Klartext reden: Klare Ansagen machen

Viele Menschen haben ein großes Talent dafür, ständig um den heißen Brei herumzureden. Es wird alles dafür getan, um bloß nicht Klartext reden zu müssen. Stattdessen wird möglichst allgemein und schwammig formuliert oder ein Thema gleich gänzlich vermieden, um erst gar nicht in die Gefahr zu kommen, Farbe bekennen zu müssen. Ganz schön paradox, denn auf der anderen Seite wird immer wieder gefordert, endlich Klartext zu reden. Dies gilt auf der großen Bühne der Politik, ganz aktuell im Wahlkampf, aber auch im täglichen Leben auf der Arbeit oder im Privatleben. Wir hassen es und sind frustriert, wenn die Wahrheit verschwiegen oder verbogen wird und wollen wissen, was wirklich los ist. Andere sollen sich also bitte daran halten, uns selbst fällt Klartext aber ungemein schwer. Warum so sollten Klartext gesprochen wird, welche Vorteile es dennoch haben kann und wie Sie lernen können, klarere Ansagen zu machen

Klartext reden: Klare Ansagen machen

Klartext: Beliebt, aber schwierig

Klartext hat einen guten Ruf. Wir schätzen es nicht nur, sondern bewundern regelrecht, wenn jemand sich hinstellt, eine Position einnimmt und eindeutige sowie klare Ansagen macht. Das zeugt nicht nur von Selbstbewusstsein, sondern imponiert vor allem, weil jemand die Wahrheit ausspricht und sich nicht hinter Lügen oder möglichst vagen Aussagen versteckt.

Aber selbst Klartext reden? Dazu fehlt den meisten Menschen der Mut. So beeindruckend es auch sein mag, wenn Klartext gesprochen wird, in der Regel wollen die meisten dies nur aus sicherer Entfernung betrachten. Etwas auf den Punkt zu bringen, gerade Probleme, Schwierigkeiten oder Meinungsverschiedenheiten, ist eben alles andere als angenehm. Wer das tun will, muss sich schon aus seiner Komfortzone bequemen.

Viel bequemer und auch ungefährlicher ist es da, schön sein Fähnchen nach dem Wind zu richten. Klartext gesprochen wird häufig erst dann, wenn es schon zu spät dafür ist. Wenn der Chef fragt, wie das Projekt läuft, wer sagt schon Also ehrlich gesagt, überhaupt nicht gut. So wie es aussieht, können wir die Deadline nicht einhalten und die Qualität lässt auch zu wünschen übrig… Stattdessen wird herumgedruckst und geantwortet, dass es ganz gut aussieht. Klartext? Fehlanzeige!

Ein gutes Beispiel von fehlendem Klartext im großen Stil nennt Dominic Multerer, der ein Buch zum Thema Klartext verfasst hat: Der deutsche Vorzeige-Baualbtraum – der Flughafen Berlin-Brandenburg.

Mal ehrlich: Hätten die Verantwortlichen den nötigen Mumm und vor allem das entsprechende Klartext-Bewusstsein gehabt, wäre schon viel früher ans Licht gekommen, dass da was schief geht und sofort gegengesteuert werden muss.

Gerade in der Führungsetage ist es eine wichtige Fähigkeit, Klartext reden zu können und jeder Chef sollte dazu in der Lage sein. Auch wenn es nicht immer leicht ist. Doch je größer die Verantwortung, desto wahrscheinlicher gehört es zum Aufgabenfeld, die Dinge beim Namen zu nennen und auch unangenehme Fakten und Informationen zu verarbeiten und weiterzugeben.

Vorgesetzte müssen eine Meinung vertreten können, anstatt nur zu schwafeln und mit vielen Worten nichts zu sagen. Und es bedeutet auch, trotz Gegenwind einen Standpunkt verteidigen zu können.

Klartext reden: Verbindlichkeit ist das A und O

Klartext funktioniert nur in Kombination mit Verbindlichkeit. Ansonsten können Sie sich die klaren Worte auch gleich sparen. Klartext bedeutet eben auch, keine Rückzieher zu machen, sondern eine feste Position zu schaffen, auf die Verlass ist.

Dominic Multerer empfiehlt, dass dies schon bei kleinen Details anfangen sollte: Zum Beispiel, nicht zu sagen Wir melden uns, sondern Sie bekommen nächste Woche Mittwoch eine Antwort von mir. Und diesen Worten auch Taten folgen zu lassen.

Der entscheidende Unterschied liegt darin, sich Klartext und Verbindlichkeit nicht nur auf die Fahnen zu schreiben, sondern wirklich zu seinem Wort zu stehen und Versprechen und Zusagen einzuhalten. Das ist mal ganz leicht, doch gerade dann besonders schwierig, wenn Sie mit Kritik oder anderen Problemen kämpfen müssen und es der leichtere Weg wäre, sich einfach anzupassen und der ursprünglichen Standpunkt zu verwerfen.

