Executive Coaching: Wie Manager an sich arbeiten

Die Bedeutung und Anerkennung von verschiedenen Formen des Coachings hat sich in den letzten Jahren deutlich gewandelt. Galt früher vor allem der defizitorientierte Blick, nach dem Motto: Ok, da ist ein Problem, wir brauchen ein Coaching, ist mittlerweile die Erkenntnis gereift, dass Coaching eine Möglichkeit ist, positive Veränderungen zu bewirken. Executive Coaching hat dabei vor allem Führungskräfte im Blick. Wie funktioniert Executive Coaching und was kann es? Dieser Frage gehen wir im Folgenden nach…

Executive Coaching: Wie Manager an sich arbeiten

Executive Coaching Definition: Was ist das?

Executive Coaching Definition deutsch topExecutive Coaching, zu deutsch etwa Manager Coaching, beschäftigt sich mit der Verbesserung von Managementkompetenzen.

Dazu wird durch längere Gesprächstermine zwischen dem Executive Coach und seinem Coachee (einem leitenden Manager) eine vertrauensvolle Arbeitsbeziehung aufgebaut. Ziel ist es, nicht einfach Lösungen für solche Felder vorzugeben, in denen der Manager keinen Rat weiß, sondern ihm das Werkzeug an die Hand zu geben, eigene Lösungen zu entwickeln.

Teilweise werden ähnliche Begriffe synonym verwendet, beispielsweise Führungskräfte Coaching oder Leadership Coaching. Der Unterschied zu diesen Bezeichnungen liegt darin, dass das eine Coaching der Führungskraft, das andere eher Coaching für Führungskräfte meint:

In dem einem Fall – Executive Coaching – ist jemand bereits Führungskraft, in anderen Fällen sollen erst vielversprechende Mitarbeiter zur Führungskraft ausgebildet werden. Wer bereits einige Jahre als Führungskraft Erfahrungen gesammelt hat, wird bei elementaren Fragen des Berufsalltags weniger Hilfe benötigen.

Bedeutung der Entwicklung von Führungskräften

Warum ist Executive Coaching wichtig? Die Anforderungen an Führungskräfte sind nicht gerade gering. Konnte man in der „guten alten Zeit“ einfach Anordnungen erteilen, wird heutzutage deutlich mehr gefordert: Als Führungskraft sollen Sie einerseits durch Motivation und Unterstützung Ihre Mitarbeiter zu Höchstleistungen animieren.

Andererseits wird erwartet, dass Sie sie im beruflichen Vorankommen fördern, Konflikte lösen und noch ganz nebenbei Ihre eigenen Aufgaben erledigen. Das alles natürlich menschlich immer über jeden Zweifel erhaben, wertschätzend und wohlwollend in der Kommunikation, empathisch und lösungsorientiert in der Wirkung.

Das Problem vieler Führungskräfte: Der Wille zur Weiterentwicklung ist da, allein – es fehlt der geeignete Gesprächspartner. Eine Person auf Augenhöhe, die etwas vom Tagesgeschäft eines Managers versteht, Probleme und deren Ausmaß nachvollziehen kann und mit der eine kritische Auseinandersetzung über diese Dinge möglich ist.

Dabei bleibt die eigene Entwicklung teilweise auf der Strecke. Executive Coaching ist der Schlüssel dazu, wie Führungskräfte lernen können, die vielfältigen Anforderungen zu meistern. Je nach Ausgangslage und Umfang kann sich daraus ein Intensivtraining entwickeln, das bis zu zwölf Monate dauert.

Welche Ziele hat Executive Coaching?

Je höher eine Führungskraft in der Unternehmensebene aufsteigt, desto einsamer wird es. Dementsprechend schwierig ist es, Sichtweisen und Denkfehler zu reflektieren. Executive Coaching gibt Managern die Möglichkeit dazu, denn:

Feedback ist das Frühstück der Champions.

Nur wer an seiner Wahrnehmung arbeitet, bereit ist, sich weiterzuentwickeln und eigene Fehler zu erkennen, hat dauerhaft Erfolg.

