Ruhetag: Warum er so wichtig ist

Schon der Begriff klingt für viele wie ein Relikt aus alter Zeit: Ruhetag. Wer kann sich heutzutage schon 24 Stunden am Stück ausklinken – in Zeiten von Chef-Anrufen, Kollegen-Mails und Facebook-Bombardements? Und überhaupt: Auch Samstage und Sonntage sind längst zu reinen Platzhaltern für allerlei Termine und Verpflichtungen mutiert. Doch genau das sollte man bisweilen tun: Zeit freischaufeln. Ruhetag: Darum ist er so wichtig…

Ruhetag: Warum er so wichtig ist

Ruhetag: Friseur, Restaurant, Arzt

Ein bekanntes Szenario: Die Haare wuchern, die Mähne muss so schnell wie möglich runter. Also Handy zur Hand, Nummer vom Friseur gewählt: Hallo, noch Termine frei? Doch oh Schreck, montags hat das Haarstudio Hairlich leider geschlossen. Ruhetag!

Dass Ruhetage bei der Kundschaft eher unbeliebt sind, lässt sich gefahrlos behaupten. Sie schränken gewissermaßen die Wahlfreiheit ein, reduzieren Optionen, erschweren die logistische Wochenplanung. Und merken kann und will man sich auch nicht, wann der Hausarzt oder der Lieblingsitaliener seine Türen verschlossen hält.

Für die Unternehmen bedeuten Ruhetage zunächst: keine Einnahmen. Dafür blinkt auf der Habenseite etwas ganz Wundervolles auf. Zeit! Freie Zeit, die man nutzen oder einfach verplempern kann.

Ruhetage sind im Übrigen nicht nur für Ärzte, Friseure, Café- oder Restaurantbesitzer wichtig. Jeder Angestellte, Selbstständige, Freiberufler sollte sich (mindestens) einen Tag Auszeit von der Arbeit pro Woche gönnen. Aus folgenden Gründen …

Ruhetag: 3 Gründe, warum er so wichtig ist

  1. Stressabbau

    Sechs von zehn Menschen in Deutschland fühlen sich gestresst – beruflich oder privat. 23 Prozent sagen sogar, sie seien häufig gestresst. Vor drei Jahren lag dieser Wert noch bei 20 Prozent. Das ist das Ergebnis der TK-Stressstudie 2016. Demnach sind weitere 38 Prozent manchmal gestresst, 26 Prozent nur selten, 14 Prozent fühlen sich sogar nie gestresst.

    Das Stressniveau steigt dabei mit dem Bildungsgrad – und dem Einkommen. So geben 70 Prozent der Besserverdiener mit einem Einkommen zwischen 3.000 und 4.000 Euro an, regelmäßig Druck und Anspannung zu verspüren.

    Folgen: Die Anfälligkeit für Krankheiten – körperliche wie psychische – ist erhöht. Von den Befragten, die ihren Gesundheitszustand als weniger gut oder schlecht bezeichnen, ist fast jeder Dritte häufig im Stress. Stress, so der TK-Report, korreliert „in hohem Maße mit psychischer Gesundheit.“

    Besonders hoch ist der Stresspegel für Menschen, die im Job immer und ständig erreichbar sein müssen. 36 Prozent von ihnen fühlen sich häufig unter Strom, 40 Prozent manchmal. Daneben werden von den Befragten auch diese Stressursachen häufig genannt: Zu viele Termine und Verpflichtungen, Informationsüberflutung, Lärm.

    Wie kommt man raus aus der Stressfalle? Für 70 Prozent sind Hobbys ein Ventil, 68 Prozent bevorzugen das gepflegte Nichtstun und faulenzen auf der Couch. Am Ruhetag ist sowohl für das eine als auch das andere Zeit.

    Zu den beliebtesten Anti-Stress-Maßahmen zählen laut TK-Befragung unter anderem:


  2. Bewegung

    Auch Sitzarbeiter haben mitunter das Bedürfnis, den Sonntag ganztägig im Bett oder auf dem Sofa zu verbringen – obwohl sie werktags schon von morgens bis abends auf dem Drehstuhl Platz genommen haben. Aber: Ein beruflicher Ruhetag gibt Ihnen die Möglichkeit, die müden Glieder endlich wieder in Schwung zu bringen – und Krankheiten effektiv abzuwimmeln.

