Was ist eine Karriereberatung?
Das Wort Karriereberatung mag im ersten Moment sehr gewichtig klingen – als ob jeder, der sie in Anspruch nimmt, in nächster Zukunft einen Posten als Vorstand eines Dax-Konzerns übernehmen müsste. Tatsächlich ist eine Karriereberatung aber nichts anderes als ein Beratungsangebot, dass sich gezielt um die berufliche Entwicklung eines Ratsuchenden kümmert.
Wie diese aussehen kann, ist individuell völlig unterschiedlich und abhängig von der Ausgangslage als auch den persönlichen Zielen und Erwartungen. Damit ist allerdings nur die Seite des Klienten beschrieben. Wie eine Beratung von Beraterseite aus angelegt ist, welche inhaltlichen Schwerpunkte es gibt, wirkt sich ebenfalls auf die Gestaltung aus.
Häufig werden verschiedene Begriffe synonym verwendet, da sie nicht geschützt sind. Dennoch gibt es feine Unterschiede:
-
Berufsberatung
Eine Berufsberatung richtet sich vor allem an junge Menschen, die vor dem Einstieg in die Arbeitswelt stehen. Zahllose Ausbildungen, Studienfächer und generelle Jobmöglichkeiten überfordern vor allem Schulabgänger, die oft Schwierigkeiten haben, sich und ihre Stärken realistisch einzuschätzen.
-
Karriereberatung
Klassisch ist es so, dass die Menschen, die eine Karriereberatung aufsuchen, bereits mitten im Berufsleben stehen. Es gibt einen konkreten Anlass und mit dem Karriereberater wird nun besprochen, wie der Ratsuchende am besten weiter vorgehen kann. In den letzten Jahren wird die Karriereberatung auch zunehmend von jüngeren Arbeitnehmern frequentiert. Die haben weniger ein konkretes Problem, sondern wollen lediglich ihre berufliche Laufbahn optimieren und profitieren dabei von erfahrenen Beratern.
-
Karrierecoaching
Im Karrierecoaching geht es ebenfalls um die berufliche Entwicklung des Ratsuchenden. Ein Coach versucht durch Fragen die Selbstreflexion seines Coachee anzuregen, damit dieser klarer sieht, welche Schritte als nächstes anstehen. Er begleitet seinen Coachee bei der Selbstfindung, daher ist das Karrierecoaching meist auf die Biographie des Coachee angelegt. Karrierecoaching kann allerdings je nach Coach/Berater deutlich direktiver angelegt sein, etwa indem Feedbackgespräche und Hinweise Bestandteil der Sitzungen sind. Die Begriffe Karrierecoaching und Karriereberatung werden daher häufig synonym verwandt.
Für wen ist eine Karriereberatung geeignet?
Ob Schüler, Student oder Berufserfahrener: Sie alle können von einer Karriereberatung profitieren. Im Regelfall handelt es sich bei einer Karriereberatung um ein kostenpflichtiges Angebot. Schüler stehen meist ganz am Anfang eines längeren Reflexionsprozesses. Für sie ist eine Karriereberatung daher nur bedingt empfehlenswert.
Außerdem gibt es für Schüler und Studenten eine Vielzahl an kostenlosen Beratungsangeboten, beispielsweise:
- Berufsinformationszentrum (BIZ)
- Volkshochschule
- Zentrale Studienberatung
- Studentenwerk
- Career Service beziehungsweise Dual Career Service für Akademiker
Diese Beratungsangebote sollten zunächst ausgeschöpft werden, da sich hier bereits elementare Fragen klären lassen. Sollte dennoch eine Karriereberatung notwendig sein, fangen Sie nicht mehr bei Adam und Eva an, sondern haben bereits deutlich konkretere Fragestellungen, Ziele oder Wünsche.
Bei Studienabgängern und Berufserfahrenen hingegen kann es vorkommen, dass sich im Laufe der Jahre die Interessen verschoben, das Berufsbild verändert hat. Allein durch die Digitalisierung kommt es zu rasend schnellen Veränderungen, die vielerorts zu Verunsicherung führen:
- Sind meine Fähigkeiten noch gefragt?
- Muss ich über eine Fortbildung nachdenken?
- Kommt ein Jobwechsel infrage?
- Deckt der Beruf noch meine Neigungen ab?
Inhalte und Arten der persönlichen Karriereberatung
Um die obigen und weitere Fragen eines Klienten beantworten und ihn oder sie bei der beruflichen Entwicklung begleiten zu können, stehen einem Karriereberater verschiedene Mittel und Wege zur Verfügung.
Eine persönliche Karriereberatung zur Laufbahn umfasst meist folgende Elemente:
-
Gespräche
In denen wird die Ausgangslage geklärt und geguckt, was der Ratsuchende sich erhofft. Es wird vom Klienten ein Profil erstellt. Neben einem längeren Gespräch zu Beginn können weitere, meist kürzere folgen, in denen die Fortschritte und nächsten Schritte festgehalten werden. Das alles wird individuell auf den Klienten und vor allem in Abstimmung mit ihm erarbeitet.
