Es gibt Zeiten, die dafür prädestiniert sind, Menschen in eine Sinnkrise zu stürzen. Auslöser können traumatische Ereignisse wie der Verlust eines geliebten Menschen oder ein Unfall sein, den man nur knapp überlebt hat. Oder Sie gucken neiderfüllt auf das Leben Ihres Nachbarn und realisieren, dass Ihnen etwas fehlt. Was immer es ist, was Sie zum Nachdenken animiert, kann dazu führen, dass Sie etwas verändern wollen. Um etwas zu verändern, gibt es verschiedene Ansätze wie Training, Beratung, Therapie oder Coaching. Innerhalb dieser Ansätze gibt es weitere Unterteilungen. Wer sich fürs Coaching entscheidet, steht vor der Frage: Welches Coaching passt zu mir? Wir stellen die häufigsten Arten vor.

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Krisen bewirken oft ein Innehalten

Längst sind es nicht nur vermeintliche oder reale Katastrophen, die Menschen zum Grübeln bringen. Manchmal ist es einfach das Alter. Im Alter von dreißig, vierzig Jahren wird typischerweise ein Wendepunkt erreicht, der viele innehalten lässt. Ereilt jemanden mit Mitte vierzig die Krise, wird häufig von der Midlife-Crisis gesprochen.

Ebenso eignet sich ein Jahreswechsel zum Kassensturz:

  • Was habe ich dieses Jahr erreicht?
  • Was habe ich seit einem bestimmten Zeitpunkt, an dem mir etwas aufgefallen ist, erreicht?
  • Bin ich zufrieden mit dem Erreichten?
  • Was will ich ändern?
  • Was kann ich tun, um etwas zu ändern?
  • Wer kann mir dabei helfen?

Training, Beratung, Therapie oder Coaching: Was darf es sein?

Gerade die letzte Frage ist nicht ganz unwichtig. Denn idealerweise haben Sie Freunde und Familie um sich herum, die Sie unterstützen. Dazu zählen auch Nachbarn und Kollegen. Im Regelfall wird von diesen Menschen jedoch keiner fachlich qualifiziert sein, um Ihnen exakt das zu geben, was Sie brauchen.

Man leiht Ihnen vielleicht ein offenes Ohr, unterstützt Sie moralisch. Wenn es jedoch ans Eingemachte geht, sind eben diese Menschen irgendwann überfordert. Ein Profi muss her. Doch wie soll der aussehen?

Die Erkenntnis, dass Sie Hilfe brauchen, ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Zumindest heißt es immer, dass Einsicht der erste Schritt zur Verbesserung sei. Denn - darin liegt die unausgesprochene Hoffnung - so werde ein Veränderungsprozess in Gang gesetzt.

Fachliche Hilfe kann hierher kommen:

  • Training

    Beim Training geht es darum, konkrete Fähigkeiten und Verhaltensweisen zu etablieren und zu optimieren. Hier stehen weniger Fragen zur Selbstreflexion auf der Tagesordnung, sondern ein klar definiertes Ziel, das mit maßgeschneiderten Übungen erreicht werden soll. Es besteht ein Hierarchiegefälle zwischen Trainer und Schüler.

  • Psychotherapie

    Im Vordergrund stehen geistig-seelische oder auch psychosomatische Beschwerden und ihre Linderung beziehungsweise Heilung. Weitverbreitete Formen sind hier die tiefenpsychologische Psychotherapie und die kognitive Verhaltenstherapie. Vor allem letztere ist eher direktiv ausgerichtet und unterstützt den Klienten bei seinen Veränderungen. Für die Tätigkeit als Psychotherapeut bedarf es einer speziellen Ausbildung, damit die Krankenkasse diese Behandlung übernimmt.

  • Beratung

    Eine Beratung ist meist unverbindlich. Hier geht es darum, etwaige Wissenslücken zu schließen, der zu Beratende wird mit Informationen versorgt. Am Ende des Gesprächs kann er auf Grundlage der Informationen frei entscheiden, welche Schritte er einleiten möchte.

  • Coaching

    Häufig geht es um die Persönlichkeit des Klienten. Ähnlich wie bei der Psychotherapie spielt das Verhältnis zwischen Coach und Coachee eine große Rolle, das von Vertrauen geprägt sein sollte. Mit einem Coaching können ebenso private wie berufliche Potentiale ausgebaut werden. Der Coach übernimmt dabei mehr die Rolle des Begleiters, der durch Denkanstöße die Selbstreflexion seines Coachees bewirkt. Er gibt ihm so die Möglichkeit, selbst Lösungen zu finden und Entscheidungen ohne klare Präferenzen des Coaches zu treffen.

Welche Coachingarten gibt es?

Auf der Suche nach dem geeigneten Coaching werden Sie mit einem nahezu unüberschaubaren Angebot an Coachingarten konfrontiert, die sich folgendermaßen kategorisieren lassen:

  • Zielgruppe

    Manche Coachings richten sich an bestimmte Zielgruppen, beispielsweise Coaching für Examenskandidaten, für Unternehmen, für Führungskräfte, für Mitarbeiter und dergleichen mehr.

  • Teilnehmerzahl

    Eine weitere Möglichkeit ist die Unterscheidung der verschiedenen Coachingarten je nach Anzahl der Teilnehmer in beispielsweise Einzel-, Paar-, Team- oder Gruppencoaching. Darunter ist das Einzelcoaching die häufigste und intensivste Form, bei der individuell auf den Coachee eingegangen werden kann.

