Offenheit im Vorstellungsgespräch: Ups, das war zu viel!

Klasse! Nach unzähligen Bewerbungen werden Sie zum Vorstellungsgespräch eingeladen. Die erste Hürde ist genommen. Entsprechend umfangreich sollte jetzt die Vorbereitung sein. Doch wie so oft: Man kann sich perfekt auf alle Fragen oder die Selbstpräsentation vorbereiten – und mit einem einzigen Satz doch alles kaputt machen. Diagnose: Zu viel Offenheit im Vorstellungsgespräch! Der perfekte erste Eindruck – überschattet von einem einzigen Fauxpas. Grundsätzlich sind Ehrlichkeit und Authentizität in der Bewerbung richtig. Doch gilt auch hier: Die Dosis macht das Gift…

Offenheit im Vorstellungsgespräch: Ups, das war zu viel!

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Offenheit, Wahrheit oder Lügen?

Natürlich ist das kein Appell zum Lügen in der Bewerbung. Ganz im Gegenteil: Personaler sind in der Regel geübt darin, erfundene Stationen im tabellarischen Lebenslauf oder hinzugedichtete Stärken spätestens im Vorstellungsgespräch zu entlarven.

Wer dann in Stottern gerät und als Aufschneider überführt wird, hat jegliche Bewerbungschancen verspielt und muss vermutlich nicht lange auf die Bewerbungsabsage warten. Mehr noch: Wer schamlos übertreibt oder handfest betrügt, riskiert auch nach Jahren im Job eine Kündigung. Lügen bei Angaben, die für die Einstellung relevant sind (zum Beispiel Kenntnisse einer bestimmten Software), rechtfertigen teils sogar eine fristlose Kündigung. Bleiben Sie also stets bei der Wahrheit.

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Offenheit im Vorstellungsgespräch: Zu viel Ehrlichkeit schadet

Der Appell zur Wahrheit bedeutet allerdings nicht, dass Bewerber alles sagen sollten, was wahr ist. Oder anders formuliert: Wahrheit bedeutet nicht, die Hosen runterzulassen und im Vorstellungsgespräch einen Offenbarungseid zu leisten. Manche Dinge müssen Sie nicht sagen, andere sollten Sie nicht erwähnen. Weniger ist manchmal mehr – und das ohne den Verlust der Glaubwürdigkeit zu riskieren. Es geht schlicht darum, ein gesundes Mittelmaß zu finden.

Bei diesen Themen ist zu viel Offenheit im Vorstellungsgespräch sogar schädlich:

  1. Fragen zur Arbeitssuche

    Liegt zwischen zwei Anstellungen eine längere Zeitspanne oder findet sich im Lebenslauf eine Lücke, können Sie davon ausgehen, dass Personaler nachfragen. Eine ehrliche Antwort: „Ich habe bisher nur Absagen erhalten.“ Oder: „Ich wollte erst einmal eine Pause machen.“ Beide kommen aber nicht gut an. Zu ziellos und passiv. Sie wirken so wie ein Opfer der Umstände und klingen nach Resterampe, nicht nach Talent. Überlegen Sie sich im Vorfeld, wie Sie eine Lücke clever begründen: unbedingt aktiv, als Phase einer Neuorientierung! Auch wenn die Auszeit länger ausfiel als geplant, haben Sie das Beste daraus gemacht.

  2. Fragen zur Kündigung

    Egal, ob sie selbst gekündigt haben oder gekündigt wurden: Niemals, wirklich niemals sprechen Sie negativ über bisherige Arbeitgeber. Erstens ist das unprofessionell alte Rechnungen zu begleichen; zweitens bleibt von dem Dreck immer etwas am Werfer hängen. Kein Personaler weiß, ob die Geschichte stimmt. Und so bleibt im Raum, dass Sie vielleicht doch aus eigenem Verschulden rausgeflogen sind und jetzt nicht einmal die Verantwortung dafür übernehmen (muss nicht so sein – könnte aber). Die diplomatische Antwort ist die bessere: „Ich hatte in meiner bisherigen Position zunehmend das Gefühl, unter meinen Möglichkeiten zu bleiben. Auch wenn das Arbeitsklima mir dort enorm zugesagt hat, spürte ich, dort an Grenzen zu stoßen. Es wurde also Zeit für eine berufliche Neuorientierung.“ Mehr Antworten finden Sie HIER.)

