Wohin mit den Händen beim Vortrag?

Wer vorträgt, weiß, dass es nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf die Präsentation ankommt. Wohin mit den Händen beim Vortrag? Die Art und Weise, wie wir uns bewegen, ist entscheidend dafür, wie wir auf andere wirken. Und damit auch, ob das Gesagte beim Gegenüber ankommt oder nicht. Wer souverän auftritt, wird seine Inhalte eher vermitteln können als jemand, der unsicher und nervös wirkt. Was Ihre Hände wann aussagen und wie Sie sich während eines Vortrags verhalten, erfahren Sie hier.

Wohin mit den Händen beim Vortrag?

Wir kommunizieren mit den Händen

Wenn Sie einen Vortrag vorbereitet haben, steckt darin vermutlich viel Arbeit. Sie haben etwas zu vermitteln und wollen Ihren Ruf als Experten damit untermauern. Direkt einher geht damit, dass Sie eine bestimmte Wirkung beim Publikum erzeugen wollen.

Von Paul Watzlawick wissen wir bereits, dass wir nicht nicht kommunizieren können, die Art, wie Sie Ihre Hände halten, wie Sie stehen und ins Publikum blicken, trägt zum Gesamteindruck mit bei. Und da fängt das Problem an: Wohin mit den Händen? Wie vermeide ich Verlegenheitsgesten?

Damit ist klar, dass bestimmte Gesten während eines Vortrags ausscheiden, die Unsicherheit oder sogar Abwehr ausdrücken. Gleichzeitig wollen Sie nicht, dass die Haltung Ihrer Hände völlig einstudiert und unnatürlich wirkt. Sie möchten sympathisch, kompetent und souverän wahrgenommen werden.

Wann die Hände gebraucht werden

Wer mit Karteikarten im Vortrag arbeitet oder Moderationskarten benutzt, ist fein raus. Das Publikum erkennt: Der Vortragende beziehungsweise der Moderator hat sich die wichtigsten Informationen aufgeschrieben, eine bestimmte Struktur ist damit gewährleistet.

Ähnlich bei Seminaren, in denen der Vortragende anhand eines Flipcharts oder Smartboards das Gesagte unterstreicht oder einzelne Punkte mit dem Publikum erarbeitet: Häufig hat der Redner hier einen Filzschreiber in der Hand.

Die Frage, wohin mit den Händen spielt vor allem bei der freien Rede eine Rolle. Während Sie bei einer Powerpoint-Präsentation häufig den Laserpointer oder andere Technik, beispielsweise zum Klicken der Folien in der Hand haben, kommt die freie Rede meist ohne irgendwelche Materialien aus.

Gibt es ein Rednerpult, neigen manche Redner dazu, das zu umklammern. Das kann – je nachdem, wie häufig und wie lange es vorkommt, verkrampft oder sogar erschöpft wirken: Schließlich stützt sich der Redner regelrecht auf das Pult.

Warum Hände im Vortrag wichtig sind

Hilfsmittel wie die erwähnten geben dem Vortragenden etwas, dass ihn beschäftigt aussehen lässt. Allerdings sind auch Filzschreiber und dergleichen eine zweischneidige Sache – nämlich dann, wenn Sie damit herumspielen.

Fehlt so ein Hilfsmittel, dann sollten Sie Ihre Hände einsetzen. Viele Menschen sind dann unsicher, wohin sie ihre Hände packen sollen – einfach am Körper herabhängenzulassen, wirkt tendenziell verloren.

Idealerweise unterstreichen die Hände das Gesagte. Dazu befinden sie sich häufig in der oberen Körperhälfte, jedenfalls oberhalb des Bauchnabels. Das hat den Vorteil, dass bei einer Übertragung auf einer Leinwand – beispielsweise vor großem Publikum – auch dann noch die Hände gesehen werden.

Die Arme sollten dabei leicht angewinkelt sein. Das unterstützt eine gerade Körperhaltung und hilft wiederum dabei, sich klar zu artikulieren. Außerdem wirken Sie so offener und zugänglicher, strahlen automatisch Sympathie aus.

Negative Assoziationen: Die Hände werden verborgen

Was allen Gesten, die negativ auffallen, gemeinsam ist: Die Hände werden in irgendeiner Form verborgen oder verschränkt. Beim Betrachter kommt im schlimmsten Fall an: Der (oder die) hat was zu verbergen. Spielt nicht mit offenen Karten, führt etwas im Schilde.

