Bewerbung aus der Festanstellung: Diskret den Job wechseln

Bei einer Bewerbung aus der Festanstellung bestehen bessere Chancen, den gewünschten Job zu bekommen, als aus der Arbeitslosigkeit. Zumindest ist das die landläufige Meinung. Was allerdings, wenn Ihr jetziger Chef davon erfährt? Könnte er dies nicht als Vertrauensbruch deuten? Wenn Sie dann doch keine Zusage erhalten, haben Sie sich dann bei Ihrem derzeitigen Arbeitgeber unnötige Steine in den Weg gelegt? Wie Sie bei einer Bewerbung aus der Festanstellung am besten vorgehen, sowie Tipps und Muster-Vorlage als Formulierungshilfe für ein entsprechendes Anschreiben…

Bewerbung aus der Festanstellung: Diskret den Job wechseln

Bewerbung aus der Festanstellung: Warum ist das so schwierig?

Wer sich aus einer Festanstellung bewirbt, begibt sich womöglich auf dünnes Eis: Zum einen erscheint der neue Job attraktiv, zum anderen möchte man dem derzeitigen Vorgesetzten keinesfalls das Signal geben, dass man kurz vor dem Absprung ist.

Denn immerhin kann es sein, dass der Jobwechsel doch scheitert und somit eine Weiterbeschäftigung beim momentanen Arbeitgeber nicht ausgeschlossen ist. Als Folge könnte der Chef Ihnen Misstrauen entgegen bringen und Sie sogar bei möglichen Beförderungen übergehen.

Daher sollten Sie diese Bedenken bei einem Jobwechsel berücksichtigen. Eine Bewerbung vertraulich zu behandeln, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein, dennoch kann es immer sein, dass der aktuelle und der – hoffentlich – zukünftige Vorgesetzte miteinander in Kontakt stehen.

Aus diesem Grund bitten viele in Ihrer Bewerbung aus der Festanstellung um Diskretion und Vertraulichkeit. Dies nennt sich Sperrvermerk. Doch welche Formulierung sollten Sie in Ihrem Anschreiben dazu wählen? Sollten Sie überhaupt Ihren derzeitigen Arbeitgeber nennen? Noch dazu, da Sie ja sowieso momentan ohne Zeugnis dastehen?

Diese Fragen lassen sich selbstverständlich nicht pauschal beantworten. Dennoch gibt es einige Tipps, wie Sie bei einer Bewerbung in Festanstellung vorgehen sollten:

  • Erzählen Sie in Ihrer bisherigen Firma niemandem von Ihrer Bewerbung.
  • Gleiches gilt für Postings in sozialen Netzwerken.
  • Arbeiten Sie weiterhin mit vollem Einsatz.
  • Führen Sie keine Telefonate oder Mailkontakte während der Arbeitszeit
  • Bitten Sie den Wunsch-Arbeitgeber darum, Ihre Bewerbung vertraulich zu behandeln.
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Muster-Anschreiben für eine Bewerbung aus der Festanstellung

Bewerbung-aus-festanstellung-Beispiel-Muster-Vorlage-pdf-wordBei der Frage nach einer geeigneten Formulierung gibt es viele Möglichkeiten. Die Schwierigkeit besteht darin, zum einen seine Fähigkeiten und Talente aufgrund der derzeitigen Tätigkeit unter Beweis zu stellen, zum anderen allerdings zu verhindern, dass der zukünftige Chef diese beim bisherigen nachfragt.

Wir haben daher eine Vorlage für Sie bereitgestellt, die als Beispiel für eine Bewerbung aus der Festanstellung dienen soll. Dieses Muster können Sie sich sowohl als Word-Dokument oder PDF-Datei kostenlos herunterladen und privat nutzen.

Beachten Sie allerdings, dass dies nur als Beispiel dient – Sie sollten das Anschreiben noch auf Ihre spezielle Situation anpassen.

Wie Sie sehen, ist im Abschluss ein Sperrvermerk eingebaut. Diesen können Sie allerdings ebenso bereits in der Betreffzeile formulieren: „Mit der Bitte um Vertraulichkeit: Meine Bewerbung auf Ihre Stelle als…“

Die Begrifflichkeit „Vertraulich“ beziehungsweise „Vertraulichkeit“ ist dabei eleganter und höflicher als „Sperrvermerk“. Dieses Wort sollten Sie in Ihrer Bewerbung meiden.

Sie sollten jedoch durchaus erwähnen, dass Sie sich derzeitig in einer ungekündigten Stellung befinden, dabei jedoch die Chancen bei einem Jobwechsel verdeutlichen. Weitere Beispiele für eine Formulierung:

Derzeit befinde ich mich in einem unbefristeten und ungekündigten Arbeitsverhältnis bei Firma XY. Die dort gesammelten praktischen Erfahrungen möchte ich gerne bei Ihnen im Bereich ABC gewinnbringend einsetzen.

Seit MM.JJJJ bin ich bei Firma XY beschäftigt und dort auch sehr zufrieden. Dennoch reizt mich die von Ihnen ausgeschriebene Stelle über die Maßen, da ich hier insbesondere meine Fähigkeiten auf dem Gebiet von ABC noch einmal besonders stark einbringen kann.

