Jobinterview: Mit Psychotricks punkten

Wer als Bewerber ans Psychotricks im Jobinterview denkt, hat vor allem Personaler vor seinem geistigen Auge, die mit allen möglichen Kniffen arbeiten, um den Kandidaten aufs Glatteis zu führen. In diesem Artikel soll es allerdings um bestimmte Psychotricks gehen, die Ihnen als Bewerber zugute kommen. Denn häufig kämpfen die potenziellen Kandidaten mit ihrer Nervosität – nur ein letzter (aber entscheidener) Schritt trennt sie von ihrem Job. Damit Sie möglichst bald einen unterschriebenen Arbeitsvertrag in den Händen halten, erklären wir hier, wie Sie im Jobinterview mit Psychotricks punkten

Jobinterview: Mit Psychotricks punkten

Jobinterview: Einladung ist die halbe Miete

Vor allem Berufsanfänger in ihrem ersten Jobinterview haben häufig Lampenfieber – und dann passiert es, dass man sich um Kopf und Kragen redet, weil man Fangfragen auf den Leim geht.

Oder aber Sie bringen keinen Ton heraus. Beides ist mit einer guten Vorbereitung zum Vorstellungsgespräch vermeidbar. Vielleicht hilft es Ihnen aber auch zu wissen, dass es bestimmte psychologische Phänomene gibt, die Ihnen nicht nur im Alltag, sondern auch im Jobinterview helfen, Sympathie aufzubauen.

Denn letztlich geht es in dieser Bewerbungsphase vorrangig um das Zwischenmenschliche. Sofern sämtliche Angaben in Ihrem Lebenslauf korrekt sind, scheint auf fachlicher Ebene zunächst Vieles für Sie zu sprechen.

Und der positive Nebeneffekt von Aufregung ist, dass Sie für diesen Zeitraum mit Ihrer Aufmerksamkeit voll und ganz beim Jobinterview sind.

Verschiedene Phasen im Jobinterview

Zur Vorbereitung gehört zu wissen, was Sie in etwa im Vorstellungsgespräch erwartet. Jobinterviews lassen sich zumeist in fünf verschiedene Phasen einteilen. In der Regel dauern sie nicht länger als 45 Minuten, es sei denn, Sie werden zu einem Auswahltag eingeladen.

Phasen im Jobinterview

  • Smalltalk

    Diese Phase dient der „Aufwärmung“. Für gewöhnlich fragt der Personaler Dinge wie ob Sie den Weg gut gefunden haben, wie es Ihnen geht. Hier zählt der erste Eindruck, also Ihr äußeres Erscheinungsbild, wie aufgeschlossen Sie wirken und welchen Händedruck Sie haben.

  • Kennenlernen

    In dieser Phase geht es darum, dass der Bewerber in einer Selbstpräsentation sich und seine Kenntnisse vorstellt. Es sollte dabei nicht einfach der Lebenslauf heruntergebetet werden, sondern am besten inhaltliche Schwerpunkte gewählt werden, die zum Job passen. Hier bietet sich die Gelegenheit, die Dinge näher auszuführen, für die im Anschreiben kein Platz war.

  • Selbstpräsentation

    Nach der Präsentation des Bewerbers liegt der Ball im Spielfeld des potenziellen Arbeitgebers, das heißt, nun stellt das Unternehmen sich vor. Beispielsweise können Details zur Stelle erzählt werden, die so in der Ausschreibung nicht zu lesen waren. Als Kandidat punkten Sie, wenn Sie Ihrem Gegenüber geduldig zuhören und durch Anmerkungen oder Verständnisfragen demonstrieren, dass Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben.

  • Rückfragen

    Das Jobinterview neigt sich nun dem Ende. Erkennbar ist dies beispielsweise an Fragen wie Haben Sie noch Fragen? Hier sollten Sie unbedingt mit „ja“ antworten, denn das signalisiert Interesse. Überlegen Sie im Vorfeld Rückfragen wie Warum ist die Stelle vakant? Teilweise ergeben sich weitere Rückfragen bereits durch aufmerksames Zuhören.

  • Abschluss

    Sind alle Fragen geklärt, wird man sich von Ihnen verabschieden wollen. Sofern die Personalverantwortlichen nicht selbst das Gespräch darauf lenken, sollten Sie nach dem weiteren Verlauf des Bewerbungsprozesses fragen, also bis wann Sie mit einer Entscheidung rechnen dürfen.

Jobinterview Psychotricks: So punkten Sie

Während dieser verschiedenen Phasen können Sie unterschiedliche Psychotricks im Jobinterview einsetzen:

  • Eindruck

    Häufig hört man: Der erste Eindruck zählt. Der Recency-Effekt bedeutet allerdings: Der letzte Eindruck zählt. Des Rätsels Lösung: Beides stimmt.

    Im Langzeitgedächtnis bleibt der erste Eindruck haften, so dass zuerst genannte Antworten besser erinnert werden und einen stärkeren Einfluss darauf haben können, ob Sie eingestellt werden. Der Recency- oder deutsch: Rezenz-Effekt hingegen bedient das Kurzzeitgedächtnis.