Nicht umsonst müssen Kriminelle mit hoch erhobenen Händen vortreten. Das signalisiert: Es wird keine Waffe in den Händen gehalten, von negativen Überraschungen in Form eines Angriffs ist erst einmal nicht auszugehen.

Folgende Bilder zeigen eine Haltung der Hände, die eher negativ beim Gegenüber ankommt:

Wohin Mit Den Haenden Schlecht 01

Wohin Mit Den Haenden Schlecht 02

Wohin Mit Den Haenden Schlecht 03

Wohin Mit Den Haenden Schlecht 04

Nicht nur verborgene Hände, auch verschränkte Finger wirken tendenziell verkrampft oder unsicher, als ob Sie beten müssten, dass dieser Vortrag etwas wird. Vermeiden sollten Sie außerdem:

  • Die Hände in die Hosentasche zu stecken – wirkt etwas zu leger.
  • Die Hände aneinander zu reiben – als müssten Sie sich selbst Mut machen.
  • Die Hände in die Seiten zu stemmen – kann aufsässig/bedrohlich wirken.
  • Die Hände hinter dem Rücken zu verstecken – erweckt den Eindruck, Sie hätten etwas zu verbergen.

Positive Assoziationen: Die Hände werden gezeigt

Wichtig für positive Gesten: Die Hände sind sichtbar und damit auch alles, was Sie damit anstellen. Als Faustformel gilt: Die Hände werden vor dem Körper in der Körpermitte oberhalb der Gürtellinie gehalten.

Eine gute Haltung der Hände sieht wie in den folgenden Bildern aus:

Wohin Mit Den Haenden Gut 01

Wohin Mit Den Haenden Gut 02

Wohin Mit Den Haenden Gut 03

Wohin Mit Den Haenden Gut 04

Offene Hände wie im ersten Bild signalisieren: Ich habe nichts zu verbergen, ich bin mir meiner Sache sicher. Weitere Möglichkeiten, wohin Sie Ihre Hände tun können:

  • Sie formen mit der einen Hand eine Schale und legen die andere Hand hinein.
  • Sie formen mit einer Hand eine Faust, die andere Hand umschließt diese.
  • Sie legen die Hände locker ineinander, ähnlich wie wenn sich selbst die Hand geben wollten.

Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das Ganze in natura wirken könnte, schauen Sie auch das Video mit Yvonne de Bark:

Authentizität sticht einstudierte Haltung

Wenn Sie nun während eines Vortrages die Arme verschränken, ist dann das Publikum brüskiert? Wird es verunsichert, wenn Sie mal die Hände hinter den Rücken nehmen? Natürlich nicht. Bei alledem gilt nämlich auch: Es kommt auf die Dosis an.

Beispielsweise könnten Sie während eines Vortrages verschiedene inhaltliche Positionen einnehmen und diese jeweils mit unterschiedlichen Gesten unterstreichen. Überhaupt gilt bei allen Gesten, dass sie zu Ihnen passen müssen. Hier zeigt sich auch ein Problem bei Gesten, die zweischneidig sind.

Eine solche Geste ist das mit den Fingerspitzen geformte Dreieck vor dem Körper, das umgangssprachlich als „Merkel-Raute“ bezeichnet wird. An sich keine schlechte Geste, da Sie die Hände in der oberen Körperhälfte halten und durch die Position die Arme leicht angewinkelt sind und eine gute Haltung verschaffen.

Leider ist diese Geste durch ihre häufige Verwendung sehr präsent, so dass Sie damit kaum mehr authentisch wirken können. Sie sollte daher nur sparsam eingesetzt werden. Um für sich selbst herauszufinden, welche Geste zu Ihnen am besten passt, sollten Sie sich im Alltag beobachten.

Wann fühlen Sie sich entspannt und welche Position nehmen Sie dann ein? Beobachten Sie andere Leute (vor allem Vorbilder), wie halten die ihre Hände? Probieren Sie positive Gesten zuhause vor dem Spiegel aus. Da können Sie gleich überprüfen, ob Sie die richtige Höhe einhalten und wie eine Geste auf Sie wirkt.

[Bildnachweis: RD_Production by Shutterstock.com]
10. Juli 2019 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.



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