Fehlertoleranz: 3 + 6 Tipps für mehr Nachsicht (bei sich selbst)

Der Begriff „Fehlertoleranz“ hat zwei Bedeutungen. In der Technik beschreibt er die Eigenschaft, dass Systeme trotz Eingabe-, Soft- oder Hardwarefehler funktionieren. Beim Menschen bedeutet es, auf mögliche Fehltritte nicht mit Häme oder Spott zu reagieren. Vielmehr ist Fehlertoleranz die Fähigkeit, eigene Fehler (und die anderer) auszuhalten, zu akzeptieren und daran zu wachsen. Vielen fällt das schwer. Warum es trotzdem höchste Zeit für ein Umdenken ist…

Fehlertoleranz: 3 + 6 Tipps für mehr Nachsicht (bei sich selbst)

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Definition: Was ist Fehlertoleranz?

Pädagogen und Psychologen nutzen den Begriff Fehlertoleranz in zwei Zusammenhängen:

  • Fehlertoleranz als Fähigkeit des Menschen, über eigene Fehler sowie über Missgeschicke und Fehlschläge anderer hinwegzusehen und diese zu tolerieren. Dabei werden Fehler nicht als grundsätzlich schlecht angesehen, sondern als alltäglicher Teil des Lebens.
  • Fehlertoleranz als Teil einer Fehlerkultur. Zum Beispiel in einer Gesellschaft, in der Familie oder in einem Unternehmen. So legt etwa die Pädagogik Wert darauf, dass in Schulen ein konstruktiver Umgang mit Fehlern erfolgt. Im Vordergrund steht das Lernen aus Fehlern.

Verwandt mit der Fehlertoleranz sind Nachsicht, Geduld, Empathie und auch Risikobereitschaft. Wer Fehler toleriert, ist eher bereit, ein Risiko einzugehen und sich der Gefahr eines Rückschlags auszusetzen.

Was sind Fehler?

Fehler sind Abweichungen von einem zuvor definierten Ziel oder Standard. Je nach Disziplin existieren zahlreiche Definitionen und Erläuterungen:

  • Pädagogik: Für den Pädagogen Hermann Weimar stand bei einem Fehler die Intention im Vordergrund. Wissentliche Taten bezeichnete er als „Täuschung“ oder „Fälschung“. Passiert der Fehler versehentlich, war es ein „Irrtum“ oder „Flüchtigkeitsfehler„.
  • Psychologie: Für abweichendes Verhalten kennt die Psychologie Begriffe wie „Devianz“, „Defizit“ oder „Dysfunktion“ – allesamt Synonyme für Fehler.

Egal, wie man Fehler nennt: Sie passieren. Kein Mensch ist fehlerfrei. Jeder scheitert einmal. Dabei fällt den meisten Fehlertoleranz gegenüber kleinen Fehlern leichter als gegenüber großen. Sie haben schließlich oft unterschiedliche Konsequenzen. Allerdings auch eine Gemeinsamkeit: Fehler sind ein Motor der Evolution. Es war die Fehlertoleranz, die es Menschen aller Kulturen ermöglichte, aus Fehlern zu lernen und neue zu vermeiden.

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Mehr Fehlertoleranz statt auf auf Nummer sicher gehen

Fehler machen, hinfallen, lernen und wieder aufstehen – das können hierzulande nur wenige so locker. Fehlertoleranz ist nicht zuletzt eine Kulturfrage. In Deutschland gehen wir gerne auf Nummer sicher. „Aus Fehlern wird man klug“, lautet zwar ein Sprichwort. Als klüger aber gilt, wer erst gar keine Fehler macht. Trial and Error ist keine akzeptierte Strategie. Wer sich hierzulande selbstständig macht und es nicht schafft, gilt schnell als gescheitert, vielleicht sogar als „Versager“.

Ganz anders in den USA. In Amerika ist die Toleranz gegenüber Fehlern deutlich größer. Wer dort einen Versuch wagt, dem wird der benötigte Mut hoch angerechnet – nicht das Ergebnis. Klappt es nicht, leidet darunter keinesfalls die Anerkennung, im Gegenteil: Als guter Unternehmer gilt, wer schon ein paar Pleiten hingelegt hat. Schließlich hat der- oder diejenige jetzt viele wertvolle Erfahrungen – und macht diese Fehler nicht wieder.