  3. Fragen zu Ihrem Privatleben

    Indiskrete Fragen sind zwar ohnehin verboten, Personalern stellen sie aber trotzdem. Insbesondere Fragen zur Familienplanung. In dem Fall dürfen Sie lügen, selbst wenn Sie schwanger sind. Auch der baldige Kinderwunsch geht den Arbeitgeber in spe nichts an. Gleiches gilt für Fragen zur Religion oder Ihren Vermögensverhältnissen.

Wie können wir Sie am besten erreichen?“

„Mit Intelligenz und Humor.“

„Wir melden uns.“


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Zu viel Offenheit: Das bitte NIE sagen!

Und dann gibt es die Kategorie „Peinliche Patzer im Jobinterview„. Diese haben ihre Ursache in zu viel Offenheit und einer zu locker sitzenden Zunge. Manchmal ist es aber auch schlechte Vorbereitung gepaart mit einem Schuss Naivität. Bewerber sabotieren sich damit selbst – teilweise auch endgültig. Lachen Sie nicht: Die folgenden Sätze – das wissen wir aus Gesprächen mit Personalern – fallen tatsächlich in Bewerbungsgesprächen…

🚫 Entschuldigen Sie die Verspätung. Ich konnte nicht anrufen, mein Akku ist leer.

Eine fadenscheinige Ausrede. Zu einem Vorstellungsgespräch sollten Sie grundsätzlich pünktlich erscheinen. Bleiben Sie – trotz Planung und Zeitpuffer – im Stau oder wegen einer Zugstörung stecken, müssen Sie das Unternehmen umgehend informieren. Ein geladener Smartphone-Akku gehört zur professionellen Vorbereitung ebenso wie die rechtzeitige Anreise.

🚫 Ihr Unternehmen war gar nicht so einfach zu finden.

Diese Aussage enthält gleich zwei schädliche Botschaften: Ganz offenbar, hat sich der Bewerber nicht gut vorbereitet und die Strecke nicht mal auf Google Maps angeschaut, obwohl das kinderleicht ist. Zweitens, will hier jemand einen Pfadfinder-Einsatz gewürdigt wissen. Das Problem: Der Weg zur Arbeit ist keine Leistung, sondern eine Selbstverständlichkeit.

🚫 Das steht doch in meinem Lebenslauf!

Personaler fragen schon mal nach Informationen, die bereits im Lebenslauf stehen. Und ja, manche sind schlecht vorbereitet. Es könnte aber genauso ein Test sein, um Widersprüche im Lebenslauf zu checken. Weil Sie nicht wissen, was dahinter steckt, ist die Entrüstung hier definitiv fehl am Platz. So mancher Personaler klopft mit der scheinbar tüdeligen Frage die Fakten ab und sieht sich Ihre Reaktion und Ihr Auftreten genau an. Womöglich reagieren Sie bei Vorgesetzten, Kollegen oder Kunden später genauso…

🚫 Ich habe nur 30 Minuten Zeit.

Ungelogen: Mit einem solchen Satz steigt tatsächlich mancher Bewerber ins Vorstellungsgespräch ein. Glück für ihn: In den meisten Fällen endet das Gespräch schon nach 5 Minuten – teils direkt danach.

🚫 Darüber muss ich nachdenken, damit habe ich gar nicht gerechnet.

Es ist völlig legitim, bei anspruchsvollen Fragen kurz nachzudenken oder um Bedenkzeit zu bitten. Der zweite Teil der Aussage schadet dem Kandidaten. Statt zu sagen: „spannende, komplexe Frage, darüber muss ich kurz nachdenken“, bringt der Bewerber zum Ausdruck, dass er oder sie sich auf Standards vorbereitet hat. Spontanität und Authentizität: Fehlanzeige. Kein gutes Signal an Personaler.

🚫 Mittel- bis langfristig möchte ich mich selbstständig machen.

