Fünftelregelung: Abfindungen richtig versteuern

Möchte sich ein Arbeitgeber von einem seiner Mitarbeiter trennen, kommt häufig eine Abfindung infrage. Aber auch von dieser Extrazahlung will das deutsche Finanzamt etwas abhaben. Mit der Fünftelregelung haben Sie allerdings eine Möglichkeit, dass die Abzüge nicht allzu hoch sind. Sie kann – klug angewendet – dazu führen, dass die Steuerlast gemindert wird und der Steuerzahler für seine Abfindung weniger Steuern zahlen muss. Wie das geht und was Sie neben der Fünftelregelung noch tun können, um bestmöglich von Ihrer Abfindung zu profitieren, erfahren Sie hier…

Fünftelregelung: Abfindungen richtig versteuern

Was versteht man unter der Fünftelregelung?

Manchmal führen betriebliche Umstrukturierungen dazu, dass Unternehmen sich von ihren Mitarbeitern trennen. Als Ausgleich wird für den Arbeitnehmer eine Abfindung vereinbart.

Wird die sogenannte Fünftelregelung angewendet, können Arbeitnehmer bei Erhalt einer Abfindung Steuern sparen. Die Steuerprogression bewirkt nämlich, dass bei steigendem Einkommen oder Vermögen auch der Steuersatz daran angepasst steigt. Die Fünftelregelung senkt die Steuerlast, indem der Effekt der Steuerprogression gebremst wird.

Rein rechnerisch wird die Abfindung auf fünf Jahre verteilt. Würde die Abfindung komplett statt nur zu einem Fünftel zu dem Einkommen hinzu gerechnet werden, könnte unter Umständen der Steuersatz steigen. Wird dagegen nur ein Teil der Abfindung im jeweiligen Kalenderjahr versteuert, wirkt sich das steuertechnisch positiv aus.

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Außerordentliche Einkünfte werden besteuert

Eine Abfindung zählt aus steuerlicher Sicht zu den außerordentlichen Einkünften – und davon möchte der Fiskus etwas abhaben. Von außerordentlichen Einkünften spricht man dann, wenn die Einkünfte über mehrere Jahre erwirtschaftet, aber in einem Kalenderjahr ausgezahlt werden und damit in das Veranlagungsjahr fallen.

Nach Paragraph § 34 Einkommenssteuergesetz (EStG) können Steuerzahler in diesem Fall von einer Steuerermäßigung profitieren. Die genauen Vorschriften dazu finden sich in dem Paragraphen § 24 1a EStG. Seit 2001 brauchen Arbeitnehmer keinen Antrag mehr zu stellen, vielmehr prüft das Finanzamt automatisch, die Fünftelregelung für Sie günstiger ist oder Sie doch normal besteuert werden.

Arbeitnehmer, die vor 2003 eine Abfindungszahlung erhalten haben, mussten diese überhaupt nicht versteuern. Zwischen 2003 und Ende 2005 galten besondere Übergangsregelungen.

Seit dem 1. Januar 2006 müssen Abfindungen komplett versteuert werden. Allerdings fallen keine Sozialversicherungsbeiträge an, da die Abfindung kein Arbeitsentgelt darstellt, sondern als Ausgleich für den Verdienstausfall nach Ausscheiden aus dem Unternehmen gewertet wird.

Damit entfallen:

  • Arbeitslosenversicherung
  • Krankenversicherung
  • Pflegeversicherung
  • Rentenversicherung
  • Unfallversicherung

Lediglich ehemalige Mitarbeiter, die freiwillig krankenversichert sind, müssen zusätzliche Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung aufgrund der Abfindung abführen.

Übrigens: Wer vom Arbeitgeber nach der Fünftelregelung besteuert wird, ist zur Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.

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So funktioniert die Fünftelregelung

Soll die Fünftelregelung angewendet werden, wird zunächst die Abfindung durch fünf dividiert und danach zum Jahresgehalt hinzugerechnet. Dieses Gesamteinkommen wird dann komplett versteuert.

Danach wird die zu zahlende Lohnsteuer für das Jahreseinkommen ohne Abfindung berechnet und mit dem ersten Wert verglichen. Die Differenz der beiden Werte wird mit fünf multipliziert und ergibt damit die Einkommenssteuer, die für die Abfindung zu zahlen ist. Mit anderen Worten: Mit der Fünftelregelung bleibt mehr Netto vom Brutto.

Nehmen wir das Beispiel eines Mannes Mitte 40, der unverheiratet (Steuerklasse I) und kinderlos ist. Pro Monat verdient er 3.000 Euro. Zum März des Jahres wird er entlassen und einigt sich mit seinem ehemaligen Arbeitgeber auf eine Abfindung in Höhe von 30.000 Euro.

