Teilzeitmanager: Kann das klappen?

Manager und Führungskräfte tragen die Verantwortung und sind maßgeblich am Erfolg von Unternehmen, Abteilungen und Teams beteiligt. Neben Führungsqualitäten braucht es dafür Zeit. Einen Teilzeitmanager können sich daher nur wenige vorstellen. In der Vorstellung ist der Chef ein typischer Workaholic. Er arbeitet mehr, härter und länger als alle anderen. Doch warum soll der Wunsch nach mehr Flexibilität im Arbeitsleben nicht auch in der Führungsetage funktionieren? Eine Position als Teilzeitmanager muss kein Karrierehindernis sein. Warum das Konzept eines Teilzeitmanagers Sinn macht – und welche Voraussetzungen es für eine erfolgreiche Umsetzung braucht…

Teilzeitmanager: Kann das klappen?

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Teilzeitmanager: Weniger Arbeitszeit, weniger Führung?

Eine Führungsposition in Teilzeit – das passt für viele auf den ersten Blick nicht zusammen. Das gilt für Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen. Angestellte sehen ihren Chef als denjenigen, der mit gutem Beispiel und als Vorbild vorangeht. Mit seiner Arbeitsmoral reißt er das Team mit, motiviert und führt so alle gemeinsam zu Bestleistungen und Erfolg. Als Teilzeitmanager der nur halbtags arbeitet ist das in der Vorstellung nicht möglich.

Unternehmen fürchten nachlassende Qualität durch geringere Stundenzahl. Wie sollen alle Aufgaben bewältigt werden, wenn der Vorgesetzte früher Feierabend macht als alle anderen oder gar einen zusätzlichen Tag pro Woche ganz frei hat? Dahinter steht auch ein über Jahrzehnte geprägtes Rollenbild und eine Erwartung. Die Annahme: Manager machen Karriere, sind Karrieristen und haben keine andere Prioritäten abseits der Karriereleiter.

Genau das ist falsch! Gerade in den letzten Jahren gab es einen Wandel: Mehr Freiheiten, moderner Gestaltung der Arbeitswelt, flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Teilzeitmanager teilen diese Wünsche und Erwartungen an den Beruf. Warum sollen sich beruflicher Aufstieg und Flexibilität ausschließen? Manager in Teilzeit können ebenso kompetent und erfolgreich im Job sein wie Vollzeitkräfte – nur eben in einem zeitlich geringerem Umfang.

Die Vorteile eines Teilzeitmanagers

Bei einem Teilzeitmanager wird meist nur über mögliche Nachteile und Gefahren gesprochen. Dabei wird oft übersehen, dass es einige Pluspunkte und Vorteile mitbringen kann, wenn nicht nur andere Mitarbeiter, sondern auch Führungskräfte in Teilzeit beschäftigt werden. Denn was für andere Mitarbeiter gilt, verliert nicht seine Gültigkeit, wenn es um eine höhere Hierarchieebene gilt.

Wer sich auf die Idee eines Teilzeitmanagers einlässt und diese Option in Betracht zieht, findet schnell einige Vorteile:

  • Mehr Produktivität

    Es ist ein Irrglaube, dass Arbeit unerledigt bleibt, wenn sich die Arbeitszeit reduziert. Lange Arbeitszeiten machen nicht produktiver und so schafft ein Teilzeitmanager vermutlich nicht viel weniger. Das besagt auch das Parkinsonsche Gesetz: Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht. Wer nur eine Arbeitszeit von 30 Stunden pro Woche hat, braucht also auch nur diese Zeit.

  • Mehr Motivation

    Die Erkenntnis, dass eine größere Flexibilität und mehr Freiheiten einen positiven Einfluss auf die Motivation im Job haben, ist nicht neu. Das gilt nicht nur für Mitarbeiter, sondern eben auch für Teilzeitmanager. Diese gehen mit gesteigertem Engagement an die Arbeit und bringen Bestleistungen.

  • Mehr Überblick

    Manchmal ist weniger mehr – so ist ein Teilzeitmanager weniger anfällig für Betriebsblindheit. Er behält einen besseren Überblick und erkennt, ob Entwicklungen wirklich sinnvoll sind oder noch einmal hinterfragt werden sollten. Die zeitlichen Freiräume können auch eine innovative und kreative Herangehensweise an Probleme fördern.

