Lange Krankheit im Lebenslauf: Erwähnen oder verschweigen?

Eine lange, schwere Krankheit führt meist auch zu einer längeren beruflichen Auszeit. Die Folge: Es entsteht eine Lücke im Lebenslauf, die bei der späteren Bewerbung begründet werden muss. Nur wie? Viele Bewerber stehen beim Wiedereinstieg nach einer langen Krankheit vor der Frage: Im Anschreiben und Lebenslauf erwähnen – oder besser verschweigen? Wir zeigen Ihnen, wie Sie generell mit Lücken im Lebenslauf umgehen und geben Tipps und Formulierungen für die Bewerbung nach langer Krankheit…

Lange Krankheit im Lebenslauf: Erwähnen oder verschweigen?

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Lange Krankheit: Muss ich das erwähnen?

Grundsätzlich gilt: Krankheiten sind Privatsache. Erst recht, wenn Sie vollständig genesen sind. Dazu besteht weder eine Auskunftspflicht, noch darf der Arbeitgeber oder Personaler bei der Bewerbung und im Vorstellungsgespräch danach fragen. Fragen zur Gesundheit sind unzulässig, solange die Erkrankung für die Ausübung der Tätigkeit nicht relevant oder ansteckend ist.

Allerdings entsteht durch die gesundheitsbedingte Auszeit eine Lücke im Lebenslauf. Alles, was länger als zwei Monate dauert, gilt nicht mehr als „Bewerbungsphase“, sondern muss – zumindest kurz – erwähnt und erklärt werden. Eine Auszeit von bis zu sechs Monaten lässt sich noch als „Phase der beruflichen Neuorientierung“ erklären. Längere Berufspausen benötigen jedoch eine plausiblere Begründung.

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Wann ist die Krankheit ein Problem?

Eine Krankheit im Lebenslauf wirkt zunächst einmal abschreckend. Viele Personaler werten die Erwähnung als Alarmsignal. Gerade chronische oder psychische Krankheiten können die Einsatzfähigkeit des Mitarbeiters beeinträchtigen. Auch ist das Risiko eines Rückfalls unter Umständen groß. Kein neuer Arbeitgeber möchte riskieren, dass der Neuzugang häufig fehlt und deshalb hohe Ausfallkosten entstehen.

Entscheidend: Die Art der Krankheit

Eine einmalige Krankheit oder einen Sportunfall (z.B. einen Beinbruch oder Knie- oder Blinddarm-OP) können Sie problemlos im Lebenslauf angeben. Ist alles verheilt, interessiert das allenfalls noch bei einem Job als Leistungssportler. Anders bei Krankheiten, die Sie auch in Zukunft beeinträchtigen oder behindern. Dazu zählen chronische Erkrankungen oder ein schwerer Bandscheibenvorfall bei einem Schreibtischjob. Hierbei ist verschweigen keine Option. Das fällt spätestens in der Probezeit auf oder – schlimmer – führt zu einem Rückfall.

Berufliche Auszeit aus privaten Gründen? Bloß nicht!

Viele Ratgeber empfehlen hierfür die schwammige Formulierung „Berufliche Auszeit aus privaten Gründen“ zu verwenden. Lassen Sie das bitte! Erstens, weil es in so vielen Online-Ratgebern steht und Personaler längst wissen, dass damit etwas verschwiegen werden soll. Zweitens, weil Sie damit nur das Kopfkino aktivieren: Je weniger nachvollziehbar die Begründung, desto mehr Spekulationsfläche entsteht. Und bei vielen Mitbewerbern bedeutet das meist das AUS für jene, die Zweifel schüren.


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Lange Krankheit: Warum interessiert Arbeitgeber das?

Auch wenn Arbeitgeber offiziell nicht danach fragen dürfen: Sorgen und Zweifel haben sie trotzdem. Hinter der Frage „Warum haben Sie da eine Lücke im Lebenslauf?“ Oder: „Was war das für eine Krankheit?“ stehen letztlich immer dieselben Ängste:

  • Versuchen Sie uns etwas zu verschweigen – und warum?
  • Sind Ihr Know-how und die Qualifikationen nach der Auszeit immer noch aktuell?
  • Sind Sie schon wieder voll einsatzbereit?
  • Beeinträchtigt die Krankheit immer noch Ihre Leistungsfähigkeit?
  • Können wir mit Ihnen die Stelle langfristig besetzen oder fallen Sie bald wieder aus?

Die Skepsis ist verständlich. Und hier liegt zugleich der Schlüssel für Ihre Bewerbung: Erkrankungen bergen immer die Frage, ob diese in Zukunft noch einmal problematisch werden können. Je konstruktiver Sie damit umgehen und je glaubwürdiger Sie diese Sorge zerschlagen können, desto größer die Bewerbungschancen.

Im besten Fall können Sie dem Personaler durch Ihre Bewerbung signalisieren, dass trotz einem krankheitsbedingten Ausfall in der Vergangenheit keine Probleme in der Zukunft zu erwarten sind. Ihr Wiedereinstieg geschieht nicht aus finanzieller Notwendigkeit, sondern aus voller Kraft und dem Wunsch, beruflich wieder voll durchzustarten.

Selbstreflexion vor dem Wiedereinstieg

Der Weg zurück in den Job führt vor allem vorbei an gründlicher Selbstreflexion, mentaler Verarbeitung des Burnouts und ehrlicher Selbsteinschätzung.