So gehört laut Multerer auch die Einsicht dazu, dass eine Meinung nicht jedem gefallen wird und muss. Er sagt: Mit Klartext eckt man an – doch das ist tausend Mal besser als dieses ewige grau in grau. Damit lässt sich nichts verändern.

Wer etwas anpacken und verändern will, muss den Mut haben zu sagen, was Sache ist.

Klartext ist nicht Tacheles

Jetzt aber mal Butter bei die Fische! Es gibt verschiedene Begriffe und Ausdrücke, die meist synonym verwendet werden. Dominic Multerer trennt in seinen Beschreibungen jedoch sehr genau und sieht es sogar als Fehler Tacheles mit Klartext gleichzusetzen oder zu verwechseln.

  • Tacheles bedeutet demnach, seine Meinung unverblümt zu äußern, so wie sie einem gerade durch den Kopf geht. Klar tut das manchmal gut. Aber produktiv und vor allem professionell ist das nicht. Wenn Sie als Vorgesetzter Ihren Mitarbeitern „den Marsch blasen„, fühlen Sie sich zwar für den Moment erleichtert, doch langfristig ändern wird sich dadurch nichts. Außer, dass die Stimmung in Ihrem Team noch schlechter wird. Denn Tacheles sind starke Worte von oben nach unten. Da fehlt die Augenhöhe.
  • Klartext heißt sachlich bleiben und deutliche Worte finden, dabei aber durchgängig den Respekt gegenüber den Gesprächspartnern aufrecht zu erhalten. Nur mit gegenseitigem Respekt ist es möglich, aus den vorangegangenen Fehlern zu lernen und das Unternehmen gemeinsam voran zu bringen.

Als weiterer Faktor neben der Verbindlichkeit kommt dabei auch noch die Ehrlichkeit ins Spiel und ist eine Grundvoraussetzung, wenn Sie Klartext reden wollen. Nur wenn Sie stets ehrlich bleiben, bringen Sie anderen den gebührenden Respekt entgegen und diese wissen, woran sie bei Ihnen sind.

„Ich darf ihnen nichts vorenthalten, was wichtig ist, um meinen Standpunkt zu verstehen. Ich darf auch nichts so selektiv wiedergeben, dass es zwangsläufig zu falschen Annahmen führt. Klartext funktioniert sonst nicht. Ehrlichkeit schafft das nötige Vertrauen. Ansonsten geht der gegenseitige Respekt verloren und Misstrauen breitet sich aus“, sagt Dominic Multerer und fügt hinzu:

„Wenn nur noch taktiert und positioniert wird, ist kein Platz mehr für Klartext. Logisch, denn dann ist jeder nur noch damit beschäftigt, möglichst gut da zu stehen und seine Tarnung nicht auffliegen zu lassen.“

Auch in Unternehmen sollte möglichst häufig Klartext gesprochen werden. Sowohl zwischen Mitarbeiter und Chef als auch zwischen Unternehmen und Kunden. Klare Ansagen, verbindliche Auskünfte, eingehaltene Termine. All das wirkt sich auf das Image eines Betriebs aus und können von Vorteil sein. Multerer nennt gleich vier Beispiele, die verdeutlichen, warum eine etablierte Klartextkultur in jeder Situation hilft:

  • Mut zur Wahrheit

    In Ihrem Unternehmen sieht es schlecht aus? Dann ist niemandem damit geholfen, wenn Sie nur um den heißen Brei herumreden und Ihre Mitarbeiter weiter im Nebel stehen lassen. In so einer Situation sind starke Worte gefragt – idealerweise von einer starken Führungskraft, die auch das anschließende Feedback ertragen kann.

    Statt wir wissen noch nichts genaues, machen Sie sich keine Sorgen… ist es wesentlich besser, die Dinge beim Namen zu nennen: „Wir können es drehen und wenden, wie wir wollen. Der Standort rechnet sich nicht mehr, auch wenn wir alles versucht haben. Die Gründe dafür sind folgende…“ Das ist Klartext. Zwar unangenehm, so geben Sie aber allen Beteiligten Zeit, sich mit der Situation zu arrangieren. Und das ist allemal besser, als von einem Tag auf den anderen unvorbereitet auf der Straße zu stehen.


  • Verbindlichkeit im Business-Alltag

    Klartext ist auch bei vermeintlichen Kleinigkeiten wichtig. Wenn Sie verschiedene Angebote eingeholt haben, sollten Sie Ihre Entscheidung am Ende klar kommunizieren. Wenn sich einer der Wettbewerber bei Ihnen meldet, sagen Sie ganz klar, dass Sie sich für ein anderes Angebot entschieden haben, weil es in der Summe noch besser gepasst hat. Natürlich ist es bequemer, einfach „Wir haben uns noch nicht entschieden“ zu sagen – doch das bringt keinem was. Sie wissen doch auch lieber, wo Sie dran sind, oder?


