Fehlertoleranz: 5 Tipps, um Fehler endlich toleranter zu sehen

Wer eine falsche Entscheidung trifft, einen Fehler macht oder scheitert, muss mit hämischen Kommentaren, negativen Rückmeldungen oder gar offenem Spott rechnen. Fehlertoleranz gleich Null. So überrascht es nicht, dass die meisten Menschen jedes Risiko vermeiden und mögliche Fehltritte verschweigen. Es braucht ein Umdenken und mehr Fehlertoleranz. Nicht nur anderen gegenüber, sondern auch sich selbst gegenüber. Durch das Akzeptieren eigener Fehler. Wir erklären, was Fehlertoleranz ausmacht, warum diese oft fehlt und was Sie tun können, um Fehlern gegenüber toleranter zu werden…

Fehlertoleranz: 5 Tipps, um Fehler endlich toleranter zu sehen

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Was ist Fehlertoleranz?

Fehlertoleranz ist die Eigenschaft und Fähigkeit eines Menschen, über die eigenen Fehler als auch über Missgeschicke und Fehlschläge anderer hinwegzusehen und diese zu tolerieren. Es ist die Akzeptanz, dass Fehler nicht grundsätzlich schlecht sind und verteufelt werden sollten – sondern dass diese vielmehr ein alltäglicher Teil des Lebens sind.

Verwandt mit der Fehlertoleranz sind Nachsicht, Geduld, Empathie und auch Risikobereitschaft. Wer Fehler tolerieren kann, ist bereit, eher ein Risiko einzugehen und sich der Gefahr eines Rückschlags auszusetzen. In der Technik wird Fehlertoleranz zudem als Eigenschaft von Systemen bezeichnet, trotz Fehlern in der Eingabe, der Soft- oder Hardware weiterhin zu funktionieren. In diesem Artikel widmen wir uns aber der Fähigkeit von Menschen, mit Fehlern richtig umzugehen.

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Ursachen: Warum tolerieren wir keine Fehler?

Die Entstehung von Fehlertoleranz wird durch das Umfeld und die Gesellschaft geprägt. So ist die Toleranz gegenüber Fehlern in Deutschland oft viel geringer als zum Beispiel in Amerika. Wer sich hierzulande selbstständig macht und es nicht schafft, gilt schnell als gescheitert, vielleicht sogar als Versager. In den USA hingegen wird der Versuch und der benötigte Mut hoch angerechnet. Klappt es nicht, leidet darunter nicht die Anerkennung.

So hart es klingt: Wir treten gerne diejenigen, die bereits am Boden liegen. Dahinter steht eine weitere häufige Ursache für den Mangel an Fehlertoleranz. Wir fühlen uns selbst besser, können uns über andere erheben und nutzen die Fehler anderer für unser Selbstwertgefühl. Gerade wenn man selbst für einen Fehler bereits herabwürdigende Kritik erfahren hat, wird die Möglichkeit genutzt, um andere noch weiter nach unten zu drücken und so das eigene Selbstbewusstsein wieder zu stärken.

Wie es um die Fehlertoleranz steht, zeigt die folgende Parabel eindrücklich:

Eine Parabel über Fehlertoleranz

Ein Mathe-Lehrer schreibt in seiner Stunde ein paar Aufgaben an die Tafel: 2×9=18; 3×9=27; 4×9=36; 5×9=45; 6×9=54; 7×9=63; 8×9=72; 9×9=91. Erst entsteht leises Gekicher. Dann lachen einige Schüler. Eine Schülerin meldet sich, um den Lehrer auf den offensichtlichen Fehler hinzuweisen: „9×9 ist 81, nicht 91!“, sagt sie. Jetzt merkt es auch der letzte im Raum. Alle lachen.

