Anders sein: Trauen Sie sich!

Anders sein, andere Interessen und andere Ansichten zu haben, erfordert Mut. Denn damit weichen Sie von der Norm ab und fallen auf. Das birgt die Gefahr der Ablehnung und hier liegt das Problem: Der Mensch ist ein soziales Wesen. Wir wollen dazugehören, Teil der Gesellschaft, Teil des Clubs, Teil einer Clique von Menschen sein, die wir toll finden. Gleichzeitig streben wir nach Selbstverwirklichung und Anerkennung für das, was wir leisten. Wie kann das in Einklang gebracht werden?

Anders sein: Trauen Sie sich!

Was bedeutet anders sein?

Was bedeutet anders sein als andere Sprüche synonym englischAnders sein kann so vieles bedeuten. Auf der Wortebene bedeutet es zunächst, dass eine Person sich von der Masse in irgendeiner Form abhebt.

Synonyme für anders sein sind demnach:

  • alternativ
  • abweichend
  • deviant
  • merkwürdig
  • nonkonform
  • gegensätzlich
  • unähnlich
  • unterschiedlich
  • verschieden

Einige dieser Synonyme haben einen inhaltlichen Schwerpunkt, der eher positiv oder negativ besetzt ist. Beispielsweise wird „deviant“ in sozialen Kontexten für kriminelles Verhalten benutzt. Insofern bedeutet kriminell ebenso „von der Norm abweichen“ wie anders sein.

Anders sein kann auf einer inhaltlichen Ebene bedeuten, dass jemand andere Interessen vertritt, einen anderen Musik- oder Filmgeschmack hat als die Mehrheit seiner direkten Umgebung.

Je nachdem, wie diese Umgebung das Anderssein auffasst, können die Auswirkungen mehr oder minder starke Konsequenzen für denjenigen haben, der abweicht.

Gesellschaft erschwert anders sein

Anderssein kann die Religion und Herkunft, die psychische und körperliche Gesundheit oder die Sexualität betreffen. Allesamt Bereiche, in denen starke Überzeugungen in einer Gesellschaft herrschen.

In einer Gesellschaft findet der größte gemeinsame Nenner zusammen. Das heißt nicht, dass alle Menschen gleich sind. Es heißt, dass die Mehrheit bereit ist, bestimmte Regeln zu akzeptieren und über gemeinsame Werte und Normen miteinander verbunden ist.

So betrachtet ist es völlig normal und gesund, dazugehören zu wollen. Anders sein beinhaltet eben das Potenzial, sehr viel anders zu sein. Wer dieses anders sein fürchtet, strebt demzufolge gleich sein an. Aber was bedeutet gleich zu sein wie alle anderen eigentlich?

Mit Gleichheit werden Begriffe assoziiert wie:

  • Ebenbürtigkeit
  • Einigkeit
  • Identischsein
  • Konformität
  • Übereinstimmung

Allerdings auch:

  • Angepasstheit
  • Egalität
  • Stromlinienförmigkeit
  • Unauffälligkeit
  • Uniformität

Ist jemand uniform oder bis zur Unkenntlichkeit angepasst bedeutet das, dass diese Person ersetzbar ist – es gibt unzählige andere davon. Ihr haftet nichts Besonderes, Originäres oder gar Originelles an.

Befürworter des Andersseins wählen gerne das Bild der Schafherde, die tumb hintereinander her trottet, um Gleichheit zu beschreiben. Dabei muss ganz klar gesagt werden: Ein Ausbruch aus diesem Regel- und Wertesystem ist nicht so einfach.

Besonders schwer fällt anders sein Kindern. Sie werden Zuhause und in der Schule bereits darauf geeicht, sich so zu verhalten, wie es von ihnen erwartet wird. Abweichendes Verhalten, etwa bei hyperaktiven Kindern, wird verurteilt.

Ebenso wie sie ausgegrenzt werden, wenn sie nicht die „richtigen“ Markenklamotten tragen. Anders sein ist nicht immer eine bewusste Entscheidung, sondern in einigen Fällen auf bestimmte Umstände zurückzuführen.

Anders sein als andere: Individualismus als Gegenpol

Niemand möchte sich selbst als (dummes) Schaf sehen, weshalb in den vergangenen Jahrzehnten der Individualismus regelrecht zelebriert wurde. Allerdings ist verordneter Individualismus letztlich nichts anderes als Uniformität. In dem Bestreben, möglichst anders zu sein, sind dann doch wieder alle gleich.

Eine legendäre Filmszene aus der Monty-Phython-Komödie „Das Leben des Brian“ (Life of Brian) verdeutlicht genau das: Die Hauptfigur Brian wird fälschlicherweise für den Messias gehalten.

Brian versucht in einer Ansprache an seine Fans zu verdeutlichen, dass er von dem Kult um seine Person gar nichts hält und die Leute vielmehr an sich selbst glauben sollten, sie seien schließlich alle Individuen.

Und die ganze Menschenmenge plappert fröhlich nach: „Wir sind alle Individuen…“ Nur einer bekennt sich zum Anderssein – und wird sofort mundtot gemacht.