  • Bedürfnisse klar kommunizieren

    Wie sollen wir mit dieser alten Technik denn vernünftig arbeiten? Dem Chef ist das ja total egal. – Sicher kennen Sie solche Gedanken. Auch hier können klare Worte helfen: Wenden Sie sich direkt an Ihren Vorgesetzten und begründen Sie, welche Probleme bei der Arbeit mit der vorhandenen Software auftreten und wieso eine Erneuerung sinnvoll wäre. Wenn Sie nur unzufrieden mosern, ist keinem geholfen. Genauso reicht Wir brauchen eine neue Software nicht. Das ist kein Klartext. Nur zu sagen, dass man dieses oder jenes braucht, verhallt wie ein Schrei im Wald.


  • Ein Auge auf die Zukunft haben

    Alles läuft rund, die Geschäftszahlen sind top? Weder Geschäftsführer noch Mitarbeiter sollten sich auf dem Gefühl der Sicherheit ausruhen. Leider ist das so schön gemütlich. Hier braucht es jemanden, der das ausspricht, was alle zwar irgendwo im Hinterkopf haben, aber zu gerne einfach verdrängen: Es läuft gerade super, das wird aber nicht immer so bleiben. Wie wollen wir weitermachen, wo sehen wir uns in Zukunft? Das ist ein Fehler, den zum Beispiel Apple gemacht hat. Alle wussten, dass Steve Jobs krank war. Doch haben sie neue Strategien entwickelt? Nein – und das, obwohl alle Innovationen von dieser einen Person abhingen. Hier wäre Klartext dringend nötig gewesen.

Klartext: Das lässt sich lernen

Und wie sieht es mit Ihnen aus – Sind Sie ein Klartext-Typ? Falls nicht, müssen Sie nicht gleich aufgeben, denn Klartext zu sprechen lässt sich durchaus lernen, wenn Sie bereit sind, auch mal über Ihren Schatten zu springen und sich auch der ein oder anderen unangenehmen Situation oder Frage auszusetzen.

Wir haben drei Tipps gesammelt, die Ihnen helfen können, Klartext zu sprechen:

  • Machen Sie sich Ihren persönlichen Standpunkt klar

    Hartmut Mehdorn sagte Um Klartext zu reden, muss man sich über seinen eigenen Standpunkt bewusst sein und liegt damit goldrichtig. Wer sich nicht über die eigene Position zu einem Thema im Klaren ist, wird immer in Ausflüchte abschweifen oder ungenaue Antworten geben. Klartext ist nur möglich, wenn Sie reflektieren und einen persönlichen Standpunkt entwickeln. Haben Sie den Mut zu einer eigenen Meinung!


  • Nehmen Sie Gegenwind in Kauf

    Es wird nicht jedem gefallen, wenn Sie Klartext reden. Manch einer fühlt sich angegriffen, andere wollen die Wahrheit nicht hören, sondern sich lieber weiter in ihrer Traumwelt aufhalten. Lassen Sie sich davon nicht beirren. Es ist immer besser, die Fakten als solche zu benennen und damit zu arbeiten. Nehmen Sie Kritik und Gegenwind nicht persönlich. In der Regel richten sie sich eher gegen die Botschaft, trifft aber den Überbringer.


  • Reden Sie sich selbst nichts schön

    Um Klartext mit anderen zu sprechen, müssen Sie auch mit sich selbst Klartext reden. Beschönigen Sie Ihre eigene Situation nicht, sondern bleiben Sie selbstkritisch und ehrlich. Es ist schwer, doch nur wenn Sie objektiv beurteilen, werden Sie klare Ansagen machen können.


  • Übernehmen Sie die Verantwortung

    Klartext zu reden heißt in vielen Fällen, eigene Fehler zuzugeben und die Verantwortung dafür zu tragen. Kaum jemand möchte seine eigene fehlerfreie Fassade bröckeln sehen, doch ist es ein Zeichen von Größe, wenn Sie bereit sind, Fehler einzugestehen und zu diesen zu stehen, statt darüber zu schweigen und zu hoffen, dass niemand sie bemerkt.

[Bildnachweis: Evart by Shutterstock.com]
19. September 2017 Nils Warkentin Autor Profilbild Autor: Nils Warkentin

Nils Warkentin studierte Business Administration an der Justus-Liebig-Universität in Gießen und sammelte Erfahrungen im Projektmanagement. Auf der Karrierebibel widmet er sich Themen rund um Studium, Berufseinstieg und Büroalltag.

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