Bewerbungstrainer: Was manche (leider) verschweigen

Ein Bewerbungstrainer kann Ihre Bewerbungschancen deutlich verbessern. Sei es bei der Entwicklung einer optimalen Bewerbungsstrategie, bei der Stellensuche, bei Anschreiben und Lebenslauf oder später im Vorstellungsgespräch. Seit Jahren steigt die Zahl der Anbieter und Trainer. Auch, weil die Nachfrage wächst. Allerdings sollten Sie bei der Auswahl eines passenden Bewerbungstrainers genau hinsehen. Nicht alle verkaufen Ihnen die ganze Wahrheit. Und das geht schon bei der Berufsbezeichnung „Bewerbungstrainer“ los…

Bewerbungstrainer: Was manche (leider) verschweigen

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Was macht ein Bewerbungstrainer?

Bewerbungstraining kann viele Dienstleistungen umfassen. Genau definiert ist das nicht. Im Kern geht es darum, den Bewerbungsprozess zu optimieren und eine passende Bewerbungsstrategie zu entwickeln: Jobsuche, Bewerbung optimieren, relevante Skills für das Vorstellungsgespräch trainieren. Ziel ist, die Bewerbungschancen zu steigern und am Ende natürlich den Traumjob zu bekommen.

Die Berufsbezeichnung „Bewerbungstrainer“ ist allerdings nicht geschützt. Jeder kann sich theoretisch so nennen. Auch ganz ohne professionellen Hintergrund, Ausbildung oder Know-how. Entsprechend tummeln sich im Markt viele Quacksalber, Pseudo-Gurus und Bauernfänger. Schon bei der Berufsbezeichnung sollten Sie daher auf wichtige Unterschiede achten. Diese betreffen ebenso die Dienstleistung, Methoden und Angebote.

Bewerbungscoach

Ein Bewerbungscoach leistet in erster Linie Hilfe zur Selbsthilfe. Durch systemische Fragen hilft der Coach dabei, die eigenen Ziele zu erkennen und eigene Lösungen für die Bewerbung zu entwickeln. Der Bewerbungscoach begleitet und unterstützt seinen Coachee (mental). Er schreibt und formuliert aber keine Bewerbungsunterlagen.

Bewerbungsberater

Der Coach coacht, der Berater berät. Der Unterschied liegt in den Methoden und im Know-how. Ein Bewerbungscoach muss nicht zwingend Profi in Sachen Bewerbung sein – der Bewerbungsberater schon. Er sagt seinen Kunden präzise, was sie falsch machen oder besser machen müssen, um ihre Jobchancen zu steigern. Der Berater bringt dabei sein Fachwissen und seine langjährigen Erfahrungen ein. Idealerweise ist er auf die Zielbranche spezialisiert und hat ein gutes Netzwerk.

Bewerbungsschreiber

Hierbei handelt es sich um eine reine Dienstleistung. Die Profis formulieren für Ihre Kunden eine professionelle Bewerbung inklusive aller Unterlagen. Die Kosten liegen dabei zwischen 80 und 200 Euro pro Dokument. Wer sich also nicht nur den Lebenslauf schreiben lässt, sondern gleich die ganze Bewerbungsmappe, zahlt mitunter bis zu 400-500 Euro. Eine Erfolgsgarantie gibt es trotzdem nicht.

Bewerbungstrainer

Der Arbeitsschwerpunkt des Bewerbungstrainer liegt – wie der Name sagt – im Training. Er oder sie übt mit den Klienten gezielt fehlende Fähigkeiten ein oder versucht Defizite zu beseitigen. Zum Beispiel Prüfungsangst im Jobinterview oder wie Bewerber bei Stressfragen souverän bleiben und Personaler in der Selbstpräsentation oder Gehaltsverhandlung überzeugen. Es geht im Training also immer um konkrete Skills.

Ob Coach, Trainer, Berater oder Schreiber: Für wen Sie sich entscheiden, hängt immer von Ihrer Ausgangssituation ab. Wer Ihnen in welcher Situation am besten weiterhilft und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten, haben wir in unserem kostenlosen Bewerbungs-Guide (PDF) zusammengefasst.

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Woran erkenne ich seriöse Bewerbungstrainer?

Das Leistungsspektrum der der Bewerbungstrainer kann groß sein. Manche unterstützen Sie beim Formulieren von Anschreiben und Lebenslauf. Andere optimieren sogar noch die Online-Profile auf Xing oder Linkedin. Die Frage, die sich bei allem stellt: Ist das jetzt Training, Beratung, Coaching oder eine einfache Dienstleistung?

Auch macht es einen Unterschied, ob Sie ein Bewerbungstraining als Einzelperson buchen oder als Teil einer Gruppe daran teilnehmen. Vor allem, wenn es Teil einer Jobcenter-Maßnahme ist, werden die Teilnehmer (zwangsläufig) über einen Kamm geschert. Eine individuelle Beratung findet dabei kaum statt.

Kostenloses Vorgespräch

Wer sich um ein individuelles Bewerbungstraining bemüht, sollte großen Wert darauf legen, dass der Trainer in einem kostenlosen Vorgespräch die Inhalte und Ziele darlegt. Welche Referenzen kann er vorweisen? Idealerweise haben bereits Freunde oder Bekannte aus Ihrem Umfeld gute Erfahrungen mit dem Bewerbungstrainer gemacht.