Executive Coaching dient folgenden Zielen:

  • Der Status und die Rolle des Coachees im Unternehmen wird festgestellt. Der Coach versucht sich ein Bild über die gegenwärtige Lage zu verschaffen, welche Ziele sein Klient verfolgt.
  • Das Fremdbild und das Selbstbild des Managers wird beleuchtet. Hierin liegen bereits häufig Probleme, da erfahrungsgemäß beides voneinander abweicht.
  • Die Stärken und Schwächen des Coachees werden erfasst. Nur wenn diese bekannt sind, kann entsprechend daran gearbeitet werden, Stärken auszubauen und vorhandenes Potenzial zu erkennen.
  • Die Handlungsoptionen werden ermittelt. Gemeinsam mit dem Coach werden Vorgehensweisen erarbeitet, um gesetzte Ziele zu erreichen. Das führt zu einer gesteigerten Wirkung und höherer Effektivität.
  • Die umgesetzten Lösungsansätze werden überprüft. Zusammen mit dem Coach werden die umgesetzten Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit überprüft und gegebenenfalls angepasst.
  • Der Prozess wird bei Zielerreichung abgeschlossen. Je besser die Umsetzung klappt, desto sicherer wird der Coachee sich fühlen. Das wirkt sich sowohl auf die Selbstsicherheit als auch auf das Auftreten aus. Beides wird sich im Umgang mit Mitarbeitern, Kollegen und Chefs bemerkbar machen.

Eigenschaften, die ein guter Executive Coach haben sollte

Das Definitionswirrwarr zeigt bereits, wie schwierig es ist, Coaching einzuordnen, denn der Begriff an sich ist nicht geschützt – ebenso wenig wie die Inhalte. Das hängt damit zusammen, dass eine Fülle von Coachingzertifikaten und -ausbildungen existiert, die jedoch nicht staatlich anerkannt sind.

Ähnliches gilt für Executive Coaching. Gleichwohl hat die Nachfrage danach in jüngster Zeit deutlich zugenommen und gibt es etliche Studien (PDF), die die Wirksamkeit bestätigen.

Allerdings braucht es dafür nicht nur einen willigen Klienten, der die zu erlernenden Skills wie ein Schwamm aufsaugt, sondern eben einen guten Executive Coach, der die erforderlichen Kriterien mitbringt:

Er verfügt über eigene Erfahrungen als Top Executive. Jemand, der selbst nie geführt und die speziellen Herausforderungen dieser Position nie erlebt hat, kann schlecht auf Augenhöhe mit seinem Klienten kommunizieren. Es schafft vor allem die Voraussetzung für eine Akzeptanz seitens des Coachees.

Ebenfalls unverzichtbar ist eine bestimmte Lebenserfahrung, die Verständnis dafür begünstigt, dass Menschen unterschiedlich sind und durch bestimmte Erfahrungen und Krisen geprägt werden.

Neben den gleichen Erfahrungen als Führungspersönlichkeit muss er die notwendige Coaching-Methodenkompetenz besitzen. Dabei genügt es längst nicht, dass Wissen um bestimmte Phänomene, Verhaltensmuster und Ähnliches zu haben, sondern er muss es seinem Klienten effektiv vermitteln können.

Nur wenn ihm dies gelingt, wird der Manager dauerhaft unabhängig von seinem Coach das Gelernte umsetzen können. Neben der Methodenkompetenz spielt vor allem die Sympathie eine große Rolle. Jemand mag fachlich absolut kompetent sein, aber solange er seinem Gegenüber unsympathisch ist, werden beide keine gemeinsame Ebene finden.

Das erschwert die Empathie für den Klienten, der wiederum sich nicht in dem Umfang öffnen wird, wie es erforderlich ist. Um eine professionelle Distanz zu wahren und die Qualität des Executive Coachings zu gewähren, unterzieht sich der Coach einer Supervision, das heißt, er reflektiert unter professioneller Aufsicht seine Arbeit.

Das kann Executive Coaching leisten

Voraussetzung dafür, dass Executive Coaching erfolgreich ist, ist zum einen natürlich ein geeigneter Coach, der über die oben genannten Fähigkeiten verfügt. Darüber hinaus erfordert es einen Klienten, der die notwendige Offenheit besitzt. Er muss bereit sein, an sich und seinen Eigenheiten zu arbeiten, sich ein neues Skillset anzueignen.

Offenheit und Bereitschaft an sich zu arbeiten klingt so einfach – „na klar, das bin ich“, denkt vielleicht der eine oder andere. Dazu sollten Sie sich allerdings verdeutlichen, dass das einen Prozess bedeutet, der auch abschreckende, frustrierende oder gar peinliche Momente enthält.