Wenn es in dem Bewerbungsgespräch um einen befristeten Arbeitsplatz geht, ist das nicht weiter problematisch. Bei einer möglichen Festanstellung aber disqualifizieren sich Bewerber damit. Wer heiratet schon einen Partner, der noch vor dem Altar ankündigt, sich bald wieder scheiden zu lassen?

🚫 In zwei Monaten habe ich einen 3-wöchigen Urlaub geplant. Den muss ich antreten.

Noch nicht einen Tag im neuen Job, aber schon an den Urlaub denken? Wahrer Einsatz und Leidenschaft sehen anders aus. Klar, ist es finanziell unglücklich, den geplanten Kurzurlaub verfallen zu lassen. Aber Sie haben sich ja selber parallel beworben. In dem Fall wäre es vielleicht klug, rechtzeitig eine Reiserücktrittversicherung abzuschließen und den Urlaub zu verschieben. Wenn Sie den Job in der Tasche haben, können Sie noch auf Kulanz hoffen. Aber noch vor dem Jobeinstieg kann der Arbeitgeber – zu Recht – erwarten, dass Sie sich erst einmal einbringen und beweisen wollen.

🚫 Wieso ich mich bei Ihnen bewerbe? Na, Sie hatten eine freie Stelle…

Ehrlich – aber tödlich. Der Satz macht den Arbeitgeber beliebig und austauschbar – nicht zu Ihrer ersten Liebe. Es ist ein vergiftetes Kompliment – so wie: „Klar liebe ich dich, es gibt ja keine andere…“ Na, Danke! Wenn der Personaler nach Ihrer Motivation fragt, interessiert er sich für Ihr Interesse am Unternehmen oder den Herausforderungen des Jobs. Niemand mag eine Notlösung sein.

🚫 Können Sie Ihre Fragen etwas klarer formulieren?

Auf den ersten Blick eine völlig legitime Rückfrage. Was drückt sich der Personalentscheider auch so kompliziert aus?! Der Ton macht aber die Musik: Eine höfliche Formulierung wäre: „Die Frage habe ich leider nicht verstanden, könnten Sie mir nochmal auf die Sprünge helfen?“ Der Trick ist, den unterschwelligen Vorwurf („Du hast nicht gut formuliert!“) als eigene Schwäche darzustellen. Doppelter Vorteil: Die charmante Retoure macht Sie sympathischer und souveräner. Wer sich selbst erniedrigt, erhöht sich in Wahrheit.

🚫 Übernehmen Sie eigentlich die Fahrtkosten?

Kaum zu glauben: Es gibt Bewerber, die diese Frage erst im Bewerbungsgespräch stellen. Sicher, gute Arbeitgeber zahlen die Fahrtkosten von sich aus. Aber Profis fragen so etwas VOR dem Termin oder klären das hinterher mit der Personalabteilung per Mail. Im Gespräch selbst wirkt es erschreckend kleinkrämerisch und auch falsch fokussiert: Da bewirbt sich jemand auf seinen Traumjob – und hat doch nur die Reisekosten im Kopf.

🚫 Wie lange muss ich jeden Tag arbeiten?

Jetzt vermutlich keinen Tag mehr. Jedenfalls nicht hier. Auch bei diesem Satz schwingen zwei falsche Subbotschaften mit. Die erste: Sie denken, Sie MÜSSEN hier arbeiten. Zurecht gehen Personaler aber davon aus, dass Sie hier arbeiten WOLLEN. Die zweite: Offenbar möchten Sie nicht mehr arbeiten als nötig. Motivation und Engagement klingen anders. Fragen Sie lieber nach Arbeitszeitmodellen oder Gleitzeiten. Das ist legitim – und wirkt auch gleich ganz anders.

🚫 Mein Hobby nimmt mich an 3 Abenden pro Woche in Beschlag. Das ist doch kein Problem?

Gewiss, was Sie in Ihrer Freizeit machen, ist ganz allein Ihr Ding. Aber hier verraten Sie unterschwellig Prioritäten: Hobby und Ehrenamt gehen vor Job. Das kann die Wahrheit sein, nur sagen darf man das niemals. Welcher Arbeitgeber will schon die zweite Geige spielen und dann auch noch anderer Leute Hobbys finanzieren?

🚫 Ich habe keine Schwächen, nur Entwicklungspotenzial.

