Facial Feedback Hypothese Embodiment Ansatz Fritz Strack Experiment
Der Embodiment-Ansatz ist ein Forschungszweig in der Sozialpsychologie, in welcher die Wechselwirkung zwischen Körper, Handlungen, Gefühlen und Denken untersucht wird. Ein Teil dessen ist die Facial-Feedback-Hypothese, welche besagt, dass die Bewegung der Gesichtsmuskeln einen Einfluss auf das Erleben von Gefühlen hat. In den letzten zwanzig, dreißig Jahren konnten Studien nachweisen, dass Gefühle von Gesichtsmuskelbewegungen eingeleitet und verändert werden. Andererseits sind Bewegungen der Gesichtsmuskel keine Voraussetzung für Gefühle. Lesen Sie, welche Bedeutung die Facial-Feedback-Hypothese in Arbeits- und Bewerbungszusammenhängen hat...

Die Anfänge der Facial-Feedback-Hypothese

Wer einen langen, anstrengenden Tag hinter sich hat - womöglich noch mit Kundenärger - wird es vielleicht gar nicht bemerken, wie er die Augenbrauen zusammenzieht, die Zähne aufeinanderbeißt. Außenstehende hingegen können unter Umständen in seinem Gesicht wie in einem Buch lesen.

Die Frage, die viele Forscher umtreibt: Sind Gefühle vielleicht umgekehrt auch ein Resultat unserer Mimik? Die Facial-Feedback-Hypothese, englisch facial feedback hypothesis, reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück.

Bereits Charles Darwin erklärte 1872, dass die Intensität von Gefühlen durch das Fördern oder Hemmen eines Gesichtsausdrucks geformt wird. Auch die Wissenschaftler William James und Carl Georg Lange beschäftigten sich mit Gefühlen, allerdings als Begleiterscheinungen körperlicher Vorgänge, nach ihnen ist die James-Lange-Theorie benannt.

Auf diesen Hypothesen beruhen zwei Ansätze der Facial-Feedback-Hypothese:

  • Der eine Ansatz geht davon aus, dass Facial-Feedback lediglich die Gefühle einer bereits gefühlten Emotion verstärkt oder geschwächt werden.
  • Der andere Ansatz hingegen behauptet, dass Facial-Feedback die Emotion an sich erst bewirke.

Dennoch weiß man bis heute nicht so genau, was zuerst da war - das Huhn oder das Ei? Manche Forscher gehen davon aus, dass erst eine physische Reaktion, zum Beispiel lächeln, stattfinden muss, damit das Gehirn kognitiv erfassen kann aha, ich bin gut drauf.

Andere Forscher hingegen gehen davon aus, dass erst die Erfahrung dieser physischen Reaktion mit bestimmten Emotionen in Verbindung gebracht wird und daraufhin eine Interpretation erfolgt, die das Gefühl der guten Laune bewirkt.

Um die Facial-Feedback-Theorie beweisen zu können, wird in Studien vor allem mit dem gut gelaunten und dem wütenden Gesichtsausdruck gearbeitet. Dabei kommen jeweils verschiedene Gesichtsmuskel zum Einsatz:

  • Zygomaticus major und Risorius-Muskel werden bei guter Laune aktiviert.
  • Orbicularis oris und Corrugator-Muskel werden bei schlechter Laune aktiviert.

Dass Gefühle und Gedanken durch körperliche Empfindungen beeinflusst werden, ist eigentlich seit der Antike ein immer wieder diskutierter Gegenstand. Dennoch war es das mittlerweile als Klassiker geltende Experiment von Fritz Strack, was die Facial-Feedback-Theorie maßgeblich voranbrachte.

Fritz Strack: Experiment mit Stift und Cartoons

Facial Feedback Hypothese Embodiment Ansatz Fritz Strack ExperimentDer Sozialpsychologe Fritz Strack führte 1988 an der Universität Mannheim folgendes Experiment mit drei Versuchsgruppen durch:

  • Versuchsgruppe mit Lippen-Bedingung: Die Teilnehmer wurden aufgefordert, einen Stift lediglich mit den Zähnen zu halten, so dass die Lippen ihn nicht berühren. Das führt dazu, dass der Zygomaticus major und der Risorius-Muskel aktiviert werden, die für Lächeln zuständig sind.
  • Versuchsgruppe mit Zähne-Bedingung: Diese Teilnehmer sollten den Stift hingegen ausschließlich mit den Zähnen halten, wobei der Orbicularis oris aktiviert wird, der einen verärgerten Gesichtsausdruck repräsentiert.
  • Kontrollgruppe: Die Versuchspersonen der Kontrollgruppe wurden gebeten, Aufgaben mit ihrer nicht-dominanten Hand zu bearbeiten.

Allen drei Versuchsgruppen wurden Cartoons von Gary Larson gezeigt und sie sollten einschätzen, wie lustig die Cartoons waren.