    Für die Phasen im Jobinterview heißt das, dass die Rückfragen besonders im Kopf des Personalers haften bleiben. Sie können sich den Primacy- und den Rezenz-Effekt auch zunutze machen, indem Sie bei Aufzählungen die wichtigsten Argumente jeweils an den Anfang beziehungsweise an das Ende packen.

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  • Kommunikation

    In den Bereich der Körpersprache fallen etliche unterschiedliche Effekte der verbalen und nonverbalen Kommunikation. Denn wie Sie auf Ihr Gegenüber wirken, hängt nicht nur von der Kleidung ab.

    Vielmehr senden Sie durch Ihre Körperhaltung, die Intonation und die Mimik Signale. Wer beispielsweise zappelig wirkt, ständig mit den Haaren spielt, mit den Fingern trommelt, wirkt nervös, fahrig oder gar aggressiv. Sie wollen jedoch Souveränität ausstrahlen. Natürlich kommt es immer auf die Dosis an:

    Forsch bei der Begrüßung die Hand ergreifen statt zu warten, bis Sie einem entgegengestreckt wird, ist kein Zeichen von Selbstbewusstsein, sondern eher schlechten Manieren. Ebenso verhält es sich mit der Stimme: Eine sonore, etwas tiefere Stimme kommt Umfragen zufolge immer besser als eine piepsige Stimme an.

    Dennoch ist Natürlichkeit entscheidend – die wenigsten Frauen werden eine tiefe Bassstimme haben. Achten Sie daher vor allem darauf, ruhig und in den Bauch zu atmen, dann wirkt die Stimme automatisch nicht so gepresst wie wenn Sie beispielsweise nur in den Brustkorb atmen. Trainieren Sie dafür im Vorfeld beispielsweise Ihre Selbstpräsentation.

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  • Spiegeltechnik

    Wie bereits erwähnt, ist die Mimik ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Sie ist gleichzeitig ein Psychotrick im Jobinterview. Zum einen sind uns freundlich anblickende Menschen deutlich sympathischer als solche, die mit verschlossenem Gesicht auf den Boden starren.

    Zum anderen mögen Menschen Symmetrie. Es klingt überraschend, aber selbst so Mikrogesten wie übereinandergeschlagene Beine bei beiden Gesprächspartnern signalisieren unterbewusst bereits eine Gemeinsamkeit. Und je mehr Gemeinsamkeiten Sie haben, desto besser – das verstärkt den Wunsch, Sie einzustellen.

    Nun geht es nicht darum, sein Gegenüber nachzuäffen, um möglichst sicher ans Ziel zu kommen. Aber das Wissen um diesen Psychotrick hilft Ihnen dabei, sich stärker auf Ihr Gegenüber einzulassen. Achten Sie auf die Wortwahl, das Sprechtempo, mögliche Atempausen.

    Es sind solche Kleinigkeiten, die die Sympathie beeinflussen, wenn Sie auf dieselben Fachbegriffe zurückgreifen, sich dem Sprechtempo anpassen. Dieses als Chamäleon-Effekt bezeichnete Phänomen funktioniert übrigens auch, wenn Sie vorab bei der Recherche feststellen, dass Sie und der Firmenchef dasselbe Hobby teilen oder auf derselben Uni waren. Jetzt müssen Sie Ihr Wissen nur noch gekonnt unterbringen.

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  • Komplimente

    Jeder Mensch hört gerne Komplimente. Ein guter Zeitpunkt dafür ist die erste Phase des Jobinterviews, während des Smalltalks.

    Die Kunst besteht allerdings darin, sie so zu formulieren, dass Sie nicht wie ein Schleimer wirken. Das können Sie vermeiden, indem Sie beispielsweise keine Übertreibungen à la Ich habe noch nie so einen tollen Empfangsbereich gesehen! äußern.

    Besser wäre: Der Empfangsbereich ist in seiner Größe beeindruckend. Wichtig ist auch, dass Sie sich mit Komplimenten zum Äußeren einer Person zurückhalten (Sie wirken in real ja viel größer als auf dem Bild), denn die würden zurecht als unpassend und übergriffig empfunden werden.

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  • Optimismus

    Hinter diesem Psychotrick im Jobinterview steckt eine Reihe von Denkweisen, die Sie sich aneignen sollten. Für manche Menschen ist das Glas halb voll, für andere halb leer.

    Unabhängig davon, wieviel sich tatsächlich im Glas befindet, sagt die Sichtweise etwas über die Stimmung der Person aus. Allerdings auch über die Perspektive – und die lohnt es sich manchmal zu ändern. Mit einer positiveren Grundeinstellung treten Sie gleich viel souveräner auf.

    Entsprechende Formulierungen strahlen Zuversicht und Selbstwertgefühl aus. Beispielsweise wenn Sie gefragt werden, ob Sie Spanisch sprechen, können Sie antworten: Nein, leider spreche ich kein Spanisch. Oder aber: Ich war in Französisch immer recht gut und bin mir sicher, dass ich mir Spanisch schnell aneignen kann.

    Der Informationsgehalt ist in beiden Aussagen identisch, aber während die Diskussion im ersten Fall beendet ist, mag die zweite Aussage den Personaler bereits zufrieden stellen, da Sie grundsätzliche Lernbereitschaft und Engagement signalisieren.

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[Bildnachweis: Stock-Asso by Shutterstock.com]

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4. April 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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