Die Frage nach den Schwächen… ein Klassiker. Selbstbewusstes Auftreten im Vorstellungsgespräch bringt zwar Pluspunkte. Aber der Grat ist schmal. Links und rechst liegen „Arroganzreich“ und „Überheblichland“. Wer eigene Schwächen nicht reflektiert und durch platte Sprüche übertünchen will, hinterlässt damit keinen positiven Eindruck. Geben Sie lieber eine für den Job unwichtige Schwäche zu und sagen Sie, wie Sie daran arbeiten. Mehr Offenheit braucht es nicht.

🚫 Sie brauchen gar nicht mehr weitersuchen, ich bin der Beste für den Job.

Eine selbstbewusste Ansage. Wenn Sie diese mit Fakten und Leistungen untermauern können, gehört der Job Ihnen. Aber auch nur dann.

🚫 In fünf Jahren will ich auf Ihrem Stuhl sitzen.

Noch so eine Standardfrage, wo man in fünf Jahren stehen will. Davon gibt es viele Varianten. Daher exemplarisch für diese: Standardantworten, wie sie manche Ratgeber verbreiten, kennen auch Personaler – und sind davon eher abgetörnt. Antworten Sie lieber mit einem klaren Ziel, was Sie in den nächsten Jahren auf dieser Position (!) bewirken wollen.

🚫 Bei Problemen frage ich immer zuerst meinen Vorgesetzten.

Klingt gut, ist es aber nicht. Wenn Sie bei jedem Problem sofort zum Chef rennen, wird der bald genervt sein. Außerdem übergehen Sie damit Ihre Kollegen – nicht gerade ein Zeichen von Teamfähigkeit. Besonders selbstständig klingt es auch nicht.

🚫 Ich werde alle Vorgaben vollständig erfüllen.

Ein nettes Versprechen. Aber ist das nicht selbstverständlich? Das Gegenteil wäre die Nachricht: „Ich werde Vorgaben NICHT erfüllen.“ Originell, aber natürlich ein Grund zur Kündigung. Wer indes Selbstverständliches betont, macht sich verdächtig. Entweder handelt es sich bei dem Kandidaten um jemanden, der nur seine Pflicht tut – und keinen Handgriff extra. Oder aber es handelt sich um jemanden, den man zum Jagen tragen muss, Motto: „Wenn man mir nicht sagt, was ich tun soll, dann tue ich auch nix.“

🚫 Ich habe in den kommenden Tagen noch weitere Vorstellungsgespräche.

Auf Nachfrage ist die ehrliche Aussage absolut in Ordnung. Arbeitgeber müssen heute davon ausgehen, dass die Talente und Fachkräfte auch von anderen umworben werden. Aber unaufgefordert wirkt der Satz leider nur nach einem taktischen Manöver, um sich interessanter zu machen. Doof, wenn dann auf Nachfragen nichts kommt oder Sie schon nach zwei Wochen durchklingeln, ob Sie den Job haben können… Die latente Nötigung macht zudem nicht glaubwürdiger: Schließlich haben Sie doch gerade erklärt, warum Sie HIER arbeiten wollen?!

🚫 Überstunden sind für mich kein Problem. Je mehr, desto besser.

Es gibt – leider – immer noch Bewerber, die mit solchen Aussagen punkten wollen. Tatsächlich erreichen sie damit das genaue Gegenteil: Der Kandidat zeigt so, dass er keine Grenzen kennt, mit sich alles machen lässt und seine Burnout-Gefahr überdurchschnittlich hoch ist. Außerdem ist es viel zu devot!

🚫 Nein, ich habe keine Fragen mehr.

Riesenfehler! Sie wollen die nächsten Jahre bei einem Unternehmen arbeiten und haben keine Rückfragen an den Personaler??? Es kann zwar sein, dass Ihre wichtigsten Fragen im Gespräch beantwortet wurden. Dann müssen Sie das aber auch deutlich machen. Ansonsten haben Sie bitte immer Fragen – unbedingt – mindestens sowas wie: „Wie würden Sie Ihre Unternehmenskultur beschreiben?“ Oder: „Wann denken Sie, werden Sie eine Entscheidung treffen?“

[Bildnachweis: Doppelganger4 by Shutterstock.com]

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