Mitarbeiterhaftung: Wann müssen Sie haften?

Kaffee über den Laptop gekippt? Das ist vermutlich noch eins der kleineren Probleme, wenn es sich um Ihren Dienstrechner handelt. Wie sieht es denn mit der Mitarbeiterhaftung aus, wenn mal eben der Sattelschlepper im Werte mehrerer zehntausend Euro in den Graben gefahren wird? Üblicherweise ist es so, dass Schaden ausgeglichen werden muss. Selbst in solchen Fällen, in denen bestimmte Regeln gar nicht klar waren. Unwissenheit schützt vor Strafe nicht, heißt es da. Aber Fehler, die während der Arbeitszeit in Ihrer Funktion als Mitarbeiter geschehen, stellen eine Besonderheit dar. Die Mitarbeiterhaftung beschäftigt sich genau mit diesen Fragen. Was Sie darüber wissen sollten…

Mitarbeiterhaftung: Wann müssen Sie haften?

Mitarbeiterhaftung Definition: Was ist das?

Mitarbeiterhaftung Regressanspruch Arbeitgeber gegen Mitarbeiter Verjährung Arbeitnehmerhaftung Schema innerbetrieblicher Schadensausgleich Datenschutz Werkzeug verloren grobe Fahrlässigkeit BeispieleUnter Mitarbeiterhaftung (auch Arbeitnehmerhaftung genannt) ist die Haftung für Schäden durch den Arbeitnehmer zu verstehen, die während der Arbeitszeit passiert sind. Die Mitarbeiterhaftung ist allerdings an bestimmte Voraussetzungen geknüpft.

Denn im Gegensatz zum sonstigen Schadensrecht gilt die Beweislastumkehr nach § 619a des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB). Demnach muss der Arbeitgeber erst einmal eine Pflichtverletzung nachweisen.

Für den Arbeitnehmer ist es besonders wichtig zu wissen, welche Schadensersatzansprüche eventuell auf ihn zukommen und ob daraus arbeitsrelevante Konsequenzen folgen – etwa eine fristlose Kündigung.

Voraussetzungen für Haftung des Mitarbeiters

Im Grunde genommen unterscheidet sich die Mitarbeiterhaftung nicht wesentlich von Haftungsgrundsätzen im Privatleben. Für Schäden, die auf der Arbeit beziehungsweise gegenüber dem Arbeitgeber verursacht werden, sind die Arbeitsgerichte zuständig.

Das Arbeitsrecht wiederum ist ein Bestandteil des Zivilrechts, Anwendung finden zumeist die Paragraphen 276 und 280 BGB.

Entscheidend für die Mitarbeiterhaftung sind mehrere Aspekte. Zum einen muss ein Fehlverhalten vorliegen, das entweder gegen den Arbeitsvertrag oder das Gesetz verstößt.

Zum anderen ist entscheidend, inwiefern Vorsatz und Fahrlässigkeit im Verhalten des Arbeitnehmers eine Rolle spielen. Der Volksmund beschreibt es so: Wo gehobelt wird, fallen Späne. Dass also Fehler auf der Arbeit passieren, ist völlig normal und nicht zu verhindern.

Jeder Arbeitnehmer hat mal gewisse Momente, in denen die Konzentration nachlässt. Oder Hektik ausbricht, weil ein Abgabetermin immer näher rückt. Es kommt zum Tunnelblick und schon ist es passiert, eine Unachtsamkeit führt dazu, dass die Tür nicht abgeschlossen oder der Laptop auf dem Autodach vergessen wird.

Daher wird in folgende Kategorien unterschieden:

  • Leichte Fahrlässigkeit

    Als leichte Fahrlässigkeit werden werden kleinere Unachtsamkeiten gewertet, die versehentlich passiert sind und keinerlei gravierende Konsequenzen haben. Hierunter sind typisch menschliche Missgeschicke zu verstehen, etwa der über den Laptop ausgegossene Kaffee, das Diensthandy, das versehentlich in die Toilette gefallen ist. Liegt leichte Fahrlässigkeit vor, kann die Mitarbeiterhaftung entfallen.

  • Mittlere Fahrlässigkeit

    Hier wird nach Quoten der Anteil der Haftung auf Arbeitnehmer und Arbeitgeber verteilt. Abhängig ist die Arbeitnehmerquote von:

    • Dauer der Betriebszugehörigkeit,
    • Gefahrgeneigtheit der Tätigkeit,
    • Grad des Verschuldens,
    • Höhe des Gehalts,
    • Organisation für die Betriebsabläufe,
    • Position des Arbeitnehmers im Unternehmen,
    • Schadenshöhe.

