Depressiver Kollege: Wie kann ich helfen?

Depressionen sind eine Herausforderung. Im Gegensatz zu vielen körperlichen Beschwerden sind die Symptome oft vielseitig interpretierbar. Teilweise wollen die Betroffenen aus falscher Scham nichts unternehmen, in anderen Fällen bringen sie die Kraft kaum noch auf. Ein depressiver Kollege stellt auch sein berufliches Umfeld vor ein Problem: Zum einen wird diese Krankheit immer noch tabuisiert. Zum anderen sind manche Probleme sehr privater Natur und das Verhältnis von Kollegen untereinander nicht zwangsläufig so eng, dass ein Austausch über solche Themen stattfindet. Ein Dilemma: Denn natürlich leiden Arbeitsatmosphäre und Arbeit irgendwann darunter. Wie können Sie helfen? Wir geben Ihnen Tipps im Umgang mit depressiven Menschen am Arbeitsplatz…

Depressiver Kollege: Wie kann ich helfen?

Umgang mit depressiven Kollegen: Viele Unsicherheiten

Neben Rückenschmerzen gelten Depressionen als Volkskrankheit Nummer eins. Und dennoch: Während körperliche Beschwerden und Erkrankungen gesellschaftlich völlig akzeptiert sind, verhält es sich mit psychischen Erkrankungen anders. Man könnte meinen, dass die schiere Häufigkeit des Vorkommens etwas daran ändert, aber leider ist das zumeist nicht der Fall.

Stattdessen herrschen plumpe Vorurteile: Manche denken, dass der Kollege sich einfach nur anstellt. Sich mal zusammenreißen müsste und dann würde alles wieder laufen. Und während bei anderen Erkrankungen bereitwillig äußere Umstände als Ursache gesehen werden, ist es bei psychischen Erkrankungen der depressive Kollege selbst, der für seinen Zustand verantwortlich gemacht wird.

Weil diese Erkrankung nach wie vor so skeptisch betrachtet wird, fällt Erkrankten ein offener Umgang damit sehr schwer. Die Betroffenen haben Angst vor Ausgrenzung. Sie fürchten um ihren Arbeitsplatz, dass sie als weniger leistungsfähig angesehen werden.

Und weil viele sich mit den Symptomen bei Depression nicht auskennen, wird das Thema eher ignoriert. Dabei sollten Arbeitgeber und Kollegen aufmerksam werden, wenn sie langfristige, negative Veränderungen beobachten.

Anzeichen für eine Depression

Eine Depression kann jeden treffen, unabhängig vom Alter, dem sozioökonomischen Status oder der Bildung. Einzelne Symptome müssen noch nichts bedeuten, erst recht nicht, wenn sie vorübergehend auftauchen. Private Probleme können eine Verhaltensänderung bewirken und dazu führen, dass jemand derzeit nicht besonders gut gelaunt ist oder sich zurückzieht.

Bei einem gesunden Menschen haben einzelne Probleme oftmals keine Auswirkungen. Treten jedoch in verschiedenen Bereichen welche auf, können psychische Erkrankungen die Folge sein. Es gibt einige Anzeichen, die für eine depressive Verstimmung beziehungsweise Depression typisch sind:

  • Antriebslosigkeit
  • Niedergeschlagenheit
  • Interessenslosigkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Minderwertigkeitsgefühl
  • Schuldgefühl
  • Pessimismus
  • Schlafstörungen
  • Appetitlosigkeit

Bestimmte Symptome lassen sich von außen natürlich schwerer beurteilen, sofern der Betroffene nicht selbst davon berichtet – etwa Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Die ersten drei Symptome hingegen gehören zu den Hauptsymptomen und lassen sich bei häufigem Kontakt recht gut beobachten beziehungsweise beurteilen.

Wer von seinem Kollegen beispielsweise weiß, dass er üblicherweise ein großer Fußballfan ist und nun bereits seit Wochen oder Monaten kein Interesse mehr an Gesprächen zeigt, ist dies ein Hinweis. Schleppt er sich ebenfalls seit geraumer Zeit scheinbar nur noch unter größter Anstrengung zum Arbeitsplatz, ist die Mimik freudlos und traurig, sind dies weitere Anzeichen.