Beispiel Bewerbung nach einem Burnout: Solange Sie den Burnout nicht vollständig überwunden haben, sollten Sie sich – schon im eigenen Interesse – nur auf Jobs bewerben, die damit vereinbar sind. Der neue Arbeitgeber muss Verständnis dafür haben, dass Sie – noch – nicht so können wie andere Kollegen. Und das kann er nur, wenn er davon weiß und Sie offen damit umgehen. So ist es auch bei chronischen oder noch nicht vollends überwundenen Krankheiten.

Anders sieht die Sache aus, wenn Sie komplett genesen und wieder vollständig einsatzbereit sind. Mussten Sie sich einer Operation unterziehen und waren über einen langen Zeitraum in der Reha, sind jetzt aber wieder vollkommen gesund? Dann besteht für Personaler kein Grund zur Sorge.

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Bewerbung: Wie lange Krankheit im Lebenslauf erwähnen?

Erwähnen oder verschweigen? Wir empfehlen stets den offenen und konstruktiven Umgang mit einer längeren Krankheit – erst recht, wenn sich diese nicht auf das zukünftige Arbeitsverhältnis auswirkt oder Sie einschränkt. Gesund ist gesund. Mehr geht den Arbeitgeber nichts an.

„Offener Umgang“ bedeutet allerdings auch nicht, dass Sie in der Bewerbung Ihren kompletten Leidensweg, samt Krankenhausaufenthalt und Krankengeschichte ausbreiten. Zu viel Offenheit schadet wieder und weckt nur schlafende Hunde. Es geht lediglich darum, eine Lücke im Lebenslauf plausibel zu erklären (nicht rechtfertigen!) und positiv in die Zukunft zu blicken: Sie sind aus der Krise gestärkt hervorgegangen (siehe: Resilienz), kennen jetzt Ihre Grenzen und stecken wieder voller Tatendrang. Punkt.

Tipps und Formulierungen für Anschreiben und Lebenslauf

Den Zeitraum einer längeren Erkrankung auslassen, ist keine Option. Die Lücke fällt jedem geübten Personaler auf. Unbequeme Fragen dazu sind die Folge – falls Sie es so überhaupt ins Vorstellungsgespräch schaffen. Auch handfeste Lügen vom Typ „Da habe ich ein Sabbatical gemacht“, empfehlen wir nicht. Die lassen sich durch einfache Nachfragen zu Details leicht entlarven. Dann sind die Bewerber blamiert und kassieren sofort eine Absage.

Dafür bleiben Kandidaten zwei andere bewährte Alternativen, um eine längere Krankheit im Lebenslauf oder Anschreiben zu erwähnen – alledings bitte immer möglichst kurz, knapp und unauffällig. Ihre Qualifikationen und die Motivation spielen die Hauptrolle in der Bewerbung – nicht die Krankheit!

1. Genesung nach Krankheit betonen

Eine lange Krankheit, die vollständig überwunden ist, können Sie im Lebenslauf ruhig selbstbewusst erwähnen. Kurz – ohne groß ins Detail zu gehen. Hierbei reicht eine knappe Formulierung, um die Lücke im Lebenslauf zu schließen:

  • „Auszeit durch Erkrankung – inzwischen vollständig genesen und einsatzfähig“
  • „Krankheitsbedingte Auszeit und vollständige Genesung“

Die genaue Erkrankung müssen Sie dabei weder nennen, noch darf später danach gefragt werden. Die meisten Personaler wissen, dass es sich hierbei um sensible, private Daten handelt, die sie nichts angehen. Wer dem Unternehmen unbedingt signalisieren will, dass die vergangene Krankheit zu keinerlei Leistungseinbußen führt, kann in den Anlagen zur Bewerbung noch ein ärztliches Attest beifügen, das bescheinigt, dass Sie für die angestrebte Position psychisch wie physisch geeignet sind.

Überdies können Sie auch im Bewerbungsschreiben dazu einen kurzen Satz verlieren. Der darf aber nie wie eine Rechtfertigung klingen – eher wie eine Begründung zur Motivation. Beispiel:

Nach überwundener Krankheit und vollständiger Genesung möchte ich nun wieder meine volle Energie nutzen, um beruflich durchzustarten und mich bei Ihnen einzubringen. Durch die Erkrankung habe ich zudem viel über meine Stärken und Schwächen gelernt. Das hat meine Arbeitsweise enorm verbessert.

2. Berufliche Pause privat begründen

Wie oben erwähnt: Vage Formulierungen wie „aus privaten Gründen“ überzeugen keinen Personaler und nähren erst recht Zweifel an der Lücke und Ihrer Ehrlichkeit. Bewerber können aber andere private Gründe nennen, die nichts mit einer eigenen Erkrankung zu tun haben: die „Pflege eines Angehörigen“ zum Beispiel. Oder ein persönliches, selbstständiges Projekt, das Sie schon immer realisieren wollten. Aufmerksame Personaler werden hierbei aber nachfragen und sich nach den Angehörigen oder dem Projekt erkundigen. Achtung: Wer jetzt ins Schlingern und Stottern kommt, versemmelt sich die Jobchancen. Deshalb ist diese Strategie mit Vorsicht zu genießen.

Bei nicht allzu langen Auszeiten können Sie im Anschreiben zusätzlich schreiben:

In den vergangenen sechs Monaten habe ich mir aus privaten Gründen eine Auszeit genommen. Sie diente vor allem der beruflichen Neuorientierung und dazu, wichtige Stärken zu stärken. Das hat mir neue Energie und Motivation gegeben, die ich nun mit vollem Elan bei Ihnen einsetzen will.

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[Bildnachweis: leedsn by Shutterstock.com]

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