    Ein Beispiel für mittlere Fahrlässigkeit ist die nicht angezogene Handbremse beim Abstellen eines LKW (LAG Köln 11.11.2002 ARST 2004, 67). Als grober Richtwert für mittlere Fahrlässigkeit liegt die Mitarbeiterhaftung in einer Höhe von drei Monatsgehältern.

  • Grobe Fahrlässigkeit

    Als grob fahrlässig wird eingestuft, wenn ein Arbeitnehmer die Folgen seines Handelns bewusst in Kauf genommen hat, obwohl sie absehbar waren. Diese Fälle sind vergleichsweise eindeutig und führen klar zur Mitarbeiterhaftung, beispielsweise wenn ein Angestellter unter starkem Alkoholeinfluss den Dienstwagen beim Versuch einzuparken vor die Mauer setzt. Auch bei Pflichtverletzungen, die vorsätzlich begangen werden, haftet der Mitarbeiter. Als Vorsatz würde hier bewertet, wenn kein Einparkversuch vorgelegen hätte, sondern der Wagen mutwillig zerstört werden sollte.

Was ist ein innerbetrieblicher Schadensausgleich?

Diese Formulierung bezieht sich auf die ersten beiden Kategorien der Fahrlässigkeit. Das Arbeitsrecht versteht unter dem innerbetrieblichen Schadensausgleich eine Haftungsbeschränkung zugunsten des Arbeitnehmers. Voraussetzung für diese ist, dass der Schaden während einer betrieblichen Tätigkeit dem Arbeitgeber oder einem Dritten zugefügt worden sein muss.

Üblicherweise würde der Arbeitnehmer bei jeder Form von Fahrlässigkeit haften, aber die Arbeitsgerichte haben mit dem innerbetrieblichen Schadensausgleich eine Möglichkeit der Ausnahme geschaffen.

Wie oben gezeigt, haftet der Mitarbeiter bei leichtester Fahrlässigkeit nicht, bei mittlerer eben meist nur zur Hälfte. Aber auch hier müssen im Einzelfall alle Umstände berücksichtigt werden.

Grund dafür ist, dass der Mitarbeiter die Aufgaben nach Anweisung des Arbeitgebers erbringt. Da kann es vorkommen, dass ein Arbeitnehmer über seine bisherigen Erfahrungen hinaus eine Arbeitsleistung erbringen muss, der er nicht gewachsen war.

Ein weiterer Grund für diese Regelung ist, dass der Arbeitnehmer ein unverhältnismäßig hohes Risiko tragen würde. Denn gerade Schäden im Arbeitsumfeld könnten Arbeitnehmern sehr teuer zu stehen kommen, wenn man die Kosten hochwertiger Maschinen bedenkt.

Damit eine kurze Unkonzentriertheit nicht zum finanziellen Ruin eines Angestellten führt, wird bei der Haftungshöhe immer das vorwerfbare Verhalten des Arbeitnehmers beurteilt.

Wer haftet bei Personenschäden?

Was ist zu beachten, wenn ein Mitarbeiter beispielsweise im Dienstwagen mit Kollegen fährt und es zum Unfall kommt? Die Mitarbeiterhaftung gilt nicht bei Personenschäden unter Arbeitskollegen. Wurden sie nicht vorsätzlich verursacht, springt die gesetzliche Unfallversicherung ein, so dass üblicherweise keine Berufshaftpflichtversicherung notwendig ist.

Anders sieht es mit dem Eigentum des Kollegen aus: Wurde die neue Designerbrille oder der Anzug ramponiert, muss der Mitarbeiter diese Dinge seinem Kollegen ersetzen.

Gleiches gilt auch, wenn es um Sachschäden gegenüber Dritten geht: Beschädigt der Arbeitnehmer Ware eines Kunden, haftet er persönlich und in voller Höhe. Er kann von seinem Arbeitgeber eine Freistellung von der Haftungspflicht verlangen. Wie hoch die ausfällt, hängt mit dem Grad des Verschuldens zusammen.

Diese Möglichkeit nützt dem Mitarbeiter allerdings nichts, wenn der Arbeitgeber beispielsweise gerade Insolvenz angemeldet hat, denn dann trägt er doch allein den Schaden. Ähnliches kann ihm blühen, wenn er gemeinsam mit dem Arbeitgeber einen Schaden verursacht hat: Der Geschädigte kann entweder beim Arbeitgeber oder beim Arbeitnehmer den Schaden in voller Höhe geltend machen.

[Bildnachweis: Dean Drobot by Shutterstock.com]
27. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

Karrierefragen Hinweis Artikel Unten 1000px


Stellenanzeigen finden Sie auf www.karrieresprung.de.


Fertig gelesen? Zurück zur Startseite!