Achten Sie auch darauf, wie jemand etwas sagt: Ist der Blick in die Zukunft negativ? Gibt er sich ausschließlich die Schuld für sämtliche Fehler im Unternehmen? Alle diese Dinge können Anzeichen dafür sein, dass Sie einen depressiven Kollegen haben. Sofern diese Anzeichen gravierend sind und bereits seit etlichen Wochen beobachtbar sind, besteht die Möglichkeit, dass es sich nicht mehr nur um eine depressive Verstimmung, sondern bereits eine klinische Depression handelt.

In diesem Fall wird auch ein vorsichtiges Nachhaken oder ein Gespräch nichts mehr bewirken. In solchen Fällen wird dringend dazu geraten, einen Arzt aufzusuchen. Als Kollege können Sie hier weiter nichts tun als gut zuzureden, damit der Betroffene sich in professionelle Hände begibt.

Als Arbeitgeber: Depressive Mitarbeiter erkennen

Niemand kann in den Kopf des anderen hineinschauen und es gibt Probleme, die wird ein Betroffener eher für sich behalten – etwa eine schwierige Kindheit. Es gibt allerdings Auslöser für Depressionen, die einem Arbeitgeber nicht ohne Weiteres verborgen bleiben dürften.

So etwa der Tod eines nahen Angehörigen, eine schwere Krankheit oder Unfall, eine Scheidung. Nehmen Sie körperliche Veränderungen wie eine schnelle Gewichtszunahme oder einen drastischen Gewichtsverlust wahr, können dies ebenfalls Anzeichen für eine Depression sein.

Als Arbeitgeber unterliegen Sie der Fürsorgepflicht gegenüber Ihrem Mitarbeiter. Die gilt im besonderem Maße im beruflichen Umfeld, denn eine Depression hat nicht zwangsläufig ihre Ursache in privaten Problemen. Ausgelöst werden kann sie ebenfalls durch:

Ebenso gut kann es aber auch hochmotivierte Mitarbeiter treffen: Wer besonders hohe Ansprüche an sich selbst stellt und immerzu perfektionistisch an seine Aufgaben herangeht, läuft ebenfalls Gefahr, kontinuierlich seine Grenzen zu überschreiten und an einem Burnout oder einer Depression zu erkranken.

Führungskräfte sollten daher nicht nur nach besonders niedergeschlagen wirkenden Mitarbeitern Ausschau halten. Auch wer ständig gehetzt wirkt, hat womöglich ein Problem mit der Bewältigung seiner Aufgaben. Neben der Überprüfung, ob der Umfang der Aufgaben objektiv gewachsen ist und gegebenenfalls umverteilt werden muss, kommt dem Zeitmanagement hier eine wichtige Rolle zu.

Nur wer richtig priorisieren kann, wird dauerhaft Probleme aufgrund von Überarbeitung vermeiden können. Sofern ein Unternehmen sich nicht gezielt einen Leitfaden zum Umgang mit depressiven Mitarbeitern erstellt hat, gibt es darüber hinaus wenig, das Führungskräfte tun können.

Die oben geschilderten Anzeichen zu erkennen, ist eine Sache. Damit sich ein Mitarbeiter von selbst öffnet, ist Vertrauen notwendig. Das erlangen Vorgesetzte aber nur, wenn sie über ein jährliches Feedbackgespräch hinaus sich für ihre Mitarbeiter interessieren und das über einen gewissen Zeitraum hinweg.

Wie kann ich helfen?

Aufgrund einer immer höheren Belastung wächst die Anzahl derer, die eine psychische Erkrankung haben. Damit wächst auch die Wahrscheinlichkeit, irgendwann einen depressiven Kollegen im eigenen Team zu haben.

Gerade für solche Menschen, die noch keinerlei Erfahrung mit psychischen Erkrankungen gemacht haben, kann der Umgang mit depressiven Kollegen am Anfang ungewohnt sein. Wie verhalte ich mich richtig? Hilfsbereitschaft signalisieren und den Kollegen ansprechen?

Oder lieber in Ruhe lassen, weil es sich um ein intimes Thema handelt? Pauschal lässt sich diese Frage nicht beantworten, denn ein gewisses Fingerspitzengefühl ist notwendig. Ob Sie ihren Kollegen ansprechen, hängt zum Beispiel davon ab, wie gut Sie ihn kennen und wie eng das Verhältnis ist.