Trotz meiner Zufriedenheit in meiner Tätigkeit bei Firma XY möchte ich zukünftig mehr Verantwortung übernehmen und ein Team führen. Diese Möglichkeit sehe ich bei Ihnen.

Wer dennoch seinen momentanen Arbeitgeber nicht nennen will, sollte diesen im Lebenslauf und im Anschreiben anonymisieren. Anstatt also von „Firma XY“ zu schreiben, können Sie zum Beispiel folgende Formulierung wählen: „Mittelständisches Unternehmen in der Branche ABC“.

Dabei sollten Sie allerdings berücksichtigen, dass Sie im Internet ebenfalls keine Spuren auf Ihren derzeitigen Arbeitgeber hinterlassen haben. Wenn Ihr Name auf der Firmenhomepage auftaucht, ist eine Anonymisierung überflüssig. Außerdem sollten Sie Ihre Profile in den sozialen Netzwerken entsprechend anpassen.

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Gründe für eine Bewerbung aus der Festanstellung

Dass Sie sich auf eine andere Stelle bewerben, muss nicht automatisch bedeuten, dass Sie sich in Ihrer derzeitigen Position unwohl fühlen und unbedingt weg möchten. Eine Bewerbung aus der Festanstellung kann verschiedene Gründe haben:

  • Die neue Position bietet bessere Perspektiven für Ihre Entwicklung.
  • Ihre bisherige Position ist zu sehr zur Routine verkommen und bietet keine Möglichkeit, daran etwas zu ändern.
  • In der angestrebten Position würden Sie deutlich mehr verdienen.
  • Die Wunsch-Stelle bietet mehr Gestaltungsfreiheiten.
  • Sie möchten komplett die Branche wechseln.
  • Private Gründe wie Wohnortwechsel oder Arbeitsweg.

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Bewerbung aus der Festanstellung: Einladung zum Vorstellungsgespräch

Wenn Ihre Bewerbung auf die ausgeschriebene Position passt, ist ein eine Einladung zum Vorstellungsgespräch nicht unwahrscheinlich. Den größten Fauxpas, den Sie in diesem Zusammenhang begehen könnten, wäre beim derzeitigen Chef dafür um einen Tag Sonderurlaub anzusuchen.

Ein Vorstellungsgespräch ist Ihre Privatsache und sollte – ebenso wie die Korrespondenz – keinesfalls in die Arbeitszeit fallen. Beantragen Sie daher einen Tag Urlaub. Dazu müssen Sie keine Gründe anführen.

Im Vorstellungsgespräch selbst sollten Sie dann unbedingt folgende Tipps beherzigen:

  • Gehen Sie auf Ihre Kündigungsfrist ein, um zu verdeutlichen, ab wann Sie zur Verfügung stehen.
  • Reden Sie keinesfalls negativ über Ihren jetzigen Arbeitgeber.
  • Erwähnen Sie, dass Sie im Falle einer Zusage selbstverständlich ein Arbeitszeugnis Ihres aktuellen Betriebs nachreichen können.
  • Plaudern Sie keine Interna aus ihrer momentanen Firma aus.
  • Lassen Sie Ihre Vorteile für sich sprechen, anstatt dem eventuellen Hindernis einer Kündigungsfrist oder einem fehlenden Zwischenzeugnis.
  • Begründen Sie den geplanten Jobwechsel mit den Chancen der angepeilten Position.

Sollten Sie dennoch um ein Zwischenzeugnis gebeten werden, ist sinnvoll, dieser Bitte nachzukommen. Für den Fall, dass Sie ohnehin früher bereits schon um ein solches bei Ihrem Chef angesucht haben, wird dieser kaum Verdacht schöpfen.

Andernfalls können Sie im Rahmen eines Mitarbeitergesprächs ganz allgemein darum bitten – das Recht darauf haben Sie. Und zwar ohne, dass Sie dafür eine Begründung liefern müssen.

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Nach einer Bewerbung aus der Festanstellung

Wenn trotz aller Vorsichtsmaßnahmen Ihre Bewerbung nicht geheim bleiben sollte, empfiehlt es sich, dennoch positiv zu bleiben. Signalisieren Ihrem Vorgesetzten die Gründe. Verdeutlichen Sie, dass diese Bewerbung keine Entscheidung GEGEN die bisherige Firma sondern FÜR eine neue Herausforderung ist und wohin Sie sich gerne weiterentwickeln möchten. Unter Umständen können sich dadurch sogar beim bisherigen Arbeitgeber neue Türen auftun.

Für den Fall, dass Sie eine Zusage des neuen Betriebs bekommen haben, sollten Sie mit der Kündigung so lange warten, bis Sie den neuen Arbeitsvertrag unterschrieben haben. Danach können Sie fristgerecht Ihre alte Position kündigen.

Nichtsdestotrotz ist es eine Selbstverständlichkeit, dass Sie bis zum letzten Tag dort vollen Einsatz bringen. Das beinhaltet auch die mögliche Einarbeitung Ihres Nachfolgers. Auf diese Weise scheiden Sie im Guten aus der alten Stelle und hinterlassen keine verbrannte Erde.

[Bildnachweis: karrierebibel.de]
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29. Juni 2020 Tilman Schulze Autor: Tilman Schulze

Tilman Schulze arbeitet freiberuflich als Kommunikationstrainer, Coach und Mediator in Freiburg und Umgebung. Er ist Autor verschiedner Bücher.


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