Der Lehrer lächelt und wartet, bis sich alle wieder beruhigt haben und still sind. Dann sagt er: „Ich habe diesen Fehler mit Absicht gemacht, um euch heute eine viel wichtigere Lektion beizubringen. Ich habe sieben von acht Aufgaben richtig gelöst und nur einen Fehler gemacht. Statt sich mit mir über die Erfolge zu freuen, haben alle über den einen Fehler gelacht. Wir leben heute in einer Fehlerkultur. Sobald jemand einen Fehler macht, wird er öffentlich verspottet, gedemütigt und verletzt, nur weil sich die Person einmal irrte. Alles Richtige vorher ist vergessen. Dabei machen die meisten viel mehr richtig als falsch.“ Danach nimmt der Lehrer seine Sachen und verlässt den Klassenraum. Es bleibt noch lange still im Raum.

Das Motiv der Parabel lässt sich auf alle Bereiche übertragen. Sie können über Monate oder gar Jahre alles richtig machen – bei einem einzelnen Fehltritt wird es immer jemanden geben, der sich darauf stürzt, sich darüber lustig macht, Sie erniedrigt und böse Kommentare abgibt. Fehler sind ein typisches Beispiel für den Horn-Effekt: Ein einziges Defizit reicht aus, um viele andere positive Aspekte zu überschatten.

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Tipps für mehr Fehlertoleranz

Der falsche Umgang mit Fehlern durch einen Mangel an Fehlertoleranz bringt zahlreiche Nachteile. Allen voran trauen sich viele gar nicht mehr, einen Fehler zu machen, weil sie die Konsequenzen fürchten. Unternehmen und Führungskräfte sollten deshalb Fehlertoleranz kultivieren. Mitarbeiter leisten sonst nur noch Dienst nach Vorschrift, bringen aber keine eigenen Ideen ein und haben Angst, Verantwortung zu übernehmen.

Auch privat sollte mehr Fehlertoleranz gelebt werden. Wer wachsen will, muss Neues machen, Risiken eingehen – und sich selbst Fehler zugestehen. Damit Ihnen das gelingt, haben wir 5 Tipps zusammengestellt, um Ihre Fehlertoleranz zu steigern.

  • Akzeptieren Sie Ihre Fehler
    Fehlertoleranz beginnt immer bei Ihnen selbst. Akzeptieren Sie, dass Sie Fehler machen und fühlen Sie sich dafür nicht schlecht. Wenn Sie falsch liegen, müssen Sie sich nicht schämen und Ihre eigenen Fähigkeiten nicht kleinreden. Fehler sind menschlich – Schluss mit Perfektionismus und zu hohen Erwartungen an sich selbst. Sobald Sie richtig mit Ihren Fehlern umgehen, ändert sich auch die Reaktion auf Fehltritte anderer.
  • Erkennen Sie die Mühe
    Wir bewerten oftmals nur den letztlichen Erfolg als Maßstab der Dinge. Wie viel Zeit, Arbeit, Energie, Schweiß und Tränen in ein Projekt geflossen sind, wird ignoriert. Dass es am Ende nicht geklappt hat, heißt nicht, dass der Aufwand nicht zu bewundern ist und sogar als Vorbild dienen kann.
  • Sehen Sie die vielen positiven Dinge
    Fehler sind eine Momentaufnahme. Wie in der obigen Parabel stehen drumherum viele Erfolge und positive Erlebnisse. Ihre Fehlertoleranz wird größer, wenn Sie lernen, den Fokus auf diese Aspekte zu richten. Lenken Sie Ihre Wahrnehmung gezielt darauf, statt nur den einen Fehler zu sehen.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran
    Sie können Ihr Umfeld mit einer größeren Fehlertoleranz selbst beeinflussen. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, welcher Umgang mit Rückschlägen und Niederlagen richtig ist. Dies ist gerade für Führungskräfte besonders wichtig. So ermutigen Sie auch andere, Ihrem Beispiel zu folgen und Fehler nicht zu verteufeln.
  • Lernen Sie aus Fehlern
    Ein besserer Umgang mit Fehlern gelingt auch, wenn Sie diese positiver betrachten. Es sind Chancen zu lernen, zu wachsen, Neues auszuprobieren und es beim nächsten Mal besser zu machen. Fehler sind nicht endgültig, sondern ein Schritt auf dem Weg nach vorne. Mit dieser Einstellung gelingt Fehlertoleranz leichter.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]
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23. Oktober 2020 Nils Warkentin Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.


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