-
Tests
Verschiedene Tests geben Aufschluss über Stärken und Schwächen. Sie können auch eine Potenzialanalyse, einen Komptenztest oder Persönlichkeitstest umfassen und dienen der Identifizierung von fachlichen und methodischen als auch sozialen und personalen Kompetenzen. Idealerweise helfen sie bei der Orientierung oder führen sogar zu einer beruflichen Neuorientierung.
-
Praxis
Neben solchen allgemeinen Bestandteilen der Karriereberatung gibt es auch praktische Unterstützung bei anlassbezogenen Fragestellungen, etwa wenn sich Arbeitnehmer auf ein Vorstellungsgespräch, ein Jahresgespräch oder auf Gehaltsverhandlungen vorbereiten will. Je nachdem erfordern diese Anlässe in unterschiedlichem Maß die Expertise des Beraters, etwa wenn für den Klienten ein Bewerbungsmappencheck und eine Marktanalyse vorgenommen wird um zu schauen, inwieweit die bisherigen Wünsche und Ziele sich umsetzen lassen.
Die Form, in der eine solche Karriereberatung stattfindet, stellt sich meist als eine Mischung aus Vier-Augen-Gespräch bei direkten Treffen, Telefon, Mail oder Online-Beratung (beispielsweise via Skype) dar. Dazu kommen Hausaufgaben und Nachbereitung, so dass die Beratung in eine strategische Karriereplanung münden kann.
Diese Angebote sind vor allem für Klienten wichtig, die zeitlich keine Sitzung bei jemanden in Anspruch nehmen können, der vielleicht seinen Standort 300 Kilometer entfernt hat. Oder die ihrerseits auf Dienstreisen sind. Die obigen Inhalte sind vor allem bei Privatpersonen typisch.
Der Deutschen Gesellschaft für Karriereberatung (DGFK) zufolge wird Karriereberatung auch für Unternehmen angeboten. Dann geht es inhaltlich um Themen wie Mitarbeiterentwicklung, Burnout-Prävention oder Outplacement-Beratung.
Darauf sollten Interessenten achten
Was wird von Ihnen erwartet? Sie sind derjenige, der ein bestimmtes Anliegen hat. Auch wenn Sie eine Karriereberatung dafür bezahlen, dass sie Ihnen hilft: Von Ihnen muss immer noch ein Großteil der Arbeit geleistet werden. Sie brauchen die notwendige Motivation, sich auch mit unangenehmen Fragestellungen und Überlegungen auseinanderzusetzen.
Sie werden Freizeit in die Fragen investieren müssen, die Ihnen gestellt werden. Nur wer mitarbeitet, sich ernsthaft beobachtet und Notizen macht, wird Erfolg aus der Beratung ziehen. Damit sie zum gewünschten Ergebnis führt, sollten Sie außerdem auf diese Punkte achten:
-
Kosten
Es lässt sich schwer im Vorfeld sagen, wie viel eine Karriereberatung Sie letztlich kosten wird, da der Umfang abhängig von Ihren Zielen und persönlichen Fortschritten ist. Günstigere Angebote beginnen bereits bei etwa 100 Euro pro Sitzung, bei Führungskräften kann aber auch mit Stundensätzen von bis zu 350 Euro gerechnet werden. Manche Karriereberater bieten Pakete zu vergünstigten Preisen an. So oder so können Sie die Karriereberatung als Werbungskosten von der Steuer absetzen.
-
Seriosität
Ein seriöser Karriereberater wird nicht versuchen, Sie über den Tisch zu ziehen. Abstand nehmen sollten Sie daher von Angeboten, die von vornherein kostenpflichtig sind. Im Regelfall ist das Erstgespräch kostenlos, da erst einmal die Lage sondiert werden muss: Was will der potenzielle Klient, kann die Karriereberatung das leisten? Gibt es zeitliche Kapazitäten, stimmt die Chemie? Ein gutes Bauchgefühl ist ein wichtiges Kriterium bei der Wahl einer geeigneten Karriereberatung. Gleichzeitig sollten Sie sich nicht von einer sympathischen Persönlichkeit einlullen lassen. In der Coachingszene sind viele Blender unterwegs, der Begriff Karriereberater ist genauso wenig geschützt wie der des Coaches.
-
Ausrichtung
Ratsuchende sollten auf die Ausrichtung der Karriereberatung achten: In welchen Berufsfeldern kennt sich der Coach aus? Es macht einen Unterschied, ob ein Berater sich beispielsweise überwiegend in der IT-Branche auskennt, weil er dort früher gearbeitet hat, oder ob er beispielsweise einen pädagogischen oder geisteswissenschaftlichen Background mitbringt. Entscheidend ist, dass er Wissen und Erfahrung aus der Branche mitbringt, die Sie anvisieren.
-
Reputation
Neben einer gesunden Skepsis haben Sie verschiedene Möglichkeiten, sich über die Qualität eines Karriereberaters zu informieren. Gut sind immer zufriedene ehemalige Kunden, die als Referenzgeber fungieren. Wenn Sie dann noch einige davon persönlich kennen – Freunde, Bekannte oder namhafte Unternehmen – umso besser. Ein weiterer Anhaltspunkt ist die Deutsche Gesellschaft für Karriereberatung. Sie legt großen Wert auf hohe Standards und verfolgt strenge ethische Grundsätze, denen sich die Mitglieder verpflichten.
Was andere Leser noch gelesen haben