Kreativraum: Neue Ideen fördern

Für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist es gleichermaßen gut und ratsam, sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren. Dabei laufen aber gerade Unternehmen Gefahr, nicht innovativ genug zu sein. Durch die unglaubliche Geschwindigkeit der heutigen Zeit kann dies schnell dazu führen, dass die Konkurrenten vorbeiziehen und der Anschluss verpasst wird – genau das, was durch Kreativität, Neuerungen und Verbesserungen eigentlich verhindert werden soll. Das Problem dabei: Neue Ideen, kreative Gedanken und innovative Prozesse lassen sich nicht erzwingen oder vom Chef vorschreiben. Sie können aber sehr wohl gefördert und durch die passenden Rahmenbedingungen angeregt werden. Eine Möglichkeit ist ein sogenannter Kreativraum, der darauf ausgelegt ist, die Kreativität voranzutreiben und so möglichst neue und auch erfolgreiche Lösungsansätze für Probleme zu finden…

Kreativraum: Neue Ideen fördern

Der Kreativraum als Rahmenbedingung für Innovationen

Viele Vorgesetzte fordern Kreativität vom Team regelrecht ein. Das ist auf der einen Seite durchaus nachvollziehbar, da Entwicklung ein wichtiger Faktor ist, um als Unternehmen erfolgreich sein und bleiben zu können, doch auf der andere Seite führen solche Aufrufe nicht wirklich zum Ziel. Wer im Meeting verkündet Wir brauchen neue Ansätze, um Kunden zu gewinnen und die Abläufe zu verbessern. Ich erwarte bis nach der Mittagspause drei bis fünf Vorschläge von jedem! Macht damit zwar Druck und will die Kreativität erzwingen, sorgt aber nicht dafür, dass dies auch möglich ist.

Vermutlich werden die Mitarbeiter also der Aufgabe und Aufforderung nachkommen und diverse Ideen liefern, fraglich ist jedoch, ob diese wirklich zu gebrauchen sind oder ob eher wenig nützliche Ideen zusammengewürfelt werden, nur um irgendwas präsentieren zu können.

Das bedeutet nicht, dass Unternehmen und Führungskräfte Kreativität vergessen oder ignorieren sollten und nur auf spontane Geistesblitze warten müssen, um innovativ zu sein. Doch anstatt Kreativität zu fordern, sollte diese gefördert werden. Ein Weg ist beispielsweise die richtige Zusammensetzung des Teams, wobei auf unterschiedliche Herangehensweisen geachtet werden sollte. Nur gleich denkende Köpfe zusammenzuführen, vermeidet vielleicht Konflikte, sorgt aber auch dafür, dass nur in eine einzelne Richtung gedacht wird und wenig kreative Funken sprühen.

Doch auch die tatsächliche Arbeitsumgebung kann genutzt werden, um für mehr Kreativität zu sorgen. Ein Kreativraum soll genau das erreichen und ist darauf ausgelegt, ein optimales Umfeld für kreative, innovative und gleichzeitig lösungsorientierte Ideen. Bevor die Option gleich abgelehnt wird, weil nicht genügend Platz zur Verfügung steht: Ein Kreativraum kann ein ein tatsächlier Raum sein – muss es aber nicht.

Schon ein Blatt Papier kann entsprechend aufgeteilt und eingesetzt zu einem kleinen DIN A 4 Kreativraum werden. Gleiches funktioniert natürlich für etwas größere Formate wie ein Flipchart oder auch eine Wand im Büro, die als Kreativraum genutzt werden kann. Wobei ein wirklicher Kreativraum in Form eines abgetrennten Bereiches natürlich einige Vorteile hat und es einem Team ermöglicht, gemeinsam und voll konzentriert der Ideensuche nachzugehen.

Wie wird ein Kreativraum gestaltet und genutzt?

Wichtig für den Erfolg eines Kreativraums ist vor allem, die Ideen und Gedanken zu visualisieren. Auf welchem Weg dies umgesetzt wird, bleibt am Ende den Beteiligten überlassen und sollte danach gewählt werden, womit das Team am besten arbeiten kann. Bewährt haben sich vor allem Skizzen oder Zeichnungen, um Zusammenhänge und Prozesse darzustellen.

