Schwangerschaftsvertretung: Das sollten Sie wissen

Geht eine Mitarbeiterin der Stammbelegschaft in Mutterschutz oder Elternzeit, stellen viele Unternehmen eine Schwangerschaftsvertretung ein – und das kann eine Chance für den neuen Mitarbeiter sein. Wer sich ins Zeug legt, empfiehlt sich mit seinen Leistungen für eine Postion im Unternehmen. Vor allem im Hinblick darauf, dass die Mitarbeiterin mit einem Teilzeitwunsch aus der Elternzeit zurückkehren könnte, ist das eine Option auf Weiterbeschäftigung nach der Schwangerschaftsvertretung. Die haben Mitarbeiter übrigens auch dann, wenn der Arbeitsvertrag fehlerhaft ist…

Schwangerschaftsvertretung: Das sollten Sie wissen

Schwangerschaftsvertretung: Worauf muss ich als Mitarbeiter achten?

Für Berufsanfänger kann eine Schwangerschaftsvertretung eine gute Möglichkeit sein, den Fuß in die Tür eines Unternehmens oder einer bestimmten Branche zu bekommen. Und wer weiß, vielleicht hat der Arbeitgeber nach der Vertretung eine Position im Unternehmen, die er Ihnen anbieten kann. Eine Vertretung eines Stammmitarbeiters sollten Sie daher nicht auf die leichte Schulter nehmen, sondern sich täglich mit Ihren Leistungen empfehlen.

Zum Arbeitsverhältnis gehört auch der Arbeitsvertrag, den Sie sich vorab genau ansehen sollten. Ist er fehlerhaft, haben Sie unter Umständen die Chance auf eine unbefristete Anstellung:

  • Der Arbeitsvertrag muss schriftlich vorliegen

    Dieses Kriterium wird wohl in den meisten Fällen ohnehin erfüllt. Denkbar ist aber, dass ein unbefristeter Arbeitsvertrag mündlich geschlossen werden kann.

    Aus Gründen der Nachweisbarkeit werden sich die wenigsten Arbeitnehmer darauf einlassen. Bei einer Schwangerschaftsvertretung geht das ohnehin nicht. Dieser Arbeitsvertrag muss in jedem Fall schriftlich geschlossen werden.

  • Achten Sie auf das Datum

    Der Arbeitsvertrag zur Schwangerschaftsvertretung muss ein konkretes Enddatum enthalten. Formulierungen wie bis zum Ende der Schwangerschaft oder bis zum Ende der Elternzeit sind nicht zulässig.

    Enthält der Vertrag kein konkretes Datum, haben Sie unter Umständen einen Anspruch auf Weiterbeschäftigung.

  • Der Sachgrund sollte angegeben sein

    Daneben sollte der Grund Ihrer Befristung, also die Schwangerschaftsvertretung im Arbeitsvertrag gennant sein.

  • Vorsicht bei erneuter Befristung

    Kehrt die Arbeitnehmerin nicht zu dem angekündigten Termin aus der Elternzeit zurück, könnte Ihr befristeter Arbeitsvertrag verlängert werden.

    Wichtig ist dabei das Datum. Endet der erste befristete Arbeitsvertrag, bevor ein neuer befristeter Vertrag geschlossen wird, könnten Sie Anspruch auf ein unbefristetes Arbeitsverhältnis haben.

    Gemäß Teilzeit- und Befristungsgesetz ist eine Befristung nur dann erlaubt, wenn zuvor nicht bereits ein anderes Arbeitsverhältnis zum Arbeitgeber bestanden hat. Genau das war in der Schwangerschaftsvertretung aber der Fall.

    Sollte Ihnen Ihr Arbeitgeber einen erneuten befristeten Vertrag anbieten, könnte die Befristung ungültig sein. Selbst dann, wenn nur einige Tage zwischen den Verträgen liegen.

FAQs zum Thema Schwangerschaftsvertretung

FAQs zum Thema SchwangerschaftsvertretungDass ein Mitarbeiter eine Schwangerschafts- oder Elternzeitvertretung für einen anderen Mitarbeiter übernimmt, kommt häufig vor. Genauso häufig sind die Fragen dazu, die wir für Sie im folgenden zusammengefasst haben:

  1. Wann ist eine Befristung als Schwangerschaftsvertretung zulässig?

    Die Regelungen über eine Befristung des Arbeitsvertrags finden sich im Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG). Darin ist geregelt, in welchen Fällen eine Befristung zulässig ist und zwar

    • bei Neueinstellungen wenn die Befristung nicht länger als zwei Jahre andauert.
    • bei Vorliegen eines sachlichen Grundes. Dazu zählt auch die Schwangerschaftsvertretung (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr.3 Tz­B­fG).

    Gerade für den Fall der Schwangerschafts- und Elternzeitvertretung gibt es noch weitere Regelungen, die sich im Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) finden. In Bezug auf die Befristung geht es dabei um den Paragraphen §21 BEEG.

  2. Kann die Schwangerschaftsvertretung mehrere Jahre andauern?

    Ja, das ist tatsächlich möglich. Denkbar ist zum Beispiel ein Szenario, in dem die Mitarbeiterin noch während der ursprünglichen Elternzeit, für die Sie als Vertretung eingestellt wurden, erneut schwanger wird und entbindet. Erziehungsurlaub und Mutterschutzfristen würden sich dabei überlagern.

    In diesem Fall kann die Schwangerschaftsvertretung in eine weitere übergehen. Allerdings muss das in dem neuen befristeten Arbeitsvertrag genau angegeben sein. Mitarbeiter sollten daher genau überprüfen, wie die Befristung bestimmt ist.

