Selbstironie: So lindern Sie unangenehme Situationen

Jeder Mensch macht Fehler. Genau dieses Wissen um die eigenen Unzulänglichkeiten spiegelt sich in Selbstironie wider. Locker flockig können Sie mit Selbstironie hervorragend all denen zuvorkommen, die vielleicht schon einen schadenfreudigen Kommentar auf den Lippen hatten. Diese Fähigkeit zu ironisieren verschafft Ihnen etliche Vorteile. Welche das sind und warum jeder etwas selbstironischer auf die eigenen Verhaltensweisen schauen sollte…

Selbstironie: So lindern Sie unangenehme Situationen

Definition: Was ist Selbstironie?

Selbstironie Definition EnglischDas Substantiv Selbstironie setzt sich aus dem Pronomen selbst und dem Substantiv Ironie zusammen. Mit Ironie ist ein feiner Spott gemeint, bei dem der Sprecher häufig das Gegenteil dessen artikuliert, das er eigentlich meint. Der Clou besteht darin, dass sowohl er als auch sein Gegenüber wissen, dass das Gegenteil gemeint ist.

Bei Selbstironie (Englisch = self-irony, self-mockery) bezieht sich dieser Spott auf die eigene Person. Der Sprecher ist sich seiner eigenen Fehler bewusst und kommentiert sie auf humorvolle Weise.

Beispiel

Sie haben gerade Kaffee auf Ihr weißes Hemd geschüttet und kommentieren das mit den Worten: „Milchkaffee sieht auf weißem Untergrund besonders schön aus.“ Als rhetorisches Stilmittel muss die Ironie – und so auch die Selbstironie – entschlüsselt werden.

Aufgrund des Settings werden Ihre Kollegen natürlich sofort wissen, dass Sie nicht ernsthaft über schöne Farbkombinationen philosophieren, sondern sich im Gegenteil vermutlich gerade ein wenig ärgern, da nun jeder Zeuge Ihres Missgeschicks wird, sofern Sie kein Hemd zum Wechseln dabei haben.

Natürlich gelingt Selbstironie nicht immer und ist auch nicht immer angebracht: Es wäre eine völlig unpassende Reaktion, wenn jemand gerade eine Massenkarambolage verursacht hat und darauf mit einer Äußerung wie „Ups“ oder „Ich wollte es den anderen mal so richtig zeigen“ reagiert.

Aber die meisten Menschen, die selbstironisch ihr eigenes Verhalten kommentieren, sind reflektiert genug zu wissen, wann ehrliche Betroffenheit gefragt ist und Humor beim Gegenüber nicht gut ankäme.

Unterschied zwischen Ironie und Sarkasmus

Selbstironie Synonym SarkasmusSynonym zu Selbstironie wird auch von Galgenhumor gesprochen. Wir verbinden damit eine Person, die über einen gewissen Wortwitz verfügt und deren Humor mitunter entwaffnend, aber vor allem erfrischend ist – das gilt vor allem in Situationen, in denen andere eine völlig andere Reaktion von jemanden erwarten.

Um obiges Beispiel erneut aufzugreifen: Ein anderer Kollege hätte sich über den verschütteten Kaffee wirklich geärgert, weil er kein Ersatzhemd auf der Arbeit hat und später noch einen Kundentermin wahrnehmen muss. Die Aussicht, wenig repräsentabel beim Kunden zu erscheinen oder aber Zeit durch einen Umweg nach Hause zu verlieren, erscheint gleichermaßen unattraktiv.

Ironie (und damit auch Selbstironie) muss von Sarkasmus abgegrenzt werden. Sarkasmus ist schlichtweg ein anderes Kaliber. Die Dosis macht das Gift: Bei Sarkasmus wird bitterer Hohn und Spott gegen andere gerichtet, um sie der Lächerlichkeit preiszugeben.