Wie ein Kreativraum in der Praxis aufgebaut und eingesetzt werden kann, weiß Bernd Buck, Berater mit Schwerpunkt auf Innovationsprozesse und Innovationskultur, der dazu auch ein Buch mit dem Titel „Innerinovation“ geschrieben hat. Er sagt dazu: Stellen wir uns einen wirklichen Raum vor. Dieser wird idealerweise in fünf Zonen gegliedert: Die vier Raumecken, welche den vier Quadranten für die gemeinsame Orientierung am Sinn zugeordnet werden, und die Raummitte, in der ein Bereich für das sogenannte Prototyping geschaffen wird.

Noch deutlicher wird diese Einteilung in der folgenden Grafik:

Kreativraum Kreativitaet Ideen Innovation Aufteilung Aufbau

Einmal mit diesem grundsätzlichen Aufbau gegliedert, kann der Kreativraum für anhaltende Ideenfindung zu einem Bereich oder immer wieder aufs Neue zu verschiedenen Themen genutzt werden.

Worum es dabei geht, spielt keine Rolle. Es können neue Ideen zu Projekten, innovative Verbesserungen interner Prozesse oder andere kreative Vorgänge in Gang gebracht werden. Wie das im einzelnen funktioniert, hat Bernd Buck in den folgenden zehn Schritten zusammengefasst:

  1. Informationen über Möglichkeiten sammeln

    Wir stellen uns Fragen wie: Wer sind wir? Was können wir? Wen kennen wir? Was können die, die wir kennen?

    Wenn wir uns diese Fragen beantworten, sehen wir, wie viel Potential bereits vorhanden ist. Natürlich haben wir unser Wissen über unsere Möglichkeiten bereits im Kopf. Doch diese mit Texten und Bildern zu visualisieren, macht einen großen Unterschied. Außerdem fragen wir auch unsere bestehenden Partner und Lieferanten, welche Möglichkeiten es noch gibt.

  2. Informationen über Bedürfnisse

    Für das Sammeln der Informationen über Kundenbedürfnisse ist der direkte Kontakt zu den Kunden unerlässlich. Dabei braucht es Klarheit, wer eigentlich die Kunden sind. Dazu beschaffen wir Informationen aus erster Hand und beobachten die Kunden selbst oder laden sie zu gemeinsamen Workshops ein. Vor Schritt drei erstellen wir noch ein fiktives Kundenprofil.

  3. Ideen zu Bedürfnissen

    Nun sammeln wir Ideen zu weiteren Bedürfnissen, welche die Kunden noch haben könnten. Also Bedürfnisse, von denen uns die Kunden bisher noch nicht erzählt haben, die wir jedoch für möglich halten. Wir dürfen hier alles sammeln, das uns in den Sinn kommt, ohne es zu hinterfragen. Wir beginnen mit der Frage: Welche Bedürfnisse könnte diese Person noch haben? Wenn keine Ideen mehr kommen, denken wir miteinander über das Leben dieser Person nach und stellen weitere Fragen. Wie läuft wohl der Tagesablauf dieser Person ab? Wie wird sie wohl das neue Produkt nutzen? Was wird die Person wohl der Freundin, dem Chef, der Mutter oder sonst jemandem über dieses Produkt erzählen?

  4. Ideen zu Möglichkeiten

    Hier landen spontane Assoziationen. Diese sind noch keine Lösungsansätze, könnten aber rein theoretisch hilfreich für die Lösung könnten. Es darf ruhig alles logisch, richtig und vernünftig sein, muss es aber nicht. Jeder kann Ideen platzieren, die er für interessant hält. Es wird nichts wegdiskutiert. Killerphrasen sind nie gut, schon gar nicht in dieser Ecke. Hilfreiche Fragen in dieser Ecke sind:

    Wenn sich die Welt so entwickelt, wie ich selbst glaube, was ist dann in Zukunft möglich? Was habe ich bei anderen Produkten in anderen Märkten schon gesehen, das für unser Produkt vielleicht auch eine Bedeutung haben könnte? Was ist bereits vorhanden, wird aber noch nicht so richtig wahrgenommen? Was könnte dadurch Neues entstehen, dass zwei bestehende Möglichkeiten miteinander kombiniert werden?