    Im Arbeitsvertrag muss ein konkretes Datum genannt sein. Fehlt das, haben Sie als Schwangerschaftsvertretung unter Umständen einen Anspruch auf einen unbefristeten Arbeitsvertrag.

  3. Was passiert, wenn die Mitarbeiterin früher aus der Elternzeit zurückkehrt?

    Wenn der Mitarbeiter oder die Mitarbeiterin früher aus der Elternzeit zurückkehrt, ist das eine ungünstige Situation. Denn jetzt ist die Mitarbeiterin wieder da, die Sie vertreten sollten. Was geschieht mit Ihnen?

    In diesem Fall kann der Arbeitgeber Ihren befristeten Arbeitsvertrag kündigen. Allerdings muss er dabei Die Kündigungsfristen einhalten. In Ihrem Falle eine Kündigungsfrist von drei Wochen. Daneben ist die Kündigung Ihres Vertrages frühestens zum Ende der Elternzeit der Mitarbeitern möglich.

    Noch eine weitere Voraussetzung muss erfüllt sein: Die Arbeitnehmerin ist auf eigenen Wunsch, also ohne die vorherige Zustimmung des Arbeitgebers aus der Elternzeit zurückkehrt.

    Sind Sie als Schwangerschaftsvertretung mit der Kündigung nicht einverstanden, können Sie dagegen klagen. Sie müssen dabei eine Frist von drei Wochen zur Klageeinreichung einhalten.

  4. Kann ich vor dem Ende der Schwangerschaftsvertretung kündigen?

    Sollten Ihnen die Stelle nicht gefallen, können Sie kündigen. Erteilt der Arbeitgeber dazu sein Einverständnis, wird er in der Regel einen Aufhebungsvertrag mit Ihnen schließen.

    Mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses können Sie bei einem anderen Arbeitgeber anfangen. Achten Sie darauf, dass sich die Daten nicht überschneiden.

  5. Ich soll andere Aufgaben übernehmen als die Stammkraft, die ich vertreten soll. Ist das rechtens?

    Arbeitnehmer, die als Schwangerschaftsvertretung eingestellt werden, gehen in der Regel davon aus, dass sie die Aufgaben übernehmen sollen, die in den Bereich der Mitarbeiterin fallen, die im Mutterschutz oder in Elternzeit ist.

    Wenn Sie plötzlich ganz andere Aufgaben übernehmen sollen, fragen Sie sich vielleicht, ob damit ein befristeter Arbeitsvertrag noch gerechtfertigt ist. Offensichtlich gibt es noch weitere Aufgaben im Unternehmen, die bearbeitet werden wollen.

    Diese Frage beschäftigt regelmäßig die Arbeitsgerichte. Das des Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Rhein­land-Pfalz kam in seinem Urteil vom 07.11.2012, 8 Sa 243/12 zu dem Ergebnis, dass es der Schwangerschaftsvertretung durchaus zugemutet werden könne, andere Aufgaben zu übernehmen.

  6. Was muss ich tun, wenn die Befristung nicht verlängert wird?

    Wenn absehbar ist, dass die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter zum vereinbarten Termin aus der Elternzeit zurückkehrt, wird Ihr befristeter Arbeitsvertrag höchstwahrscheinlich auslaufen.

    In diesem Fall müssen Sie sich mindestens drei Monate vor dem im Arbeitsvertrag genannten Enddatum bei der Agentur für Arbeit arbeitssuchend melden. Das ist wichtig. Lassen Sie diese Frist verstreichen, können Ihnen Abstriche beim Arbeitslosengeld drohen.

    Gleichzeitig sollten Sie sich so schnell wie möglich auf die Suche nach einem neuen Job machen.

    Hat es Ihnen im Unternehmen gut gefallen und konnten Sie die Aufgaben sehr gut erledigen, lohnt sich ein Gespräch mit dem Vorgesetzten oder Chef. Vielleicht hat er oder sie eine eine Position im Unternehmen für Sie frei.

  7. Wie soll ich die Schwangerschaftsvertretung im Lebenslauf angeben?

    Wenn die Befristung nicht verlängert werden kann, heißt es für Sie wieder: Bewerbung schreiben. Die Frage ist natürlich, wie Sie die Schwangerschaftsvertretung formulieren, dass der potentiell neue Arbeitgeber einen Nutzen darin sieht.

    Auf keinen Fall sollten Sie schreiben, dass der Arbeitsvertrag am TT.MM.JJJJ endet und Sie daher auf der Suche nach einem neuen Job sind. Kein Arbeitgeber freut sich darüber, wenn Sie sich bei ihm bewerben, weil Ihnen ansonsten die Arbeitslosigkeit droht.

    Stattdessen sollten Sie die Dinge anpreisen, die Sie in der aktuellen Position gelernt haben. Verkaufen Sie die Befristung als Vorteil für den neuen Arbeitgeber. Das machen Sie zum Beispiel so:

    „In meiner aktuellen Position arbeite ich als Schwangerschaftsvertretung. Die Mitarbeiterin wird am TT.MM.JJJJ aus der Elternzeit zurückkehren. Damit könnte ich bereits am TT.MM.JJJJ in Ihrem Unternehmen starten.

    Bitten Sie außerdem Ihren aktuellen Arbeitgeber darum, Ihnen ein Zwischenzeugnis auszustellen.Fällt das Zeugnis positiv aus, können Sie damit bei Ihrem neuen Arbeitgeber punkten.

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[Bildnachweis: Dmytro Zinkevych by Shutterstock.com]
15. Januar 2019 Julia Sima Autorin Autor: Julia Sima

Julia-Eva Sima arbeitet als freie Journalistin und war mehrere Semester Dozentin an der Universität des Saarlandes. Danach wechselte sie in die Personalbranche und arbeitete unter anderem als Headhunter.



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