Einkünfte 36.000,00 Euro
Abfindung (zu einem Fünftel): 6.000,00 Euro
Gesamteinkommen, das versteuert werden muss: 42.000,00 Euro
zu zahlende Steuer: 9.156 Euro
ohne Abfindung ergibt sich ein Wert von: 7.095 Euro
Die Differenz aus beiden Beträgen: 2.061 Euro


Die Differenz aus beiden Beträgen wird nun mit fünf multipliziert und ergibt die Einkommenssteuer, die für die komplette Abfindung zu zahlen ist. In unserem Fall also 10.305 Euro.

Steuerzahler, die in ein relativ niedriges zu versteuerndes Einkommen haben, profitieren eher von dieser Regelung als Arbeitnehmer, die einen hohen Steuersatz haben. Bei den Erstgenannten könnte die Abfindung in der vollen Höhe dazu führen, dass sie einen deutlich höheren Steuersatz zahlen müssten.

Wer hingegen ohnehin bereits den Spitzensteuersatz zahlt, hat durch die Fünftelregelung keine Vorteile. Ganz gleich, ob der Betrag auf ein Jahr fällt oder über fünf Jahre verteilt wird, ändert das nichts am Steuersatz.

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Wann ist die Fünftelregelung anwendbar?

Von den steuerlichen Vorteilen der Fünftelregelung können Steuerzahler unter bestimmten Voraussetzungen profitieren:

  • Sie bekommen eine Abfindung als Ausgleich für eine Kündigung.
  • Sie strengen keine Kündigungsschutzklage gegen die Kündigung an.
  • Der Arbeitgeber hat das Arbeitsverhältnis gekündigt.
  • Die Abfindung ist eine Einmalzahlung.
  • Die Einmalzahlung wird als außerordentliche Einkunft verbucht.

Übrigens: Im Falle einer Kündigung haben Arbeitnehmer nicht automatisch einen Anspruch auf eine Abfindung. Ob und in welcher Höhe sie eine Abfindung erhalten, hängt von dem Verhandlungsgeschick des Arbeitnehmers oder einem Gerichtsurteil ab.

Die Abfindung wird in der Regel gezahlt, um den Arbeitnehmer für den Verlust des Arbeitsplatzes (und damit einhergehenden Gehaltseinbußen) zu entschädigen und kann daher auch für einen Aufhebungsvertrag gezahlt werden.

Wann kann die Regelung nicht angewandt werden?

Die Fünftelregelung ist eine Möglichkeit für den Steuerzahler, ein paar Euros zu sparen. Es gibt allerdings Fälle, in denen Sie sie nicht anwenden können:

  • Die Abfindung steht von vornherein fest

    Gibt es im Arbeitsvertrag einen Passus, der eine Abfindung bei Entlassung garantiert, kann die Fünftelregelung nicht angewandt werden. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichts München (Az. 16 K 4486/97) hervor.

  • Die Abfindung ist keine im eigentlichen Sinne

    So beispielsweise, wenn der Betrag zum Ende des Arbeitsverhältnisses gezahlt wird, aber ein Ausgleich für bereits erbrachte Arbeitsleistung (zum Beispiel ein Ausgleich des Gleitzeitkontos) oder Bonuszahlungen ist.

  • Der Arbeitnehmer verbleibt im Unternehmen

    Wechselt der Arbeitnehmer lediglich seine Postion im Unternehmen oder wird er an einen anderen Standort versetzt, rechtfertigt das ebenfalls nicht die Anwendung der Fünftelregelung. Das ursprüngliche Arbeitsverhältnis bleibt in diesen Fällen nämlich weiterhin bestehen. Daher gibt es keinen Grund für eine Abfindung im Sinne der Regelung.

  • Es erfolgt keine Zusammenballung von Einkünften

    Das ist erst der Fall, wenn die Einkünfte inklusive Abfindung höher als die Einkünfte beim Verblieb im Unternehmen sind. In unserem obigen Beispiel fände die Fünftelregelung Anwendung, denn bis März hätte der Arbeitnehmer 9.000 Euro brutto verdient. Zuzüglich der 30.000 Euro Abfindung kommt er auf 39.000 Euro, während sein Bruttojahresgehalt bei 36.000 Euro liegt – eine Zusammenballung ist somit gegeben.

Etwas schwieriger verhält sich die Frage nach der steuerlichen Vergünstigungen, wenn Sie selbst gekündigt haben. Normalerweise greift die Fünftelregelung dann nicht, denn Sie haben aus eigenem Antrieb den Arbeitsvertrag aufgelöst und grundsätzlich ist der Arbeitgeber nicht dazu verpflichtet, eine Abfindung zu zahlen.