  • Form

    Das Coaching kann in eigens dafür vorgesehenen Räumen stattfinden oder der Coach trifft sich mit seinem Coachee. Ebenfalls im Angebot sind Telefoncoaching, E-Mailcoaching und Onlineseminare, so dass virtuelles Coaching ebenfalls möglich wird.

  • Coach

    Eine Sonderform des Coachings ist das Selbstcoaching. Hier sind Sie Ihr eigener Coach. Der große Vorteil: Sie können sich Ihr Coaching ganz nach Ihren Wünschen frei einteilen.

Daneben können Sie verschiedene Coachingarten gemäß ihres Ziels unterscheiden. Die vier häufigsten sind:

  • Entwicklungscoaching

    Das Entwicklungscoaching dient - sofern es sich um Einzelcoaching handelt - zumeist der Persönlichkeitsentwicklung. Hierbei wird geschaut, wo Ihre Stärken und Schwächen liegen und inwieweit Sie dadurch im Alltag als auch im Berufsleben behindert werden. Im Coaching wird gemeinsam erarbeitet, wie Sie Ihre Kompetenzen weiter ausbauen können. Beispielsweise könnten Sie sich wünschen, besser mit Kränkungen umgehen zu können. Oder Sie merken, dass Sie bei Konflikten mit Kollegen schnell an Ihre Grenzen kommen und wollen aktiv daran arbeiten.


  • Karrierecoaching

    Die Grenzen zwischen den einzelnen Coachingarten verlaufen mitunter fließend; so kann ein Entwicklungscoaching, das sich vor allem auf das Berufsleben konzentriert, ebenso ein Karrierecoaching sein. Es hilft Ihnen bei der beruflichen Standortbestimmung. An welchem Punkt sind Sie gerade und wo soll es beruflich hingehen? Manchmal geht es um eine berufliche Neuorientierung, manchmal um konkrete Tipps, wie bestimmte Karriereschritte einzuleiten sind. Dabei geht es um die Benennung konkreter und realistischer Ziele. Ebenfalls wichtig ist zu schauen, ob zwangsläufig ein Jobwechsel infrage kommt (hier muss auf Schwachstellen in den Wünschen des Coachees geachtet werden) oder ob es um den Ausbau von Kompetenzen geht.


  • Wertecoaching

    Das Wertecoaching dient der Stärkung von Soft Skills. Es kommt häufig zur Verbesserung des Betriebsklimas zur Anwendung. Denn nicht immer spiegeln sich die persönlichen Werte eines Arbeitnehmers im Berufsalltag wider. Und umgekehrt lassen einige Unternehmen Werte vermissen. Sie haben für sich keine klare Unternehmenskultur definiert und zwischen Unternehmensführung und Mitarbeitern herrscht eine negative Stimmung. Wertecoaching kann sich im Gruppencoaching bewusst an Führungskräfte und Mitarbeiter richten, um an einem gemeinsamen Leitbild zu arbeiten.


  • Zielecoaching

    Dieses Coaching empfiehlt sich, wenn Sie noch Probleme beim eigentlichen Definieren von Zielen haben. Oftmals haben Menschen nur sehr unkonkrete Vorstellungen davon, was Sie im Leben erreichen wollen. Es existieren nur grobe Vorstellungen, wie Reichtum, Glück und Gesundheit. Das sind zwar tolle Ziele, sie müssen aber kleinteilig heruntergebrochen werden, um entsprechend angegangen zu werden. Wichtig ist beim Coachee die Erkenntnis, dass nur er wissen kann, was genau verändert beziehungsweise erreicht werden soll. Der Coach begleitet Sie dabei, realistische Ziele zu entwickeln und zu erreichen. Auf dem Weg dahin werden für gewöhnlich eine Reihe von Zwischenzielen formuliert, die Stück für Stück abgearbeitet werden und Ihnen die Einhaltung erleichtern.

Wahl fällt gemäß den Anforderungen

Der Begriff Coaching umfasst so ziemlich alles, was in irgendeiner Form beratende und unterstützende Funktion hat. Das heißt umgekehrt, es gibt nichts, wozu Sie sich nicht coachen lassen könnten. Coaching wird angeboten für:

  • Mitarbeiterführung
  • Persönlichkeitsentwicklung
  • sportliche Leistungssteigerung
  • Ernährung
  • Gesundheit
  • Scheidungen
  • Kommunikation

Und das ist nur eine kleine Auswahl. Selbst Coaching für Seelenfrieden können Sie in Anspruch nehmen. Auf dem Weg zu dem für Sie passenden Coaching steht an erster Stelle die Frage: Was will ich erreichen? Will ich an beruflichen oder privaten Themen arbeiten?

Geht es um Hard Skills wie den Erwerb von Fachwissen durch Fortbildungen oder um Soft Skills wie beispielsweise Durchsetzungsvermögen? Solange Sie diese Fragen nicht hinreichend geklärt haben, werden Sie keine eindeutige Coachingform bestimmen können.

Wofür auch immer Sie sich entscheiden sollten, Sie sollten Wert legen auf bestimmte Qualitätskriterien. Dazu ist anzumerken: Jeder darf sich Coach nennen, da es keinen festgelegten formalen Ausbildungsweg gibt. Für Sie sollten folgende Punkte relevant sein:

  • Gibt es Bekannte, die gute Erfahrungen mit diesem Coach haben?
  • Welche Ausbildung und welche Referenzen hat der Coach?
  • Wie ist Ihr Bauchgefühl?
  • Mit welchen Methoden arbeitet der Coach?
  • Wird ein kostenloses Vorgespräch angeboten?
  • Liegt eine Spezialisierung vor?
[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]

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