Wichtig ist außerdem Transparenz bei den Kosten: Laut einer Untersuchung der Stiftung Warentest müssen gute Bewerbungstrainings nicht teuer sein und sind schon für circa 50 Euro pro Stunde zu haben. Schließlich kommt es auf Ihr Bauchgefühl an: Ist der Kurs logisch aufgebaut und überzeugt Sie der Trainer?

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Was manche Bewerbungstrainer verschweigen

Sie kennen den Spruch: Gut gemeint, ist das Gegenteil von gut gemacht. Auch wenn die Mehrheit der Bewerbungstrainer seriös arbeitet und einen guten Job macht, erzählen Ihnen nicht alle die volle Wahrheit. Teils aus hehren Motiven, zum Beispiel weil sie die Bewerber nicht demotivieren oder ihre Kompetenzen nicht überschreiten wollen.

Wahr ist leider auch: Bei manchen Kandidaten ist es mit ein paar Tricks im Bewerbungsschreiben oder Bewerbungsgespräch nicht getan. Eigentlich müssten sie zuerst an ihrer Persönlichkeit und wesentlichen Qualifikationen arbeiten…

Die folgenden Wahrheiten (warum manche den Job nicht bekommen) sind unbequem. Wir sprechen Sie – stellvertretend für manche Bewerbungstrainer – einfach mal aus:

  1. Die Erwartungen sind zu hoch

    Ein professioneller Bewerbungstrainer wird Ihnen gezielte Skills beibringen können. Besseres Schreiben und Formulieren, einen überzeugenderen Auftritt im Interview. Was er nicht kann, ist einen passenden Beruf finden oder private Probleme lösen. Das ist eher die Aufgabe eines Coaches oder Therapeuten. Auch setzt Training wiederholtes Üben voraus. Das ist mit einer Sitzung nicht getan. Wer also einen Bewerbungstrainer engagieren will, sollte mindestens mit 4-6 Trainingseinheiten kalkulieren. Durchschnitt sind sogar eher 10 Sitzungen.

  2. Der Jobwunsch ist unrealistisch

    Viele Bewerbungstrainer konzentrieren sich auf handwerkliche Mängel bei der Bewerbung oder im Verhalten. Dabei sollte der erste Schritt immer sein, die Berufswahl und Stellensuche dem eigenen Profil anzupassen. Es hat wenig Sinn, sich auf einen Job zu bewerben, bei Sie wichtige Muss-Qualifikationen schlicht nicht erfüllen. Manchmal kann sogar ein Karriereschritt zurück (siehe: Downshifting) der bessere Weg zurück in Lohn und Brot sein als bloßes Anspruchsdenken.

  3. Die Jobsuche wird Monate dauern

    Durchschnittlich dauert ein Jobwechsel zwischen 2 und 6 Monaten. Je älter die Arbeitnehmer und je höher die Zielposition, desto länger die Auszeit. Geschäftsführer suchen im Schnitt bis zu 12 Monate nach einem neuen Job. Hinzu kommt die aktuelle Arbeitsmarktlage. Flaut oder kriselt es in der Branche, gibt es mehr Entlassungen als Jobs. Viele Trainings-Kunden sind oft verzweifelt, weil sie dringend ein festes Einkommen benötigen. Aber auch ein Bewerbungstrainer kann keine Wunder vollbringen. Professionelles Bewerbungstraining erhöht Chancen, eine latente Altersdiskriminierung kann es nicht verhindern.

  4. Die Bewerbung bringt Sie nicht weiter

    Nicht wenige Bewerber sparen am falschen Ende. Sie schreiben Ihre Bewerbung einmal und verschicken die Manuskripte dann an beliebige Arbeitgeber. Eine typische 0815-Massenbewerbung. Die funktioniert praktisch nie. Es macht zwar mehr Mühe, ist aber die beste Garantie für einen Job: Schreiben und formulieren Sie jede Bewerbung für jedes Unternehmen, jede Stelle individuell. Zugeschnitten auf die jeweilige Position. Mit dieser Wahrheit macht man sich als Bewerbungstrainer zwar unbeliebt und wirkt wie ein Kostentreiber. Es ist aber nur ehrlich und effektiver.

  5. Sie bewerben sich – nicht der Trainer

    Es gibt Kandidaten, die sich Anschreiben und Lebenslauf am liebsten komplett vorschreiben lassen. Das ist für die Profis zwar lukrativ, führt aber in eine Bewerbungsfalle: Versprechen Ihre Unterlagen mehr, als Sie im Vorstellungsgespräch halten können, hat der Personaler ein Störgefühl. Die Person, die er eingeladen hat, ist eine andere als die, die da sitzt. Seriöses Training setzt daher immer voraus, dass Sie selbst mitmachen und an sich arbeiten – am Anschreiben genauso wie am Auftritt. Später im Jobinterview müssen SIE überzeugen. Und nur in einem Job, der wirklich zu IHNEN passt, werden Sie auch glücklich und erfolgreich.

Sie merken natürlich: Nicht jeder Bewerbungstrainer, der diese Punkte nicht anspricht oder verschweigt, ist deswegen unseriös. Zu einer erfolgreichen Beratung beziehungsweise zum Training gehören aber immer zwei: Ein Mutiger, der die Wahrheit ausspricht – und ein Weiser, der zuhört und den Rat annimmt.

Steuervorteil nutzen!

Zwar bietet kein Bewerbungstrainer eine Garantie auf eine erfolgreiche Bewerbung. Die Kosten dafür können Sie aber bei der Steuererklärung als Werbungskosten absetzen und geltend machen.

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[Bildnachweis: LuckyN by Shutterstock.com]

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