Das wirkt weder besonders sympathisch noch lustig für die Betroffenen, daher sind häufiger Formulierungen wie „beißender oder verletzender Sarkasmus“ zu lesen. Während sich logischerweise Selbstironie nie gegen andere richtet, sind sarkastische Bemerkungen in der Regel nach außen adressiert. So etwas wie „Selbstsarkasmus gibt es nicht, es sei denn, jemand wollte sich so richtig in die Pfanne hauen.

Wichtig: Über sich selbst lachen können

Die Fähigkeit zur Selbstironie ist nicht selbstverständlich. Gerade wenn jemand perfektionistisch veranlagt ist oder unter hohem Leistungsdruck steht, sind andere Reaktionen wahrscheinlicher:

  • Schämen

    Das Gefühl, versagt zu haben, steht im Vordergrund. Vielleicht haben etliche wichtige Leute hohe Erwartungen an Sie gestellt und die werden nun enttäuscht. Dahinter steckt die Angst, aufgrund eines Fehlers weniger gemocht, zukünftig abgelehnt zu werden.

  • Ärgern

    Die eigene Enttäuschung darüber, dass ein Fehler Sie daran gehindert hat, Ihr Ziel zu erreichen, kann sich auch in Ärger niederschlagen. Lange Vorbereitungen und Engagement waren umsonst, der Lohn bleibt versagt. Beruflich können Konsequenzen in der Art möglich sein, dass beispielsweise der Rivale zukünftig die Leitung übernimmt.

  • Leugnen

    Die vor allem für andere vermutlich unangenehmste Reaktion auf eigene Fehler ist das Leugnen. Mit Menschen, die absolut unbelehrbar sind, ist eine gemeinsame Zusammenarbeit äußerst schwierig. Oft stellen sie hohe Ansprüche an andere, die nicht unbedingt zu erfüllen sind. Geht etwas schief, folgen unangenehme Reaktionen. Die mangelnde Fähigkeit zur Einsicht verhindert, dass Gleichgewicht hergestellt wird oder eine Begegnung auf Augenhöhe möglich ist.

Alle drei Reaktionen anstelle eines selbstironischen Umgangs sind absolut menschlich und kommen bei jedem hin und wieder vor. Entscheidend ist, welches Gewicht wir Fehlern zuschreiben. Wie ausgeführt, geht es nicht darum, gravierende Fehler zu verharmlosen. Es geht darum, kleinere Malheure und wahrscheinliche Fehler nicht unnötig aufzublasen.

Sprüche und Zitate zur Selbstironie

  • Nur humorvolle Menschen schmunzeln auch über die eigenen Pannen. Oskar Stock
  • Wer über seine eigenen Fehler lachen kann, lacht weniger über die anderer. Ekkehart Mittelberg
  • Selbstironie ist die Kunst, sich so durch den Kakao zu ziehen, dass er noch schmeckt. Joachim Teege
  • Wer sich nicht selbst verspotten kann, der ist fürwahr kein ernster Mann. Christian Morgenstern
  • Wir können erst glücklich sein, wenn wir gelernt haben, über uns selbst zu lachen. Dorothy Dix
  • Wenn wir nicht mehr über uns lachen können, ist es höchste Zeit, ein ernstes Wort mit uns zu reden. Ernst Ferstl
  • Wer über sich selbst lächeln kann, hebt den Fuß zum ersten Schritt zur Weisheit. Unbekannt
  • Zuweilen lacht man über sich selber, sofern man sich mal bei einer mäßigen Dummheit erwischt, indem man sich nun sogar noch gescheiter vorkommt, als man ist. Wilhelm Busch
  • Wer nicht über sich selbst lachen kann, der nimmt das Leben nicht ernst genug. Unbekannt
  • Wer sich nicht selbst verspotten kann, der fang‘ es nicht mit andern an! Wilhelm Müller

Diese Vorteile hat Selbstironie

Es spricht einiges dafür, dass die Fähigkeit zur Selbstironie sich vor allem mit zunehmendem Alter entwickelt beziehungsweise stärker entfaltet. Das hängt mit der Lebenserfahrung zusammen. Schulabgänger und Berufsanfänger nehmen vieles noch ernst.

