Gestern ging das schon bei Google+ (Danke für den Hinweis, Adrian Knoth) rum. Aber es ist zu schön, um nicht archiviert zu werden. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ist das nicht echt, denn diese Bewerbung tauchte so ähnlich schon im April 2005 in Blogs auf. Macht aber nix – ich würde die junge Frau trotzdem kennenlernen und zum Bewerbungsgespräch einladen wollen. In meinen Augen ist das wirklich eines der originellste Bewerbungsschreiben für einen Ausbildungsplatz. Frech, frisch, witzig, originell – und dennoch sehr sympathisch. Und deshalb wirkt es auch. Aber lesen Sie selbst…
Sehr geehrte Damen und Herren,
ich an Ihrer Stelle wäre echt voll genervt, wenn ich täglich unzählige Bewerbungen lesen müsste, die alle mit “Hiermit bewerbe ich mich…” anfangen. Ich frage mich sowieso, wer sich bei der heutigen Lage auf dem Ausbildungsmarkt noch eine ernsthafte Bewerbung erlauben kann, denn 50 Bewerbungen und 50 Absagen sind nicht wirklich das Gelbe vom Ei. Meine Mama sagt immer: “Kind, geh schaffe und bring Kohle bei…!” Aber Sie wissen ja bestimmt wie Mamas so sind, Sie haben sicher auch eine. Na ja, man muss sie verstehen, Mama will schließlich nur das Beste für mich.
Fakt ist, ich suche einen Ausbildungsplatz auf jeden Fall als Tourismuskauffrau, und ich will zu Ihnen. Seit zwei Jahren möchte ich eigentlich nichts anderes. Noch besuche ich die 10. Klasse der Geschwister-Scholl-Realschule in Nürnberg, die ich – so Gott will und das will er – 2012 mit der Fachoberschulreife abschließen werde.
Einen IQ habe ich auch, nur in Mathematik nicht. Aber wer will denn schon wissen, wie hoch die Cheops-Pyramide auf den Millimeter genau ist (sie ist SEHR hoch!)? Auf der anderen Seite kann ich Ihnen natürlich mit Excel problemlos ausrechnen, wie viel Säcke Reis in China jährlich umfallen und mit Power Point eine voll animierte Präsentation des Lebens der gemeinen Schmeißfliege im 13. Jahrhundert erstellen. Und bei Bedarf kann ich auch einem Engländer eine Brücke verkaufen. Mit einem wundervollen Ausblick auf den Rhein.
Wenn Sie mit dem Lesen bis hierhin gekommen sind und sich immer noch nicht dafür entschieden haben, mich zu einem Vorstellungsgespräch einzuladen, dann dürfen Sie meine Bewerbung gerne ausdrucken und einen Papierflieger basteln. Mal ganz im Ernst, heutzutage schreibt doch fast jeder, der eine Ausbildung sucht, eine Bewerbung mit dem Gedanken, dass er sowieso eine Absage bekommt, bei mir wird’s wenigstens ein Papierflieger.
Auf Wunsch schicke ich Ihnen natürlich auch noch eine dieser langweiligen Standardbewerbungen (… hab ich alles gelernt) und natürlich auch mit Foto. Bis ich im August 2012 bei Ihnen anfangen kann, habe ich mich auch noch zeugnismäßig mächtig ins Zeug gelegt. Schließlich möchte ich auch ein wenig glänzen.
Bis demnächst (hoffentlich), jetzt liegt es an Ihnen. Oh Gott, was soll ich anziehen?
Mit freundlichen Grüßen
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Claudia
WOW, definitv einen Bewerbung, die nicht im grauen Einheitsbrei untergeht. Alleine für das Dauergrinsen, dass mir diese Bewerbung beschert hat, würde ich die junge Frau einladen…
Julian Hein
Ich denke das ist eine gute Idee, weil sie viele Personaler, schon alleine aus Neugier, kennen lernen wollen. Nur da muss sie dann auch genauso delivern. Aber wenn sie sich nicht zu sehr verstellt hat, dann würde ich ihr schon sehr gute Chancen attestieren.
|TP|
Wunderbar – sehr gelungene Bewerbung. Ich sehe hier nur die Gefahr, dass sich durch eine derart unorthodoxe Bewerbung eine gewisse Erwartungshaltung beim Personaler aufbauen könnte, an der der Kandidat beim Interview evtl. scheitert…
Paul
also das ist mal eine etwas andere bewerbung, einladen würde ich sie auf jeden Fall, weil sowas neugier weckt.
Man sollte nur nicht an einen Personaler ohne Humor geraten, sonst geht sowas nach hinten los.
VolkerMe
Leider ist der Beitrag bei G+ nicht mehr auffindbar.
Hancha
Smart die Kleine! Einladen und wahrscheinlich sogar einstellen würd ich sie! Vorausgesetzt sie ist authentisch! :)
Gabriele
Hm, tolle Bewerbung, die Frau würde ich gerne mal kennenlernen. Ich sage allerdings mit Bedacht “Frau”, denn dass ein sechzehnjähriges Mädchen diesen durch und durch perfekt-unorthodox getexteten Brief selbst geschrieben hat, bezweifle ich sehr.
Keylogger
Wow, was für eine geile Scheiße! – (Ist positiv gemeint..sowas wie Krass, R.E.S.P.E.C.T. usw…)
P.S.: Besonders die Passage mit dem Papierflieger hat mir bsonders gut gefallen, muss ich unbedingt übernehmen.
Thorsten
und vor allem stammt diese Bewerbung nicht aus der Feder eines kleinen Mädchens… Spätestens im Gespräch wird das auch dem dümmsten Personaler auffallen.
PR-Gag, aber wirklich gut?
Phil
Ich würde sie mir angucken. Und was das Thema “authentisch” betrifft, meiner 16jährigen Nichte (coole Bloggerin) traue ich durchaus solch ein Schreiben zu. Weshalb auch nicht der Papierfliegerin? ,-)
Jochen Mai
Im Grunde ist es schon fast egal, ob dieses Bewerbungsschreiben ein gutgemachter Fake ist – oder echt: Die Reaktionen hier wie auf Facebook, Twitter oder Google+ sprechen eine eindeutige Sprache: “Genial, die würde ich einladen…!” Wir lernen daraus also mindestens: Ein solches Schreiben – weit ab von der Norm – würde in den meisten Fällen positiv ankommen. Natürlich haben auch die Bedenkenträger recht, dass die Bewerberin anschließend die Erwartungen erfüllen muss. Aber das muss jeder, der eingeladen wird. Und diese Hürde wäre damit eben genommen.
Das Beispiel zeigt aber auch: Mut wird belohnt – und Frechheit siegt.
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Houdini
Nürnberg!!! Ich glaube das Reisebüro hat damit auch ne Super Werbung in eigener Sache… Nur ist diese Veröffentlichung nach ACTA überhaupt noch erlaubt?!?
M.Heupel
Herr Mai, Sie treffen es auf den Punkt. Arbeite seit 5 Jahren mit SGB Kunden im Coaching und im Bewerbungstraining, genau das, was alle Kriterien für “AIDA” enthält und wird von mir jetzt im Unterricht benutzt. Ihre Chance hätte sie.. keine Frage verdientermaßen !
Werner
Super!! Wenn diese bewerbung nicht auffällt..? Aber ob sie auch zum Erfolg führt..? Tja. da bin ich mir nicht sicher. Ein Versuch scheint es mir aber wohl mal wert! ;-)
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