Praktikanten-Rechte-Arbeitsrecht-Tipps
Ein Praktikum ist für viele Studenten und Absolventen der Einstieg in den Job. Sie erhoffen sich davon bessere Chancen für spätere Bewerbungen und Einladungen ins Assessment Center. Praktika sollen auch einen Einblick in den Job vermitteln und für erste Berufserfahrungen sorgen. In der Berufswelt gehört mindestens ein Praktikum fast schon zum guten Ton. Das wissen Unternehmen und nutzen es zum Teil schamlos aus, indem sie Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbrauchen. Die meisten Praktikanten trauen sich nicht, sich beispielsweise über anspruchslose Aufgaben oder schlechte Bezahlung zu beschweren. Zum Teil auch, weil sie nicht wissen, was ihnen zusteht. Wir erläutern, welche Rechte Sie als Praktikant haben.

Was ist ein Praktikum?

Der Begriff Praktikum ist weit gefasst und kann von Schnuppertagen bis hin zu Teilzeit alles umfassen. Spezielle gesetzliche Regelungen gibt es für das Praktikum nicht. Das Bundesarbeitsgericht definiert nur, dass das Praktikum eine vorübergehende Tätigkeit in einem Betrieb zum Erwerb praktischer Kenntnisse sei.

Es gibt zwei Arten von Praktika:

  1. Das Pflichtpraktikum

    Dieses ist in der Studienordnung vorgeschrieben. Um den angestrebten Abschluss zu erwerben, muss der Student in seiner Studienzeit ein Praktikum absolvieren. Bei diesem Praktikum liegt kein Anspruch auf Vergütung vor. Allerdings besteht ein Bafög-Anspruch. Erhalten Sie also für Ihr Studium Bafög, wird dieses während ihres Praktikums fortgezahlt. Ein Bafög-Anspruch besteht auch, wenn das Praktikum eine Voraussetzung für die Zulassung zum Studium ist.

  2. Das freiwillige Praktikum

    Deutlich mehr Rechte haben Praktikanten, die aus freien Stücken ein Praktikum absolvieren. Ihre Rechte fallen unter das Berufsbildungsgesetz und sind damit vergleichbar mit den Rechten und Pflichten von Auszubildenden (PDF). Demnach besteht auch ein Anspruch auf Vergütung, solange das Praktikum länger als einen Monat dauert und der Praktikant aktiv am Unternehmensalltag teilnimmt.

Rechte von Praktikanten: Die Bezahlung

Ein Anspruch auf eine angemessene Bezahlung besteht vor allem dann, wenn es weniger um die Vermittlung neuer Kenntnisse geht, sondern die Arbeitsleistung im Vordergrund steht. Dies ist vor allem bei Praktika nach Abschluss des Studiums der Fall.

Nach Angaben des Hochschul-Informations-Systems (HIS) erhält lediglich jeder dritte Praktikant so etwas wie ein Honorar. Durch den flächendeckenden Mindestlohn von 8,50 Euro ist dies 2015 geändert worden, dieser gilt auch für Praktikanten. Damit soll verhindert werden, dass Studenten sich nach ihrem Abschluss von einem Praktikum zum nächsten hangeln.

Ausgenommen davon sind jedoch...

  • Pflichtpraktika im Rahmen von Schule, Ausbildung oder Studium
  • Freiwillige Praktika begleitend zu Studium oder Ausbildung bis zu drei Monaten
  • Freiwillige Praktika bis zu drei Monaten, die zur Orientierung bei der Berufs- oder Studienwahl dienen Einstiegsqualifizierungen nach § 54 a des Dritten Sozialgesetzbuches
  • Praxisphasen während eines dualen Studiums, generell bei ausbildungsintegrierten Studiengängen, sowie praxisintegrierten Studiengängen bei denen praktische Tätigkeiten regelmäßig innerhalb des Studiengangs verpflichtend sind.

Vom Mindestlohn ausgenommen sind außerdem alle unter 18 Jährigen, die noch keinen Berufsabschluss erworben haben. Dadurch soll verhindert werden, dass wegen einer vergleichsweise gut bezahlten Praktikumsstelle auf eine Ausbildung verzichtet wird.

Viele sehen das Mindestlohngesetz aber kritisch, denn es könnte dazu führen, dass Unternehmen nur noch Pflichtpraktikanten einstellen oder die Dauer des Praktikums drastisch verkürzen. Bei einem freiwilligen Vollzeitpraktikum würden rund 1.360 Euro Brutto für den Praktikanten rausspringen, vor allem kulturelle Einrichtungen könnten sich das nicht leisten.