Anders sein als andere: Sprüche und Zitate

  • Sei du selbst, denn alle anderen gibt es schon. Oscar Wilde
  • Anders: Auch nicht besser. Ambrose Gwinnett Bierce
  • Folge nie der Menge, nur weil Du Angst hast, anders zu sein. Margaret Thatcher
  • Wenn du das Glück hast, anders zu sein als alle anderen, dann ändere es nicht. Unbekannt
  • Dem anderen sein Anderssein verzeihen, das ist der Anfang der Weisheit. Chinesische Weisheit
  • Alle wollen individuell sein, aber wehe, jemand ist anders. Unbekannt
  • Ich bin anders als vermutet. Selten wie erwartet. Und erst recht nicht, wie andere mich gerne hätten. Unbekannt
  • Andersdenkende denken auch nicht anders. Erhard Horst Bellermann
  • Er war ihnen ein Dorn im Auge: er sang am Abend Morgenlieder. Wolfgang J. Reus

Anders sein und trotzdem selbstbewusst

Neben dem Wunsch, dazuzugehören existiert ein ganz großes Bedürfnis nach Akzeptanz, so sein zu dürfen, wie man ist – anders sein zu dürfen und trotzdem Teil der Gesellschaft zu sein. Das Anderssein ist also immer nur ein gewisses Maß an Anderssein.

Wer in der Klasse der Streber ist, auf den andere mit großem Neid schauen, kann immer noch die gleichen Fernsehserien toll finden. Es ist häufig nicht leicht, mit seinem Anderssein akzeptiert zu werden, wenn gegen die vorherrschende Meinung verstoßen wird.

In einer Leistungsgesellschaft wie der deutschen fällt derjenige auf, der sich nicht dem Credo der Produktivität um jeden Preis beugt. Minderleister, aber auch Arbeitslose oder Menschen mit Burnout.

Häufig wird gar nicht hinterfragt, warum diese Menschen anders sind, sie werden lediglich mit einem Stempel versehen und in eine Schublade gepackt. Aus diesem Wertesystem auszusteigen, fällt nicht immer leicht.

Aber es gibt diese Beispiele von Menschen, die beispielsweise trotz erfolgreicher Ausbildung einen Jobwechsel mit 30, 40, 50 Jahren hinlegen.

Anders sein heißt, sich von dem Diktat der Masse zu befreien und stattdessen genau hinzusehen, welche Bedingungen Sie brauchen, um zufrieden zu sein.

Anderssein als Erfolgsfaktor

Ihr lacht über mich, weil ich anders bin als ihr – ich lache über euch weil ihr alle gleich seid!

Es gibt einige Sprüche übers Anderssein, aber dieser zeigt zweierlei: Nämlich die (möglichen) Konsequenzen, mit denen Menschen rechnen müssen, wenn sie anders sind, die Ausgrenzung und der Fingerzeig durch andere.

Er zeigt aber außerdem etwas anderes: Und zwar die Geschichte einer Emanzipation. Den Prozess des Erkennens, dass Uniformität und Gleichsein nicht zwangsläufig etwas Erstrebenswertes sein müssen. Eine sich ständig verändernde Arbeitswelt erfordert Menschen, die anders sind.

Die immer gleichen Lösungen funktionieren für neue Herausforderungen nicht mehr. Anderssein kann eine Flexibilität und Kreativität bedeuten, die schnelle Reaktionen ermöglicht.

Denn es heißt, eben nicht immer in den gleichen konventionellen Richtungen zu denken, sondern neue Wege zu probieren. Dazu gehört, sich in seiner Andersartigkeit zu akzeptieren:

  • Lernen Sie sich kennen.

    Klingt simpel, aber am Anfang des Erkenntnisprozesses steht oft Unsicherheit. Manche Menschen erkennen, dass sie anders sind, stellen sich selbst aber infrage. Dabei ist es wichtig, sich mit den eigenen Interessen und Werten, Stärken und Schwächen auseinanderzusetzen.

  • Akzeptieren Sie sich.

    Innerhalb einer intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst können Sie Charaktereigenschaften entdecken, die Sie nicht so ideal finden, beispielsweise große Ungeduld. Kein Mensch ist perfekt. Es ist löblich, um die eigenen Schwächen zu wissen und zu versuchen, sie zu verbessern. Mindestens so wichtig ist die Selbstannahme, und dazu gehören viele tolle Eigenschaften, die Sie stärker hervorholen können.

  • Werden Sie mutig.

    Wer Anderssein als Einzigartigkeit begreift, nimmt ihm das Bedrohliche. Denn im Prinzip ist jeder Mensch einzigartig; von eineiigen Zwillingen abgesehen existiert jeder Mensch nur einmal auf der Welt. Sein Denken, Empfinden, Handeln kommt kein zweites Mal vor. Wie wäre es das, was Sie elementar von anderen in Ihrem Umfeld unterscheidet, als Ausgangspunkt zu nehmen und zu intensivieren? Bei etlichen Menschen ist so beispielsweise das Hobby zum Beruf geworden.

[Bildnachweis: Graphics Master by Shutterstock.com]
19. März 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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