  5. Lösungsansätze finden

    Wir haben mit den bisherigen Schritten die perfekten Rahmenbedingungen geschaffen, um Lösungsansätze nun spielerisch, mühelos und zahlreich zu finden. Zunächst visualisieren alle Ideen für die Lösungsansätze, die bisher entstanden sind.

    Um Schwung und Richtung in das kreative Denken zu bringen, formulieren wir aktivierende Fragen wie: Was können wir tun, um den Kunden genau in diesem Punkt glücklich zu machen? Wie würde es Daniel Düsentrieb lösen?

    Wir lassen so viele Ideen wie nur irgend möglich aus diesem Prozess heraus rieseln. Erst wenn ausreichend viele Ideen gefunden wurden, erfolgt eine Bewertung bzw. Entscheidung. Die Lösungsansätze müssen nicht perfekt sein. Sie müssen sich lediglich dazu eignen, um damit weiter zu arbeiten.

  6. Auswerten und Entscheiden

    Wir kommen nicht umhin, nun eine Auswahl zu treffen, welche Ansätze zunächst weiterverfolgt werden sollen.

  7. Prototyping

    Haben wir uns entschieden, machen wir uns ans Schnelltesten, an einen „Vorab-Check“. Beim Prototyping geht es um das sehr schnelle Prüfen von Lösungsansätzen. Wir sollten dabei versuchen, daran Gefallen zu finden, früh und oft zu scheitern. Jedes Scheitern ist eine Lerngelegenheit und je früher dies geschieht, desto kleiner ist der „Preis“, der dafür zu zahlen ist. Wir wählen einen einfachen und schnellen Weg für den nächsten Schritt:

    • Probieren der Ansätze durch einfaches Visualisieren
    • Suche nach weiteren Informationen
    • Nachdenken über weitere Ansätze
    • Kommunizieren unserer Ansätze
  8. Testing

    Nun lassen wir die Ansätze intern und sobald wie möglich extern von potentiellen Anwendern testen. Dabei werden die Testkandidaten gut beobachtet. Wie agieren sie körpersprachlich? An welcher Stelle werden sie hellhörig? Was scheint schwer nachvollziehbar zu sein? Mit dem Feedback aus dem Test wird der Kreativraum aktualisiert. Je nach Testergebnis wird an unterschiedlichen Stellen im Prozess weitergearbeitet. Es kann (oder wird) also auch Wiederholungsschleifen geben.

  9. Präsentieren und Überzeugen

    Neben dem guten Produkt sind zahlreiche Einflüsse maßgeblich, ob die Präsentation überzeugend wirkt. Wichtig ist, dass wir Aufmerksamkeit gewinnen können. Wir müssen unsere Adressaten mit allen Sinnen erreichen. Wir sprechen ihn an und schaffen eine emotionalen Visualisierung durch Bilder oder Gegenstände. Wir geben ihm etwas zum Anfassen. Falls es zum Thema passt, dann nutzen wir Farben, Klänge oder Gerüche. Und wenn es uns nicht gelingen sollte, zu überzeugen oder gar Begeisterung auszulösen, haben wir die Chance, zu erkennen, in welchem Moment das Interesse verloren gegangen ist. Wir können Kommentare und Bewertungen einsammeln. Dadurch bietet sich uns eine weitere Lerngelegenheit und die Chance, Verbesserungen zu finden.

  10. Feiern und Lernen

    Das Review schließt die Lernschleife, mit der wir aus dem aktuellen Kreativraum-Projekt etwas für künftige Projekte lernen. Wir fragen uns, ob wir unser Ziel erreicht haben, und: Wodurch wurde dies möglich? Worauf achten wir beim nächsten Projekt besonders? Was machen wir beim nächsten vergleichbaren Projekt anders? Welche Fragen waren in diesem Projekt besonders hilfreich?

    Ganz wichtig beim Review ist, die neu erarbeiteten oder kennengelernten Möglichkeiten festzuhalten, damit sie nicht verloren gehen und als Grundlage für weitere Projekte für alle sichtbar bleiben. Dazu schaffen wir einen uns passenden standardisierten Prozess.

[Bildnachweis: g-stockstudio by Shutterstock.com]
6. November 2014 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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