Das Experiment ergab, dass die zweite Versuchsgruppe (Zähne-Bedingungen) die Cartoons am lustigsten einschätzten. Es folgte die Kontrollgruppe, welche die Cartoons immerhin noch lustiger fand als die Teilnehmer der ersten Versuchsgruppe mit der Lippen-Bedingung. Jene geben die schlechtesten Bewertungen ab.

Die Ergebnisse des Experiments legen nahe, dass auch durch die bloße Imitation eines Gefühls durch die Gesichtsmuskeln Emotionen bei der jeweiligen Person beeinflusst werden.

Damit werden methodologische Mängel bisheriger Studien beseitigt, da hier erstmals nicht nur die Kontraktion von Gesichtsmuskeln untersucht wurde, sondern auch, inwieweit die Ergebnisse bei einer Imitation dieser Gesichtsausdrücke bestätigt werden.

Facial-Feedback-Hypothese wichtig in Arbeitszusammenhängen

Die Facial-Feedback-Hypothese wurde seit den neunziger Jahren weiter ausgebaut, schließlich ließ sich zeigen, dass nicht nur die Mimik, sondern auch die Körperhaltung einen Einfluss darauf haben, wie wir uns fühlen und welches Selbstbild wir von uns haben:

Ob wir mit hängenden Schultern durch die Gänge schlurfen, den Blick auf den Boden gesenkt oder ob der Rücken gerade durchgedrückt, die Haltung also aufrecht und der Blick geradeaus ist. Diese Erkenntnisse machen sich auch längst Coaches zunutze.

Denn klar ist: Wer eine aufrechte Körperhaltung einnimmt, strahlt nicht nur mehr Selbstbewusstsein nach außen aus, sondern fühlt sich auch selbstsicherer als jemand, der eine in sich zusammengesunkene Haltung einnimmt.

Diese Beobachtungen sind daher besonders für Bewerber wichtig, damit ihnen klar ist, wie sie auf andere Menschen wirken beziehungsweise wie sie die Wirkung (und auch ihre eigenen Gefühle) beeinflussen können.

Das oben im Experiment angesprochene Imitieren von Gesichtsausdrücken findet im Übrigen in ganz vielen Zusammenhängen statt; bereits Säuglinge ahmen ihre Eltern nach, wenngleich unbewusst. Die Facial-Feedback-Hypothese wird von Forschern auch mit der Theorie über die Spiegelneuronen in Verbindung gebracht und könnte so erklären, wieso Menschen sich von der Stimmung anderer leicht anstecken lassen.

Facial-Feedback-Hypothese und Botox

Bei gerunzelter Stirn wird der Muskel zwischen den Augenbrauen angespannt. Das lässt sich bei verärgerten oder schlecht gelaunten Menschen ebenso beobachten wie bei Menschen mit einer Depression. Bei denen ist der Muskel häufig sogar chronisch angespannt, wird aber genauso locker wieder, wenn die Depression vorbei ist.

Wenn also der Facial-Feedback-Hypothese zufolge unsere Mimik Gefühle nicht nur nach außen für andere sichtbar macht, sondern auch nach innen Gefühle aktiviert und bestärkt, müsste man sich diese Erkenntnis doch zunutze machen können.

Diese Gedanken verfolgte man bei Untersuchungen, ob sich Depressionen mit Botox lindern lassen. Botox ist ein Nervengift, mit dem bereits seit den späten sechziger Jahren experimentiert wird. Bekannt wurde es vor etlichen Jahren, als sich Prominente aus ästhetischen Gründen Falten "wegspritzen" ließen - Kritiker führten maskenhafte Gesichtszüge im Nachgang an.

In einer Studie mit 30 an Depressionen erkrankten Teilnehmern, die Botox in verdünnter Form beziehungsweise unwirksame Kochsalzlösung (Teilnehmer der Kontrollgruppe) gespritzt bekamen, konnte die Wirksamkeit nachgewiesen werden.

Die Ausprägung der Depression konnte um 50 Prozent reduziert werden, bei vielen Teilnehmern verschwand sie sogar völlig. In der Kontrollgruppe hingegen verringerten sich die Symptome lediglich um neun Prozent. Es zeigte sich also auch hier der Ansatz der Facial-Feedback-Hypothese: Wird der Gesichtsausdruck für schlechte Laune begrenzt, lässt sich auch das Gefühl von Traurigkeit begrenzen.

Umstritten ist allerdings, ob der Einsatz von Botox nur positiv zu bewerten ist: Anderen Untersuchungen zufolge hatten einige Frauen, die sich kosmetisch mit Botox behandeln ließen Schwierigkeiten, emotionale Untertöne in Gesprächen zu erfassen. Hier wird vermutet, dass durch ihre gelähmte Gesichtspartie es ihnen nicht möglich ist, bestimmte Gefühlsausdrücke zu zeigen und das Gehirn dadurch kaum noch Rückmeldung bekommt.

Dies hätte natürlich auch unerfreuliche Konsequenzen im menschlichen Miteinander: Fehlt die Empathie beim Gegenüber, erschwert das die Kommunikation.

[Bildnachweis: Iurii Stepanov by Shutterstock.com]

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