Sturmtief Andrea fegt über Deutschland und zeitweise sah es heute draußen so aus, als überlege sich die Welt noch, ob sie lieber untergehen oder im Regen ersaufen wolle. Nur was passiert derweil drinnen?

Immer wieder wird dem Wetter nachgesagt, es nehme Einfluss auf unsere Stimmung, Motto: Ist es draußen trübe, grassiert auf drinnen der Trübsinn; scheint dagegen die Sonne, hellt sich prompt auch unsere Laune auf. Aber stimmt das? Nein. Oder, laut einer Studie, allenfalls ein bisschen.

Man mag es nicht recht glauben, doch macht es das nicht weniger wahr: Im Vergleich zu anderen Faktoren – Chef, Kollegen, Stress – nimmt das Wetter allenfalls bescheidenen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Auch wenn viele Menschen vom Gegenteil überzeugt sind. Doch das ist falsch, hat beispielsweise der niederländische Psychologe Marcus Huibers in einer umfassenden Studie und mittels 14.500 Probanden ermittelt. Danach gibt es keinerlei kausalen Zusammenhang zwischen Schön- beziehungsweise Schlechtwetterperioden und der jeweiligen Laune.

Zu einem vergleichbaren Ergebnis kam schon vor einiger Zeit Jaap Denissen von der Humoboldt Universität. Demnach machen Sonnenschein und hohe Temperaturen die Leute weder glücklicher, noch schlägt uns das Grau in Grau draußen schwer aufs Gemüt. Allenfalls ein bisschen:

On average the weather had no effect on people’s positive moods. In other words more sunlight, less wind or a higher average temperature didn’t make people feel happier. On the other hand the study did find that the weather affected people’s negative moods. For example, less sunlight was associated with greater tiredness. But, while the weather may have the potential to make us feel worse, the effects measured in this study were tiny: almost too tiny to be noticed. It seems low temperatures, wind and rain may bring us down a little but not as much as we might have thought.

Und nun gibt es auch noch ein Studie von Theo Klimstra und seinen Kollegen, die das Ganze 2011 noch mal mit ihren knapp 500 Probanden (Teenager und ihre Mütter) getestet haben. Ergebnis:

  • Etwa der Hälfte der Versuchsteilnehmer war es schlichtweg egal, welche Kapriolen das Wetter draußen schlug. Auf ihre Stimmung hatte das jedenfalls Null Einfluss.
  • Dann gab es noch die Sommertypen. Man könnte auch sagen: Sonnenanbeter. Ihre Laune verschlechterte sich bei Regen ein wenig (15 Prozent von den Teenagern und 30 Prozent der Mütter waren davon betroffen).
  • Oder die Regenhasser. Sobald der Himmel seine Pforten öffnete, vermieste ihnen das die Stimmung, aber eben auch nur ein bisschen – und betroffen waren davon gerade einmal 8 Prozent der Teenager und 12 Prozent der Mütter.

Kurzum: Einerseits reagieren die Menschen völlig unterschiedlich, meistens aber gar nicht auf eine veränderte Wetterlage. Und jene, die darauf reagieren, zeigen keine besonders großen Veränderungen. Im besagten Versuch stellten die Forscher sogar eher fest, dass die Teenager wesentlich stärker durch die Stimmungsschwankungen ihrer Mütter beeinflusst wurden.

Also kein Grund auch beim morgigen Blick nach draußen Trübsal zu blasen.