Die Fehler der anderen: Wie doof von dir!

So hart es klingt: Wir treten gerne diejenigen, die schon am Boden liegen. Dahinter steckt eine weitere Ursache für den Mangel an Fehlertoleranz: Wir fühlen uns damit selbst besser.

Wer auf die Fehler anderer hinweist, erhebt sich darüber und steigert so sein Selbstwertgefühl: „Was für ein Dummkopf! So eine Flasche! Mir wäre das nicht passiert!“ Gerade wer selbst schon oft herabwürdigende Kritik für seine Fehler erfahren hat, nutzt die Gelegenheit, um sich auch mal gut zu fühlen und um das Selbstbewusstsein zu stärken. Eigene Fehler dagegen kratzen gewaltig am Selbstbild und Ego.

Die Folge: Eigenes Versagen wird unter den Teppich gekehrt, vertuscht, verschwiegen. Die Erfolglosigkeit und Fehler der anderen dafür umso ausführlicher zelebriert und diskutiert. Wie es um die hiesige Fehlertoleranz steht, zeigt auch die folgende Parabel eindrücklich.

Eine Parabel über Fehlertoleranz

Ein Mathe-Lehrer schreibt in seiner Stunde ein paar Aufgaben an die Tafel: 2×9=18; 3×9=27; 4×9=36; 5×9=45; 6×9=54; 7×9=63; 8×9=72; 9×9=91. Erst entsteht leises Gekicher. Dann lachen einige Schüler. Eine Schülerin meldet sich, um den Lehrer auf den offensichtlichen Fehler hinzuweisen: „9×9 ist 81, nicht 91!“, sagt sie. Jetzt merkt es auch der letzte im Raum. Alle lachen.

Der Lehrer lächelt und wartet, bis sich alle wieder beruhigt haben und still sind. Dann sagt er: „Ich habe diesen Fehler mit Absicht gemacht, um euch heute eine viel wichtigere Lektion beizubringen. Ich habe sieben von acht Aufgaben richtig gelöst und nur einen Fehler gemacht. Statt sich mit mir über die Erfolge zu freuen, haben alle über den einen Fehler gelacht. Wir leben heute in einer Leistungsgesellschaft. Sobald jemand einen Fehler macht, wird er öffentlich verspottet, gedemütigt und verletzt, nur weil sich die Person einmal irrte. Alles Richtige vorher ist vergessen. Dabei machen die meisten viel mehr richtig als falsch.“ Danach nimmt der Lehrer seine Sachen und verlässt den Klassenraum. Es bleibt noch lange still im Raum.

Man kann über Monate oder Jahre alles richtig machen – bei einem einzelnen Fehltritt wird es immer jemanden geben, der sich darauf stürzt, sich darüber lustig macht, einen erniedrigt oder böse Kommentare abgibt.

Fehler sind ein typisches Beispiel für den Horn-Effekt: Ein einziges Defizit reicht aus, um viele andere positive Aspekte zu überschatten.

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Tipps für mehr Fehlertoleranz

Mangelnde Fehlertoleranz hat zahlreiche Nachteile. Allen voran trauen sich viele nicht mehr, einen Fehler zu machen, weil sie die Konsequenzen fürchten.

Fehlertoleranz in Unternehmen

Aus Unternehmensperspektive ist Fehlertoleranz ein zweischneidiges Schwert: Zu viele Fehler bedeuten finanzielle Einbußen, womöglich eine schlechtere Wettbewerbsfähigkeit. Der Fokus liegt daher oft auf der Fehlervermeidung. Eine gute Fehlertoleranz bedeutet hier, eine Balance zu finden: zwischen der Hoffnung auf Erfolg einerseits und der Angst vor Misserfolg andererseits. Zum Beispiel so:

  • Wertschätzender Kommunikationsstil
    Wer befürchten muss, bei nächster Gelegenheit den Kopf abgerissen zu bekommen, leistet maximal Dienst nach Vorschrift. Solche Mitarbeiter bringen keine eigenen Ideen ein und haben Angst, Verantwortung zu übernehmen. Ein wichtiges Kriterium für mehr Fehlertoleranz ist daher ein sachlicher, wertschätzender Umgangston. Ohne Vorwürfe und Drohgebärden, dafür lösungsorientiert. Machen Sie sich klar: Ohne Fehler gibt es auch keine Innovation.
  • Vorbildliche Führungskräfte
    Führungskräfte, die für ihre Fehler einstehen, sind die besten Vorbilder. Sie beweisen keine Schwächen, sondern Souveränität im Umgang mit eigenen Defiziten. Gleichzeitig leben sie die tolerante Unternehmenskultur vor. Das schließt mit ein, Vertuschungsversuche zu kritisieren. Versucht ein Mitarbeiter Fehler zu verheimlichen, sollte die Führungskraft das benennen. In einem Feedbackgespräch sollte klar kommuniziert werden, dass das Verhalten unerwünscht ist.
  • Korrigierende Maßnahmen
    Statt sich lange an Fehlern abzuarbeiten, sollten die Folgen beseitigt werden. Handelt es sich um fehlerhafte Prozesse, kommt es darauf an, Korrektur- und Präventionsmaßnahmen zu etablieren. So werden unnötige Wiederholungsfehler vermieden.

Fehlertoleranz untereinander

Auch privat sollte wir mehr Fehlertoleranz leben. Wer wachsen will, muss Neues wagen, Risiken eingehen – und sich selbst Fehler zugestehen. Wie das gelingt? Mit den folgenden Tipps lässt sich die eigene Fehlertoleranz steigern.

  • Akzeptieren Sie Ihre Fehler
    Fehlertoleranz beginnt immer bei uns selbst. Akzeptieren Sie, dass Sie Fehler machen und fühlen Sie sich dafür nicht schlecht. Wenn Sie falsch liegen, müssen Sie sich nicht schämen und Ihre eigenen Fähigkeiten anzweifeln. Fehler sind menschlich – Schluss mit Perfektionismus und zu hohen Erwartungen an sich selbst. Wer mit sich selbst toleranter umgeht, gewinnt auch mehr Nachsicht gegenüber Fehltritten anderer.
  • Nehmen Sie sich die Freiheit
    Nicht wenige verrennen sich bei dem Versuch, keine Fehler machen zu wollen. Blödsinn! Egal, wie schön der Plan war: Wenn Sie erkennen, dass Sie falsch lagen, gönnen Sie sich die Freiheit, abzubrechen, umzudenken und einen anderen Weg einzuschlagen. Wie erkannte schon Thomas A. Edison klug: „Ich habe nicht versagt. Ich habe nur 10000 Wege gefunden, die nicht funktionieren.“
  • Erkennen Sie die Mühe
    Wir bewerten of nur den Erfolg. Nicht, wie viel Zeit, Arbeit, Energie, Schweiß und Tränen in ein Projekt geflossen sind. Dass es am Ende nicht funktioniert, schmälert aber nicht den Aufwand. Warum nicht mal den bewundern? Womöglich steckt auch darin ein Vorbild!
  • Sehen Sie die positiven Dinge
    Fehler sind eine Momentaufnahme. Wie in der Parabel stehen drumherum viele Mini-Erfolge und positive Erlebnisse. Unsere Fehlertoleranz wird größer, wenn wir lernen, den Fokus auf diese Aspekte zu richten. Lenken Sie Ihre Wahrnehmung gezielt darauf, statt nur den einen Fehler zu sehen.
  • Gehen Sie mit gutem Beispiel voran
    Auch Ihr Umfeld können Sie mit größerer Fehlertoleranz beeinflussen. Zeigen Sie durch Ihr Verhalten, welcher Umgang mit Rückschlägen und Niederlagen richtig ist. So ermutigen Sie andere, Ihrem Beispiel zu folgen und Fehler zu akzeptieren beziehungsweise nicht zu verteufeln.
  • Lernen Sie aus Fehlern
    Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Akzeptanz und Ignoranz. Die anschließende Aufarbeitung bleibt wichtig. Ein besserer Umgang mit Fehlern gelingt nur, wenn wir aus ihnen lernen – und es beim nächsten Mal besser machen. Fehler sind nicht endgültig, sondern ein Schritt auf dem Weg nach vorne. Mit dieser Einstellung gelingt Fehlertoleranz leichter.

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[Bildnachweis: Karrierebibel.de]

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