Andererseits kann falsche Rücksichtnahme dazu führen, dass ein Betroffener erst recht in eine Depression abgleitet. Zurückhaltung mag zwar den meisten Menschen lieber sein, kann aber das Falsche bewirken. Andersherum bedeutet eine rechtzeitig erkannte Depression oftmals schnelle Linderung und kann verhindern, dass es zum Äußersten kommt.

Wer seine Beobachtungen anspricht, stößt im Idealfall bei einem depressiven Kollegen den notwendigen Reflexionsprozess an. Dieser erkennt nun, dass professionelle Hilfe angezeigt ist, wenn bereits Außenstehenden Veränderungen auffallen.

Hier fünf Tipps, was Sie tun können:

  • Fragen Sie sich selbst.

    Wie würden Sie behandelt werden wollen? Würden Sie sich freuen, wenn jemand ein freundliches Wort an Sie richtet? Eine nette kleine Geste – ein kleines Blümchen für den Bürotisch, eine kleine Packung Pralinen mit einem netten Kärtchen können schon aufmunternd wirken. Machen Sie ein Angebot, dass sich Ihr Kollege gerne nach Feierabend mit Ihnen näher unterhalten kann, vielleicht gehen Sie gemeinsam etwas trinken oder spazieren.

  • Wählen Sie eine passende Gelegenheit.

    Da das Thema nicht ganz einfach ist, sollten Sie in jedem Fall den passenden Moment abpassen. Ist das Verhältnis so eng, dass Sie auch privat miteinander verkehren, sollten Sie ihn in keinem Fall am Arbeitsplatz ansprechen. Für so ein Gespräch ist ein geschützter Raum notwendig, das heißt, Ihr Gegenüber muss das Gefühl haben, sich Ihnen anvertrauen zu können, ohne dass eine dritte Person hineinplatzt oder er befürchten muss, dass andere Kollegen mithören. Denkbar ungeeignet für so ein Gespräch ist daher die Kantine, die Büroküche oder die Toilette, also Räume mit viel Durchgangsverkehr.

  • Sprechen Sie Unsicherheit an.

    Wenn Sie sich unsicher sind, wie Sie ihren depressiven Kollegen ansprechen sollen, dann ist ein erster Schritt, diese Unsicherheit direkt anzusprechen, zum Beispiel könnten Sie sagen: Hallo Tom, mir ist bereits vor einer Weile aufgefallen, dass Du so still geworden bist. In der Kantine beteiligst Du Dich schon länger nicht mehr an unseren Gesprächen, selbst zum Fußball magst Du nichts mehr sagen. Ich kenne mich in dem Bereich nicht so gut aus, aber auf mich wirkt das schon nicht mehr nur ein bisschen traurig.

  • Bitten Sie um Erklärung.

    Wenn Ihr Kollege sich öffnet und zu verstehen gibt, dass er depressiv sei, könnten Sie sich das erklären lassen: Ich habe so etwas selbst noch nicht erlebt, kannst Du mal beschreiben, wie sich das anfühlt? Mir fällt es schwer, mir das vorzustellen, da ich das Wort ‚depressiv‘ gar nicht mit Inhalt füllen kann.

  • Stellen Sie Hilfsangebote vor.

    Weder die Führungskraft noch der Kollege können Ersatz für einen Psychotherapeuten sein. Sofern Sie den Eindruck gewinnen, dass der Kollege ernsthaft depressiv ist, sollten Sie auf verschiedene Hilfsangebote verweisen. Das kann – sofern vorhanden – der Betriebsarzt oder eine Vertrauensperson sein, mit dem oder der ein erstes Gespräch geführt wird. Daneben gibt es verschiedene externe Hilfsstellen, die bei der Deutschen Depressionshilfe in Erfahrung gebracht werden können.

[Bildnachweis: Syda Productions by Shutterstock.com]
10. Juli 2018 Autor: Anja Rassek

Anja Rassek studierte u.a. Germanistik an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Sie arbeitete danach beim Bürgerfunk und einem Münsteraner Verlag. Bei der Karrierebibel widmet sie sich Themen rund ums Büro, den Joballtag und das Studium.

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