Schnellcheck: Mindestlohn im Praktikum?

Schnellcheck: Mindestlohn im PraktikumSie können auch einen kleinen Schnellcheck machen, ob Sie unter die Mindestlohn-Regel fallen. Beantworten Sie dazu bitte folgende Fragen:

  • Sind Sie unter 18 Jahren?
  • Dauert Ihr Praktikum maximal drei Monate?
  • Handelt es sich dabei um ein Pflichtpraktikum im Rahmen Ihres Studiums?
  • Absolvieren Sie das maximal 3-monatige Praktikum, um sich für die Berufswahl zu orientieren?
  • Haben Sie vorher noch nie für das Unternehmen gearbeitet?

Wenn Sie die Fragen mit "Ja" beantworten können, fallen Sie nicht unter die Mindestlohn-Regel. Ansonsten sehr wahrscheinlich schon.

Achtung: Dauert das Praktikum länger als drei Monate (vier Monate zum Beispiel) muss es vollständig und rückwirkend mit dem Mindestlohn bezahlt werden. Also nicht nur der eine, längere Monat, sondern die volle Praktikumszeit.

Rechte von Praktikanten: Die Arbeitszeit

In der Regel entsprechen die Arbeitszeiten denen der angestellten Arbeitnehmer. Wie lange ein Praktikant arbeitet, wird in der Regel im Einzelnen schriftlich festgehalten.

Bei freiwilligen Praktika besteht ein Anspruch auf Ausgleich von Überstunden und für Tätigkeiten an Sonn- beziehungsweise Feiertagen. Dieser ergibt sich wiederum aus dem Berufsbildungsgesetz und gilt daher nicht für Pflichtpraktika.

Rechte von Praktikanten: Der Urlaub

Auch beim Urlaubsanspruch gelten unterschiedliche Regelungen. Bei Pflichtpraktika unterliegen Studenten keinem arbeitsrechtlichen Schutz und haben auch keinen Anspruch auf Urlaub.

Bei einem freiwilligen Praktikum gelten allerdings die gleichen Rechte wie bei Angestellten auch. Das bedeutet, dass Sie Anspruch auf 24 Tage im Jahr, also zwei Tage pro Monat, haben.

Rechte von Praktikanten: Das Praktikumszeugnis

Ist das Praktikum vorüber, steht Ihnen ein Zeugnis zu. Bei einem Pflichtpraktikum handelt es sich dabei meist um eine Bescheinigung, dass Sie in einer bestimmten Zeitspanne bei dem Unternehmen beschäftigt waren.

Bei freiwilligen Praktika steht Ihnen jedoch ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zu. Aus diesem sollte die genaue Tätigkeitsbeschreibung sowie die Beurteilung hervorgehen. Ein "qualifiziertes" Zeugnis enthält im Gegesatz zum einfachen Arbeitszeugnis neben der reinen Positions- und Aufgabenbeschreibung zudem eine Bewertung der Leistung und des Sozialverhaltens des Arbeitnehmers.

Achten Sie dabei auf die Zeugnissprache, denn vieles steht im Subtext.

Aufbau-Arbeitszeugnis-Grafik

Rechte von Praktikanten: Die Kündigung

Wurde im Vorfeld keine Kündigungsfrist vereinbart, können Sie jederzeit gehen. Sollte das Praktikum ganz und gar nicht Ihren Vorstellungen entsprechen und Sie haben das Gefühl, nichts zu lernen, sollten Sie die Notbremse ziehen.

Es ist auf keinen Fall in Ordnung, wenn Sie nur Kaffee kochen oder Kopierarbeiten verrichten.

Kündigungsschreiben-Aufbau-Mustervorlage

Worauf Praktikanten ebenfalls achten sollten

Bestehen Sie auf einen Praktikumsvertrag. Darin sollten die Arbeitszeiten, der Urlaubsanspruch, die Kündigungsfrist sowie die Inhalte festgelegt sein.

Je mehr Sie im Vorfeld schriftlich festhalten, desto eher können Sie sagen, dass das Praktikum nicht Ihren Vorstellungen entspricht.

Besonders bei Pflichtpraktika sollten Sie nur Stellen annehmen, deren Rahmen vorher schriftlich festgelegt wurde. Denn bei einem Pflichtpraktikum sind Sie arbeitsrechtlich kaum geschützt und können daher leichter ausgenutzt werden.


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[Bildnachweis: Goodluz by Shutterstock.com]

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