Mit Mitte 40 hingegen haben die meisten Menschen bereits die eine oder andere Krise hinter sich: Der erste Job war für die Tonne, die eine oder andere Freundschaft oder Beziehung ist zerbrochen, der Traum vom Eigenheim geplatzt – und trotzdem ging es irgendwie weiter.

Was vielleicht zehn Jahre zuvor noch als Katastrophe anmutete, erscheint rückblickend als eine Lappalie. Das hängt damit zusammen, dass andere Dinge mehr Gewicht bekommen. Das alles führt dazu, dass die meisten mit einem gewissen Alter eine Gelassenheit sich selbst gegenüber an den Tag legen.

Anlass genug, sich die Vorteile von Selbstironie zu verdeutlichen:

  • Bessere Lebensqualität

    Mit zunehmendem Alter kommt die Erkenntnis: Dinge verändern sich, die eigene Person inklusive: die ersten Falten, ein paar Kilos zu viel, die Haare grau oder ganz weg. Würde alles mit derselben Ernsthaftigkeit wie noch 20 Jahre zuvor betrachtet, würde man sich selbst einer ordentlichen Portion Lebensqualität berauben.

    Mehr dazu lesen Sie hier:

  • Größere Sympathie

    Wer sich selbst mal auf die Schippe nehmen kann, wirkt auf andere Menschen automatisch sympathischer. Selbstironie und kleinliches Aufrechnen und Anzeigen von Fehlern anderer Menschen passen halt nicht gut zusammen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein selbstironischer Mensch auch bei den Fehlern seiner Kollegen mal ein Auge zudrückt, ist deutlich größer.

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  • Mehr Erfolg

    Dumme Missgeschicke wegzulächeln, hebt die Laune. Und wer glücklich ist, hat den Kopf frei, kann sich vorwärtsgerichtet um seine Ziele kümmern. Sie wissen: Shit happens. Würden Sie jedoch die ganze Zeit darum kreisen, wie furchtbar gerade dieser eine Fehler war, wären Sie total blockiert. Ergo: Sie kämen mit Ihren Vorhaben nicht voran, würden sie in bester Manier à la selbsterfüllende Prophezeiung erst recht in den Sand setzen.

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So lernen Sie Selbstironie

Selbstironie ist ein Zeichen von Selbstbewusstsein. Wer seine eigenen Fehler mühelos zugeben kann, ruht in sich und strahlt Souveränität aus.

Alles attraktive Eigenschaften, die Sie beliebter bei anderen Menschen machen. Nun kann man selbst nicht das Leben im Zeitraffer nach vorne drehen und meist verpufft dieser alte Kindheitswunsch doch recht schnell.

Was können Sie also tun, um selbstironischer zu werden?

Antizipieren Sie unangenehme Situationen. Kennen Sie noch die alte Ausrede aus Schulzeiten, wenn man dabei „erwischt“ wurde, die Hausaufgaben nicht gemacht zu haben? „Die hat der Hund gefressen“, war dann eine ebenso absurde wie witzige Ausrede. Stellen Sie sich am besten solche Situationen vor, die Sie am liebsten vermeiden würden…

  • Von der Toilette mit offenem Reißverschluss gekommen? Macht nichts – Sie wollten mal testen, wo andere Leute hingucken!
  • Vom Frühstück klebt ein Marmeladenrest im Bart? Sie haben sich noch was als Nachtisch aufgehoben!

Natürlich erfordert der ironisierende Umgang mit den eigenen Unzulänglichkeiten eine gewisse Schlagfertigkeit, aber die lässt sich ebenfalls üben.

[Bildnachweis: WAYHOME studio by Shutterstock.com]
27. Januar 2020 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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