    Das Gute ist: Ein einziger aktiver Tag pro Woche reicht dafür völlig aus!

    Eine aktuelle Studie der Loughborough University und der Universität Sydney kommt zu dem Ergebnis, dass EIN Wochenend-Workout genügt, um Ihr Leben entscheidend zu verlängern. Die Studie stützt sich auf eine Umfrage unter 64.000 Menschen in England und Schottland im Alter von über 40 Jahren.

    So hätten die Weekend-Warriors ein wesentlich geringeres Risiko, an Herzerkrankungen und Krebs zu sterben als die völlig Inaktiven. Ihr Risiko für Herzerkrankungen ist demnach um 41 Prozent reduziert, das für Krebs um 18 Prozent – so lange sie die empfohlene Dauer von 150 Minuten Sport pro Woche schaffen. Wer dieses Pensum hingegen an drei oder mehr Tagen pro Woche erfüllt, verringert sein Risiko um 41 Prozent respektive 21 Prozent.

    Aber selbst die Bewegungsfaulen, die UNTER dem empfohlenen Pensum bleiben, profitieren. Ihr Risko verringert sich im Vergleich zu den völlig Regungslosen um immer noch signifikante 37 Prozent beziehungsweise 14 Prozent.

    Bedeutet: Selbst bescheidene 30 Minuten Nordic Walking, Laufen oder Radfahren pro Woche – am Ruhetag – wirken sich äußerst positiv auf die Gesundheit aus.

    Die Quintessenz also nochmal: Wer sein sportliches Wochenpensum in einen einzigen Tag pakt, hat – laut Studie – kaum bis gar keine Nachteile gegenüber denjenigen, die jeden Tag eine halbe Stunde um den See joggen.

    Gute Gründe also, seinen wöchentlichen Ruhetag zu einem Bewegungstag zu machen.


  3. Schlaf

    Bewegung ist gut, ein Trip ins Lummerland aber auch. Denn Schlaflosigkeit, Schlafmangel, Schlafentzug sind – ohne jede Übertreibung – echte Killer.

    Keine schlechte Idee deshalb: Einen Ruhetag einlegen, um ihn gepflegt zu verpennen. Lange ausschlafen, ein Mittagsschläfchen hier, ein Powernap dort – all die dösigen Dinge, die man im stressigen Alltag oft nur schwer verwirklichen kann.

    Und auch Ihr Arbeitgeber sollte sich bei Ihnen bedanken, wenn sie mal so richtig ausspannen – gerne auch in der Hängematte im Garten oder auf dem Strandtuch im Freibad. Laut Analyse des US-Think Tanks RAND verliert die deutsche Wirtschaft alleine durch Schlafmangel ein Äquivalent von 209.000 Arbeitstagen im Jahr.

    Der US-Wirtschaft gehen demnach sogar 1,23 Millionen Arbeitstage verloren, der japanischen 604.000, Großbritannien 207.000. Für die USA ergibt sich nach RAND-Berechnungen ein ökonomischer Verlust von bis zu 411 Milliarden Dollar im Jahr – das sind 1,56 bis 2,28 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für Japan beträgt der Wert sogar 1,86 bis 2,92 Prozent des BIP. Deutschland verliert demnach 1,02 bis 1,56 Prozent seines Bruttonlandsproduktes an die Schlaflosigkeit: 57 Milliarden Euro.

    Für Arbeitnehmer aber dürften die gesundheitlichen Vorzüge der Nachtruhe im Vordergrund stehen. Erst im November 2016 hat das Londoner King’s College in einer Meta-Studie die alte Annahme bestätigt, dass Schlafmangel dick macht. Konkret: Schlaflose nehmen am Folgetag deutlich mehr Kalorien auf. Vor allem nehmen sie mehr Fette, dafür aber weniger Proteine zu sich, die Menge an Kohlenhydraten bleibt ungefähr gleich.

    Daher auch ein guter Rat für den Ruhetag: Einfach mal ausschlafen.


[Bildnachweis: bikeriderlondon by Shutterstock.com]
15. Januar 2017 Autor: Sebastian Wolking

Sebastian Wolking ist Redakteur der Karrierebibel. Er hat Geschichte, Politikwissenschaften und Germanistik studiert und als Online-Redakteur gearbeitet. Sein Interesse gilt den Veränderungen des Arbeitsmarktes durch die digitale Revolution.

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