Er kann allerdings gemäß § 628 BGB dazu verpflichtet sein, wenn der Arbeitnehmer eine berechtigte fristlose Kündigung ausgesprochen hat. Dieser besondere Fall der Eigenkündigung tritt bei besonderen Ereignissen wie beispielsweise Mobbing ein.

Allerdings gibt es keine allgemeingültigen Definitionen zu solchen Fällen, daher wird einzelfallspezifisch vom Bundesfinanzhof entschieden. Für genauere Informationen sollten Sie die Hilfe eines Anwaltes für Steuerrecht oder Steuerberaters in Anspruch nehmen.

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Alternative: Abfindung fürs Alter anlegen

Statt sich die Abfindung auszahlen zu lassen, können Arbeitnehmer auch einen Teil ihrer Abfindung in die betriebliche Altersvorsorge investieren. Für Arbeitnehmer ist wichtig, sich für die individuell geeignete Form der Altersvorsorge zu entscheiden –denn nicht alle sind gleichermaßen steuerlich sinnvoll.

Zu dieser Art der Vorsorge gehören Pensionskassen, Pensionsfonds und Direktversicherungen, die im Kapitaldeckungsverfahren angelegt werden.

Außerdem sollten Arbeitnehmer bei der Wahl zwischen der sofortigen Auszahlung der Abfindung und der Anlage in eine Altersvorsorge immer das Betriebsrentenstärkungsgesetz im Hinterkopf behalten. Seit Januar 2018 ist dieses Gesetz in Kraft und soll dafür sorgen, dass mehr Arbeitnehmer eine betriebliche Altersvorsorge abschließen.

Allerdings geht das auch mit Änderungen der bisherigen Verhältnisse einher: Durften bis Ende 2017 die Arbeitgeber ihren Beschäftigten noch Mindest-Renten oder andere Sonderleistungen garantieren, geht das nun nicht mehr. Einzig die Zahlung der Rentenbeiträge wird nun noch garantiert.

Weitere Möglichkeit: Abfindung im Folgejahr auszahlen lassen

Wird die Kündigung gegen Ende des Kalenderjahres ausgesprochen und ist kein neuer Job unmittelbar in Sicht, kann sich noch ein weiterer Kniff lohnen: Die Abfindung kann auf Antrag auch erst im Folgejahr ausgezahlt werden. Das lohnt sich besonders dann, wenn das Einkommen im Folgejahr geringer ausfallen wird, als im vergangenen Jahr. Wird dann noch die Fünftelregelung zusätzlich angewendet, kann der ehemalige Mitarbeiter doppelt von der Steuererleichterung profitieren.

Wenn Arbeitnehmer einen Teil ihrer Abfindung schon im laufenden Kalenderjahr bekommen möchten, ist das auch möglich. Bis zu zehn Prozent der Abfindung dürfen in das Folgejahr übertragen werden. Auch das mindert die Steuerlast ohne die Anwendung der Fünftelregelung zu riskieren.

Achtung: Wenn Sie die Abfindung in einem anderen Verhältnis als 90:10 Prozent aufsplitten, verlieren Sie ihren Anspruch.

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Wird die Fünftelregelung automatisch angewendet?

Grundsätzlich ist es die Aufgabe des Arbeitgebers (oder der Lohnbuchhaltung des Arbeitgebers), die Fünftelregelung bei Abfindungszahlungen anzuwenden. Allerdings nur dann, wenn sich für den ehemaligen Arbeitnehmer eine Steuerersparnis ergibt. Für den Fall, dass der Arbeitgeber nicht über alle Einkünfte seines Arbeitnehmers informiert ist, sollten diese die fehlenden Informationen schnell nachreichen und die Anwendung der Fünftelregelung beantragen.

Die Lohnsteuer, der Solidaritätszuschlag sowie – bei Mitgliedern einer Kirchengemeinschaft – die Kirchensteuer wird der ehemalige Arbeitgeber zurückbehalten. Arbeitnehmer sollten darauf achten, dass diese Zahlungen separat auf dem Gehaltszettel ausgewiesen werden.

Wo können Arbeitnehmer die Fünftelregelung eintragen? Eine Abfindung müssen Sie in der Anlage N im Rahmen ihrer Steuererklärung eintragen. Achtung: Abhängig davon, ob die Abfindung steuerlich begünstigt behandelt wurde oder nicht, wird der Wert in die entsprechende Zeile der Anlage eingetragen:

In Zeile 17 „Ermäßigt besteuerte Entschädigungen / Arbeitslohn für mehrere Jahre“ oder wenn vom Arbeitgeber nicht ermäßigt besteuert wurde bei „Entschädigungen / Arbeitslohn für mehrere Jahre“ in Zeile 18.

[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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22. September 2020 Anja Rassek Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der WWU in Münster. Sie arbeitete beim Bürgerfunk und einem Verlag. Hier widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.


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