  • Mehr Zufriedenheit

    Mehr Zeit zur freien Verfügung, mehr Möglichkeiten, um Karriere und Familie unter einen Hut zu bringen, weniger Stress im Job – Teilzeitmanager profitieren gleich in mehreren Bereichen und entwickeln eine größere Zufriedenheit. Das wirkt sich wiederum auch positiv auf das Unternehmen aus, da die Loyalität und Leistungsbereitschaft steigt.

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Voraussetzungen für Teilzeitmanager

Teilzeitmanager sind die Ausnahme. Bisher sind flexible Führungsmodelle in deutschen Unternehmen eine Seltenheit – ein Bereich, in dem viele Unternehmen von europäischen Nachbarn noch etwas lernen können, die bereits häufiger die Möglichkeit einer Arbeitszeitverkürzung auch für Vorgesetzte und Führungskräfte schaffen. Das zeigt nicht nur, dass es möglich ist – es muss auch gar nicht kompliziert sein.

Es gibt Modelle wie das Topsharing, bei dem eine volle Stelle auf mehrere Führungskräfte aufgeteilt wird. Doch auch ohne eine solche Aufteilung kann ein Teilzeitmanager erfolgreich sein, wenn einige Voraussetzungen geschaffen und wichtige Punkte beachtet werden:

  • Nötiges Umdenken

    Zuallererst braucht es ein weitreichendes Umdenken, wenn es um Führungskräfte geht. Die aktuelle Haltung macht es sehr schwierig, größere Veränderungen zu bewirken. Das Bild von Managern muss weg vom Workaholic, der nur seine Karriere im Blick hat – hin zu einem Verständnis, dass auch in Führungsetagen der Wunsch nach mehr Freiheit für Familie und Privatleben vorhanden ist. Und zwar ohne gleichzeitig auf die Karriere zu verzichten oder sich durch diese Entscheidung jede Chance auf eine weitere berufliche Entwicklung zu verbauen.

  • Individuelle Regelungen

    Eine Regelung für Teilzeitmanager lässt sich nicht allgemein festlegen. Die Bedürfnisse und Vorstellungen jeder Führungskraft, die sich eine kürzere Arbeitszeit wünscht, sind unterschiedlich. Mancher würde gerne jeden Tag ein wenig eher gehen, andere stellen sich vielleicht eher einen freien Tag oder eine Aufteilung zwischen Anwesenheit und Homeoffice vor. Die Regelungen für einen Teilzeitmanager sollten daher individuell vereinbart und angepasst werden.

  • Gute Kommunikation

    Kommunikation ist ohnehin ein wichtiger Erfolgsfaktor, dessen Bedeutung durch einen Teilzeitmanager noch größer wird. Es müssen alle wichtigen Informationen und Absprachen getroffen werden, weil der Chef vielleicht am kommenden Tag nicht da ist. Das gilt auch, wenn mehrere Führungskräfte sich eine Position teilen. Nur wenn die Kommunikation perfekt funktioniert, kann die Arbeit einer Führungsstelle erfolgreich aufgeteilt werden.

  • Größere Delegation

    Als Teilzeitmanager ist es nicht möglich, zu jeder Zeit alles zu kontrollieren oder jede Aufgabe selbst zu erledigen. Mikromanager haben daher schlechte Karten. Erfolgreiche Teilzeitmanager schaffen es, Aufgaben und Verantwortungen zu delegieren und damit nicht nur für weiterhin gute Leistungen und Ergebnisse zu sorgen, sondern gleichzeitig die Mitarbeiter zu fördern und auf größere Projekte vorzubereiten.

  • Stärkeres Vertrauen

    Arbeitgeber und auch Teammitglieder müssen einem Teilzeitmanager das nötige Vertrauen entgegenbringen. Ständige Zweifel an den Leistungen des Chefs sind unangebracht und hinderlich.

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[Bildnachweis: Irina Strelnikova by Shutterstock.com]
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23. Februar 2021 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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