Die Bereitschaft für ein Executive Coaching verlangt das Einsehen, dass ein Manager trotz seiner vielleicht langjährigen Tätigkeit in dieser Position sich in bestimmten Bereichen nicht auskennt. Belohnt wird er dafür hiermit:

  • Sie gewinnen Klarheit.

    Sie lernen sich selbst besser kennen. Das ist deshalb so wichtig, weil es mit Selbstbewusstsein zu tun hat. Das wiederum ist Voraussetzung für Entscheidungen, die sich auf die Organisation und Rentabilität des Unternehmens auswirken. Dieses Selbstbewusstsein werden Sie ausstrahlen und das wiederum stärkt das Vertrauen Ihrer Mitarbeiter in Sie. Diese Klarheit entsteht zum einen aus einer Reihe von Befragungen zu Ihrer eigenen Wahrnehmung. Zum anderen wird geschaut, wie Ihre Person durch andere wahrgenommen wird und wie Sie sich im Umgang mit anderen verhalten. Gleichzeitig geht es darum herauszufinden, wo Ihre Stärken liegen und wo andererseits noch Potenzial für Veränderungen besteht.

  • Sie verbessern Ihre Einschätzung.

    Klarheit zeigt sich nicht nur bei der eigenen Person, sondern auch bezogen auf andere. Immer wieder kommt es zu Problemen, weil Führungskräfte ihre Mitarbeiter völlig falsch einschätzen: Manche werden völlig überschätzt, obwohl sie de facto Minderleister sind. Bei anderen hingegen wird das Potenzial nicht erkannt. Die Folge: Die einen ziehen die Motivation und die Arbeitsmoral der Kollegen herunter. Die anderen verlassen das Unternehmen auf der Suche nach neuen Entwicklungsmöglichkeiten. Genau hier liegt ein Vorzug von unabhängigem Executive Coaching, denn es ermöglicht einen unvoreingenommenen Blick von außen. Ein guter Coach wird seinen Coachee dazu befähigen, nach einem erfolgreichen Coaching über die notwendigen mentalen Mittel zu verfügen, um zukünftig ohne fremde Hilfe solche Dinge zu erkennen.

  • Sie setzen Ihre Stärken gezielt ein.

    Manche Manager haben eine grobe Vorstellung von Ihren Stärken, können aber die Wirkung nicht richtig einschätzen. Wer davon ausgeht, dass seine Fähigkeit zwar nützlich, aber nichts Besonderes ist, lässt viele Einsatzmöglichkeiten außer Acht. Executive Coaching hilft dabei, den Wert bestimmter Fähigkeiten zu erkennen. Das wiederum ermöglicht, sich neu bietende Chancen besser wahrzunehmen und zu ergreifen.

  • Sie erweitern Ihr Netzwerk.

    Nicht selten schränken sich Manager selbst in ihren Möglichkeiten dadurch ein, dass sie sich ausschließlich mit Menschen ihres Schlages umgeben. Sie bewegen sich automatisch in einer Filterblase – alle haben denselben Hintergrund, dieselben Vorstellungen, dieselbe Arbeitsweise und womöglich dasselbe Geschlecht. Wie sollen so Ideen entstehen? Von Teams weiß man schon lange, dass sie sich gegenseitig befruchten, wenn möglichst unterschiedliche Persönlichkeiten zusammenarbeiten. Ein Ansatz, den auch Diversity verfolgt. Mit Executive Coaching können Manager dieses Verhalten dahingehend verändern, dass sie Arbeitsbeziehungen mit Menschen beginnen, die von den bisherigen Mustern abweichen. Das wird langfristig nicht nur Ihr Netzwerk verändern, sondern für mehr Produktivität sorgen.

  • Sie erreichen Ihre Ziele.

    Ein gut gemachtes Executive Coaching ist wie eine Anleitung zur Selbsthilfe. Sie werden die Lösungen niemals fertig serviert bekommen, sondern sich durch die Hilfestellung Ihres Coaches selbst erarbeiten. Das geschieht im Gegensatz zur eigenen Familie oder Freunden völlig unabhängig und unvoreingenommen. Die einzige Agenda, die ein Executive Coach verfolgt, ist die Sie weiterzubringen. Dafür gibt er Ihnen neues Werkzeug an die Hand, mit dem Sie zu neuen Ideen gelangen und sich neue Fähigkeiten erarbeiten können.

[Bildnachweis: Michal Kowalski by Shutterstock.com]
29. Juni 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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