Bewerbung als trockener Alkoholiker: Was tun?

Kürzlich schrieb uns ein Leser:

Ich bin ein trockener Alkoholiker. Immer wieder stelle ich mir die Frage, wie ich mit dieser Krankheit in Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen umgehen soll. Das Thema hat ja in Deutschland immer noch ein „Gschmäckle“. Trotzdem bin ich stolz darauf, durch dieses Tal und auch wieder heraus gegangen zu sein. So habe ich zum Beispiel gelernt, mit Stress anders und gesünder umzugehen als früher. Auch haben viele trockene Alkoholiker ein hohes Pflichtbewusstsein und ein hohes Maß an Perfektionismus. Wir lösen Probleme oft pragmatisch. Natürlich möchte ich nicht verschweigen, dass diese Krankheit in einem hohen Maß von Rückfällen geprägt ist. Davor haben sicher einige Personaler Angst. Daher meine Frage: Wie wird die Krankheit im HR-Bereich gesehen und was ist der Rat an trockene Alkoholiker: offen ansprechen oder verschweigen?

Zunächst einmal Danke für das Vertrauen und die zugleich gute, aber komplexe Frage, die man etwas aufschlüsseln muss…

Bewerbung als trockener Alkoholiker: Was tun?

Bewerbung als Ex-Alkoholiker: Was darf der Arbeitgeber fragen?

Zunächst einmal die Fakten:

Alkoholismus eine anerkannte Krankheit. Dennoch haben viele Menschen gegenüber trockenen Alkoholikern ihre Vorbehalte. Es steht einfach immer die Frage nach dem Rückfall im Raum oder ob die vergangene Krankheit nicht doch irgendwelche Folgeschäden hinterlassen hat.

Auch spielt Alkohol im gesellschaftlichen Miteinander keine ganz unerhebliche Rolle. Das ist für die Betroffenen ein Problem.

Das Feierabendbierchen kommt für sie schließlich nicht infrage, ebenso wenig eine Geburtstagsfeier im Büro mit Sektfrühstück. Zumindest müssen sie dabei sichtbar auf Softdrinks ausweichen. Das gesangliche Motto der Bläck Fööss – „Drink doch ene met“ – gilt für sie nicht. Entsprechend werden alkoholkranke Kollegen schnell ausgegrenzt, wenn sie denn überhaupt eingestellt werden.

So sind denn Fragen zu bestehenden Krankheiten im Bewerbungsgespräch nur zulässig, wenn dabei ein enger Zusammenhang zum angestrebten Job besteht. Heißt: Nach Trinkgewohnheiten darf der Arbeitgeber nicht fragen, die tangiert eindeutig die Persönlichkeitsrechte des Kandidaten. Zumindest darf der Bewerber in dem Fall lügen.

Bei der Frage „Sind sie suchtkrank?“ oder „Sind Sie alkoholkrank?“ ist die Antwort weniger eindeutig, da Alkohol (wie andere Drogen auch) nun mal die Leistungsfähigkeit erheblich beeinflusst.

Sollten sich daraus also Einschränkungen bezüglich der Einsatzfähigkeit oder gar eine Gefährdung anderer ergeben (Taxifahrer, Pilot, …), muss der Bewerber die Frage beantworten (vergl. BAG 2 AZR 923/94). Allerdings ordnet das Bundesarbeitsgericht suchtkranke Menschen regelmäßig als (das hört sich jetzt vielleicht seltsam an) „behindert“ ein (BAG Az. 10 AZR 188/03). Das heißt: Sie sind tendenziell durch das AGG geschützt.

Sonderfall: Trockener Alkoholiker

Nun sind trockene Alkoholiker zwar nicht geheilt, aber therapiert. Auch wenn jederzeit die Gefahr eines Rückfalls besteht und Alkohol jeder Art für sie tabu ist, gibt es keinerlei Einschränkungen bei der Einsetzbarkeit, solange sie eben keinen Alkohol trinken. Sie sind dann wie jeder andere Arbeitnehmer auch zu behandeln.

In ihrem Fall wäre die Frage nach der Sucht also unzulässig und müsste nicht beziehungsweise kann mit einem „Nein“ beantwortet werden.

Was heißt das für Bewerber?

Die Bewerbung beginnt aber freilich schon früher – mit dem Anschreiben und Lebenslauf.

Man kann die Frage dazu moralisch beantworten – oder pragmatisch.

Die Mehrheit der Arbeitgeber dürfte auch gegenüber Ex-Alkis Vorbehalte haben. Selbst wenn diese – wie oben beschrieben – durchaus mentale Stärke bewiesen haben. Im Zweifel und bei mehreren Kandidaten auf eine Stelle dürfte der trockene Alkoholiker hier häufig den Kürzeren ziehen. Das ist unfair, aber wahrscheinlich.

Und da eine Bewerbung zunächst nicht viel mehr ist, als ein Leistungsversprechen, dessen Beweis erst noch erbracht werden muss, empfiehlt es sich, die Krankheit vorerst zu verschweigen. Zumindest solange, bis man im Job gezeigt hat, was man alles kann und eben nicht durch die Sucht beeinträchtigt ist.

Problematisch wird es allerdings dann, wenn etwa durch eine längere Therapie in einer Suchtklinik sogenannte Lücken im Lebenslauf entstanden sind. Die fallen einem geübten Personaler sofort auf.

Auch hier gilt aber: Die Erkrankung selbst müssen Bewerber nicht nennen – Privatsache! Es reicht, wenn sie den Zeitraum genau eingrenzen und schreiben, was war:

Auszeit aus gesundheitlichen Gründen, inzwischen vollständige Genesung und Einsatzbereitschaft.

[Bildnachweis: Roberts Photography by Shutterstock.com]

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27. Mai 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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