Kündigungstag: Montags wird am meisten gekündigt

Für viele ist Montag kein guter Tag: Das Wochenende ist vorbei, und die Arbeit beginnt wieder. Dabei müssten sie noch froh darüber sein. Denn für manche ist Montag zugleich der letzte Arbeitstag – an keinem anderen Wochentag wird mehr gekündigt. Zu diesem Ergebnis kommt die Wirtschaftskanzlei Heisse Kursawe Eversheds, die dazu 512 Kündigungsverfahren ausgewertet hat zu denen sie selbst von 380 Unternehmen beauftragt wurde…

Kündigungstag: Montags wird am meisten gekündigt

Entlassungen: Nur schriftlich gültig

Interessant war auch die Verteilung der Kündigungsgründe:

  • 70 Prozent waren betriebsbedingte Kündigungen (zum Beispiel bei Insolvenz, Restrukturierung und Betriebsverlagerung, …)
  • 20 Prozent verhaltensbedingte Kündigungen (zum Beispiel wegen Leistungsmängeln, vertragswidrigen Verhaltens oder ungenehmigter Nebentätigkeit, …)
  • 10 Prozent sonstige Gründe (etwa wiederholte Kurzkrankheit, Arbeitsunfähigkeit, Alkohol- oder Drogenproblemen, Störung des Betriebsfriedens, Beleidigung, tätlicher Angriff, Diebstahls oder Betriebsspionage)

Über die Woche verteilt sah das Ergebnis der Studie übrigens so aus:

An welchen Tagen wurden wie viele Kündigungen ausgesprochen?

  • Montag: rund 30 Prozent
  • Dienstag: rund 8 Prozent
  • Mittwoch: rund 28 Prozent
  • Donnerstag: rund 15 Prozent
  • Freitag: rund 12 Prozent
  • Samstag: rund 7 Prozent

Spricht der Arbeitgeber eine Kündigung aus, ist das für die Betroffenen bitter – egal, an welchem Tag. Werden aber juristische Fehler gemacht, kann und sollte der Arbeitnehmer die Kündigung anfechten.

Wer etwa eine schriftliche Kündigung erhält – und nur diese gilt! –, hat drei Wochen Zeit, beim Arbeitsgericht Widerspruch einzulegen. Wer einen Arbeitsrechtsprozess gewinnt, wird zwar selten auf seinen alten Arbeitsplatz zurückkehren, das Verhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber wird dadurch ja nicht gerade besser. Doch der Jobverlust wird meist finanziell etwas besser abgemildert.

Die Kündigung muss zudem immer ein dazu Berechtigter unterschreiben – in größeren Unternehmen der Leiter der Personalabteilung, in kleineren in der Regel der Chef. Ist das nicht der Fall, ist die Kündigung formal unwirksam.

Falls vorhanden, muss das Unternehmen auch den Betriebsrat einschalten und ihm die Gründe für die Entlassung mitteilen. Hat der Bedenken gegen den Rausschmiss, ist der Arbeitgeber verpflichtet, den Arbeitnehmer bis zu einer Entscheidung des Arbeitsgerichts weiterzubeschäftigen. Das Gehalt wird dann natürlich auch weitergezahlt.

Betriebsbedingte Kündigung

Ob eine betriebsbedingte Kündigung gerechtfertigt ist, dürfen Gerichte zwar nur eingeschränkt prüfen. Dafür können sie aber begutachten, ob die Gründe stimmen, die zum geringeren Arbeitsbedarf geführt haben.

Die schlechte wirtschaftliche Lage reicht nicht: Der Unternehmer muss konkret erläutern, wie sich der Auftragsrückgang auf die Arbeitsmenge auswirkt und wie viele Arbeitskräfte überflüssig werden – im gesamten Unternehmen. Deshalb ist eine solche Kündigung unwirksam, wenn überzählige Arbeitnehmer an anderer Stelle weiterbeschäftigt werden könnten.

Warum aber wird vor allem an einem Montag gekündigt?

Die Anwälte vermuten hier zwei Gründe:

  1. Fairness

    Wann will dem Ex-Arbeitnehmer in spe nicht noch das Wochenende versauen.

  2. Strategie

    Wahrscheinlicher aber ist, dass der Arbeitgeber so vermeiden will, dass der Betriebsrat noch übers Wochenende eingeschaltet wird und sich dann wesentlich intensiver mit der Kündigung und deren Begründung beschäftigen kann als am Wochenbeginn, wo noch reguläre Arbeit wartet.

[Bildnachweis: AeChan by Shutterstock.com]
22. Juni 2014 Autor: Jochen Mai

Jochen Mai ist Gründer und Chefredakteur der Karrierebibel. Er doziert an der TH Köln über Social Media Marketing und ist gefragter Keynote-Speaker. Zuvor war der Diplom-Volkswirt als Journalist tätig - davon 13 Jahre als Ressortleiter der WirtschaftsWoche.

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