Es ist schon erstaunlich, was sich so in unseren Köpfen abspielt. Eben noch haben wir freudig an dem neuen Projekt getüftelt, haben gerne die Organisation übernommen, mit einem bescheidenen Budget improvisiert und unseren Triumph bereits imaginiert... Dann kommt der Chef, macht auf einmal enge Vorgaben, was er alles realisiert haben will, hier bitte noch dies, dort noch das – und bitte alles bis gestern und genau so! Chefs dürfen das zwar. Aber was passiert, ist: Schlagartig erlischt unser Eifer, unsere Begeisterung und Leidenschaft. Aus unserer Lust wird Last. Vorschriften essen Eifer auf...

Vorschriften Regeln Ordner Demotivation

Wie Vorschriften Engagement belasten

So wirken Vorschriften häufig. Wo vorher die kleine, kreative Spielwiese unseren Ehrgeiz beflügelte etwas Neues aufzubauen, mutiert das Projekt nun zu einer mühsamen Aufgabe, an der wir uns für den Chef abarbeiten...

Ob sich dieses Phänomen tatsächlich so verallgemeinern und beobachten lässt, wollten zwei Wissenschaftler der Universitäten Köln und Zürich genau wissen und entwickelten dazu einen größeren Feldversuch. Ihre Probanden sollten Spielgeld für einen fiktiven Chef vermehren:

  • Der ließ ihnen mal freie Hand,
  • mal forderte er einen Mindesteinsatz.

Egal, wie viele Runden die Forscher spielen ließen: Die Mitarbeiter ohne Vorgaben waren jedes Mal deutlich motivierter - und erfolgreicher! Motivation und Leistung stiegen ohne Ausnahme, wenn der Chef seine Mitarbeiter nicht gängelte.

Zugegeben, diese Einsicht dürfte keinen Arbeitnehmer überraschen. Sie ist ja auch biblischen Alters - wenngleich damals auch nicht wissenschaftlicher fundiert.

Im Gleichnis von den anvertrauten Talenten in Matthäus 25 ab Vers 29 erzählt Jesus von einem Herrn, der seinen Knechten einige Talente (= viel Geld) überträgt.

  • Dem einen gibt er fünf,
  • dem anderen zwei,
  • dem dritten ein Talent.

Vorgaben macht er nicht. Und das ist auch gut so. Denn die beiden ersten verdoppelten ihren Einsatz jeweils. Nur der dritte Knecht nicht. Der vergräbt das Vermögen einfach. Okay, solche Leute gibt es leider auch. Aber sie sind, wie man lesen kann, Einzelfälle.

Solche Geschichten müssten Manager enorm erleichtern. Sie befreien Führungskräfte von dem Irrglauben und Zwang, ihren mündigen Mitarbeitern alles vorbeten zu müssen, damit sie ihr Bestes geben.

Tatsächlich passiert das Gegenteil: Je konkreter und kleiner der Rahmen ausfällt, den sie vorgeben, desto schlechter das Ergebnis. Wer seinem Team dagegen mehr zutraut und die Leute machen lässt, bekommt mehr für sein Geld und hat mehr Erfolg.

Das setzt allerdings zwei Dinge voraus, die leider selten sind: Vertrauen und Mut.

Mitspracherechte: Wer mitreden darf, leistet mehr

Mitspracherechte: Wer mitreden darf, leistet mehrManager sollten Ihren Mitarbeitern mehr Mitspracherechte einräumen. Wie Wissenschaftler um Jeffrey Carpenter vom Middlebury College in Vermont festgestellt haben, reicht es schon aus, Mitarbeiter ernsthaft (!) mitreden und mitentscheiden zu lassen, damit diese motivierter und produktiver arbeiten.

Bei dem vorausgegangenen Experiment (PDF) konnten 180 Probanden Geld damit verdienen, dass sie einige Rechenaufgaben lösten. Zuvor wurden sie jedoch in zwei Gruppen aufgeteilt:

  • Das erste Team konnte selbst entscheiden, ob es den monetären Gewinn hinterher in gleichen Teilen auszahlt oder dies von der Leistung des Einzelnen abhängig macht.
  • Dem zweiten Team wurde diese Entscheidung einfach vorgesetzt.

Und siehe da: Das Team mit Mitspracherechten arbeitete engagierter und war auch noch produktiver. Am Ende schafften sie nicht nur sieben Prozent mehr Ergebnisse, sondern erzielten auch neun Prozent mehr richtige Lösungen – unabhängig davon, wie sie das sauer verdiente Geld hinterher ausbezahlen wollten.

Auch wenn sich solche Laborbedingungen nicht vollständig auf Betriebe übertragen lassen, liefere seine Studie doch "ein starkes ökonomisches Argument für mehr Demokratie am Arbeitsplatz", sagt Carpenter.

[Bildnachweis: bleakstar by Shutterstock.com]

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