel nicht. So gab es vor nicht allzu langer Zeit eine öffentliche Debatte über die verpflichtende Berufshaftpflichtversicherung von freiberuflich tätigen Hebammen. Die Haftpflichtprämie für diese liegt inzwischen bei weit über 600 Euro – monatlich! Um dies überhaupt zu ermöglichen, leisten Krankenkassen Ausgleichszahlungen.

Dabei handelt es sich zwar um ein extremes Beispiel, aber auch in anderen Bereichen müssen die Kosten für die Haftpflicht kalkuliert werden. Lassen Sie sich im Zweifelsfall beraten und holen Sie sich verschiedene Angebote ein. Gerade wenn Sie im Job der Gefahr unterliegen, Personenschäden zu verursachen, ist es meist sinnvoll, sich dagegen abzusichern, wenn die finanzielle Situation es zulässt.

So sind Sie auf der sicheren Seite, denn im schlimmsten Fall bedroht die Haftpflicht ansonsten die gesamte Existenz – Kosten von mehreren hunderttausend Euro können bis in die Privatinsolvenz führen und müssen ein Leben lang abbezahlt werden. Zu wissen, dass Ihnen dies selbst im Falle eines folgenschweren Fehlers nicht droht, kann eine große Erleichterung sein.

Was andere Leser noch gelesen haben

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
11. Juli 2018 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px

Andere Besucher lesen gerade diese Artikel:



Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!